Raumfahrt | 02. Oktober 2018 | von Jan Oliver Löfken

MASCOT - Nur noch wenige Stunden bis zur Separation

Quelle: DLR (CC-BY 3.0)
Ready for #asteroidlanding - das MASCOT-Kontrollzentrum in Köln.

Vor ungefähr sieben Jahren, als der MASCOT (MSC)-Lander seine "ersten Schritte" in Form einer CAD-Zeichnung machte, da war dieser Moment - zumindest für einige von uns - noch unvorstellbar. Im Kontrollraum zu sitzen und den langsamen Abstieg des Hayabusa2 (HY2)-Raumschiffs, das unser kleines Landepaket trägt, durch die zurückgesendeten Housekeeping-Daten zu verfolgen. Und doch ist es nun so weit.##markend##

Nun sitzen wir hier am Nutzerzentrum für Weltraumexperimente (MUSC) in Köln ganz bedächtig neben einander. Es ist sehr ruhig. Am Hauptpult der Operationsmanager, dann die DLR- und CNES-Subsystemexperten an ihren Pulten: System Engineering, Energieversorgung, Thermal, Kommunikation, Bordcomputer, Bodensegment. Sie alle blicken auf ihre Bildschirme und verfolgen die zurückgesendeten Housekeeping-Daten, die MASCOT "nach Hause" schickt. Jeder von ihnen trägt ein Headset für den ständigen Austausch mit den zwei MASCOT-Kollegen, die als Liaisons im 9350 Kilometer entfernten japanischen Sagamihara stationiert sind. Denn dort ist das Kontrollzentrum der JAXA. Von hier wird das HY2-Raumschiff gesteuert und die abgehenden Kommandos und einkommenden Daten verarbeitet.

Quelle: DLR
Quelle: DLR
Quelle: DLR
Die Entwicklung des MSC-Konzepts bis zum endgültigen Design.

Hier sitzt das HY2-Team, und darunter für wenige Wochen auch zwei "MASCOTchen" von uns. Sie sollen vor Ort das MASCOT-Projekt repräsentieren, den Datenaustausch validieren, unsere Anfragen und Antworten an das HY2-Team weitergeben und manchmal auch etwas zu der dortigen Stimmung oder der Wetterlage berichten. Dazu gehören auch Rückmeldungen wie: "Sie reden gerade über MASCOT. Zumindest vermute ich das, da sie Japanisch sprechen..." "Ich habe noch nie so viel Regen in meinem Leben gesehen wie heute!"

Ja, das war auch was. Da hatte uns das Wetter doch wenige Tage vor der Landung einen Strich durch die Rechnung gemacht. So meldete sich Supertaifun TRAMI vor etwa einer Woche an, und fegte in den letzten zwei Tagen mit Rekordwinden und -regen über Japan hinweg. Neben der Auswirkung auf die japanische Infrastruktur wie Stromversorgung, Bus-, Bahn- und Flugbetrieb war auch die Kommunikation mit HY2 über die USUDA-Antenne stark beeinträchtig. Somit mussten auch die MSC- und HY2-Teams die letzten Vorbereitungen für die Landung zeitlich verschieben und auf die amerikanische (Goldstone) oder australische (Canberra) Antenne ausweichen.

Aber auch das haben wir nun hinter uns gebracht, haben die letzten Kommandos und Parameter nach oben geschickt und MASCOT für das bevorstehende Abenteuer vorbereitet. Jetzt können wir nur noch "warten" - warten auf die Daten, die uns mitteilen, dass "oben" alles nominal arbeitet, und wir somit unsere "GOs" für den jeweils nächsten Schritt bis hin zur Separation geben können. Bis dahin wird sich der Nebenraum mit weiteren Experten zur Mobilität, Lageregelung, den wissenschaftlichen Teams der vier Instrumente (MASCAM, MMEGA, MASMAG und MARA) und japanischen Liaisons füllen. Alle in freudiger Erwartung, wie unser kleiner Lander nun seine ersten Schritte auf dem Asteroiden Ryugu macht. Sicherlich werden wir ihn innerlich anfeuern, ermutigen und loben. Aber wir müssen auch "loslassen", damit er seinen eigenen Weg gehen kann.

Die aktuellesten Informationen rund um die Separation und Landung von MASCOT auf dem Asteroiden Ryugu gibt es auf @MASCOT2018.

Weitere Informationen:

 

 

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Über den Autor

Dr. Tra-Mi Ho arbeitet am DLR-Institut für Raumfahrtsysteme in Bremen und ist die Projektmanagerin des Landers MASCOT. Zu ihren Aufgaben gehört es, ein großes, internationales Team unter einen Hut zu bringen, Lösungen zu finden und alle zufrieden zu stellen. Und nicht zuletzt: Dafür zu sorgen, dass alle gemeinsam ihr Ziel erreichen - eine erfolgreiche Landung auf dem Asteroiden Ryugu. zur Autorenseite