Apollo 12: Reiseziel: Oceanus Procellarum - 2. Mondlandung

Charles "Pete" Conrad untersucht die Mondsonde Surveyor 3
Charles "Pete" Conrad untersucht die Mondsonde Surveyor 3
Bild 1/2, Credit: NASA

Charles "Pete" Conrad untersucht die Mondsonde Surveyor 3

Schon am 19. November 1969 landeten die Astronauten Charles Conrad (Bild) und Alan Bean in unmittelbarer Nähe der robotischen Sonde Surveyor 3, die seit dem 20. April 1967 im "Meer der Stürme" als Vorbote der Apollomissionen stand. Die Präzisionslandung war eine Vorbedingung der NASA für die Fortführung des Programms. Im Hintergrund sieht man die Mondfähre "Intrepid".
Alan Bean nimmt eine Probe Mondstaub
Alan Bean nimmt eine Probe Mondstaub
Bild 2/2, Credit: NASA

Alan Bean nimmt eine Probe Mondstaub

Apollo 12-Mondfährenpilot Alan Bean befüllt hier einen Probenbehälter mit Mondstaub. Vor der Brust eine der Kameras, deren zahlreichen Bilder den Mond der Menschheit näher brachten.

Crew und Raumschiff

Nach dem großartigen Erfolg der ersten Mondlandung mit Apollo 11 im Juli 1969 schaltete die NASA auf Verlangen der US-Regierung 'einen Gang zurück': Bereits im Herbst desselben Jahres kam es zu Budgetkürzungen im Apollo-Programm und zu einer Beschränkung auf - zunächst noch vorgesehene - neun Missionen und nur noch maximal zwei Mondflügen pro Jahr. Im Jahr darauf wurde sogar beschlossen, dass bereits Apollo 17 die letzte Mondlandung sein sollte. Immerhin waren dadurch Weiterentwicklungen am Fluggerät und an der Ausrüstung der Astronauten möglich.

Trotzdem arbeitete die NASA, euphorisiert von Apollo 11, mit demselben Elan auf die zweite, für November 1969 terminierte Landung auf dem Mond hin. Apollo 12 würde die erste von zunächst drei geplanten 'H-Missionen' sein, die nicht nur das Ziel hatten, auf dem Mond zu landen und danach möglichst schnell wieder zur Erde zurückzukehren, sondern einen etwas längeren Aufenthalt auf dem Mond vorsahen. Auch würden Umfang und Anspruch der Experimente und geologischen Untersuchungen einen größeren Umfang haben. Für den Start wurde die Saturn V-Trägerrakete mit der Seriennummer SA-507 vorbereitet, das Raumschiff und die Mondfähre waren nahezu baugleich zu jenen von Apollo 11.

Mit Charles 'Pete' Conrad wurde ein erfahrener und im Astronautenkorps sehr geschätzter Pilot als Kommandant bestimmt, der mit Gemini V und Gemini XI bereits zweimal im Weltall war. Als Pilot der Mondfähre wurde Alan Bean nominiert, und als Pilot der Kommandokapsel wurde Conrads Gefährte bei Gemini XI, Richard 'Dick' Gordon ausgewählt; für Bean war es der erste Raumflug. Hätte der Versuch der ersten Mondlandung nicht geklappt, dann wäre, wenn nicht etwas Schwerwiegendes mit Apollo 11 passiert wäre, Charles Conrad wohl der erste Mensch auf dem Mond gewesen.

Mit Apollo 12 sollte nun der Nachweis erbracht werden, dass auch eine präzise, nahezu punktgenaue Landung auf dem Mond möglich sei. Die Vorgabe war, etwa 1400 Kilometer weiter westlich als Apollo 11 und in unmittelbarer Nähe der robotischen Raumsonde Surveyor III aufzusetzen, die am 20. April 1967 auf dem Mond landete. Die Mondfähre wurde auf den Namen Intrepid getauft, für 'furchtlos' oder 'mutig'. Das Raumschiff erhielt den Namen Yankee Clipper: Zum einen, um mit dem Symbol eines schnittigen Segelklippers dem beruflichen Werdegang der drei Astronauten in der Marine Tribut zu sollen - und Kommandant Charles Conrad war tatsächlich ein waschechter Ostküsten-'Yankee'.

Missionsverlauf

Der Auftakt von Apollo 12 verlief wesentlich aufregender als bei Apollo 11. Zwei Tage vor dem Start wurde in einem Sauerstofftank des Servicemoduls ein Leck entdeckt. Ein Ersatztank musste aus dem für Apollo 13 vorgesehenen Servicemodul ausgebaut und in die schon auf der Startrampe bereite Rakete eingebaut werden. Der Start erfolgte am 14. November 1969 um 11:22 Uhr Ortszeit, obwohl schon während des Countdowns ein Gewitter über Cape Kennedy hinweg zog. Prompt wurde die Rakete zweimal, 36 und 52 Sekunden nach dem Start, vom Blitz getroffen, was zeitweilig zu einem Ausfall der gesamten Elektronik an Bord führte.

Der Flugkontrolleur John Aaron ahnte, was passierte, da er ein Jahr vorher bei einer Simulation eine Anomalie beobachtet hatte, als durch einen Spannungsabfall die Bordelektronik ausgefallen war. Als er dem Flugdirektor Gerry Griffin die Empfehlung "Flight, try SCE to AUX" mitteilte, hatte dieser keine Ahnung, wovon er sprach. Als Conrad diese Anweisung mitgeteilt wurde, meinte er: "Was zur Hölle ist das?" Glücklicherweise war Alan Bean vertraut mit der Position des SCE-Schalters. Bean schaltete den Schalter auf AUX - und sofort war die Telemetrie wieder hergestellt, die Mission konnte fortgesetzt und ein Abbruch verhindert werden.

Der Einschuss am 17. November in die Transferbahn zum Mond und dort das Einbremsen in eine Umlaufbahn etwa 110 Kilometer über dem Äquator verliefen jedoch reibungslos. Um sicher zu gehen, dass die Mondfähre durch die Blitzeinschläge keinen Schaden genommen hatte, stiegen Conrad und Bean allerdings etwas früher in die Intrepid und prüften die Systeme. Am 19. November koppelten sie sich um 4:17 Uhr MEZ vom Mutterschiff ab und näherten sich, wie schon Apollo 11, in Ost-West-Richtung entlang des Äquators ihrem Ziel, dem Oceanus Procellarum, dem 'Ozean der Stürme', auf der westlichen Mondvorderseite.

Während des vollautomatischen Landeanflugs versuchten Conrad und Bean durch die kleinen Fenster der Mondfähre eine markante Anordnung von Kratern im Zielgebiet zu erspähen, die aus östlicher Richtung an einen Schneemann erinnerten. Als sie den 'Schneemann' entdeckten, schaltete Conrad wie geplant für die letzten 400 Fuß (122 Meter) des Abstiegs auf Handsteuerung um, suchte eine geeignete Stelle direkt neben dem 'Kopf' des Schneemanns und landete trotz der von den Bremstriebwerken aufgewirbelten Staubwolken, die ihm vollständig die Sicht nahmen, die Intrepid am 19. November 1969 um 7:54 und 36 Sekunden MEZ sicher auf dem Mond.

Auf dem Mond

Beim zweiten Überflug konnte Richard Gordon aus dem 110 Kilometer hohen Orbit die Intrepid und die Robotersonde Surveyor III entdecken. Mit dem Sextanten gelang es Gordon, die Position der Mondfähre recht genau zu bestimmen. Dadurch hatte auch Houston die Bestätigung, dass der Crew tatsächlich die geforderte präzise Landung "auf der Spitze einer Stecknadel" gelungen war. Wohl wissend, dass bei der zweiten Landung auf dem Mond den ersten Worten beim Ausstieg nicht die Bedeutung beigemessen wurde, wie bei Neil Armstrongs "kleinem Schritt", sprach 'Pete' Conrad am 19. November 1969 um 12:44 Uhr MEZ, als er die Mondoberfläche betrat, die Worte: "Whoopie! Mann, für Neil war das vielleicht ein 'kleiner' (Schritt), für mich ist das aber ein richtig großer!" Damit spielte er auf seine kleine Statur an.

Bestens gelaunt folgte kurz darauf Alan Bean. Die Stimmung war sehr viel entspannter als bei der ersten Mondlandung und die Aktivitäten von viel Humor begleitet. Beim Einschalten einer Fernsehkamera wurde die lichtempfindliche Röhre geblendet und zerstört, da die Röhre nicht geschützt war - die geplanten TV-Farbbilder mussten ausfallen. Die amerikanische Flagge wurde dieses Mal in größerer Entfernung zur Mondfähre aufgestellt, denn bei Apollo 11 wurde sie beim Rückstart durch den Triebwerksstrahl umgeworfen; die US-Flagge im (Mond-) Staub, das sollte sich nicht wiederholen!

Bei dieser zweiten Mondlandung rückte die Wissenschaft stark in den Vordergrund. Dazu wurde ein umfangreiches Paket an physikalischen Experimenten installiert, das ALSEP (Apollo Lunar Surface Experiment Package). Als Alan Bean die verklemmte Radioisotopenbatterie des ALSEP mit ein paar festen Hammerschlägen aus ihrer Verankerung lösen musste, fiel der Satz: "flieg’ niemals ohne Hammer zum Mond…!" Nach viereinhalb Stunden Außenbordeinsatz und nur vier Stunden Schlaf wurde die zweite Exkursion vorbereitet. Entlang einer 1300 Meter langen Strecke wurden an sieben Stationen Aufgaben erledigt, hauptsächlich Steine und Bodenproben gesammelt. Die Crew war gut trainiert, der Puls wurde nie in kritische Höhen getrieben. Höhepunkt war der Gang zu Surveyor III, die am schrägen Innenhang eines Kraters in 163 Meter Entfernung zur Intrepid stand. Die Astronauten entfernten die Kamera und einige Metallteile für Untersuchungen auf der Erde und kehrten in ihre Mondfähre zurück. Dabei vergaßen sie, einige der Filmmagazine mit belichteten Filmrollen mitzunehmen; sie liegen noch heute auf dem Mond.

Ergebnisse

Planmäßig erfolgten am 20. November um 15:25 Uhr MEZ der Rückstart und wenige Stunden später das Ankoppeln an den Yankee Clipper. Apollo 12 kehrte am 24. November nach zehn Tagen und viereinhalb Stunden aus dem All zurück. Auch die zweite Crew, die auf und am Mond war, musste noch eine Quarantäne über sich ergehen lassen, um sicher zu gehen, dass sie keine unbekannten Krankheitserreger vom Mond mitgebracht hatte. Die Mission war ein großer Erfolg. Zum einen für die Ingenieure, weil sie den Beweis erbrachten, punktgenau auf dem Mond landen zu können. Das ermutigte die NASA, bei weiteren Missionen auch Ziele anzusteuern, die nicht in einer topfebenen Gegend lagen. Und zum anderen für die Wissenschaftler, weil während der fast acht Stunden Exkursionen auf dem Mond viel mehr Experimente durchgeführt und mehr Proben eingesammelt werden konnten - insgesamt 34,3 Kilogramm.

Die Geologen hätten aber eine Region weiter südlich im Krater Flamsteed bevorzugt, die auch zur Diskussion stand. Anhand der geringen Zahl von Einschlagskratern wussten sie, dass dort einige der jüngsten vulkanischen Ablagerungen aufgeschlossen sind. Mit Proben von Flamsteed hätte die Zeitspanne des Vulkanismus auf dem Mond besser eingegrenzt werden können, vor allem das Ende der Eruptionen vor vielleicht drei Milliarden Jahren. An der Landestelle von Apollo 12 wurde eine ähnliche Geologie wie bei Apollo 11 vorgefunden, mit einem allerdings um 500 Millionen Jahre jüngeren Vulkanismus. Auch wurde festgestellt, dass sich die Basalte aus diesem westlichen 'Mare' bei Apollo 12 in ihrer Mineralogie deutlich von den weiter östlich an der Apollo 11-Landestelle genommenen Proben unterscheiden.

Das alles bedeutete, dass sich im Innern des Mondes entgegen der Annahme doch recht komplexe Vorgänge bei der Bildung von Gesteinsschmelzen, von Magma abspielten - und dass der Vulkanismus auf dem viereinhalb Milliarden Jahre alten Mond nicht auf eine kurze Zeitspanne begrenzt war und auch nicht von den gewaltigen Einschlägen von Asteroiden vor etwa vier Milliarden Jahren ausgelöst wurde. Interessant waren auch Proben aus grünlichem Glas: Da der Mond keine Atmosphäre hat, prasseln von Anfang an auch die winzigsten Staubteilchen aus dem Sonnensystem mit extrem hoher Geschwindigkeit auf den Mond, sodass die Steine nach und nach zu dem zementfeinen Staub, dem Regolith, zertrümmert und dabei so stark erhitzt werden, dass der Staub schmilzt und sofort wieder zu Glas erstarrt.

 

Diese Texte entstanden in Zusammenarbeit des DLR-Instituts für Planetenforschung mit dem Raumfahrtexperten Gerhard Daum für die Ausstellung "Apollo and Beyond" im Technik Museum Speyer. Hier ist unter anderem die Geschichte des Projekts Apollo ausführlich in Wort und Bild dargestellt. Außerdem sind in einer Mondlandschaft Modelle in Originalgröße der Apollo-11-Mondfähre "Eagle", des Mondautos von Apollo 15 und eines Apollo-Weltraumanzugs für die Mondexkursionen sowie ein 3,4 Milliarden Jahre alter Stein von der Apollo-15-Landestelle zu sehen.

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