Artikel zu "Raumstation ISS"

zur Startseite
Raumfahrt | 19. Januar 2023 | von MUSC-Team Biolab

Raumstation Frankenstein? Wundheilung im All

Suture in Space - Hautprobe
Quelle: © DLR / MUSC
Das Bild der Hautprobe ist im Labor am MUSC in Köln während eines Tests entstanden und gibt Eindruck davon, wie sie für ihren Einsatz auf der ISS präpariert wurde, um sie am Leben zu halten. Die pinke Farbe kommt von der Nährlösung, von der die Probe komplett umgeben ist und die regelmäßig durch Pumpen ausgetauscht wird. Ansonsten würden die Zellen wegen mangelnder Nährstoffe und sich anreichender Abfallprodukte absterben. Das menschliche Gewebe für ein solches Experiment wird bei kosmetischen Operationen entnommen und mit Einverständnis der Patientinnen und Patienten für die Wissenschaft zur Verfügung gestellt .

Wie heilen genähte Wunden unter Weltraumbedingungen? Das untersucht das Experiment Suture in Space. Suture? Ja, denn hier liegt kein Tippfehler vor. Suture heißt Naht im Englischen und das Experiment geht der Frage auf den Grund, wie sich die Wundheilung der menschlichen Haut – einschließlich genähter Wunden – verändert, wenn die Schwerkraft fehlt.

Haut- und Venenproben wurden kurz vor dem Raketenstart durch ein Biologie- und Chirurgie-Team am Kennedy Space Center in Florida mit frisch genähten Wunden präpariert. Auf der ISS angekommen, waren mit Biotesc (Biotechnology Space Support Center) aus der Schweiz und dem MUSC, dem Microgravity User Support Center des DLR, zwei Kontrollzentren mit der Aufgabe betraut, die Proben neun Tage lang in einer Nährlösung „am Leben“ zu erhalten und den Heilungsprozess der Wunden zu überwachen. Am MUSC in Köln hat das Biolab-Team in Zusammenarbeit mit den wissenschaftlichen ESA-Beteiligten und den Hardware-Entwicklern das Experiment vorbereitet und von der Erde aus durchgeführt. weiterlesen

Raumfahrt | 12. Januar 2023 | von Tom Uhlig

Außerirdisches Netzwerk – Alles neu macht der Januar auf der ISS

Columbus-Modul auf der ISS
Quelle: NASA
Columbus, Europas Beitrag zur ISS, ist ein Mehrzwecklabor für die multidisziplinäre Forschung unter Schwerelosigkeit und wurde am 11. Februar 2008 dauerhaft an die ISS montiert und in Betrieb genommen. Es ist 6,9 Meter lang und hat einen Durchmesser von 4,5 Metern.

Bis vor kurzem waren wir bei mir daheim noch wie das „kleine gallische Dorf“, das sich dem Glasfasernetz und hohen Datenraten standhaft verwehrt hatte. Das änderte sich im Frühling vor zwei Jahren, als ein paar Herren bei uns im Garten standen und über Kabelverläufe und Grabungsrechte diskutierten. Und kaum vergehen nochmal eineinhalb Jahre, schon hat man den Bagger in der Blumenwiese stehen, es werden Leerrohre verbuddelt, Leitungen „durchgeschossen“ und das Haus angebohrt – und Schwupps … ist man in der Moderne angekommen!

Ähnliches passiert in diesen Tagen auch in unserem Columbus-Modul: Columbus wird im Februar dieses Jahres sein 15-jähriges Jubiläum im Orbit feiern. Davor war es schon einige Jahre „in der Mache“ und in der Raumfahrt wird grundsätzlich eher auf altbewährte und robuste Technologie zurückgegriffen. weiterlesen

Raumfahrt | 14. Juli 2022 | von Tom Uhlig

Wissenswertes über Space Operations fürs Bücherregal

Florian Sellmaier, Michael Schmidhuber und Tom Uhlig
Quelle: © DLR. Alle Rechte vorbehalten
Nachdem die Autorenschar nur schwer zusammenzubekommen ist (Raumflugbetrieb ist hart!), hier stellvertretend die Editoren (v.l.n.r.): Florian Sellmaier, Michael Schmidhuber und ich, Tom Uhlig

Ich wollte schon immer mal ein Buch schreiben. Schon als Kind habe ich mit unserer alten Schreibmaschine ein Manuskript für ein „epochales Astronomie-Opus“ erarbeitet. Das Farbband hatte kaum noch Farbe, weshalb ich richtig fest auf die Tasten hauen musste. Mit dem Resultat, dass die Buchstaben O, Q und einige andere richtiggehend Stanzlöcher im Papier hinterließen. weiterlesen

Raumfahrt | 27. Juni 2022 | von Tom Uhlig

Wunderbare Welt der Schwerkraft

Quelle: DLR (CC-BY 3.0)
Blick in das Columbus-Kontrollzentrum während der Wartungsarbeiten, die von der italienischen ESA-Astronautin Samantha Cristoforetti durchgeführt wurden.

Die Schwerkraft ist etwas „ganz Gravierendes“. Sie war immer da (zumindest, wenn man die Evolution des Lebens auf der Erde als Maßstab nimmt) und zwar wohl immer auch in der gleichen Stärke. Buchstäblich die ganze Welt ist daher an die Erdbeschleunigung von „1g“ gewöhnt, die dafür sorgt, dass eine Masse von einem Kilogramm sich als Kraft von etwa zehn Newton Richtung Erdmittelpunkt manifestiert. weiterlesen

Raumfahrt | 05. Mai 2022 | von Tom Uhlig

Der Letzte macht die Tür zu

Quelle: NASA TV
Das Raumschiff Endurance kurz nach dem Abdocken von der Internationalen Raumstation.

Wenn ich von einer längeren Dienstreise endlich, endlich wieder die Heimfahrt zu meiner Familie antreten darf, dann genieße ich die verschiedenen Schritte und „letzten Handlungen“, die mich meiner Frau und meinen Kindern näher bringen: Das Loswerden des Hotelschlüssels, dann das Zurückgeben des Leihwagens am Flughafen, die Gepäckabgabe, bis man letztlich im Abflugbereich sitzt – nur noch mit dem MP3-Player und dem Buch in der Hand, welches man in den vielen Flugstunden gerne lesen möchte. Irgendwie ein Gefühl der Freiheit...

Vielleicht ging es Matthias Maurer ähnlich, als er sich heute Nacht auf der ISS verabschiedete und sich in die Dragon-Kapsel „Endurance“ setzte, die ihn zurück auf die Erde bringen wird? Für ihn kommen sicher noch andere Aspekte dazu: Seine „Dienstreise“ hat Monate gedauert, auf ihn wartet ein großes „Hallo“ auf der Erde und viele weitere Wochen des „Missionsabschlusses“. Ob er jemals nochmal auf die Internationale Raumstation ISS zurückkehren wird in der Zukunft steht buchstäblich in den Sternen. Und es wird schwierig sein, das Erlebte noch zu toppen. weiterlesen

Raumfahrt | 29. April 2022 | von Tom Uhlig

Bammm, bammm, bammm...

Quelle: NASA
Herzliche Begrüßung der Crew-4 von den Mitgliedern der Crew-3.

Bei der letzten Fußballweltmeisterschaft habe ich per Handy meinem kroatischen Astronautentrainer-Kollegen alles Gute gewünscht, als plötzlich die kroatische Nationalmannschaft – zumindest für mich als Fußball-Nullchecker überraschend – im Endspiel gegen Frankreich gestanden ist. Seine Antwort war typisch Nicola: „Wir fegen die Franzosen vom Platz, das geht so: Bammm, bammm, bammm“...

Letztlich ist es dann etwas anders gekommen, aber sein „Bammm, Bammm, Bammm“ ist mir in Erinnerung geblieben und kommt mir jetzt wieder in den Sinn, wenn ich an die derzeitige europäische Präsenz auf der Internationalen Raumstation ISS denke: Ich glaube nicht, dass wir schon mal so dicht aufeinander „unsere Missionen“ hatten: Auf Thomas Pesquets Mission „Alpha“ folgte direkt Matthias Maurers „Cosmic Kiss“ – nur die Startverschiebungen hatten verhindert, dass die beiden die „Stabübergabe“ direkt im Orbit vollzogen. Und nun ist diesen Mittwoch Samantha Cristoforetti auf der Raumstation angekommen und kann mit ihrem Corps-Kollegen Matthias einige gemeinsame Tage auf der ISS verbringen, bevor es in Kürze für ihn heimwärts geht. weiterlesen

Raumfahrt | 13. April 2022 | von Tom Uhlig

Hotel am Ende des Universums

Quelle: NASA TV
Blick von der ISS auf die sich annähernde Dragon-Kapsel Endeavour von SpaceX mit den vier Astronauten der Mission Axiom 1 an Bord (rechts oben). Links unten im Bild ist der Mond zu erkennen.

Zugegeben, die Überschrift zu diesem Blog habe ich wieder mal bei Douglas Adams geklaut – leicht abgewandelt allerdings: Da trägt der zweite Band seiner fünfteiligen Trilogie den Titel „Das Restaurant am Ende des Universums“. Weiterhin ist die Überschrift eigentlich denkbar ungeeignet für diesen Artikel, denn mit einem Hotel hat die Internationale Raumstation ISS eigentlich nur den Übernachtungsaspekt gemein. Obwohl: Im Augenblick vollzieht sich gerade ein bemerkenswerter Paradigmenwechsel: Seit Samstag befindet sich erstmals für einige Tage eine rein privatwirtschaftlich finanzierte Gruppe von Astronauten an Bord der ISS. Für die Vier ist es freilich kein „Hotelaufenthalt“ mit Bedienung und Erholungsprogramm, sondern sie verfolgen ein ambitioniertes Forschungsprogramm mit über 25 Experimenten, vielen Fotoprojekten und einer Menge Öffentlichkeitsarbeit. weiterlesen

Raumfahrt | 08. April 2022 | von Tom Uhlig

Über Levitation, Alchemie und anderes...

Quelle: ESA/NASA
Geschafft - die neue Pumpe für den EML ist eingebaut.

Als ich das erste Mal von einem "Levitator" gehört habe, habe ich das gedanklich gleich neben Golem, dem Stein der Weisen und dem heiligen Gral eingeordnet, also irgendwo in dem Dunstkreis von Magie, Mystik und Verschwörungstheorien - vielleicht hatte ich damals gerade zu viel Umberto Eco gelesen.

Umso mehr hat es mich dann erstaunt, als ich dem Begriff Levitation dann wieder in meinem Physikstudium begegnet bin: Über einem Supraleiter kann man tatsächlich magnetische Gegenstände "fliegen" lassen - eine nicht ganz einfach zu erklärende Interaktion der magnetischen Eigenschaften des Supraleiters mit dem Magneten, ich müsste es auch erst mal wieder nachschlagen. weiterlesen

Raumfahrt | 23. März 2022 | von Tom Uhlig

Ein Außeneinsatz ist kein Spaziergang

Quelle: NASA/ESA/DLR
Jeder Außenbordeinsatz muss genauestens vorbereitet werden – von Seiten der Astronauten ebenso wie von den Mitarbeitern im Kontrollzentrum.

Unsere Astronautenkollegen werden nicht müde, zu betonen, dass ein Außeneinsatz an der Internationalen Raumstation ISS eben kein „Spaziergang“ ist, wie man so üblicherweise leicht daher sagt. Jeder Extravehicular Activity (EVA) gehen akribische Vorbereitungen, spezifisches Training und Arbeiten von dutzenden von Experten voraus – so auch diesem Außeneinsatz heute von Matthias Maurer und Raja Chari. weiterlesen

Raumfahrt | 18. März 2022 | von Tom Uhlig

"Luftholen" für zukünftige Mondmissionen

Quelle: © DLR
End-to-End-Test für das Life Support Rack an der EPIC-Konsole im Columbus-Kontrollzentrum.

Halten Sie doch mal die Luft an! Und? Wie lange schaffen Sie es? Über eine Minute ist ja schon mal sehr gut - aber wesentlich länger ist eher schon ein Ding der Unmöglichkeit. Luft braucht der Mensch, genauer gesagt: Sauerstoff - und ja nicht zu viel Kohlendioxid!

Daher ist das Environmental Control and Life Support Subsystem (ECLSS - sprich "ikliss"...) in jedem Raumfahrzeug eine ganz zentrale Komponente: Ohne ECLSS kein Leben an Bord. Weil auch ein Ausfall dieses Subsystems in nur kurzer Zeit (wie lange konnten Sie die Luft nochmal anhalten?) katastrophale Folgen haben würde, gibt es  nicht nur ein Gerät zur Sauerstofferzeugung und CO2-Entfernung an Bord der Internationalen Raumstation ISS, sondern gleich mehrere. Und zwar derart, dass diese Geräte auch nach ganz unterschiedlichen Prinzipien arbeiten: Man möchte hiermit sicherstellen, dass es keinen systematischen Fehler geben kann, der dann in jedem der baugleichen Geräte zuschlägt und alle miteinander trotz Redundanz lahmlegt. Auch ganz ordinäre Druckluftflaschen sind darunter... weiterlesen