Raumfahrt | 05. November 2014 | von Christian Grimm | 1 Kommentar

Ein letzter Blick - Abschied von MASCOT

Quelle: DLR
Anziehen der letzten Sicherung vor dem Start

Die letzten Handgriffe sind getan und die letzten Funktionstests beendet. Nach der erfolgreichen Integration von MASCOT auf dem Trägersatelliten Hayabusa2 in Sagamihara, fanden noch letzte Vorbereitungen am Startplatz des Tanegashima Space Center in Japan statt. Mit der finalen Anbringung der Solarsegel, die sich für den Start im gefalteten Zustand behutsam über MASCOT legen, bot sich die letzte Möglichkeit MASCOT noch einmal mit eigenen Augen zu sehen.

Für das Entwicklungsteam ist es ein merkwürdiges Gefühl nun Abstand nehmen zu müssen. Zweieinhalb Jahre haben wir MASCOT großgezogen, haben sie wachsen sehen und haben sie eine Menge gelehrt. Nun war es aber an der Zeit, im wahrsten Sinne des Wortes "loszulassen" und sie auf die schwierige Mission zu schicken, bei der wir leider nicht mitreisen können.

Doch wie verabschiedet man sich von einem Objekt, welches im biologischen Sinn zwar nicht lebendig ist, aber dennoch die Persönlichkeiten von so vielen Personen beinhaltet, die es über die Entwicklungszeit so innig begleitet haben.##markend##

Die Antwort ist ganz einfach! Man verabschiedet es wie eine reale Person, wie die kleine Tochter, die  zum ersten Mal eine längere Busreise zu den Großeltern unternimmt. Man hat Bedenken, dass der Bus technische Pannen haben und dass auf der Reise Schwierigkeiten entstehen könnten. Man hat ihr für die Reise noch mal einen neuen Mantel gekauft, damit sie unterwegs nicht friert. Man hat ihre Prepaidkarte noch mal aufgeladen damit sie sich von Unterwegs mit dem Handy melden kann und macht einen Testanruf, um zu checken, ob auf dem Bildschirm die eigene Nummer auch angezeigt wird. Man begleitet sie zu ihrem Sitzplatz, schnallt sie dort fest und gibt ihr letzte persönliche Worte mit auf den Weg, versichert, dass alles gut gehen wird. In den letzten Momenten steht man dann so lange winkend an der Haltestelle bis die Türen sich geschlossen haben, der Bus abfährt und man sie aus den Augen verliert.

Man kommt beim Abschied nicht drum hin darüber nachzudenken, ob man an alles gedacht hat, ob man ihr alle nötigen Sachen mitgegeben hat und ob sie überhaupt schon groß genug ist, um das was vor ihr liegt nun allein zu bestreiten – sie hat doch noch so viel zu lernen! Letztendlich ist es Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten während der Entwicklungszeit die richtigen Werte vermittelt zu haben. Mut, sich an einem bestimmten Zeitpunkt einzugestehen, dass man alles Erdenkliche getan hat und Glück, dass die äußeren Faktoren, die man nicht beeinflussen kann, ebenfalls stimmen.

Abschiede sind Tore in neue Welten – so lautet ein Satz von Albert Einstein. Und in diesem Fall könnte die Bedeutung nicht treffender sein.
Twitteraccount des Asteroidenlanders @MASCOT2018

Quelle: DLR
Das Team in Japan kurz vor der finalen Integration von MASCOT auf Hayabusa2
Quelle: DLR
MASCOT mit ihrem neuen Reisemantel. Die speziellen Wände und die mehrlagigen Folien im Inneren schützen sie vor zu großen Temperaturschwankungen
Quelle: DLR
Aufladen der letzten Kommunikationssoftware
Quelle: DLR
Bestätigung der Empfangsbereitschaft und das alle Daten korrekt übermittelt werden
Quelle: JAXA
Der letzte Blick! MASCOT hat ihren Platz eingenommen und die Solarsegel wurden über ihr geschlossen
TrackbackURL

Über den Autor

Christian Grimm arbeitet seit 2012 als wissenschaftlicher Mitarbeiter im DLR am Institut für Raumfahrtsysteme in der Abteilung Explorationssysteme. Seit Ende 2011 ist er Teil des MASCOT-Teams, welches die Flugmission des Asteroidenlanders auf der japanischen Muttersonde Hayabusa-2 vorbereitet und koordiniert. zur Autorenseite