Raumfahrt | 20. April 2015 | von Stefan Dech

DLR mit weltweiter Wirkung

31. Space Symposium
Quelle: DLR (CC-BY 3.0)
Das DLR auf dem 31. Space Symposium

In der letzten Woche hatte ich wieder Gelegenheit, beim "National Space Symposium" der "Space Foundation" in Colorado Springs zu sein. Dieses alljährliche Symposium hat sich mittlerweile von einer rein amerikanischen Veranstaltung zu einem internationalen Event gemausert, geht über reine Raumfahrtfragen hinaus und gibt immer wieder entscheidende Impulse. Dieses Jahr standen neben den Herausforderungen  für die  Zukunft der Raumfahrt in einem sich rasch ändernden Umfeld, die Beziehungen zwischen Deutschland, Europa und USA im Vordergrund. Das DLR und die ESA spielen dabei zentrale Rollen. Aber auch die Luftfahrt und Fragen von Energie, Verkehr und Sicherheit wurden in den Kontakten angesprochen.##markend##

Das National Space Symposium bietet den Rahmen für intensive Diskussionen zwischen vielen Akteuren, insbesondere der Raumfahrt. In diesem Jahr zeigte sich wieder einmal, dass die Fächerbreite des DLR eine optimale Basis für intensive Kooperationen ist. Maritime Sicherheit, sichere Flugführung, Fragen der Energieversorgung und Verkehrsaspekte erzeugten Interesse am DLR und an deutschen Entwicklungen, die es gilt, für die Zukunft zu nutzen. Dazu trug auch der erneute Runde Tisch "UGART: US-German-Aerospace-Roundtable" bei, der seit seiner Gründung vor drei Jahren immer größere Beliebtheit findet. Hier können Akteure beider Länder ihre jeweiligen Kompetenzen und Ideen vorstellen und Partner finden. Schon jetzt kann man auf ganz konkrete Kooperationsvorhaben verweisen, die Luft- und Raumfahrt umfassen.

Während des Symposiums erhielt das DLR gemeinsam mit einem deutschen Unternehmen einen sehr beachteten Preis für Technologietransfer: "Space Technology Hall of Fame" für die in der Raumfahrt entwickelte Methode der Augenbewegungserfassung, eine Methode, die mittlerweile bei Laseroperationen eine wichtige Rolle spielt. Fast gleichzeitig wurde die DLR-Kommunikation in Deutschland für die PR-Arbeit bei der Landung von Philae und der Mission von Alexander Gerst auf der Internationalen Raumstation mit zwei PR-Report-Awards in den Kategorien Integrierte PR und Social Media gewürdigt.

Durch die vielfältigen Aktivitäten insbesondere in der Zusammenarbeit mit unseren amerikanischen Partnern hat sich ein Vertrauensverhältnis eingestellt, dass über "vertragsorientierte" Kooperationen weit hinausgeht. Es belegt auch die Wirksamkeit der Präsenz vor Ort, die durch unsere Büros in Washington, Paris, Brüssel und Tokio für alle Bereiche des DLR gewährleistet ist. In diesem Zusammenhang ist es von besonderer Bedeutung, dass nun auch wieder Systemkompetenz im Flugzeugbau in Deutschland entsteht: Einer unserer langjährigen amerikanischen Partner und Freunde hat entschieden, in Deutschland die Produktion der Dornier 328 wiederzubeleben. Die dafür erforderlichen Investitionen sind bereits erfolgt.

Schließlich sei noch darauf verwiesen, dass auf dem Symposium erstmals auch die ESA sichtbar war: Jean-Jacques Dordain wurde mit dem "General James E. Hill Lifetime Space Achievement Award" ausgezeichnet, die Mission Rosetta wurde ebenfalls geehrt, das Projekt Rosetta und Philae stand auch im Mittelpunkt des letzten Abends. Dort wurden die Mission und erste Ergebnisse vorgestellt und fanden großen Anklang.

Interessant war die Wahrnehmung eines Raketenstarts von SpaceX, der in dieser Woche stattfand. Während der Start erfolgreich verlief, wurde das Ziel einer sanften Landung der Hauptstufe auf einer schwimmenden Plattform nicht erreicht. Während die europäische Presse von einem Scheitern sprach, wurde die Tatsache, dass die Landung nicht ganz glatt verlief, im Symposium gefeiert. Glas halbvoll, halbleer?

Wir sollten uns nicht immer mit Sorgen verstecken, sondern basierend auf unseren Kompetenzen und Möglichkeiten auch disruptiven Ideen eine Chance geben. In diesem Zusammenhang gilt es zum Beispiel, durch Kooperation die Themen "Weltraumschrott" und "Globales Kooperationsprojekt" nach der ISS anzugehen. In diesem Zusammenhang habe ich die Idee einer Mondstation auf der Rückseite des Erdtrabanten ins Gespräch gebracht. Dabei könnten-  noch besser als im Falle der ISS - die unterschiedlichen Kompetenzen und Vorstellungen von "Space Faring Nations" eingebracht werden (Astronomie, Grundlagenforschung, Technologieentwicklung, robotische und astronautische Aktivitäten, Ressourcenmanagement u.v.m.). Die ISS wird vermutlich noch zehn Jahre verfügbar sein. Deshalb ist es Zeit, über eventuelle gemeinsame Aktivitäten jetzt nachzudenken (moonstation@dlr.de) und zu entscheiden…

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Über den Autor

Im Jan-Wörner-Blog bloggte der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Prof. Dr.-Ing. Johann-Dietrich "Jan" Wörner, selbst. Seit dem 1. Juli 2015 ist er Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation ESA. zur Autorenseite