Raumfahrt | 02. November 2018 | von Jean-Pierre Paul de Vera

Expedition GANOVEX 13: Anreise und Standby in Tasmanien -Teil 1

Quelle: DLR (CC-BY 3.0)
Sicht vom Mount Wellington auf den Meeresarm bei Hobart (Tasmanien)

Obwohl das Eis in der Antarktis nahezu den gesamten Kontinent bedeckt, gibt es im ewigen Eis trotzdem Gebiete, die für die Planetenforschung von höchstem Interesse sind. Diese Regionen werden oft wegen geologischer bzw. geomorphologischer Ähnlichkeiten, wegen der tiefen Temperaturen, der höheren UV-Einstrahlung sowie extremen Trockenheit als analoge Gebiete zu Mars oder gar Eismonden von Jupiter und Saturn bezeichnet. Bisher sind insbesondere aufgrund intensiver jahrzehntelanger Forschungskampagnen durch die NASA die Trockentäler der Dry Valleys in der Antarktis bekannt. Für die Expedition GANOVEX 13 unter der Leitung des BGR (Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe) sind Ende Oktober 2018 zwei Forscher des DLR-Instituts für Planetenforschung in Berlin in Richtung Südpol aufgebrochen, um für die internationale Planetenforschung noch unbekannte antarktische Gebiete zu erkunden und gemäß ihrer geologisch-geomorphologischen Besonderheiten mit Strukturen auf dem Mars zu vergleichen. Sobald eindeutige Mars-analoge Gebiete vom Geologen Ernst Hauber klassifiziert wurden, wird der Astrobiologe Jean-Pierre de Vera in diese Regionen vordringen, um dort Proben für das nächste Weltraumexperiment BIOSIGN (Biosignatures and habitable Niches) sowie für Experimente im Mars-Simulationslabor am Berliner Standort Adlershof zu sammeln und mit Spezialkameras und Spektrometer diese Instrumente testen. Damit wollen sie herausfinden, ob neben der Mineralogie vorhandenes Leben in diesen extremen Gebieten detektiert werden kann. Wenn die Instrumente den Test bestehen, könnten sie bei zukünftigen Missionen für die Suche nach Leben auf dem Mars oder gar der Eismonde von Jupiter und Saturn eingesetzt werden.##markend##

Nun ist es soweit: Die Antarktis-Expedition GANOVEX 13, die von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) ausgerichtet wird und in deren Rahmen wir vom DLR unsere Mars-analogen Studien im Südpolarbereich fortführen wollen, hat am 27. Oktober 2018 begonnen. Weit über 30 Stunden haben unsere Flüge nach Hobart in Tasmanien gedauert. Nachdem der erste Flug von Berlin erst in die entgegengesetzte Richtung nach London Heathrow erfolgte, traten Ernst und ich den zweiten beziehungsweise auch dritten Flug nach Sydney über eine Zwischenstation in Singapur an. In Sydney kam für mich der erste Schock beim Aussteigen aus der Maschine.

Vom Flugpersonal wurde ich namentlich ausgerufen, und als ich am Ausgang der Maschine angelangt war, eröffnete mir eine Angestellte von British Airways, dass ein Teil meines Gepäcks noch in Heathrow zurückgeblieben sei, und ich mich, nachdem ich mein verbliebenes Gepäck in Empfang genommen hätte, direkt bei der Gepäckreklamation melden solle. Glücklicherweise war das somit schon vorher aufgefallen und ich konnte zumindest darauf vertrauen, dass man genau wusste, wo sich das Gepäck befand und es nicht komplett verloren gegangen war. Als ich am Gepäckband dann nur meine AWI-Ausrüstungstasche in Empfang nehmen konnte, wusste ich, dass der Expeditionsrucksack mit meinen zwei wichtigen Probenboxen sowie meinen persönlichen Sachen nicht angekommen war.

Glücklicherweise war das Personal an der Gepäckreklamationsstelle sehr freundlich und gab sehr gut Auskunft über den Verbleib meines Gepäcks und die voraussichtliche Dauer, wann das bis zu meinem Zielort weitergeleitet werden würde. Ich erhielt einen Nachverfolgungs-Code und eine Telefonnummer und konnte dann meinem Kollegen Ernst Hauber, der bereits durch den Sicherheitscheck der Einreisenden gegangen war, nachfolgen, um den nächsten und letzten knapp zweistündigen Flug nach Hobart in Tasmanien anzutreten. Dabei trafen wir auf unsere italienische Kollegin Laura, die wie wir in die Antarktis im Rahmen der GANOVEX 13-Expedition angereist war.

Nach Ankunft in Hobart am 29. Oktober war es gerade Mittag. Wir fuhren direkt zu unserem Hotel, dasam Hafen des netten kleinen tasmanischen Städtchens gelegen war. Nach kurzer Einrichtung in unserem Zimmer trieb uns der Hunger zum Hafen, wo verschiedene Schiffskutter mit Fast-Food-Fischgerichten vor Anker lagen und letztendlich für unsere Sättigung sorgten. Nachdem ich mit meinem Smartphone Kontakt zu unserer Kollegin Toni vom BGR aufgenommen und einen Zeitpunkt für unser erstes Treffen vereinbart hatte, ruhten wir uns etwas von den anstrengenden Flügen aus. Fast wären wir eingeschlafen und hätten unseren Termin mit Toni dabei verpasst. Es war aber noch einmal gut gegangen und wir tauschten uns bei einem kleinen Abendessen im Bar-Restaurant des Hotels über die neuesten Nachrichten aus. So erfuhren wir, dass der BGR-Chef-Logistiker Chris mit seinen Kollegen aufgrund sehr schlechten Wetters in der Antarktis erst kürzlich abfliegen konnte und sicherlich nun viel Stress um die Ohren hatte, um die Station für unsere Ankunft vorzubereiten. Sehr alt wurden wir aber an diesem Tag nicht mehr und bewegten uns nach dem Abendessen müden Schrittes direkt in unsere Zimmer, wo wir auch sofort in den mit großen Matratzen ausgestatteten Betten versanken.

Quelle: DLR (CC-BY 3.0)
Dolerit-Säulen in der Gipfelregion vom 1271 Meter hohen Mount Wellington

Die nächsten zwei Tage befanden wir uns so gesehen auf Standby-Modus. Der eigentlich vorgesehene Termin für den Weiterflug in die Antarktis war auf den 2. November angesetzt, und so bereiteten wir uns nach kurzen Erkundungen des kleinen Städtchens und der vorgelagerten Fjord-artigen Bucht mit den vielen Inseln auf unsere Expedition vor. Material unserer Vorläuferexpedition wurde gesichtet und ein paar GPS-Daten herausgepickt, die uns Lokalitäten verrieten, wo wir unsere diesjährigen Mars-analogen Arbeiten starten wollen. Zwischenzeitlich checkte ich über meine App immer wieder den Stand über den Verbleib meines Gepäcks und war glücklich, als ich Dienstagabend gegen 22:00 Uhr von der Rezeption einen Anruf erhielt, um mein Gepäck in Empfang zu nehmen.

Nebenbei trainierten wir auch unsere Fitness, indem wir eine ausgedehnte Wanderung zum Gipfel des Hausbergs Mount Wellington antraten. Bei dieser Wanderung konnten wir aber auch die geologischen Verbindungen zur Antarktis erkennen, als die Erdteile Australien, Tasmanien und die Antarktis noch im Ur-Kontinent Gondwana vereint waren. Der Mount Wellington zeigte gerade in der Gipfelregion Dolerit-Durchbrüche durch älteres Sedimentgestein, was durch seine fantastischen Doleritsäulen erkennbar wurde. Genauso, wie wir es bei der letzten Expedition im Boggs Valley gesehen hatten! Zudem konnten wir auch Konkretionen im Sedimentgestein der Gipfelregion erkennen, die an die "Blueberries" auf den Mars erinnerten. Selbst wenn das geologisch als Mars-analog bezeichnet werden konnte, so war ich als Biologe noch nicht zufrieden. Dafür stimmten hier die klimatischen Bedingungen nicht. Es war zum Beispiel nicht kalt und trocken genug, um dann auch Mars-relevante Lebensformen studieren zu können. Dafür entführte uns unser Wanderweg aber circa 320 Millionen Jahre zurück, wo wir lebende Fossilien, einen Baumfarn-Wald bestaunen konnten, was mein Biologenherz höher schlagen ließ, jedoch auch meine beiden geologischen Begleiter nicht unbeeindruckt ließ.

Quelle: DLR
Eindrücke vom Baumfarn im Farnwald - Ernst wirkt etwas klein

Nachdem wir die fünfstündige Wanderung mit circa 850 Höhenmeter Anstieg und auch anschließendem Abstieg beendet hatten, kamen wir mit vielen Eindrücken und physisch gestärkt, aber auch müde wieder im Hotel an. Nach einem kleinen Nickerchen war dann wieder das allabendliche Treffen zwischen Toni, Ernst und mir angesagt, was wir beim Abendessen zum Informationsaustausch nutzten. Dabei erfuhren wir das Neuste über das Wetter in der Terra Nova Bay und auch etwas über die genauen Zeiten und die Lokalität unseres bevorstehenden Briefings für den Weiterflug in die Antarktis, der weiterhin für den 2. November früh morgens angesetzt ist. Wir fiebern nun ungeduldig unserer Einreise in die Antarktis entgegen.

TrackbackURL

Über den Autor

Jean-Pierre Paul de Vera ist seit 2009 als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Planetenforschung tätig. Sein Hauptaufgabengebiet besteht in der Gruppenleitung der Astrobiologischen Labore "Planeten- und Marssimulation" sowie "Raman-Biosignaturen-Forschung“. Zudem gehören zu seinen Arbeitsfeldern auch die Planeten-analogen Feldstudien in Polarregionen und Wüstengebieten sowie die Leitung von ESA-Weltraumexperimenten wie zum Beispiel BIOMEX auf der ISS. zur Autorenseite

Artikel mit ähnlichen Themen

Expedition GANOVEX 13: Ankunft in der Antarktis - Teil 2

07. November 2018 | von Ernst Hauber

Donnerstag, 1. November, 16:00 Uhr: Der erste Termin auf unserer Expedition! Bei einem "preflight br... weiterlesen