Apollo 17: Reiseziel Taurus-Littrow - 6. und letzte Mondlandung

Jack Schmitt untersucht Tracy's Rock
Jack Schmitt untersucht Tracy's Rock
Bild 1/4, Credit: NASA

Jack Schmitt untersucht Tracy's Rock

Jack Schmitt in seinem Element als Feldgeologe. Über eine Stunde untersuchten die Astronauten einen 18 Meter langen Felsen, der von einem Abhang außerhalb des Bildes ins Tall rollte. Gene Cernan wollte eigentlich den Namen seiner Tochter in den Staub auf dem Felsen schreiben, vergaß es aber - dennoch trägt der Fels jetzt ihren Namen.
Orangefarbener Mondboden
Orangefarbener Mondboden
Bild 2/4, Credit: NASA

Orangefarbener Mondboden

"Hoppla - warte mal: Hier ist der Boden orangefarben! Überall! Ich hab's mit den Füßen freigekratzt." Mit diesem Ausruf versetzte Jack Schmitt Houston in Wallung, denn Schmitt und die Geologen glaubten, sehr junge vulkanische Ablagerungen gefunden zu haben. Es handelte sich hierbei jedoch um titanreiches vulkanisches Glas, das bei Vulkanausbrüchen in Feuerfontänen über die Oberfläche gesprüht worden war. Weil bei diesem Vorgang die Lava in kürzester Zeit um mehrere hundert Grad abkühlt, kann sich keine Kristallstruktur bilden und das geschmolzene Material erstarrt zu Glas. Das passierte allerdings bereits vor Milliarden Jahren.
Not macht auch auf dem Mond erfinderisch
Not macht auch auf dem Mond erfinderisch
Bild 3/4, Credit: NASA

Not macht auch auf dem Mond erfinderisch

Die Exkursionskarte musste als Ersatz für ein beschädigtes Schutzblech am Rover herhalten. Ohne diesen Schutz wirbelten die Reifen so viel Staub auf, dass dieser die Astronauten bei der Fahrt behinderte. Außerdem lagerte er sich auf den Astronautenanzügen ab und haftete dort wie angeklebt.
Apollo-17-Kommandant Eugene Cernan am Steuer des zweisitzigen Mondrovers
Apollo-17-Kommandant Eugene Cernan am Steuer des zweisitzigen Mondrovers
Bild 4/4, Credit: NASA

Apollo-17-Kommandant Eugene Cernan am Steuer des zweisitzigen Mondrovers

Bei den letzten drei Mondlandungen konnten die Astronauten mit einem 210 Kilogramm leichten, batteriegetriebenen Fahrzeug die Umgebung ihrer Landestellen erkunden: dem Mondrover. Die Dauer der Aufenthalte auf dem Mond wurde auf drei Erdentage verlängert, sodass bei Apollo 15, 16, 17 drei lange Exkursionen von jeweils rund 30 Kilometern Länge durchgeführt werden konnten. Die größere Mobilität ermöglichte den Astronauten eine viel intensivere Untersuchung der Mondlandschaften. Auch konnten viel mehr Gesteinsproben gesammelt werden,

Die Zeit des Projekts Apollo neigte sich ihrem Ende entgegen. Seit 1970 war klar, dass Apollo 17 im Dezember 1972 die letzte Mondmission sein würde. Denn die Pläne für die zunächst vorgesehenen Missionen 18, 19 und 20 waren von der NASA längst aufgegeben worden - aus Kostengründen, aber auch, weil kein politischer Rückhalt mehr für das Programm gegeben war. Somit war absehbar, dass nach Apollo 17 für lange Zeit kein Mensch mehr den Mond betreten würde.
 
Dieser Umstand hatte auch Auswirkungen auf die Auswahl der Crew. Zwar folgte die NASA zunächst dem bisher praktizierten Turnus, dass die Ersatzmannschaft der vor-vorherigen Mission, also Apollo 14, zum Zuge kommen sollte. Das bedeutete, dass Eugene 'Gene' Cernan als Kommandant feststand. Cernan würde also doch noch seinen Fuß in den Mondstaub setzen, nachdem er bei Apollo 10, der Generalprobe für die erste Mondlandung, zusammen mit Tom Stafford dem Mond bereits bis auf 14,5 Kilometer nahe gekommen war. Cernan (Apollo 10 und 17), Young (Apollo 10 und 16), und James Lovell (Apollo 8 und 13) waren die einzigen Astronauten, die zweimal zum Mond geflogen sind. Pilot der Kommandokapsel wurde Ronald Evans; Apollo 17 war Evans einziger Raumflug. Als Mondfährenpilot der Ersatzmannschaft von Apollo 14 wäre eigentlich Joe Engle der dritte Mann in diesem Team geworden. Doch die NASA ließ sich überzeugen, dass bei der letzten Reise zum Mond erstmals ein Wissenschaftler mit von der Partie sein sollte - Harrison 'Jack' Schmitt, ein Geologe, der sich durch seine Arbeit bei den Vorbereitungen zu Apollo 14, 15 und 16 qualifizierte, als er die Schnittstelle zwischen der Missionsleitung und den Wissenschaftlern besetzte.

Eine schwierige Entscheidung war die Auswahl der letzten Landestelle auf dem Mond. Die Liste der Landeplätze, die vorgeschlagen und verworfen wurden, war lang. So wurde zum Beispiel erwogen, auf dem Rand der vergleichsweise jungen Krater Tycho oder Copernicus zu landen, ein Manöver, das der NASA dann doch zu riskant erschien, genauso wie Schmitts Vorschlag, erstmals und einmalig auf der Mondrückseite zu landen. Am Ende einigten sich Forscher und NASA auf das Taurus-Littrow-Tal am Ostrand des Mare Serenitatis.

Am Abend des 6. Dezember 1972 war die Saturn V-Rakete mit der Seriennummer SA-512 bereit für die letzte Reise zum Mond - mit dem fast 47 Tonnen schweren Apollo-Raumschiff, bestehend aus der Kommandokapsel "America" mit dem Servicemodul an der Spitze und der Mondfähre "Challenger" in der dritten Raketenstufe.

Missionsverlauf

Erstmals wagte es die NASA, eine Apollo-Mission mit einem Nachtstart auf die Reise zu schicken. Der spektakuläre Start in den Nachthimmel von Florida erfolgte dann am 7. Dezember um 0:33 Uhr Ortszeit. Etwa eine halbe Million Menschen wohnten dem historischen Ereignis bei; Apollo entfaltete ein letztes Mal seine ganze Faszination mit dem Start der 111 Meter hohen Saturn V-Trägerrakete.
Der weitere Missionsverlauf war nahezu perfekt. Einem reibungslosen Transfer zum Mond folgte am 11. Dezember ein Bilderbuch-Abstieg von Cernan und Schmitt zur Mondoberfläche. Ähnlich wie bei Apollo 15 war der letzte Teil des Landemanövers nicht unkritisch, denn die Challenger musste durch mehrere Tausend Meter hohe Bergrücken, dem "Südmassiv" und dem "Nordmassiv" im gebirgigen Rand des Serenitatis-Einschlagsbecken gesteuert werden.

Um 20:54 Uhr MEZ setzte Cernan die Mondfähre fast genau an der geplanten Stelle auf. "Das ist ja absolut unglaublich!", entfuhr es Schmitt, und Cernan beschrieb einen Berghang mit auffallenden Strukturen mit den Worten: "Das sieht aus, wie die zerfurchte Haut eines alten, hundertjährigen Mannes - mein Gott, ist das schön hier!“ Diese erste Inspektion der Umgebung durch die Fenster der Challenger sorgte für hohe Erwartungen bei den Wissenschaftlern auf der Erde. Schon vier Stunden nach der Landung waren die beiden Astronauten bereit für ihre erste Exkursion.

Cernan und Schmitt, das war längst klar, bildeten ein brillantes Team. Wie bei den beiden vorherigen "J-Missionen" mit dreitägigem Aufenthalt wurde auch bei Apollo 17 ein Mondauto mitgeführt, um den Bewegungsradius der Astronauten zu vergrößern. Als der Rover startklar gemacht wurde, verhakte sich Cernans Geologenhammer am Schutzblech für das rechte hintere Rad, sodass ein Teil davon abbrach. Die Fahrt ohne Schutzblech hatte den unangenehmen Effekt, dass durch die Räder Mondstaub empor geschleudert und über das Fahrzeug mitsamt den Astronauten verteilt wurde. Cernan und Schmitt behoben das Missgeschick, indem sie eine geologische Landkarte als Ersatz-Schutzblech anbrachten - das Problem war behoben.

Routiniert installierten die Astronauten zunächst die geophysikalischen Experimente, deren Zusammenstellung bei Apollo 17 etwas von den vorherigen Missionen abwich: Besonders erfolgreich waren Messungen des lokalen Schwerefeldes, das durch Variationen der Zusammensetzung des Untergrundes Unterschiede aufweist. Die Geologen erhielten erste Hinweise zur vulkanischen Vergangenheit der Gegend.

Auf dem Mond

Nur mit einem Experiment, das dem Aufspüren von Schwerewellen aus den Tiefen des Alls diente, gab es Probleme. Sollte es gelingen, diese "Echos" des Urknalls, der Entstehung des Universums, gleichzeitig auf der Erde und dem Mond in Form von seismischen Schwingungen auf beiden Himmelskörpern messen zu können, hätte dies den Forschern mit Sicherheit einen Nobelpreis eingebracht. Doch das Instrument hatte einen Konstruktionsfehler, sodass es Schmitt nicht gelang, es so in Betrieb zu nehmen, dass sinnvolle Messungen möglich waren.

Keine Probleme bereitete hingegen das Ausbringen mehrerer kleiner Sprengladungen entlang der Exkursionsrouten. Diese wurden nach dem Rückstart von der Mondoberfläche gezündet und dann die Geschwindigkeit und Richtung gemessen, mit der sich die Erschütterungen, die seismischen Wellen, ausbreiteten. Damit ließen sich Profile der geologischen Struktur der Region erstellen.

Endlich gelang das Bohren einer zweieinhalb Meter langen Probe aus dem Mondboden, dem Regolith, mit der später im Labor auf der Erde der Nachweis geführt wurde, dass der Mond auch unter der Oberfläche absolut staubtrocken ist und keinerlei Feuchtigkeit vorhanden ist. Erst fast 40 Jahre später konnten Forscher zeigen, dass es durch äußere Einflüsse doch Wasser auf dem Mond gibt, allerdings in extrem geringer Menge in Form von Eis.

Mit einem weiteren, 2,80 Meter langen Bohrkern wurde die zeitliche Variation der auf den Mond treffenden Neutronen der kosmischen Strahlung gemessen. Dabei zeigte sich, dass der Mondboden mangels eines schützenden Magnetfeldes ein hervorragendes ‚Archiv‘ des kosmischen Strahlungsumfelds darstellt, wie wir es auf der Erde nicht haben.

Am bedeutendsten aber waren die geologischen Beobachtungen der beiden Astronauten bei ihren drei Exkursionen von insgesamt 22 Stunden Länge. Dabei machten sie mit ihren schwedischen Hasselblad-Kameras und den Zeiss-Objektiven aus dem schwäbischen Oberkochen 2200 Fotos und sammelten 110,4 Kilogramm Mondgestein ein. Mit dem Mondrover legten sie 36 Kilometer zurück und entfernten sich bis zu 7,6 Kilometer von der Mondfähre: eine Distanz, die sie bei einem Versagen des Rovers notfalls zu Fuß zurück zur Challenger hätten laufen müssen.

Nach einem etwas verhaltenen Auftakt am ersten Tag, der Jack Schmitt etwas die gute Laune verdarb, weil nach seinem Geschmack zu wenig handfeste Geologie betrieben wurde, waren die beiden folgenden Tage die wissenschaftlich ergiebigsten Exkursionen im gesamten Apollo-Programm.

Ergebnisse

Ziel von Apollo 17 war es, zwei wichtige Fragen zur Geschichte und Entwicklung des Mondes zu beantworten. Die Taurus-Littrow-Landestelle ist weit genug entfernt vom Becken des Mare Imbrium, das durch einen Asteroideneinschlag vor 3,8 Milliarden Jahren entstanden war. Das dabei ausgeworfene Material wurde über große Teile der Mondvorderseite verstreut. Durch die Wahl der Landestelle im Randwall des Mare Serenitatis, das deutlich älter ist als das Mare Imbrium, das bei Apollo 14 und 15 untersucht wurde, konnte ein letztes Mal der Versuch unternommen werden, an möglichst altes Gestein zu kommen. Tatsächlich gelang es den Astronauten, eine Gesteinsprobe zu finden, die mehr als 4,3 Milliarden Jahre alt war. Gleichzeitig hofften die Geologen, dort auch junges vulkanisches Gestein zu finden. Damit hätte die Zeitspanne, während der es zu Vulkanausbrüchen auf dem Mond gekommen war, besser eingegrenzt werden können.

 Auf den Fotos, die mit Apollo 15 aus der Mondumlaufbahn gemacht wurden, waren im Taurus-Littrow-Gebiet dunkle Flächen zu sehen, die viel jünger als die Umgebung zu sein schienen. Als Cernan und Schmitt dort mit dem Rover hinfuhren, entdeckten sie, dass es sich zwar tatsächlich um vulkanische Ablagerungen handelte, diese aber auch weit über drei Milliarden Jahre alt waren; die zweite Frage, wie lange der Vulkanismus auf dem Mond andauerte, konnte damit also nicht beantwortet werden. Sie fanden aber ungewöhnliche Vulkanablagerungen, orangefarbenen Mondstaub, der durch Feuerfontänen entstanden war, bei deren Ausbruch titanreiche Lava zu orangefarbenen Glaskügelchen erstarrte und den Boden verfärbte. Ihre Entdeckung rief nicht nur bei Jack Schmitt helle Begeisterung hervor.

Als Gene Cernan am 14. Dezember 1972 nach Schmitt die Leiter der Mondfähre hochstieg, hatte er als letzter von den zwölf Astronauten der sechs Mondlandungen einen Fußabdruck hinterlassen. Zuvor sprach auch er, wie 1969 Neil Armstrong, bemerkenswerte, aber viel weniger bekannte Worte: "So, wie wir gekommen sind und mit Gottes Hilfe wieder hierher kommen werden, gehen wir jetzt: in Frieden und Hoffnung für die ganze Menschheit!"

Cernan und Schmitt starteten um 23:55 Uhr MEZ vom Mond zur Kommandokapsel zurück, in der Ron Evans während seiner 75 Mondumkreisungen Experimente durchführte. Am 19. Dezember 1972 wasserte Apollo 17 um 20:24:59 MEZ im Pazifik. Das Projekt Apollo, eines der größten Abenteuer der Menschheit, war zu Ende; für Gene Cernan war es "das Ende vom Anfang" der Erkundung des Mondes.

 

Diese Texte entstanden in Zusammenarbeit des DLR-Instituts für Planetenforschung mit dem Raumfahrtexperten Gerhard Daum für die Ausstellung "Apollo and Beyond" im Technik Museum Speyer. Hier ist unter anderem die Geschichte des Projekts Apollo ausführlich in Wort und Bild dargestellt. Außerdem sind in einer Mondlandschaft Modelle in Originalgröße der Apollo-11-Mondfähre "Eagle", des Mondautos von Apollo 15 und eines Apollo-Weltraumanzugs für die Mondexkursionen sowie ein 3,4 Milliarden Jahre alter Stein von der Apollo-15-Landestelle zu sehen.

Kontakt
  • Ulrich Köhler
    Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
    Institut für Planetenforschung
    Telefon: +49 30 67055-215
    Fax: +49 30 67055-303
    Rutherfordstraße 2
    12489 Berlin
    Kontaktieren
  • Elke Heinemann
    Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

    Politikbeziehungen und Kommunikation
    Telefon: +49 2203 601-2867
    Fax: +49 2203 601-3249
    Linder Höhe
    51147 Köln
    Kontaktieren

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Weitere Informationen zum Datenschutz erhalten Sie über den folgenden Link: Datenschutz

Hauptmenü