Sonstiges | 23. Mai 2015 | von Jan Wörner | 2 Kommentare

Traurige Zeiten...

Während ich auf meiner Abschiedstour an den DLR-Standorten unterwegs war und die Herzlichkeit sehr persönlich zu spüren bekam, musste ich gleich zwei sehr traurige Nachrichten zur Kenntnis nehmen: Der Vorsitzende des ESA-Rates, Herr Harald Posch und ein Mitarbeiter des DLR, Herr Daniel Oberländer, haben uns für immer verlassen. Beide Ereignisse haben mich sehr betroffen gemacht und mir zugleich gezeigt, was wirklich wichtig ist in dieser Welt.##markend##

Jeden Tag geschehen weltweit Dinge, die Menschen in Verzweiflung bringen, wie beispielsweise die Flüchtlingsdramen und die Erdbebenopfer in Nepal. Proportional zum geographischen Abstand hält sich die unmittelbare Betroffenheit mehr oder weniger in Grenzen, wir gehen weiter unserer Tätigkeit nach. Wenn die "Einschläge" näher kommen, sind wir bestürzt oder sogar verzweifelt. Plötzlich ändern sich die eigenen Werte, wenn auch häufig genug nur für eine kurze Zeit. Obwohl ich schon früh den Verlust von Nahestehenden erleben musste – mein Vater starb, als ich 13 war, meine Mutter 12 Jahre später – habe ich bis heute nicht wirklich gelernt damit umzugehen.

So auch jetzt: Daniel Oberländer, ein junger Mitarbeiter des DLR starb ganz plötzlich während seiner beruflichen Tätigkeit auf der Plataforma Solar in Almeria. Er erlitt einen Schwächeanfall mit teilweisem Atemstillstand und verstarb trotz der sofort eingeleiteten Rettungsversuche.

Harald Posch, Vorsitzender des ESA-Rats und ein sehr persönlicher Freund von mir, starb in Wien, nachdem eine Krankheit über eine lange Zeit falsch diagnostiziert wurde. Als dann endlich die tatsächliche Ursache erkannt wurde, war es zu spät. Dieser Verlust ereignete sich nur eine Woche nach dem Tod des langjährigen ESA-Direktors für Trägersysteme, Antonio Fabrizi.

Vorfälle wie diese zeigen uns die Verletzlichkeit unseres Lebens und haben prinzipiell die Kraft, uns die Augen für die wirklich wichtigen Dinge jenseits kleinkarierter Auseinandersetzungen und scheinbar ach so wichtiger Probleme des Alltags zu öffnen. Wir haben es selbst in der Hand.

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Über den Autor

Im Jan-Wörner-Blog bloggte der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Prof. Dr.-Ing. Johann-Dietrich "Jan" Wörner, selbst. Seit dem 1. Juli 2015 ist er Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation ESA. zur Autorenseite