Apollo 14: Reiseziel Fra Mauro - 3. Mondlandung

Alan Shepard entnimmt ein Werzkzeug vom Ausrüstungswagen auf der Mondoberfläche
Alan Shepard entnimmt ein Werzkzeug vom Ausrüstungswagen auf der Mondoberfläche
Bild 1/2, Credit: NASA

Alan Shepard entnimmt ein Werzkzeug vom Ausrüstungswagen auf der Mondoberfläche

Nach Untersuchungen des Apollo-13-Unfalls konnte schon zehn Monate später Apollo 14 zum Mond starten. Erstmals wurde ein schwieriges Terrain für die Landung ausgesucht. Obwohl im Anflug das Radar ausfiel, gelang Alan Shepard und Edgar Mitchell mit der Mondfähre Antares am 5. Februar 1971 eine Präzisionslandung. Bei der Erkundung des Kraters Cone kamen die Astronauten nur langsam voran und verloren die Orientierung. Das Ziehen eines Gefährts mit Instrumenten, der "Riksch", war mühsam. Als der Sauerstoff zur Neige ging, mussten sie umkehren, nur 17 Meter vom Kraterrand entfernt. Stuart Roosa fotografierte derweil aus der Kommandokapsel Kitty Hawk den Mond.
Edgar Mitchell mit der Karte, auf der die Route zum Cone-Krater eingezeichnet ist
Edgar Mitchell mit der Karte, auf der die Route zum Cone-Krater eingezeichnet ist
Bild 2/2, Credit: NASA

Edgar Mitchell mit der Karte, auf der die Route zum Cone-Krater eingezeichnet ist

Das eigentliche Ziel der Exkursion auf dem Mond war der Rand des Kraters Cone. Doch die beiden Astronauten Alan Shepard und Edgar Mitchell der Apollo-14-Mission hatten große Orientierungsprobleme, und der Anstieg zum Kraterrand war anstrengender als gedacht. Wegen der zur Neige gehenden Sauerstoffvorräte mussten sie schließlich umkehren. Trotzdem verbrachten die beiden Astronauten insgesamt fast neuneinhalb Stunden außerhalb der Mondfähre. Das war viel mehr als bei den vorangegangenen Missionen.

Crew und Raumschiff

Der Unfall und das nervenaufreibende Rückholmanöver bei Apollo 13 stellten natürlich eine Zäsur im Apollo-Programm dar. Als allerdings der Fehler gefunden war und die Ursache für das Desaster feststand, beschloss die NASA gegen Ende des Jahres 1970 das Apollo-Programm wie geplant fortzusetzen. Die Crew für die Mission Apollo 14 stand ohnehin seit mehr als einem Jahr fest, und es konnte für diesen ersten Flug nach dem Einschnitt mit Apollo 13 kaum eine bessere Wahl für einen Kommandanten geben, als Alan Shepard. Shepard war ein Astronaut der legendären "Mercury 7", der ersten Gruppe sieben amerikanischer Astronauten, die zu Beginn der 1960er-Jahre der Kern des Mercury-Programms waren. 1961 war er der erste Amerikaner im Weltall - wenn auch "nur" mit einem ballistischen Flug (erst John Glenn sollte ein Jahr später mit Mercury VI die Erde umrunden).

Für Shepard erfüllte sich mit Apollo 14 ein Traum, denn der passionierte Astronaut litt zwischen 1964 und 1968 an der Menière-Krankheit, die ihm den Druckausgleich über die Gehörgänge erschwerte. Deshalb konnte er lange nicht für einen der Mondflüge, den ihm die NASA gerne zugestanden hätte, nominiert werden. Mit einem Alter von damals 47 Jahren ist Shepard bis heute der älteste Mensch, der die Mondoberfläche betreten hatte.

Zum Piloten für die Mondfähre wurde Edgar Mitchell ausgewählt; auf dieser Position sollte mit James McDivitt ursprünglich ebenfalls einer der erfahrensten Veteranen (er war Kommandant von Gemini IV und von Apollo 9) zum Mond fliegen, doch McDivitt übte heftige Kritik am Apollo-Trainingsprogramm und überwarf sich mit den Verantwortlichen bei der NASA. Pilot der Kommandokapsel wurde Stuart Roosa, der wie Mitchell noch nicht im Weltall gewesen war. Da Shepard bei seinem Erstflug 1961 - es sollte eine "schnelle" Antwort auf den Erfolg der UdSSR mit dem Orbitalflug von Juri Gagarin im April desselben Jahres sein - die Grenze des Weltalls nur ‚gekratzt‘ hat, kursierte im Astronautenkorps die etwas boshafte, aber auch mit einem Schuss Ironie behaftete Behauptung, diese Mission sei die einzige Crew im Apollo-Programm mit lauter Astronauten-Neulingen gewesen.

Für den Start wurde die Saturn V-Rakete mit der Seriennummer SA-509 vorbereitet. Rufname der Kommandokapsel war Kitty Hawk, nach dem Ort, in dem die Gebrüder Wright 1903 den ersten Motorflug durchführten. Die Mondfähre erhielt den Namen Antares, einem markanten Stern im Sternbild Skorpion.

Missionsverlauf

Apollo 14 wurde aus naheliegenden Gründen besonders sorgfältig vorbereitet. Wegen einer dichten Wolkendecke am 31. Januar 1971 in Cape Canaveral bestand die Gefahr eines Gewitters. Aufgrund der Erfahrungen mit Apollo 12, wurde kurzzeitig erwogen, den Countdown abzubrechen. Doch dann erfolgte um 16:03 Ortszeit der Start: Schon nach wenigen Sekunden war die Saturn V durch die Wolken geschossen. Nach dem Verlassen der Erdumlaufbahn sollte die Mondfähre an die Spitze der Kommandokapsel angedockt werden. Dies gestaltete sich bei Apollo 14 sehr viel schwieriger als bei den anderen Missionen. Die Astronauten benötigten beinahe zwei Stunden, und erst durch Verwendung der Triebwerke des Raumschiffs zum "Gegenhalten" konnte das Manöver abgeschlossen werden. Beim Andocken der Mondfähre nach der Rückkehr vom Mond trat dieses Problem nicht noch einmal auf.

Das Ziel von Apollo 14 war dasselbe wie bei Apollo 13 - eine kleine Ebene inmitten mehrerer sich von Norden nach Süden erstreckender Hügelketten, der Fra Mauro-Formation. Die Wissenschaftler waren nach wie vor in freudiger Erwartung der Untersuchung dieses Gebiets. Zum ersten Mal sollte es also keine Landung auf einem Mare sein, einer der dunklen Vulkanebenen auf der Mondvorderseite. Wegen der gekoppelten Rotation des Mondes mit der Erde wird die Seite des Mondes, die er immer der Erde zeigt, als "Vorderseite" bezeichnet. Weil der Mond für eine Eigendrehung so lange benötigt, wie für einen Umlauf um die Erde, sehen wir Menschen immer nur diese Seite - die "Rückseite" der Mondkugel hingegen nie.

Die Landung in diesem hügeligen Gebiet würde eine viel abwechslungsreichere Landschaft zeigen, vor allem aber könnten ganz andere Gesteine eingesammelt werden. Das Einschwenken in die Mondumlaufbahn am 4. Februar gelang ohne Probleme. Shepard und Mitchell stiegen am 5. Februar in die Antares, koppelten um 5:50 Uhr MEZ ab und näherten sich der Landestelle. Wie erhofft identifizierten sie schon im Anflug den Krater Cone, der später aus der Nähe untersucht werden sollte, und die als Landestelle vorgesehene Ebene etwa einen Kilometer westlich davon. Um 10:18:11 MEZ setzte Shepard die Mondfähre sicher auf, allerdings auf einem leicht geneigten Hang; das bedeutete keine Gefahr, aber die beiden Astronauten rutschten während ihres - unruhigen - Schlafs häufig aneinander und hatten bei der geringen Anziehungskraft des Mondes manchmal das Gefühl, die Antares würde umkippen.

Auf dem Mond

Nach ersten Blicken durch die Fenster und Schilderungen der Umgebung drängte es Shepard und Mitchell zum Ausstieg: "Komm, lass uns hinausgehen und ein wenig im Schnee spielen!" - Alan Shepard machte damit deutlich, dass die Landschaft in der Tat ganz anders war als bei Apollo 11 und 12. Natürlich gibt es auf dem Mond keinen Schnee, aber die sanften Hügel von Fra Mauro sahen im Licht der tief stehenden Sonne wie von weißem Puder bedeckt aus, und so mutete das helle Grau doch wie Schnee an.

Um 15:45 Uhr MEZ betrat der Kommandant den Mond, Mitchell folgte vier Minuten später. Die Außenbordaktivitäten (Extra-Vehicular Activites, EVAs) waren schon Routine. Das Objektiv der Fernsehkamera war dieses Mal mit einem Deckel vor dem grellen Sonnenlicht geschützt. Nach dem Aufstellen und Einschalten verfolgten die Bodenkontrolle in Houston und die interessierte Weltbevölkerung in Farbe - 1971 noch keine Selbstverständlichkeit -, wie Shepard und Mitchell das ALSEP, das Instrumentenpaket für die physikalischen Versuche, aufbauten und in Betrieb nahmen. Einige der für seismische Experimente vorgesehenen kleinen Sprengladungen zündeten nicht, doch die meisten Messungen der von den Detonationen ausgelösten Mondbebenwellen gelangen wie geplant. Der erste Tag brachte gute Ergebnisse. Bodenkontrolle und Wissenschaftler waren sehr zufrieden.

Mit Spannung erwartet wurde die zweite Außenbordaktivität, die nach einer viel zu kurzen Schlafpause stattfinden sollte. Für Apollo 14 wurde eigens ein kleiner Handwagen entworfen - von den Astronauten respektlos "Rikscha" genannt -, um bei den Exkursionen Werkzeuge mitnehmen und mehr Proben einsammeln zu können. Damit machten sich Shepard und Mitchell auf den einen Kilometer langen Weg in Richtung des Kraters Cone. Dort, so die Hoffnung, würden sie am Rand des Kraters einige aus der Tiefe nach oben geschleuderte Steine finden, die Aufschluss über den Mond-Untergrund, also die ursprüngliche Kruste des Trabanten, geben sollten.

Doch in dem hügeligen Gelände fiel den Astronauten die Orientierung viel schwerer als noch aus der Vogelperspektive, auch waren sie geologisch weniger erfahren als spätere Crews. Der Weg war extrem anstrengend, beiden jagte der Puls hoch. Auf Befehl von Houston wurde die Exkursion kurz vor Erreichen des Kraterrandes abgebrochen, und die Astronauten mussten frustriert zur Mondfähre zurückkehren: Man wollte kein unkalkulierbares Risiko eingehen! Für die Mondgeologen ein herber Rückschlag, denn eine dritte Exkursion war nicht vorgesehen.

Ergebnisse

Die beiden Astronauten verbrachten insgesamt fast neuneinhalb Stunden außerhalb der Mondfähre, viel mehr als bei den beiden vorangegangenen Missionen. Nicht zuletzt dank der "Rikscha" legten sie auch die längste Strecke aller Apollo-Missionen zu Fuß zurück. Mit Shepards Worten "eigentlich ist es phantastisch hier oben, wir hätten gerne noch so viel mehr erledigt" wurde der Rückflug zur Kommandokapsel vorbereitet. Am 6. Februar um 19:48 Uhr MEZ hob die Antares von der Mondoberfläche ab und vereinigte sich wieder mit der Kitty Hawk, in der Stuart Roosa während der vergangenen 40 Stunden ebenfalls physikalische Experimente und vor allem Fotos von unbekannten Mondregionen in der Umlaufbahn machte.

Die Rückkehr zur Erde verlief reibungslos, und am 9. Februar 1971 um 22:05 Uhr MEZ wasserte Apollo 14 im Pazifischen Ozean, nur einen Kilometer neben dem berechneten Ziel: Das war die genaueste Wasserung aller Apollo-Kapseln. Auch dieses Mal mussten die Astronauten bei ihrer Bergung Schutzanzüge tragen und eine 16 Tage lange Quarantäne erdulden. Da auch bei der dritten Mondlandung keine Keime oder Viren vom Mond entdeckt wurden, verzichtete die NASA bei den folgenden Missionen auf diese Prozedur.

Die Besatzung brachte 42,8 Kilogramm Proben mit zur Erde, die bis dahin größte Menge. Es war die bis dahin wissenschaftlich erfolgreichste Apollo-Mission. Mit den Proben konnten wichtige Altersdaten gewonnen werden. So wurde der Zeitpunkt des Einschlags ermittelt, der das über tausend Kilometer große Imbrium-Becken schuf, die markanteste, kreisrunde, schon mit bloßem Auge von der Erde zu sehende dunkle Vulkanebene auf der Mondvorderseite: Vor 3,8 Milliarden Jahren schlug dort ein über hundert Kilometer großer Asteroid ein. Die Untersuchungen bestätigten auch, dass der Auswurf des Einschlags in der Tat nicht nur die Fra Mauro-Formation geschaffen, sondern riesige Gebiete der Mondoberfläche überprägt hat. Eine Katastrophe globalen Ausmaßes.

Die Geologen erkannten, dass die Veränderung der Körper des Sonnensystems nicht nur aus dem Inneren dieser Planeten und Monde erfolgt, durch Vulkanismus, sondern dass Einschläge einen fundamentalen Prozess für Veränderungen im Sonnensystem darstellen. Trotz der verpassten Gelegenheit am Krater Cone waren alle zufrieden: Die NASA, weil sie nach Apollo 13 wieder in "ruhigem Fahrwasser" war, die Wissenschaftler mit den neuen Proben und Messungen - gepaart mit der Vorfreude auf die Missionen Apollo 15, 16 und 17.

 

Diese Texte entstanden in Zusammenarbeit des DLR-Instituts für Planetenforschung mit dem Raumfahrtexperten Gerhard Daum für die Ausstellung "Apollo and Beyond" im Technik Museum Speyer. Hier ist unter anderem die Geschichte des Projekts Apollo ausführlich in Wort und Bild dargestellt. Außerdem sind in einer Mondlandschaft Modelle in Originalgröße der Apollo-11-Mondfähre "Eagle", des Mondautos von Apollo 15 und eines Apollo-Weltraumanzugs für die Mondexkursionen sowie ein 3,4 Milliarden Jahre alter Stein von der Apollo-15-Landestelle zu sehen.

Kontakt
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