Raumfahrt | 19. März 2015 | von Jan Oliver Löfken

Das "Monster" zähmen

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Quelle: NASA
Raumfüllend: das MARES-Experiment im Columbus-Labor. NASA-Astronaut Dough Wheelock "balanciert" es auf seinem Finger.

Vor manchen Dingen hat man einfach Angst - da kann man nicht viel gegen machen. Unser MARES-Experiment im Columbus-Labor ist so etwas: riesengroß, hochkomplex und manchmal ein Sorgenkind.

MARES (Muscle Atrophy Research and Exercise System) erlaubt die Untersuchung verschiedenster Muskelgruppen der Astronauten und trägt damit zur Klärung essentieller Fragen bei, die sich bei langen Raumflügen unweigerlich stellen: Wie reagiert der menschliche Körper auf die Schwerelosigkeit? Wie degenerieren die Muskeln, die ja nur wenig beansprucht werden, wenn sie nicht ständig gegen die Schwerkraft anarbeiten müssen?##markend##

MARES ist deswegen ein "Monster", weil es halb Columbus füllt - und daher vor jedem Experiment langwierig durch die Astronauten auf- und danach wieder auseinander gebaut werden muss. Es erinnert an eines jener Trainingsgeräte, die in diversen Fitnesscentern ihren Platz haben - und das erklärt vielleicht auch, warum wir Flight Controller solchen Respekt davor haben: Eine mechanisch sehr komplexe Maschine, bei der es bei Problemen besonders herausfordernd ist, mit den Astronauten über den Sprechfunk die Situation und den Lösungsvorschlag zu diskutieren...

Gestern und heute waren viele Stunden Crewzeit zur Arbeit an MARES auf der sogenannten Timeline, dem Stundenplan der ISS-Astronauten, verzeichnet: Das bedeutet genaues Vorbereiten der Konsolenteams auf die Details der Arbeit.

Letztendlich haben die Kollegen und natürlich die ESA-Astronautin Samantha prima Arbeit geleistet: Sie haben nicht nur die kürzlich ausgetauschte Batterie geladen (natürlich braucht ein richtiges "Monster" stellenweise mehr Strom als Columbus liefern kann - deswegen die Batterie), eine neue Festplatte eingebaut und schließlich das Gerät das erste Mal im Orbit auf Herz und Nieren geprüft und verschiedene Motoren kalibriert.

Dann wurde das es wieder dorthin gepackt, wo es hingehört: in seinen "Käfig" in Form eines Experimentschranks im Columbus-Labor. Und dort bleibt es - bis zu seinem nächsten Einsatz!

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Über den Autor

Als Kind wollte Tom Uhlig Astronaut werden. Beim DLR kam er dabei seinem Traum sehr nahe: Er arbeitete als Columbus-Flugdirektor an der Konsole und leitete sowohl das Col-CC-Trainingsteam als auch Gruppe für den Betrieb von geostationären Satelliten bis Dezember 2016. zur Autorenseite