Raumfahrt | 28. Juni 2018 | von Jan Oliver Löfken

Von Stuttgart auf die ISS: Der beschwerliche Weg eines Studentenexperiments

Quelle: KSat e.V./Sandro Schönhoff
Team PAPELL mit NASA-Administrator Jim Bridenstine (Mitte)

Nicht nur für uns Mitglieder im DLR-Missionsteam ist die horizons-Mission eine aufregende Sache. Auch für drei Gruppen von Studierenden der Unis Stuttgart, Duisburg-Essen und Frankfurt bedeutet sie eine spannende Zeit. Sie haben den Überflieger-Wettbewerb gewonnen, der 2016 vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) ausgeschrieben wurde. ##markend##

Von einer Expertenjury, in der auch der ehemalige deutsche Astronaut Gerhard Thiele vertreten war, wurden sie zum Sieger gekürt. Die drei Teams dürfen ihre eigenen Experimente zur ISS schicken. Das Besondere dabei ist, dass sie die Experimente selber designen und bauen. Als Krönung bekommen jeweils vier Teammitglieder die Möglichkeit, den Raketenstart ihres Experiments vor Ort zu erleben.

Seit Frühjahr 2017 arbeiten die Studierenden neben ihrem regulären Studium also an der Fertigstellung der Experimente. Ein erster Prototyp wurde im Herbst 2017 für Tests in die USA geschickt. Deren Ergebnisse halfen, das finale Design zu erstellen und die Hardware für den Flug ins All fertigzustellen. Eine besondere Herausforderung ist, dass jedes Experiment jeweils in eine Box von gerade mal 10 x 10 x 15 Zentimetern Größe passen muss und nur einen handelsüblichen USB-Anschluss als Verbindung zur ISS hat. Dabei haben die Studierenden einiges darüber gelernt, miniaturisierte und besonders energieeffiziente Systeme zu bauen. Neben den technischen Aspekten gab es auch viel über die organisatorischen und logistischen Abläufe zu lernen. So ist es zum Beispiel gar nicht so einfach, Lithium-Ion-Batterien per Luftfracht über den großen Teich zu verschicken.

Quelle: KSat e.V.
Die Studierenden von Team PAPELL im Austausch mit Rick Mastraccio (links)

Das Team "PAPELL" (Pump Application using Pulsed Electromagnets for Liquid relocation) aus Stuttgart lieferte ihr Experiment als erstes nach Houston. Mit ihm wird eine neuartige Pumpentechnologie, die zum Beispiel für die Treibstoffversorgung auf Raumfahrtmissionen zum Einsatz kommen könnte, untersucht (mehr zum Experiment). Nachdem der Start bereits mehrfach verschoben worden war, sollte es nun mit dem Flug OA-09 am 20. Mai 2018 zur ISS fliegen. Voller Freude planten die Teammitglieder ihre Reise zum Startort Wallops Island, Virginia. Neben den vier gesponserten Teilnehmern wollten weitere 16 Studierende, größtenteils selbstfinanziert, mit vor Ort sein. Ich als Leiter des Überflieger-Programms durfte sie dorthin begleiten. Als alle bereits auf gepackten Koffern saßen, schlug das Schicksal zu. Gerade einmal vier Tage vorm Start entschied die NASA, das Experiment nicht zur ISS zu fliegen, da noch Fragen zu den verwendeten Batterien - ein ewiges Thema - offen waren. Da war die Enttäuschung beim Team groß. Fürs Stornieren der Flüge war es zu spät. Also entschied man sich, die Reise trotzdem anzutreten. Neben dem beeindruckenden Nachtstart der Antares-Rakete - dann doch erst am 21. Mai - erlebten die Studierenden ein Meet-and-Greet mit dem neuen NASA-Chef und einen netten Austausch mit dem ehemaligen Astronauten Rick Mastracchio. Außerdem besuchte der leitende NASA-ISS-Manager  die Gruppe noch nachts im Hotel, um mit ihnen über die Entscheidung zu reden und wichtige Erfahrungen zu teilen. Abschluss waren Besuche in den sehr interessanten Raumfahrtmusseen in der US-Hauptstadt. So reiste die Gruppe nach ein paar Tagen zwar ohne Experiment auf der ISS, aber mit einigen Erfahrungen mehr und doch glücklich wieder ab.

Quelle: KSat e.V./Adrian Causevic
Start von OA-09 am 21. Mai 2018 um 4:44 Uhr EDT

Inzwischen wurden die technischen Probleme gelöst und das PAPELL-Experiment soll nun, zusammen mit dem zweiten Überflieger-Experiment ARISE morgen, am 29. Juni, mit dem Flug SpX-15 in Florida starten. Neben dem ARISE-Team aus Duisburg-Essen wird dann auch wieder eine (diesmal leider) kleine Delegation aus Stuttgart dabei sein.
In meinem nächsten Beitrag werde ich dann berichten, ob die Experimente gut angekommen sind und was sie eigentlich auf der ISS machen.

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Über den Autor

Johannes Weppler arbeitet seit 2012 beim DLR Raumfahrtmanagement in der Abteilung „Bemannte Raumfahrt, ISS und Exploration“. Dort betreut er das ISS-Betriebsprogramm, die nationale Nutzung der Station und den europäischen Beitrag zum neuen U.S.-amerikanischen Crew-Raumschiff Orion. zur Autorenseite