Raumfahrt | 06. März 2015 | 1 Kommentar

Enge Begegnung von Venus und Uranus am Abendhimmel

Begegnung von Venus und Uranus am Abendhimmel
Quelle: Rolf Hempel (CC-BY 3.0)
Ausschnittsvergrößerung der Aufnahme vom 4. März 2015. Uranus ist der winzige blaue Punkt links neben der helleren Venus. (Aufnahmedaten: Canon 5D MKII, Canon EF 100-400mm f/8 L IS USM, Kenko Telekonverter 1,4x, f=560mm, ISO 1600, 1sec.)
 

Am Abend des 4. März fand die in diesem Jahr engste Begegnung zweier Planeten statt: Von der Erde aus betrachtet zog die Venus sehr dicht am Uranus vorbei. Die Planeten unseres Sonnensystems kreisen unterschiedlich schnell um die Sonne. Da wir selbst mit der Erde an dieser Bewegung teilnehmen, beschreiben die anderen Planeten an unserem Himmel recht komplizierte Bahnen. Gelegentlich kommt es dabei zu Überholmanövern. Man spricht dann von einer "Planetenkonjunktion".##markend##

Dieses Mal betrug der minimale Winkelabstand nur fünf Bogenminuten. Hält man sich mit ausgestrecktem Arm ein Lineal vor den Himmel, entspricht dieser Winkel gerade dem Abstand von zwei Millimeterstrichen. Trotzdem bestand kein Grund zur Sorge, dass die beiden Planten auf Kollisionskurs wären. In Wahrheit stand Venus "nur" 200 Millionen Kilometer von uns entfernt, während die Distanz zu Uranus mit 3100 Millionen Kilometer etwa fünfzehnmal größer war. Die Annäherung entstand also nur durch unsere irdische Perspektive.

Leider fiel die seltene Begegnung am Abendhimmel nicht sofort ins Auge: Als hellstes Objekt am Himmel nach Sonne und Mond leuchtet die Venus in strahlendem Weiß. Uranus hingegen ist unter günstigen Umständen gerade noch mit dem bloßen Auge sichtbar. Direkt neben der Venus in der Abenddämmerung hatte man ohne optische Hilfe keine Chance. Ein Feldstecher oder ein kleines Teleskop genügten aber, und mit Venus als Wegweiser war die Stelle am Himmel leicht gefunden.

Quelle: Rolf Hempel (CC-BY 3.0)
Diese Aufnahme von 19:10 Uhr MEZ zeigt Uranus als winzigen blauen Punkt links neben der 9000-mal helleren Venus. Das Bild entstand mit einer Spiegelreflexkamera und einem Teleobjektiv (Details:: Canon 5D MKII, Canon EF 100-400mm f/8 L IS USM, Kenko Telekonverter 1,4x, f=560mm, ISO 1600, 1sec.).
 Für eine Ausschnittsvergrößerung der beiden Planeten bitte hier klicken.

Wie eng die Begegnung am Himmel war, verdeutlicht der Vergleich mit einer Aufnahme des aufgehenden Mondes. Mit derselben Kamera und demselben Objektiv aufgenommen ist der Bildausschnitt gleich groß wie beim Planetenfoto.

Quelle: Rolf Hempel (CC-BY 3.0)
Am selben Abend entstand um 18:19 Uhr MEZ dieses Bild des aufgehenden Mondes. Die Aufnahmedaten: Canon 5D MKII, Canon EF 100-400mm f/4.5-5.6 L IS USM, Kenko Telekonverter 1,4x, f=560mm, ISO 400, 1/40sec.

Mit 50.000 Kilometer übertrifft der Uranus die Venus im Durchmesser etwa viermal. Dass er trotzdem so viel lichtschwächer ist, hat einen einfachen Grund: Sein Abstand von der Sonne ist etwa 28-mal größer. Während die Sonne die Venus sehr hell beleuchtet, scheint sie in Uranus-Entfernung fast 770-mal schwächer. Zudem reflektiert die helle Wolkendecke der Venus das Sonnenlicht besonders gut.

Vor der Raumfahrtära konnten wir uns von Uranus kein genaues Bild machen. Zu klein erschien das Planetenscheibchen auch in den besten erdgebundenen Teleskopen. Das änderte sich erst mit dem Vorbeiflug von Voyager 2, der einzigen Sonde, die dem Planeten bisher einen Besuch abstattete. Obwohl Voyager 2 bei seinem "Swing-by-Manöver" an Uranus nur wenig Zeit für detaillierte Beobachtungen hatte, eröffneten die Fotos einen ganz neuen Blick auf den Planeten und seine Monde. Bis eine zukünftige Sonde mit moderner Kameratechnik bessere Bilder aufnehmen wird, müssen wir noch viele Jahre warten.

Die nächste Gelegenheit, Venus und Uranus so eng beieinander zu sehen, ergibt sich erst wieder am 29. März 2018. Zum Zeitpunkt der größten Annäherung stehen sie dann allerdings von Deutschland aus gesehen tief unter dem Horizont.

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