Raumfahrt | 19. November 2021 | von Philipp Burtscheidt

Mission Cosmic Kiss: Das erste Experiment von vielen hat begonnen

Quelle: ESA–L. Parmitano, CC BY-SA 3.0 IGO
Das europäische Weltraumlabor Columbus, aufgenommen von ESA-Astronaut Luca Parmitano während eines Außenbordeinsatzes am 22. November 2019.

Start, Andocken, erste durchaus spannende und aufregende Tage auf der Internationalen Raumstation ISS - wann aber macht Matthias Maurer endlich das erste europäische Experiment? Naja, diesen Mittwoch war es im Prinzip soweit.

Aber: Eigentlich ist die Frage nach dem Beginn des ersten Experiments gar nicht so eindeutig zu beantworten. Die Astronautinnen und Astronauten sind auf der ISS nicht nur von einer Reihe ständig teilautomatisch laufender Experimente umgeben, viele Experimente beginnen sogar bereits vor dem eigentlichen Start der Mission. Und bei einigen Experimenten sind sie selber nicht nur die "Experimentatoren", sondern sogar selbst Gegenstand der Experimente. Nach wie vor sind nämlich viele Aspekte des "Menschen im Lebensraum Weltall" noch ein Feld mit vielen Fragezeichen.##markend##

Alle solche Experimente unterliegen sehr strikten Regeln, Fragen der Ethik müssen genauso beachtet werden wie die Privatsphäre der Crew. Auch beim Übertragen der Daten wird besonders auf Sicherheit Wert gelegt, Funkverkehr oder Videosignale gegebenenfalls verschlüsselt und der Astronaut oder die Astronautin kann jederzeit die Zustimmung an der Teilnahme an dem Experiment wieder zurückziehen. Aber im Rahmen dieser Regeln wird so ziemlich alles erforscht, was es am Menschen eben so zu erforschen gibt. Das erfolgt häufig mehrmals zu bestimmten Phasen während der Mission, um den Einfluss des Aufenthalts im Weltall besser in den Daten sehen zu können (und dabei eben auch oft als "Referenz" schon vor der Mission in den letzten "Erdentagen"). Und oft führen mehrere Astronautinnen und Astronauten das gleiche Experiment durch - man interessiert sich ja nicht für "einen Datenpunkt", sondern für möglichst generische Zusammenhänge.

Quelle: NASA
Kayla Barron im Columbuslabor bei einer ersten Session des GRIP-Experiments. Mit ihm wird untersucht, wie das Gehirn bei Greifbewegungen auf die schwerelose Umgebung der Raumstation reagiert. Das GSOC-Team betreut nicht nur die europäischen Astronauten, sondern arbeitet mit allen Crew-Mitgliedern zusammen, die Experimente in Columbus durchführen.

Freilich hat Matthias auf der ISS inzwischen schon "Blut lassen müssen"  - natürlich rein im Dienste der Wissenschaft. Auch sein Body Mass Index wurde bereits bestimmt und wird in regelmäßigen Abständen wieder gemessen.

Und am Mittwoch eben nun ein größeres und aufwändigeres Experiment: "Metabolic Space". Matthias legte ein portables Gerät an, das den Sauerstoff- und Kohlendioxidgehalt seiner Ein- und Ausatemluft misst, dazu einen Körpertemperaturmesser und ein Pulsmessgerät. So "instrumentiert" hat er dann seinen täglichen Sport verrichtet und dann die gemessenen Werte an uns übertragen. Über drei Sessions - jetzt, in der Mitte seiner Mission und ganz am Ende - erhofft man sich Aufschlüsse über den Zustand seines Herz-Lungen-Systems und hofft vor allem, ein geeignetes Gerät für derartige Untersuchungen für zukünftige Missionen zu entwickeln.

Eins meiner Lieblingsbeispiele für die "allumfassende Experimentiertätigkeit" der Astronautinnen und Astronauten am Schluss: Sie forschen sogar noch, wenn sie schlafen und träumen - auch da hatten wir bereits Fragebögen an Bord. Für dieses Experiment hätte ich mich - wäre ich Astronaut - ganz besonders reingehängt!

Quelle: ESA/NASA
Alexander Gerst trainiert mit Metabolic Space während seiner "horizon" Mission im Jahr 2018.
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