Raumfahrt | 30. September 2015

Ariane-Start: E-Learning im Outback

Das Siegerbild des Namenswettbewerbs für den australischen Satelliten %2d gemalt von der sechsjährigen Bailey Brooks.
Quelle: nbn co ltd.
Das Siegerbild des Namenswettbewerbs für den australischen Satelliten - gemalt von der sechsjährigen Bailey Brooks. Es zeigt sie auf dem Balkon ihres Hauses mit einer Satellitenschüssel unter dem Sternenhimmel.

Update 01.10.2015: Der Start der Ariane 5 war erfolgreich und die Satelliten konnten planmäßig in ihren Orbit gebracht werden.

Heute Abend startet eine Ariane 5 vom europäischen Weltraumbahnhof in Französisch-Guayana ins All. Die Rakete wird zwei Telekommunikationssatelliten in einen Erdorbit bringen. Einer von ihnen wird ganz Australien mit schnellem Internet versorgen - das ist besonders wichtig für die Menschen und Familien, die im australischen Outback leben.##markend##

Mit über 5 Millionen PS in nur 33 Minuten in den Orbit

Französisch-Guayana liegt am nordöstlichen Ende von Südamerika und damit nahe am Äquator. Deswegen ist es besonders günstig, von dort aus Raketen zu starten. Die Raketen werden in Drehrichtung der Erde gestartet, somit hilft die Erdrotation, sie auf die nötige Geschwindigkeit zu beschleunigen. Die Erdrotation ist aber nur eine kleine Hilfestellung. Die Ariane 5 benötigt immer noch den Schub von über zehn A380-Flugzeugen und sehr viel Treibstoff, um Satelliten ins All zu befördern. So besitzt alleine ihr Haupttriebwerk circa fünf Millionen PS. Die Ariane besteht zu 97 Prozent aus Treibstoff, nur etwa 1,3 Prozent des Gesamtgewichts kommen von den beiden Satelliten, die immerhin so schwer wie acht Mittelklassewagen sind. Die Ariane 5 wiegt voll betankt 780 Tonnen und ist 55 Meter hoch. Das entspricht dem Gewicht von über 150 afrikanischen Elefanten und der Höhe eines 17-stöckigen Hochhauses. Nach nur 33 Minuten erreicht sie ihren Orbit, um die Satelliten auszusetzen.

Quelle: ESA, CNES, Arianespace
Baileys Bild an die Spitze der Ariane 5. In der unteren Bildhälfte ist der Satellit Sky Muster zu sehen, über den die Raketenspitze gestülpt wird.

Internet-Daten kommen mit Lichtgeschwindigkeit aus 36.000 Kilometer Höhe

Die beiden Telekommunikations-Satelliten an Bord der Ariane sind übereinander im Laderaum an der Spitze der Rakete untergebracht und wiegen zusammen fast zehn Tonnen. Beide Satelliten werden ihren Dienst in circa 36.000 Kilometern Entfernung von der Erde verrichten und sich mit der Erde mitdrehen. Dadurch bleiben sie immer über derselben Position über der Erde. Dies ist nötig, damit ohne Unterbrechung Fernseh- und Internetsignale übertragen werden können.

Quelle: ESA, CNES, Arianespace
Der Satellit Sky Muster verlässt die Vorbereitungshalle in Französisch-Guayana.

Einer der Satelliten wird Fernseh- und Internetsignale für Argentinien bereitstellen, der andere Satellit wird ganz Australien mit Fernsehen und schnellem Internet versorgen. Das letztere ist besonders wichtig für die Menschen und Familien, die im australischen Outback leben. Kinder, die dort aufwachsen, können keine Schule besuchen, weil es einfach keine in der Nähe gibt. Sie sind auf E-Learning angewiesen: Über das Internet verbinden sie sich mit einer Schule und können so zu Hause von den Lehrerinnen und Lehrern per Video-Stream unterrichtet werden. Dafür benötigen sie eine gute Internetanbindung, weswegen die australische Regierung den Satelliten bezahlt und betreibt.

Weil der Satellit so eine wichtige Aufgabe erfüllt, durften australische Grundschulkinder seinen Namen aussuchen. Hierfür wurde ein landesweiter Wettbewerb ausgeschrieben, für den die Grundschüler ein Bild malen sollten, das zeigt, wie ihnen schnelles Internet beim Lernen hilft. Das Siegerbild stammt von der sechsjährigen Bailey Brooks und zeigt sie in ihrem Haus mit Satellitenschüssel und allen Sternen. Als Namen für den Satelliten wählten sie und ihre Schulfreunde "Sky Muster". Ihr Siegerbild wurde großformatig ausgedruckt, an die Spitze der Ariane-Rakete geklebt und fliegt heute mit ins All.

Die Ariane 5 wird heute Abend zwischen 22:30 Uhr und 00:15 Uhr deutscher Zeit abheben und ihr Start kann live im Internet verfolgt werden. Dies wird bereits der fünfte Start einer Ariane 5 in diesem Jahr sein. Der letzte Ariane-Start in diesem Jahr ist für Mitte November geplant. Viele weitere tolle Bilder aus dem Schülerwettbewerb kann man auf der Webseite des australischen Internetanbieters nbn ansehen. Für technisch Interessierte gibt es hier weitere detaillierte Informationen zum genauen Startablauf in englischer Sprache.

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Über den Autor

Philip Kausche hat an der TU Berlin Luft- und Raumfahrttechnik studiert. Nach seiner Promotion wechselte er im Jahr 2015 innerhalb des DLR von Berlin-Charlottenburg nach Bonn-Oberkassel in die Abteilung Trägersysteme des Raumfahrtmanagements. Seitdem betreut er dort u.a. als Projektmanager das Programm zur Nutzungsphase des europäischen Schwerlastträgers Ariane 5. zur Autorenseite