Artikel zu "Raumstation ISS"

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Raumfahrt | 23. November 2023 | von Jan Wörner

Rochade im Weltall

Quelle: © DLR. Alle Rechte vorbehalten
Unser Team im Columbus-Modell in Oberpfaffenhofen, das sich monatelang die Tage (und auch die Nächte) um die Ohren geschlagen hat, um den „Rack-Dance“ vorzubereiten.

Mir fällt der Namen des Schiebespiels nicht ein, bei dem man in einem Quadrat angeordnete Plättchen in die richtige Ordnung bringen muss, und dabei nur immer genau eine Lücke hat, in die man jeweils eins der Plättchen schieben kann. Der Halbleiterphysiker würde es „Lochwanderung“ nennen, weil man – ein bisschen verquer gedacht – sich das Ganze ja auch nicht als sich verschiebende Plättchen, sondern wie eine wandernde Lücke vorstellen kann... Details über die Verbindung zu Halbleitern erspare ich uns. So eine Art Lochwanderung hatten wir vor Kurzem in unserem Columbus-Modul auf der Internationalen Raumstation ISS – und an deren Nachwirkungen arbeiten wir momentan immer noch. weiterlesen

Raumfahrt | 27. September 2023 | von Tom Uhlig

ISS-Commander „Faultier“

Quelle: ESA/NASA
Zweimal Faultier an Bord!

Ein paar Wochen in der Zeit zurückgespult: Ich sitze am Laptop und schaue mir den Start des dänischen ESA-Astronauten Andreas Mogensen zur Internationalen Raumstation ISS an. Und ich reibe mir verwundert die Augen: ein Faultier als „zero-g indicator“? Are you kidding? Freilich ist der zero-g indicator kein ernstzunehmendes Messgerät: Es ist eher ein Brauch, der bis auf Juri Gagarin zurückgeht, den ersten Menschen im Weltall. Auch er hatte eine kleine Puppe in seiner Kapsel. Sobald diese begann, herumzufliegen, wusste er, dass nun Schwerelosigkeit herrschte – Physiker bezeichnen die Erdbeschleunigung mit dem Buchstaben g, daher ist unter „0 g“ im Physikerslang eben Schwerelosigkeit zu verstehen: ein „Messgerät für Schwerelosigkeit“ also... weiterlesen

Raumfahrt | 07. Februar 2023 | von Tom Uhlig

Happy Birthday, Columbus!

Col-CC-Team am DLR in Oberpfaffenhofen gratuliert zu 15 Jahren Columbus-Mudul
Quelle: © DLR. Alle Rechte vorbehalten
Das Columbus-Team am DLR in Oberpfaffenhofen gratuliert zu 15 Jahren erfolgreicher europäischer Weltraumforschung auf der ISS

Bei uns daheim beginnt jeder Geburtstag eigentlich mit dem Lied „Heute kann es regnen, stürmen oder schneien“ – und eigentlich ist das auch der optimale Einstieg für den heutigen Geburtstag unseres Columbus-Moduls auf der Internationalen Raumstation ISS: Für ein Raumschiff sind Regen, Sturm oder Schnee ja tatsächlich kein Thema – da steht oder „schwebt“ die ISS klar darüber…im wahrsten Sinn des Wortes.

Wie auch beim „echten“ Christoph Kolumbus schweigen sich die Chronisten über den genauen Geburtstermin von Columbus aus – allerdings nicht mangels einer schlechten Quellenlage (bei Columbus ist jede Schraube genauestens dokumentiert), sondern wegen der unklaren Definition, wann man für ein Raumstationsmodul denn genau von seiner „Geburt“ spricht: Columbus war jahrelang in der Planung, im Bau, wurde an die NASA übergeben, im Space Shuttle eingebaut, hob ab, wurde von der Atlantis „abgenabelt“ und wurde an die ISS gedockt – allesamt mögliche Geburtstage… weiterlesen

Raumfahrt | 19. Januar 2023 | von MUSC-Team Biolab

Raumstation Frankenstein? Wundheilung im All

Suture in Space - Hautprobe
Quelle: © DLR / MUSC
Das Bild der Hautprobe ist im Labor am MUSC in Köln während eines Tests entstanden und gibt Eindruck davon, wie sie für ihren Einsatz auf der ISS präpariert wurde, um sie am Leben zu halten. Die pinke Farbe kommt von der Nährlösung, von der die Probe komplett umgeben ist und die regelmäßig durch Pumpen ausgetauscht wird. Ansonsten würden die Zellen wegen mangelnder Nährstoffe und sich anreichender Abfallprodukte absterben. Das menschliche Gewebe für ein solches Experiment wird bei kosmetischen Operationen entnommen und mit Einverständnis der Patientinnen und Patienten für die Wissenschaft zur Verfügung gestellt .

Wie heilen genähte Wunden unter Weltraumbedingungen? Das untersucht das Experiment Suture in Space. Suture? Ja, denn hier liegt kein Tippfehler vor. Suture heißt Naht im Englischen und das Experiment geht der Frage auf den Grund, wie sich die Wundheilung der menschlichen Haut – einschließlich genähter Wunden – verändert, wenn die Schwerkraft fehlt.

Haut- und Venenproben wurden kurz vor dem Raketenstart durch ein Biologie- und Chirurgie-Team am Kennedy Space Center in Florida mit frisch genähten Wunden präpariert. Auf der ISS angekommen, waren mit Biotesc (Biotechnology Space Support Center) aus der Schweiz und dem MUSC, dem Microgravity User Support Center des DLR, zwei Kontrollzentren mit der Aufgabe betraut, die Proben neun Tage lang in einer Nährlösung „am Leben“ zu erhalten und den Heilungsprozess der Wunden zu überwachen. Am MUSC in Köln hat das Biolab-Team in Zusammenarbeit mit den wissenschaftlichen ESA-Beteiligten und den Hardware-Entwicklern das Experiment vorbereitet und von der Erde aus durchgeführt. weiterlesen

Raumfahrt | 12. Januar 2023 | von Jan Wörner

Außerirdisches Netzwerk – Alles neu macht der Januar auf der ISS

Columbus-Modul auf der ISS
Quelle: NASA
Columbus, Europas Beitrag zur ISS, ist ein Mehrzwecklabor für die multidisziplinäre Forschung unter Schwerelosigkeit und wurde am 11. Februar 2008 dauerhaft an die ISS montiert und in Betrieb genommen. Es ist 6,9 Meter lang und hat einen Durchmesser von 4,5 Metern.

Bis vor kurzem waren wir bei mir daheim noch wie das „kleine gallische Dorf“, das sich dem Glasfasernetz und hohen Datenraten standhaft verwehrt hatte. Das änderte sich im Frühling vor zwei Jahren, als ein paar Herren bei uns im Garten standen und über Kabelverläufe und Grabungsrechte diskutierten. Und kaum vergehen nochmal eineinhalb Jahre, schon hat man den Bagger in der Blumenwiese stehen, es werden Leerrohre verbuddelt, Leitungen „durchgeschossen“ und das Haus angebohrt – und Schwupps … ist man in der Moderne angekommen!

Ähnliches passiert in diesen Tagen auch in unserem Columbus-Modul: Columbus wird im Februar dieses Jahres sein 15-jähriges Jubiläum im Orbit feiern. Davor war es schon einige Jahre „in der Mache“ und in der Raumfahrt wird grundsätzlich eher auf altbewährte und robuste Technologie zurückgegriffen. weiterlesen

Raumfahrt | 14. Juli 2022 | von Tom Uhlig

Wissenswertes über Space Operations fürs Bücherregal

Florian Sellmaier, Michael Schmidhuber und Tom Uhlig
Quelle: © DLR. Alle Rechte vorbehalten
Nachdem die Autorenschar nur schwer zusammenzubekommen ist (Raumflugbetrieb ist hart!), hier stellvertretend die Editoren (v.l.n.r.): Florian Sellmaier, Michael Schmidhuber und ich, Tom Uhlig

Ich wollte schon immer mal ein Buch schreiben. Schon als Kind habe ich mit unserer alten Schreibmaschine ein Manuskript für ein „epochales Astronomie-Opus“ erarbeitet. Das Farbband hatte kaum noch Farbe, weshalb ich richtig fest auf die Tasten hauen musste. Mit dem Resultat, dass die Buchstaben O, Q und einige andere richtiggehend Stanzlöcher im Papier hinterließen. weiterlesen

Raumfahrt | 27. Juni 2022 | von Tom Uhlig

Wunderbare Welt der Schwerkraft

Quelle: DLR (CC-BY 3.0)
Blick in das Columbus-Kontrollzentrum während der Wartungsarbeiten, die von der italienischen ESA-Astronautin Samantha Cristoforetti durchgeführt wurden.

Die Schwerkraft ist etwas „ganz Gravierendes“. Sie war immer da (zumindest, wenn man die Evolution des Lebens auf der Erde als Maßstab nimmt) und zwar wohl immer auch in der gleichen Stärke. Buchstäblich die ganze Welt ist daher an die Erdbeschleunigung von „1g“ gewöhnt, die dafür sorgt, dass eine Masse von einem Kilogramm sich als Kraft von etwa zehn Newton Richtung Erdmittelpunkt manifestiert. weiterlesen

Raumfahrt | 05. Mai 2022 | von Tom Uhlig

Der Letzte macht die Tür zu

Quelle: NASA TV
Das Raumschiff Endurance kurz nach dem Abdocken von der Internationalen Raumstation.

Wenn ich von einer längeren Dienstreise endlich, endlich wieder die Heimfahrt zu meiner Familie antreten darf, dann genieße ich die verschiedenen Schritte und „letzten Handlungen“, die mich meiner Frau und meinen Kindern näher bringen: Das Loswerden des Hotelschlüssels, dann das Zurückgeben des Leihwagens am Flughafen, die Gepäckabgabe, bis man letztlich im Abflugbereich sitzt – nur noch mit dem MP3-Player und dem Buch in der Hand, welches man in den vielen Flugstunden gerne lesen möchte. Irgendwie ein Gefühl der Freiheit...

Vielleicht ging es Matthias Maurer ähnlich, als er sich heute Nacht auf der ISS verabschiedete und sich in die Dragon-Kapsel „Endurance“ setzte, die ihn zurück auf die Erde bringen wird? Für ihn kommen sicher noch andere Aspekte dazu: Seine „Dienstreise“ hat Monate gedauert, auf ihn wartet ein großes „Hallo“ auf der Erde und viele weitere Wochen des „Missionsabschlusses“. Ob er jemals nochmal auf die Internationale Raumstation ISS zurückkehren wird in der Zukunft steht buchstäblich in den Sternen. Und es wird schwierig sein, das Erlebte noch zu toppen. weiterlesen

Raumfahrt | 29. April 2022 | von Tom Uhlig

Bammm, bammm, bammm...

Quelle: NASA
Herzliche Begrüßung der Crew-4 von den Mitgliedern der Crew-3.

Bei der letzten Fußballweltmeisterschaft habe ich per Handy meinem kroatischen Astronautentrainer-Kollegen alles Gute gewünscht, als plötzlich die kroatische Nationalmannschaft – zumindest für mich als Fußball-Nullchecker überraschend – im Endspiel gegen Frankreich gestanden ist. Seine Antwort war typisch Nicola: „Wir fegen die Franzosen vom Platz, das geht so: Bammm, bammm, bammm“...

Letztlich ist es dann etwas anders gekommen, aber sein „Bammm, Bammm, Bammm“ ist mir in Erinnerung geblieben und kommt mir jetzt wieder in den Sinn, wenn ich an die derzeitige europäische Präsenz auf der Internationalen Raumstation ISS denke: Ich glaube nicht, dass wir schon mal so dicht aufeinander „unsere Missionen“ hatten: Auf Thomas Pesquets Mission „Alpha“ folgte direkt Matthias Maurers „Cosmic Kiss“ – nur die Startverschiebungen hatten verhindert, dass die beiden die „Stabübergabe“ direkt im Orbit vollzogen. Und nun ist diesen Mittwoch Samantha Cristoforetti auf der Raumstation angekommen und kann mit ihrem Corps-Kollegen Matthias einige gemeinsame Tage auf der ISS verbringen, bevor es in Kürze für ihn heimwärts geht. weiterlesen

Raumfahrt | 13. April 2022 | von Tom Uhlig

Hotel am Ende des Universums

Quelle: NASA TV
Blick von der ISS auf die sich annähernde Dragon-Kapsel Endeavour von SpaceX mit den vier Astronauten der Mission Axiom 1 an Bord (rechts oben). Links unten im Bild ist der Mond zu erkennen.

Zugegeben, die Überschrift zu diesem Blog habe ich wieder mal bei Douglas Adams geklaut – leicht abgewandelt allerdings: Da trägt der zweite Band seiner fünfteiligen Trilogie den Titel „Das Restaurant am Ende des Universums“. Weiterhin ist die Überschrift eigentlich denkbar ungeeignet für diesen Artikel, denn mit einem Hotel hat die Internationale Raumstation ISS eigentlich nur den Übernachtungsaspekt gemein. Obwohl: Im Augenblick vollzieht sich gerade ein bemerkenswerter Paradigmenwechsel: Seit Samstag befindet sich erstmals für einige Tage eine rein privatwirtschaftlich finanzierte Gruppe von Astronauten an Bord der ISS. Für die Vier ist es freilich kein „Hotelaufenthalt“ mit Bedienung und Erholungsprogramm, sondern sie verfolgen ein ambitioniertes Forschungsprogramm mit über 25 Experimenten, vielen Fotoprojekten und einer Menge Öffentlichkeitsarbeit. weiterlesen