Raumfahrt | 17. Mai 2019 | von Pierre-François Migeotte

AGBRESA: Dekonditionierung des Herzens bei Astronauten

Quelle: DLR.
Einer der Probanden im MRT

Ein wichtiger Teil der AGBRESA-Experimente ist die Untersuchung der Dekonditionierung des Herzens, die bei Astronautinnen und Astronauten in der Raumfahrt auftritt. Mit einem Team bestehend aus Kollegen der Université Libre de Bruxelles, dem DLR und der Politecnico di Milano und der Unterstützung von der Europäischen Weltraumorganisation ESA und des belgischen Wissenschaftspolitikbüros untersuchen wir die Schwächung des Herzens, die bei Astronauten nach einem Langzeitaufenthalt im All während ihrer Rückkehr in die Schwerkraft zu Ohnmacht führen kann. Diese Dekonditionierung der Astronauten ist eine große Herausforderung für die Weltraumforschung, weshalb Gegenmaßnahmen entwickelt und bei solchen Missionen angewendet werden sollen. Mit unseren Untersuchungen möchten wir herausfinden, ob die künstliche Schwerkraft, die auf einer Kurzarmzentrifuge erzeugt wird, eine effektive Gegenmaßnahme während Raumfahrtmissionen sein kann.##markend##

Quelle: DLR.
Einer der Probanden schaut sich den Bericht über seine gerade erfolgte Aufzeichnung an

In der AGBRESA-Studie wird die im All auftretende Schwächung der Herzfunktion durch die 6 Grad-Kopftieflage simuliert, die die Probanden in ihrer 60tägigen Bettruhe beibehalten. Die DLR-Forschungsanlage :envihab, in der die AGBRESA-Studie stattfindet, bietet nicht nur die Möglichkeit, zwölf Probanden aufzunehmen, sondern ist auch mit einer Kurzarm-Human-Zentrifuge und modernster kardialer MRT-Technologie (Magnetresonanztomographie) ausgestattet. :envihab ist dafür eine perfekte Umgebung, da sich diese Einrichtungen alle ebenerdig in nächster Nähe zur Probandenstation befinden.

Quelle: DLR.
4D-Aufnahme des Blutflusses vom Herzen in die Arterien

Jérémy Rabineau von der Université Libre de Bruxelles begleitet die Studie vor Ort und unterstützt die Probanden bei der Durchführung der kardialen Untersuchungen. Wir untersuchen aber nicht nur die Auswirkungen der Gegenmaßnahme auf die Herzfunktion, sondern entwickeln und validieren auch die tragbare Technologie des intelligenten kardialen Kinokardiographen, die die Gesundheit und Stärke der Herzfunktion durch Beschleunigungssensoren misst, ähnlich denen, die in unseren Smartphones eingebaut sind. Wir setzen bei Astronauten und Probanden der AGBRESA-Studie sowie bei Herzpatienten die gleiche Technologie ein und entwickeln eine intelligente tragbare Lösung für die Zukunft. Obwohl sie derzeit noch futuristisch anmuten, werden solche Geräte eines Tages helfen, die Herzfunktion von Patienten zu Hause zu messen, ohne dass ein Transport zum Krankenhaus erforderlich ist.

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Über den Autor

Pierre-François Migeotte ist Physiker und promovierte in biomedizinischer Signalverarbeitung in Anwendung auf Weltraumphysiologie. Seine Leidenschaft gilt der Weltraumforschung, Astronauten und ihrer kardiovaskulären Gesundheit sowie innovativem Unternehmertum. Mehrere Jahre Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Weltraumphysiologie und der kardialen Überwachung von Astronauten in der Schwerelosigkeit führten ihn zum Entwurf des Kinokardiographen: ein kleines automatisiertes tragbares System, das einzigartige Informationen über die kardiale mechanische Funktion liefern kann. zur Autorenseite

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