Raumfahrt | 09. August 2018 | von Philipp Burtscheidt

Immuno-2: Erforschung des Immunsystems bei Mikrogravitation

Quelle: DLR (CC-BY 3.0)
Infografik: Das Experiment Immuno-2 auf einen Blick

Wir erleben alle Stress in unserem Alltag. Er kann das Immunsystem beeinträchtigen und zu Erkrankungen führen - sowohl auf der Erde als auch im Weltraum. Viele Astronauten leben über einen längeren Zeitraum unter rauen Bedingungen im Weltraum und kehren nicht zuletzt deshalb in schlechtem Gesundheitszustand von ihren Missionen zurück.

Auf der Erde leiden gesunde und insbesondere schwer kranke Menschen aufgrund ähnlicher Stressfaktoren unter Beschwerden, was erhebliche sozioökonomische Auswirkungen hat: Die wirtschaftlichen Ausfälle durch Arbeitsunfähigkeit - oft aufgrund psychischer Erkrankungen - betrugen 2015 allein in Deutschland 113 Milliarden Euro.##markend## Um stressbezogene Krankheiten besser zu verstehen und Forschern zu helfen, effektive Gegenmaßnahmen zu entwickeln, untersucht das Experiment Immuno-2 auf der Internationalen Raumstation ISS die Mikrogravitation, Strahlung, hohe Arbeitsbelastung und die Störung des Schlafrhythmus´ als Stressfaktoren, die das Immunsystem beeinflussen. In einer Kombination aus biochemischer Analyse und psychologischen Tests stellen Astronauten ihre Blut-, Speichel- und Haarproben zur Verfügung, um ihre Hormonespiegel und das Stressniveau vor, während und nach der Mission zu analysieren. Sie werden auch per Elektroenzephalographie (EEG) untersucht, um die Hirnaktivität zu überwachen.

Die ISS bietet eine ideale Testumgebung, in der all diese Stressfaktoren in einem einzigartigen Labor zusammenspielen. Durch den Vergleich der Ergebnisse im Weltraum mit denen von Studien zu Isolation und Bettruhe auf der Erde, gewinnen Wissenschaftler tiefere Einblicke in die individuellen Faktoren, die das Immunsystem ausbalancieren. Sie helfen so dabei, Astronauten so auf längere Missionen vorzubereiten, damit ihre Gesundheit optimal geschützt wird. Es hilft auch den Ärzten, die Behandlung stressbezogener Krankheiten wie Burnout zu verfeinern und therapeutische Maßnahmen für Intensivstationen zu entwickeln, bei denen das Immunsystem der Patienten anfälliger für Infektionen ist.

Für Wissenschaft und Gesellschaft

Immuno-2 ist eins von 41 deutschen Experimenten, die als Teil der Mission horizons 2018 auf der ISS durchgeführt werden und trägt zu drei nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinigten Nationen bei: Gesundheit und Wohlergehen (3), menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum (8) sowie Industrie, Innovation und Infrastruktur (9). Die Ziele sind Teil der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung, die 2015 als Aktionsplan für Menschen, Erde und Wohlstand von den Vereinigten Nationen beschlossen wurde.

Weitere Infografiken zu horizons-Experimenten auf DLR.de

 

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Über den Autor

Philipp Burtscheidt arbeitet in der Kommunikation des DLR seit April 2015. Bereits während seines Studiums an der Technischen Hochschule Köln gehörte er zum Team und unterstützt es seit Anfang 2016 in Vollzeit als Online-Redakteur in der DLR-Abteilung "Politikbeziehnungen und Kommunikation". zur Autorenseite