Raumfahrt | 22. Februar 2016 | von Philipp Burtscheidt

Am Anfang steht der In-Orbit-Test

Quelle: DLR (CC-BY 3.0)
Antenna Mapping

Wie schon im letzten Beitrag beschrieben, findet gerade der In-Orbit-Test statt. Und das wird noch mehrere Wochen dauern. Ein sehr wichtiger Test ist dabei das "Antenna-Mapping". Hierbei geht es darum, herauszufinden in welcher Richtung die Antennen wie stark abstrahlen und ob die Abdeckung am Boden den Erwartungen und Berechnungen entspricht. Hier spielen verschiedene Dinge herein. Zuerst, wieso "Antenna"? Es geht doch um einen Laser!

Schon richtig, aber Antennen gibt es auch. Nur die Übertragung zwischen Kundensatellit zum Relais-Satellit findet per Laser statt. Für die Übertragung von und zur Bodenstation geht das nicht so einfach. Der Laser kann z.B. nicht durch Wolken hindurchstrahlen. Also verwendet man für die Strecke zum Boden eine herkömmliche Funkverbindung über die sogenannte Feeder Link Antenne im "Ka-Band". Dieser Begriff steht für Frequenzen zwischen 27 und 40 Gigahertz. UKW-Rundfunk wird bei etwa 100 Megahertz übertragen, Handys senden bei etwa 2 Gigahertz. Je höher die Frequenz, desto mehr Daten lassen sich übertragen, man spricht von einer höheren Bandbreite. Eine der großen Antennenschüsseln des EB9B-Sateliten ist für die Übertragung zum Boden reserviert. Zusätzlich gibt es für EDRS-Zwecke noch eine weitere, schwenkbare Ka-Band Antenne - die Ka-ISL Antenne - für Verbindungen zu Satelliten, die keinen Laser an Bord haben.##markend##

Beide Antennen am Satelliten wurden nun vermessen. Das wurde zwar schon am Boden getan, aber es muss im Weltraum erneut passieren, da sich die "Antennenschüsseln" in der Schwerelosigkeit und nach dem Durchrütteln bei Start ein wenig verformt haben könnten. Man wird später im Betrieb von mindestens zwei verschiedenen Antennenstandorten Signale vom Satelliten empfangen können. Das sind die sogenannten Ankerstationen in Weilheim und Harwell (England). Die übertragenen Daten werden bei EDRS-A über diese beiden Antennen empfangen und dem Kunden zur Verfügung gestellt. Und es ist auch geplant, dass zukünftige Kunden ihre eigenen Bodenstationen verwenden können. Hierbei soll es möglich sein, Antennenorte von der Türkei bis nach Portugal abdecken zu können. Aus diesen Positionen muss es überall möglich sein, das Signal genügend stark empfangen zu können. Daher ist es enorm wichtig, dass die Antennenabdeckung genau bestimmt wird.

Während des Tests wird aber eine zusätzliche Antenne in Redu (Belgien) benützt. Diese Antenne ist mit speziellen Messvorrichtungen für den Test ausgestattet. Sie wird später auch für EDRS-C benutzt.
 
Damit man nicht in ganz Europa mit Messgeräten herumfahren muss, macht man es andersherum: Man schwenkt den ganzen Satelliten und misst mit nur einer Messantenne von einem Standort; in unserem Fall ist das Redu in Belgien. Der Test muss natürlich abgeschlossen sein, bevor der reguläre Betrieb des Satelliten aufgenommen wird. Glücklicherweise muss auch der Satelliteneigentümer Eutelsat seine eigenen Antennen auf dem EB9B vermessen und ist somit auch noch eine Weile mit Tests beschäftigt. Danach, so der Plan, wird der Satellit 15 Jahre lang unbeweglich in der Umlaufbahn verharren.

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