Apollo 15: Reiseziel Hadley-Apenninen - 4. Mondlandung

Apollo 15: Reiseziel Hadley-Apenninen - 4. Mondlandung
Apollo 15: Reiseziel Hadley-Apenninen - 4. Mondlandung
Bild 1/5, Credit: NASA

Apollo 15: Reiseziel Hadley-Apenninen - 4. Mondlandung

Für Apollo 15 hatte man sich eine schwierige Landestelle direkt neben der Hadley-Rille ausgesucht (rechts unten im Bild), einem stellenweise 400 Meter tiefen ehemaligen Lavakanal. Neben der Hadley-Rille gehörte auch die Front der Mond-Apenninen zu den Zielen der Astronauten, die sie nahe dem Krater am unteren linken Bildrand untersuchten.
Kommando- und Servicemodul von Apollo 15 im Mondorbit
Kommando- und Servicemodul von Apollo 15 im Mondorbit
Bild 2/5, Credit: NASA

Kommando- und Servicemodul von Apollo 15 im Mondorbit

Das Kommando- und Servicemodul der Apollo-Missionen war das "Mutterschiff" für alle Mondflüge. Es bestand aus der konischen Kommandokapsel, in der sich die Astronauten aufhielten, und dem zylinderförmigen, siebeneinhalb Meter langen Servicemodul, in dem sich Treibstoff, Sauerstoff und die Stromversorgung befanden. Auf dem Weg zum Mond wurde an der Spitze der Kommandokapsel die Mondfähre transportiert. Die Konfiguration wurde auch dazu benutzt, aus der offenen "SIM-Ladebucht" auf den Mond gerichtete Experimente durchzuführen: Fotos mit Spezialkameras, Alphateilchen-, Röntgen- und Gammastrahlen-Messungen sowie Schwere- und Magnetfelduntersuchungen.
David Scott führt Arbeiten am geparkten Mondrover am Rand der Hadley-Rille durch
David Scott führt Arbeiten am geparkten Mondrover am Rand der Hadley-Rille durch
Bild 3/5, Credit: NASA

David Scott führt Arbeiten am geparkten Mondrover am Rand der Hadley-Rille durch

Das vielleicht spektakulärste Ziel der Apollo-Missionen: die Hadley-Rille - ein schon aus Teleskopbeobachtungen bekanntes Tal, das von glutflüssiger Lava erzeugt wurde. Sie konnte mit dem Rover bequem erreicht werden.
Der Mondrover im Hadley-Apenninen Landegebiet
Der Mondrover im Hadley-Apenninen Landegebiet
Bild 4/5, Credit: NASA

Der Mondrover im Hadley-Apenninen Landegebiet

Einen enormen Fortschritt brachten die Mondfahrzeuge. Die Astronauten konnten damit auf ein den Exkursionen zwischen den Stationen ihre Kräfte schonen und weitere Strecken zurücklegen - und ein Vielfaches an Proben aufsammeln. Den Auftakt machte Apollo 15.
David Scott am Hang des Hadley-Deltas
David Scott am Hang des Hadley-Deltas
Bild 5/5, Credit: NASA

David Scott am Hang des Hadley-Deltas

Dave Scott (Bild) und Jim Irwin nutzen die durch den Rover gewonnene Mobilität und fuhren auch steile Berghänge hinauf. Beide Astronauten leisteten bemerkenswert gründliche Feldarbeit.

Crew und Raumschiff

Apollo 15 würde die erste von drei "J-Missionen" sein - statt zwei Tagen sollten die Aufenthalte auf der Mondoberfläche nun drei Tage dauern. Dazu würde eine Mondfähre mitgeführt werden, die beim Start 16,5 Tonnen wog und etwa tausend Kilogramm schwerer als ihre Vorgänger war. Neben zusätzlichen Ressourcen wie Nahrung, Treibstoff und Sauerstoff sollte darin zum ersten Mal auch ein Mondfahrzeug mitgeführt werden: das "Lunar Roving Vehicle", von der NASA kurz LRV oder schlicht Mondrover genannt.

Die Entscheidung zur Entwicklung eines auf möglichst kleines Volumen zusammenfaltbares Leichtbaufahrzeug fiel erst im Frühjahr 1969. Die dadurch deutlich gesteigerte Mobilität würde es den Astronauten ermöglichen, viel längere Strecken auf der Mondoberfläche zurückzulegen, mehr zu sehen, mehr zu beobachten und viel mehr Proben von verschiedenen Stellen einzusammeln.

Die Vorfreude des Wissenschaftsteams war enorm. Hinzu kam, dass die geologische Ausbildung der Astronauten einen viel größeren Raum in den Vorbereitungen für die J-Missionen einnahm. Die Astronauten der Missionen 15, 16 und 17 wurden intensiv auf der Erde in "mondähnlichem" Gelände - soweit dies möglich war - von erfahrenen Geologen trainiert.

Obwohl nun das wissenschaftlich erfolgreichste Kapitel des Apollo-Projekts beginnen sollte, änderte sich die politische Akzeptanz der Mondflüge dramatisch. Präsentierte sich US-Präsident Nixon noch zwei Jahre zuvor stolz mit der Crew von Apollo 11, so ließ er die NASA immer deutlicher spüren, dass von den USA mit der ersten Mondlandung zwar ein wichtiges politisches Signal an die Sowjetunion und die Weltöffentlichkeit ausgesandt worden war, Nixon selbst die weiteren Missionen aber für zu teuer hielt - zumal er davon politisch nicht profitieren konnte. So stieß schon die Entscheidung der NASA, der Firma Boeing einen Auftrag zum Bau des Rovers zu erteilen, auf heftige Kritik. Verglichen mit den offiziellen Kosten des gesamten Apollo-Programms von (damals) 23 Milliarden US-Dollar fielen die Entwicklungskosten von 40 Millionen Dollar für das LRV jedoch kaum ins Gewicht.

Kommandant von Apollo 15 wurde David Scott, der 1966 gemeinsam mit Neil Armstrong die Mission Gemini VIII geflogen war und 1969 mit Apollo 9. Zum Piloten der Mondfähre wurde James Irwin bestimmt, Pilot der Kommandokapsel wurde Alfred Worden - für beide war Apollo 15 der erste Raumflug. Die Kommandokapsel erhielt den Rufnamen Endeavor (engl.: Anstrengung), die Mondfähre trug den Namen Falcon (engl.: Falke).

Missionsverlauf

Der Start von Apollo 15 vom Kennedy Space Center erfolgte am 26. Juli 1971 um 9:34 Uhr Ortszeit. Als die erste Stufe ausgebrannt war und abgestoßen wurde, zündete die zweite Stufe bereits, als die erste Stufe noch sehr nahe an der Rakete war. Hätte der Brennstrahl der zweiten Stufe die Abgase der ersten Stufe entzündet, hätte dies zu einer Katastrophe führen können.

Der weitere Reiseverlauf verlief jedoch reibungslos, sodass Apollo 15 am 30. Juli auf die Mondrückseite flog, und sich das Raumschiff planmäßig in einer Mondumlaufbahn befand. Die Auswahl der Landestelle demonstrierte das gewachsene Selbstbewusstsein der NASA: Denn Apollo 15 sollte inmitten der fast viertausend Meter hohen Apennin-Berge aufsetzen, nahe der Hadley-Rille, einem 116 Kilometer langen, 1000 Meter breiten und 400 Meter tiefen Lavakanal in einer ebenen "Bucht" am Ostrand des Mare Imbriums. Das "Regenmeer" ist das größte der von der Erde mit bloßem Auge sichtbaren Einschlagsbecken auf der Mondvorderseite, die allesamt von erstarrter Lava angefüllt sind. Das erforderte einen gewagten Anflug von Osten.

Scott und Irwin koppelten am 30. Juli die Mondfähre von der Kommandokapsel ab. Während des Abstiegs bemerkte Scott, dass die Falcon nicht exakt auf Kurs war, korrigierte dies durch Handsteuerung und wenig später "kratzte" die Mondfähre in der berechneten Höhe über die hohen Berge am Ostrand des Imbriumbeckens. Der Blick aus dem Fenster, so erinnerten sich Scott und Irwin, sei faszinierend gewesen. Um 23:16:29 MEZ landeten die Astronauten nur wenige hundert Meter von der vorgegebenen Landestelle entfernt. Da beide Astronauten nun schon einen sehr langen Arbeitstag hinter sich hatten, wurde der erste Ausstieg auf den nächsten (Erden-) Tag verschoben.

Bevor sich die beiden jedoch zu einer ausgiebigen Ruhe begaben, schilderte Scott in einer unter den Mondgeologen noch heute legendären, spontanen Ansprache ihre ersten Eindrücke. Dazu legten sie ihren Astronautenanzug mitsamt Helm an, pumpten die Luft aus der Kabine und öffneten die Luke an der Oberseite der Falcon. Scott steckte seinen Kopf heraus und legte die Arme auf die Außenverkleidung und berichtete direkt an das "Hinterzimmer" in Houston - dort hielten sich die Wissenschaftler in unmittelbarer, aber doch räumlich getrennter Nähe zur Missionskontrolle auf. Es war eine perfekte, detaillierte 360 Grad-Schilderung dieser aufregenden Landestelle, die Scott mit vielen Fotos dokumentierte.

Auf dem Mond

Am folgenden Tag wurde die Umgebung dann aktiv erkundet. Scott betrat am 31. Juli um 14:12 Uhr MEZ die Mondoberfläche, nach wenigen Minuten folgte Irwin. Im Gegensatz zu den vorherigen Missionen wurde noch nicht das Experimentpaket ALSEP (Apollo Lunar Surface Experiment Package) installiert, sondern erst die Inbetriebnahme des Mondrovers angegangen. Das (auf der Erde) 210 Kilogramm schwere "Paket" ließ sich problemlos entfalten und fahrbereit machen, und schon ging es los, mit 2,5 PS pro Rad!

Ungeschriebenes Gesetz der mobilen Apollo-Crews war es, dass nur der Kommandant die sehr einfach gehaltene Steuerung bediente. Zunächst waren die Vorderräder nicht lenkbar, nur die Hinterräder: Das war gewöhnungsbedürftig, bedeutete aber keine Beeinträchtigung. Als Scott den Rover am zweiten Tag anschaltete, ging auch die Lenkung der Vorderachse, was mit den Worten kommentiert wurde: "Da war doch heute Nacht einer von den Marshall-Jungs hier oben", also einer der Ingenieure aus jenem NASA-Zentrum, in dem die Rover zusammengebaut wurden. Schon die erste Fahrt mit dem Rover war ein riesiger Fortschritt. Scott und Irwin fuhren langsam etwa tausend Meter bis an den Rand der beeindruckenden Hadley-Rille, einem vulkanischen Kanal, durch den sich vor drei Milliarden Jahren glühend heiße dünnflüssige Lava in das Imbriumbecken ergoss. Zwei Kilometer weiter erreichten Sie den Fuß von Mount Hadley und nahmen wichtige Gesteinsproben vom Rand des Imbriumbeckens.

Zurück an der Mondfähre installierten die Astronauten noch das ALSEP und mühten sich - vergeblich - beim Bohren von Löchern für Proben aus mehreren Metern Tiefe und für physikalische Messungen. Der folgende Tag war einer der wichtigsten für die Mondforschung. Vier Kilometer südlich der Landestelle fanden Scott und Irwin - endlich! - einen Felsbrocken, der fast vollständig aus dem kalziumreichen Aluminiumsilikat Plagioklas besteht, ein Stück Anorthosit-Gestein von der ursprünglichen Mondkruste. In der Euphorie setzte sich sofort der Begriff "Genesis-Rock" (engl.: Stein der Schöpfung) fest. Auch schlugen sie Proben von einem Felsen, der von vulkanischem Glas grün gefärbt war. Gleichzeitig hielten sie die spektakuläre Szenerie in unzähligen Fotos fest: Scott, ein Ingenieur und Pilot, bewährte sich als äußerst begabter und höchst motivierter Geologe. Auch die dritte Exkursion brachte nochmals bedeutende Beobachtungen, dieses Mal vor allem vom Rand der Hadley-Rille. Die Euphorie der Wissenschaftler kannte keine Grenzen.

Ergebnisse

Bevor der Rückflug zu Alfred Worden in der Kommandokapsel stattfand, führte David Scott noch ein "klassisches" Experiment durch: Vor der laufenden Fernsehkamera ließ er aus seinen Händen gleichzeitig seinen Geologenhammer und eine Falkenfeder fallen, die natürlich beide gleichzeitig auf dem Mondboden ankamen. Dies demonstrierte, dass im Vakuum des Mondes die Anziehungskraft auf beide Körper exakt gleich wirkt (und es auf der Erde der Luftwiderstand ist, der die Feder bremst), eine Theorie, die Galileo Galilei bereits im 17. Jahrhundert formulierte. Scott parkte dann den Rover in einiger Entfernung zur Mondfähre, und richtete die TV-Kamera auf die Mondfähre, um den Rückstart aufnehmen zu können. Daneben errichtete er eine kleine Gedenkstätte mit den Namen aller Astronauten und Kosmonauten, die seit Beginn des Raumfahrtzeitalters ihr Leben verloren hatten.

Nach zwei Tagen und knapp 20 Stunden traten Scott und Irwin am 2. August 1971 den Rückflug an, sie verbrachten fast 19 Stunden außerhalb der Mondfähre und hatten 76,7 Kilogramm Proben im Gepäck. Während dieser Zeit fotografierte Alfred Worden aus der Kommandokapsel die Mondoberfläche mit einem speziellen Kamerasystem in der Außenwand der Serviceeinheit in bisher noch nie dagewesener Schärfe. Während des Rückflugs zur Erde absolvierte Worden noch einen Außenbordeinsatz zur Bergung der Filmkassetten. Nach Verlassen der Mondumlaufbahn kam es zu einem bewegenden Austausch von Dankesadressen zwischen der Crew und den Wissenschaftlern, die Apollo 15 von Houston aus live verfolgten. Alle wussten, dass es die bislang produktivste Mission im Apollo-Programm war. Der Einsatz des Mondrovers als mobile Forschungsplattform bedeutete einen enormen Gewinn.

Apollo 15 kehrte am 7. August 1971 zur Erde zurück. Tatsächlich war der "Stein der Schöpfung" alt, aber nicht so alt, wie erhofft, nämlich "nur" 4,1 Milliarden statt 4,4 Milliarden Jahre. Erst Apollo 17 sollte die älteste Probe der ersten Mondkruste mit zur Erde bringen. Aber trotzdem war der Genesis Rock ein sehr bedeutender Fund. Die Untersuchung der Proben von den Bergen am Rand des Imbriumbeckens half, den Zeitpunkt des Einschlags noch genauer als bei Apollo 14 auf 3,82 Milliarden Jahre vor unserer Zeit zu bestimmen. Damit hatten die Geologen einen "Anker" für die Altersbestimmung aller anderen Gebiete auf dem Mond. Die Hadley-Rille gestattete einen Blick in die Tiefe auf die Schichtungen der Lavaströme, aus denen die Mare auf dem Mond aufgebaut sind.

 

Diese Texte entstanden in Zusammenarbeit des DLR-Instituts für Planetenforschung mit dem Raumfahrtexperten Gerhard Daum für die Ausstellung "Apollo and Beyond" im Technik Museum Speyer. Hier ist unter anderem die Geschichte des Projekts Apollo ausführlich in Wort und Bild dargestellt. Außerdem sind in einer Mondlandschaft Modelle in Originalgröße der Apollo-11-Mondfähre "Eagle", des Mondautos von Apollo 15 und eines Apollo-Weltraumanzugs für die Mondexkursionen sowie ein 3,4 Milliarden Jahre alter Stein von der Apollo-15-Landestelle zu sehen.

Kontakt
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