Artikel zu "Earth observation"

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Raumfahrt | 30. Oktober 2023 | von Ulrich Köhler

Neues, erstes Ziel für die Sonde Lucy: Besuch bei Dinkinesh, „der Wunderbaren“

Vorbeiflug der Raumsonde Lucy am Asteroiden Dinkinesh
Quelle: NASA/GSFC
Am 1. November 2023 wird die NASA-Raumsonde Lucy in 425 Kilometern am nur etwa 760 Meter großen Asteroiden (152830) Dinkinesh vorbeifliegen und dabei zum einen das Zielsystem für die wissenschaftlichen Experimente testen, aber auch Aufnahmen machen und Messungen durchführen (künstlerische Darstellung).

Vor fast genau zwei Jahren startete die NASA die Mission Lucy mit einer bei der Erforschung des Sonnensystems neuen, ungewöhnlichen Aufgabe: Die Raumsonde wird von 2027 bis 2033 einige als „Trojaner“ bezeichnete Asteroiden untersuchen, die dem Planeten Jupiter auf dessen Bahn um die Sonne 60 Bogengrad vorauslaufen und hinterhereilen. Lucy, das ist dieses Mal nicht, wie sonst so häufig, eine Abkürzung für eine Aneinanderreihung technischer Begriffe, sondern die Benennung der Mission nach einem fossilen Bindeglied zwischen aufrecht gehenden Menschenaffen und den ersten Menschen. Im übertragenen Sinne geht es bei dieser Mission, wie so oft bei der Untersuchung von Asteroiden, darum, die früheste Zeit des Sonnensystems besser zu verstehen. Wie sind vor etwas mehr als viereinhalb Milliarden Jahren aus Molekülketten, dann Staub und Gas und bald darauf den ersten Planetesimalen schließlich die Planeten unseres Sonnensystems entstanden? Jetzt wird Lucy aber erst einmal an einem ‚konventionellen‘ Asteroiden im Hauptgürtel zwischen Mars und Jupiter vorbeigelenkt. weiterlesen

Raumfahrt | 24. Oktober 2023

Von innovativen Referenzzielen und analysefertigen Radardaten

Dual-Band (L/X) Kalibrierungstransponder zur Unterstützung zukünftiger Satelliten-SAR-Missionen

Führende Experten für die Kalibrierung satellitengestützter Satelliten-SAR-Systeme in Oberpfaffenhofen

Quelle: DLR (CC BY-NC-ND 3.0)
Kürzlich aufgebauter innovativer Dual-Band (L/X) Kalibrierungstransponder zur Unterstützung zukünftiger Satelliten-SAR-Missionen (Ausschnitt)

Wie definiert und sichert man die Datenqualität modernster satellitengestützter Radarsatelliten? Wie können dabei Synergien zwischen den verschiedenen aktuellen und zukünftigen Radarmissionen genutzt werden? Wie stellt man die Vergleichbarkeit zwischen den Daten der Radarmissionen der vielen nationalen und internationalen Raumfahrtagenturen her? Und wie können komplexe Datensätze von Radarsatelliten so aufbereitet werden, dass sie auch von Nicht-Radarexperten genutzt werden können?

Zur Diskussion dieser und vieler weiterer Fragen aus dem Bereich der Kalibrierung (Vermessung) von Radarsatellitenmissionen traf sich eine internationale Gemeinschaft von Radarexperten vergangene Woche am Institut für Hochfrequenztechnik und Radarsysteme des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen zum jährlichen Treffen der „CEOS WGCV SAR-Untergruppe zur Kalibrierung und Validierung von hochauflösenden Radarsensoren mit synthetischer Apertur (SAR)“. weiterlesen

Raumfahrt | 12. Oktober 2023 | von Manfred Gaida

Sonnenfinsternis über Yucatán

Ringförmige Sonnenfinsternis vom 3. Oktober 2005
Ringförmige Sonnenfinsternis vom 3. Oktober 2005
Quelle: Abel Pardo Lopez; CC-BY-2.0
Die Aufnahme zeigt die ringförmige Sonnenfinsternis vom 3. Oktober 2005.

Am 14. Oktober 2023 wird vom Nordostpazifik über die Vereinigten Staaten von Amerika, Mexiko, Mittelamerika, Kolumbien und Brasilien hinweg bis 500 Kilometer in den atlantischen Ozean hinein eine ringförmige Sonnenfinsternis zu sehen sein. Der Mond befindet sich noch im erdfernen Teil seiner Bahn und kann die Sonnenscheibe, die alljährlich ihren maximalen scheinbaren Durchmesser am 4. Januar erreicht, zentral nicht vollständig bedecken. Außerhalb einer bis zu 245 Kilometer breiten Ringschattenzone, der Antumbra, wird man das Ereignis nahezu vom gesamten nord- und südamerikanischen Kontinent und den angrenzenden Ozeanen als partielle Sonnenfinsternis verfolgen können. Sogar auf den Azoren, Madeira, den Kapverdischen und westlichen Kanarischen Inseln sowie vom westlichen Afrika aus lässt sich mit etwas Glück wenige Minuten vor Sonnenuntergang eine geringfüge partielle Verdunklung der hellen Sonnenscheibe durch den Mond erkennen. weiterlesen

Raumfahrt | 10. Oktober 2023 | von Tom Uhlig

Vom Mond nach Hause telefonieren

30-Meter-Antenne in Weilheim
Quelle: DLR (CC BY-NC-ND 3.0)
Die 30-Meter-Antenne in Weilheim kann Raumfahrzeuge anfunken, die in den Tiefen des Weltalls unterwegs sind.

Nach Hause telefonieren – wenn die zukünftigen Forscherinnen und Forscher das während der ersten Mondlandungen im dritten Jahrtausend tun wollen, dann wird das über ein europäisches Kommunikationsterminal an der Gateway-Station im Mondorbit passieren. Dieses wird vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) am Standort Oberpfaffenhofen betreut. weiterlesen

Raumfahrt | 09. Oktober 2023 | von Ulrich Köhler

Öfter mal was Neues: Die NASA-Sonde Psyche startet, um ab 2029 erstmals einen Asteroiden aus Metall zu untersuchen

Die Raumsonde Psyche untersucht ab 2029 den gleichnamigen Asteroiden.
Quelle: NASA/JPL-Caltech
Wenn die Raumsonde Psyche den gleichnamigen Asteroiden (16) Psyche ab 2029 untersuchen wird: Werden die Landschaften auf diesem metallreichen Asteroiden so bizarr aussehen, wie es sich ein Künstler für die jüngste NASA-Mission auf Grundlage der von der Wissenschaft angenommenen Modelle vorstellt? Was auch immer von Psyche zur Erde an Fotos übertragen wird – diese Mission ist ein Novum in der Raumfahrt und Planetenforschung.

Wer denkt, dass es in der nunmehr 66 Jahre „alten“ Raumfahrt alles schon einmal gegeben hat, der kann auch heute immer noch Überraschungen erleben. Am 12. Oktober 2023 beginnt die NASA-Mission Psyche, die ab 2029 einen Himmelskörper untersuchen wird, dessen Eigenschaften bei allen bisherigen Objekten der Planetenforschung noch nie angetroffen wurden. Es handelt sich um den Asteroiden (16) Psyche, einen etwa 226 Kilometer durchmessenden Planetoiden im ausgedehnten Asteroiden-Hauptgürtel zwischen den Planeten Mars und Jupiter. Nach allem, was man bisher weiß, besteht er fast vollständig oder zumindest zu sehr großen Anteilen aus den Metallen Eisen, Nickel und Kobalt, und auch die begehrten Edelmetalle Gold, Silber und Platin dürften vorhanden sein. Also ein richtig „schwerer Brocken“ im Vergleich zu den Hunderttausenden anderen Asteroiden. weiterlesen

Raumfahrt | 27. September 2023 | von Tom Uhlig

ISS-Commander „Faultier“

Quelle: ESA/NASA
Zweimal Faultier an Bord!

Ein paar Wochen in der Zeit zurückgespult: Ich sitze am Laptop und schaue mir den Start des dänischen ESA-Astronauten Andreas Mogensen zur Internationalen Raumstation ISS an. Und ich reibe mir verwundert die Augen: ein Faultier als „zero-g indicator“? Are you kidding? Freilich ist der zero-g indicator kein ernstzunehmendes Messgerät: Es ist eher ein Brauch, der bis auf Juri Gagarin zurückgeht, den ersten Menschen im Weltall. Auch er hatte eine kleine Puppe in seiner Kapsel. Sobald diese begann, herumzufliegen, wusste er, dass nun Schwerelosigkeit herrschte – Physiker bezeichnen die Erdbeschleunigung mit dem Buchstaben g, daher ist unter „0 g“ im Physikerslang eben Schwerelosigkeit zu verstehen: ein „Messgerät für Schwerelosigkeit“ also... weiterlesen

Raumfahrt | 24. August 2023 | von Ruth Titz-Weider

Leben oder kein Leben auf der Venus? Ein DLR-FAQ zum Spurengas Phosphin

Quelle: ESO/M. Kornmesser/L. Calçada & NASA/JPL/Caltech (CC BY 2.0)
Künstlerische Darstellung der Venus, in deren Atmosphäre Astronomen 2020 möglicherweise erstmals das Spurengas Phosphin detektiert haben. Dafür wurden Daten des James-Clerk-Maxwell-Teleskops auf dem Mauna Kea (Hawaii) und des Atacama Large Millimeter/Submillimeter Array (Chile) ausgewertet. Phosphin könnte in der oberen Schicht der Wolkendecke vorhanden sein. Allerdings ist die Beobachtung in der Fachwelt umstritten.

Im Jahr 2020 richteten sich die Blicke der Planetenforschungscommunity und der interessierten Öffentlichkeit auf die Venus. Ein Forschungsteam der britischen Universität Cardiff hatte erstmals das Gas Phosphin in der oberen Wolkenschicht unseres inneren Nachbarplaneten nachgewiesen. Phosphin (PH3) entsteht auf der Erde zum einen durch organische Verwitterungsprozesse oder wird zum anderen – etwa für die Anwendung als Dünger – künstlich erzeugt. Ein Nachweis auf der Venus ist damit direkt mit der Frage nach außerirdischem Leben verbunden. Wurden 2020 also über die Messung von Phosphin indirekt Spuren von Leben auf dem Erdnachbarn entdeckt? Es wäre eine Sensation gewesen. Oder war es doch viel Lärm um nichts? weiterlesen

Raumfahrt | 09. August 2023 | von Fiona Brömer

Seit 25 Jahren: DLR-Reisen durchs Weltall mit Schulklassen im Planetarium Köln-Nippes

Quelle: Costa Belibasakis
Die Weite des Kosmos spiegelt sich gleichsam in der Weite des Hauptgangs des Kölner Schulplanetariums wider, der zum Kuppelsaal führt. Bis unter die Decke sind an den Wänden selbstgebaute Schautafeln, Bilder und Modelle zu verschiedenen Themen der Astronomie und Astrophysik angebracht.

Der Keller des Leonardo-da-Vinci-Gymnasiums in Köln ist ein besonderer Ort. Hier hat der frühere Schulleiter Dr. Hermann Gundermann (†1968) einen lang gehegten Traum verwirklicht und Mitte der 1960er-Jahre ein Planetarium eingerichtet. Seit einem Vierteljahrhundert bietet das DLR dort spezielle Führungen für Schülerinnen und Schüler an, um sie für Naturwissenschaft und Technik zu begeistern. Anlässlich des Wissenschaftsjahres 2023 „Unser Universum“ und seiner Roadshow „Universe on Tour“ sei diese mit Herzblut für die Astronomie ausgestaltete Einrichtung hier vorgestellt. weiterlesen

Raumfahrt | 26. Juli 2023 | von Tom Uhlig

Wie Schlupp auf dem blauen Planeten – Roboter auf „irdischem Mars“ von der ISS aus bedienen

ESA- und DLR-Roboterteam arbeitet zusammen
Quelle: DLR (CC BY-NC-ND 3.0)
Die Surface-Avatar-Experimente sollen zeigen, wie ein Team von Robotern teil- bis vollautonom zusammenarbeiten. Hier geht der humanoide DLR-Roboter Rollin‘ Justin auf den ESA-Rover Interact zu. Justin soll von diesem eine Gesteinsprobe übernehmen und zum Lander bringen.

Beim Nachdenken über einen netten Aufhänger für diesen Beitrag bin ich schließlich bei Schlupp vom grünen Stern hängengeblieben. Kennen Sie den? Er ist Bewohner des Planeten Balda 7-3, erschaffen von Ellis Kaut, der Mutter des Pumuckls, und berühmt geworden durch die Marionettenversion der Augsburger Puppenkiste, die einige Dutzend Kilometer nordwestlich unseres Kontrollzentrums gelegen ist. Wie komme ich ausgerechnet auf Schlupp, wenn ich hier über Experimente aus dem Forschungsfeld der Telepräsenz-Robotik von DLR und ESA berichten möchte, die diese Woche bei uns in Oberpfaffenhofen gelaufen sind?

Naja, er ist ein kleiner Roboter von außerirdischer Herkunft und hat damit einen soliden Raumfahrtbezug. Und er wird – wie jede Marionette – „von oben“ gesteuert. Wenn das keine unmittelbaren Anknüpfungspunkte für Surface Avatar sind! Das Experiment, das wir zusammen mit dem DLR-Institut für Robotik und Mechatronik seit Wochen intensiv in unserer „Sim-Halle“ im Deutschen Raumfahrtkontrollzentrum am DLR-Standort in Oberpfaffenhofen vorbereiten. weiterlesen

Luftfahrt | 04. Juli 2023 | von Johann Dauer

Von Pappkartons und Hightech-Drohnen – die Zukunft der humanitären Hilfe

Wings for Aid und DLR in letzten Flugvorbereitungen
Quelle: © DLR. Alle Rechte vorbehalten
Wings for Aid und DLR in letzten Flugvorbereitungen

Hallo, liebe Technikbegeisterte! Ich muss euch von einem Ereignis berichten, das uns kürzlich in Atem hielt. Es waren Tage voller Spannung, wenig Schlaf, ein paar Adrenalinschüben und reichlich Stolz. Die Protagonisten dieser Geschichte? Wir, das sind neben mir einige Kollegen aus dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), insbesondere Dr. Sven Lorenz und Martin Laubner, sowie unsere niederländischen Freunde von Wings for Aid. Zusammen haben wir den Himmel auf eine Art und Weise erobert, die noch vor wenigen Jahren wie Science-Fiction geklungen hätte und kämpften gegen widrige Bedingungen, um zu erproben, wie Technik Leben retten kann. weiterlesen