Raumfahrt | 16. März 2021 | von Andrea Haag

Auf Wiedersehen, SOFIA

Quelle: Flughafen Köln/Bonn CGN
SOFIA landet am 4. Februar 2021 um 15:33 Uhr am Köln Bonn Airport.

Heute verlässt das Stratosphären-Observatorium für Infrarot-Astronomie Deutschland und kehrt nach anderthalb Monaten Einsatz zu seiner Heimatbasis in Palmdale (Kalifornien) zurück. SOFIA war am 4. Februar 2021 bei strahlendem Sonnenschein am Flughafen Köln/Bonn gelandet und hat im Anschluss die erste vollständige Wissenschaftskampagne in Deutschland absolviert. Was mich betrifft: Dies war mein allererstes "Deployment", denn normalerweise begleite ich unsere fliegende Sternwarte nicht, wenn sie etwa von Neuseeland aus über den Südhimmel fliegt und das Galaktische Zentrum unserer Milchstraße beobachtet.##markend##

Während des Aufenthaltes in Köln hat SOFIA 15 Wissenschaftsflüge erfolgreich durchgeführt. Die Teams an Bord haben hervorragende Arbeit geleistet, indem sie alle für diese achtstündigen Flüge geplanten Daten gesammelt und fast jedes Mal die astronomischen Ziele detektiert haben. Hierdurch haben wir weitere Informationen darüber erhalten, wie Sterne entstehen. An Bord von SOFIA befand sich während der Kampagne das  GREAT-Spektrometer (German Receiver for Astronomy at Terahertz Frequencies). Dieses Instrument wurde dafür konstruiert, zwei der Moleküle zu untersuchen, die in den Staub- und Gasscheiben um neu geborene Sterne zu finden sind und somit als "Marker" für die Sternentstehung dienen. Wir wissen bereits viel über dieses Phänomen, aber es gibt uns immer noch Rätsel auf: Wir sehen definitiv weniger Sterne am Himmel, als nach den gängigen Theorien zu erwarten wäre. SOFIA hilft in vielerlei Hinsicht, diese Modelle zu untersuchen und zu verbessern.

Quelle: DLR (CC-BY 3.0)
Der Bereich der "Mission Directors" im Flughafen Köln/Bonn, wo ich mit meinen NASA- und DLR-Kollegen zusammensaß.

Ich muss zugeben, dass es eine tolle Erfahrung war. Ich habe die meiste Zeit im Terminal 2 des Köln-Bonner Flughafens gearbeitet und die täglichen Aktivitäten rund um SOFIA verfolgt - natürlich immer mit einer FFP2-Maske und gemäß den Corona-Schutzbestimmungen. Wenn ich morgens um 8:00 Uhr ankam, hatten meine NASA-Kollegen während der Nachtschicht bereits den Status des Flugzeugs nach der Landung (also zwischen 3:00 und 4:00 Uhr morgens) kontrolliert und begonnen, es für den nächsten Flug vorzubereiten. Der Zeitplan von SOFIA ist recht dicht gepackt.

Das erste Meeting begann gegen 7:00 Uhr morgens, und eine halbe Stunde später hatten die Flug- und Avionikmechaniker und Ingenieure bereits mit dem "Pre-Flight"-Check begonnen: ein Heer von Leuten, die das Flugzeug akribisch von oben bis unten kontrollieren. Natürlich müssen auch der Zustand und die Funktionalität des Teleskops und der wissenschaftlichen Instrumente täglich überprüft werden, denn SOFIA ist ein Observatorium - es fliegt nur für die Wissenschaft. Parallel dazu arbeiteten Felix und Stefan, unsere DLR-Flugplaner, zusammen mit dem NASA-Team an der endgültigen Festlegung der Route für die Nacht: In Europa mussten wir unsere Flugpläne mit etwa 22 Ländern abstimmen, da SOFIA sich den Himmel auch mit anderen Flugzeugen teilt.

Um 14:30 Uhr war das Flugzeug aufgetankt und gegen 16:30 Uhr erschienen die fliegenden Crews zum Briefing, gefolgt von der Missionsbesprechung. Liz, eine der SOFIA-Pilotinnen, erzählte mir, dass das Crew-Briefing eigentlich sehr ähnlich ist wie bei den kommerziellen Flugzeugen: Die Crew überprüft das Flugzeug, die Betankung, schaut sich die Wetterkarten an und bespricht alle Bedingungen, die während des Fluges auftreten könnten und wie man schnell darauf reagieren kann. Das Missionsbriefing hat einen breiteren Rahmen und ich war es gewohnt, daran teilzunehmen. Es bezieht auch das fliegende wissenschaftliche Personal mit ein, das über die Bereitschaft von Teleskop und Instrument berichtet und auch die in der Nacht geflogenen wissenschaftlichen Projekte vorstellt.

Etwa eine Stunde später beginnt die Show: Die Crew geht an Bord, die Türen werden geschlossen, und die Piloten starten die Triebwerke. Als der Tower das Flugzeug zum Start freigibt, heulen die SOFIA-Motoren auf und es geht auf in den Himmel. Ich bin eigentlich keine "Plane Spotterin", aber ich habe letzte Woche eine Ausnahme gemacht: großartig!

Quelle: DSI/Bernhard Schulz
SOFIA startet zu einem neuen Wissenschaftsflug.

Von dem Moment an, wenn SOFIA vom Boden aus fast nur noch als ein Punkt am Himmel zu erkennen ist, beginnen die wissenschaftlichen Aktivitäten: die Teleskoptür wird geöffnet, das Teleskop wird auf sein Ziel ausgerichtet und das Instrument beginnt, die Daten zu empfangen. All das muss fein abgestimmt sein und erfordert eine starke Zusammenarbeit zwischen der wissenschaftlichen und der fliegenden Crew. Ich habe das auch schon miterlebt: Ich bin einmal mitgeflogen, als SOFIA 2019 in Stuttgart war, aber das ist eine andere Geschichte.

Während Sie diesen Blog lesen, befindet sich SOFIA wahrscheinlich schon über dem Atlantik auf dem Weg zurück nach Hause. Ich werde SOFIA und die freundliche Umgebung, die wir am Flughafen hatten, vermissen. Es war eine Freude, eng mit den Teams von NASA, DSI, USRA, GREAT-Instrument, DLR und Flughafen zusammenzuarbeiten und aus erster Hand erfahren, wie motiviert und routiniert diese Leute sind.
   
Für jetzt: Auf Wiedersehen SOFIA! Vielleicht gibt es in Zukunft weitere Einsätze in Deutschland. Falls ja, bleiben Sie dran: Wir werden berichten.

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Über den Autor

Dr.-Ing. Alessandra Roy studierte Astronomie an der Universität von Bologna (Italien). Sie promovierte in Geodäsie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn. Sie arbeitete fast 16 Jahre lang an der Universität Bonn und am Max-Plank-Institut für Radioastronomie . zur Autorenseite