4. Dezember 2015

Über­schwem­mun­gen in In­di­en - DLR-Ra­dar­sa­tel­lit lie­fert Bil­der zur Ka­ta­stro­phen­hil­fe

Über­flu­tun­gen im südin­di­schen Bun­des­staat Ta­mil Na­du
Credit: DLR/ Distribution Airbus DS Geo GmbH / OpenStreetMap.

Überflutungen im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu

Im Bild wer­den die Er­geb­nis­se der voll­au­to­ma­ti­schen Hoch­was­se­rer­ken­nung für ei­ne Ter­ra­SAR-X-Scan­SAR-Sze­ne in ei­ner We­ban­wen­dung dar­ge­stellt. Die Sa­tel­li­ten­sze­ne wur­de am 3. De­zem­ber 2015 über dem Kri­sen­ge­biet im südin­di­schen Bun­des­staat Ta­mil Na­du auf­ge­nom­men. Per­ma­nen­te Was­ser­flä­chen sind in dun­kel­blau und über­flu­te­te Ge­bie­te in hell­blau dar­ge­stellt.

Im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu haben sintflutartige Niederschläge die bereits seit vier Wochen andauernden Überschwemmungen weiter verschärft. Es sind die stärksten Regenfälle seit Jahrzehnten in dieser Region. Die Seen haben bereits einen hohen Wasserstand und können kein weiteres Wasser aufnehmen. Aus diesem Grund hat die Indische Weltraumagentur ISRO (Indian Space Research Organisation) die In­ter­na­tio­nal Char­ter on Space and Ma­jor Di­sas­ters (Charter) ausgelöst und um Hilfe gebeten. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) unterstützt nach diesem Hilferuf der indischen Regierung die Rettungskräfte vor Ort mit Bildern des deutschen Radarsatelliten TerraSAR-X. Am DLR-Zentrum für satellitengestützte Kriseninformation (ZKI) wurde ein am 3. Dezember 2015 aufgenommenes Radarbild des Katastrophengebiets ausgewertet. "Unser vollautomatisches Verfahren zur Hochwasserkartierung erlaubt es uns, bereits in weniger als 30 Minuten nach der Verfügbarkeit neuer Satellitendaten erste Abschätzungen zu den überfluteten Gebieten an das Krisenmanagement bereitzustellen. Im Gegensatz zu klassischen manuellen oder semi-automatischen Verfahren bedeutet dies einen entscheidenden Zeitgewinn", berichtet André Twele, Wissenschaftler am Earth Observation Center (EOC) des DLR. Das Ergebnis wurde den Experten von ISRO zur Verfügung gestellt, welche die indischen Behörden mit satellitenbasierten Informationen versorgen.

Radarauge sieht durch Wolkendecke

Die indische Regierung hat Militär- und Polizeikräfte zur Hilfe in die Überschwemmungsgebiete entsandt. Mindestens 10.000 Polizisten, Soldaten und auch ausgebildete Schwimmer sollen die Rettungsmaßnahmen im Süden des Landes unterstützen. Doch die Rettungskräfte haben große Mühe, zu den Bewohnern in den überschwemmten Gebieten vorzustoßen. Dabei können die Daten des Radarsatelliten TerraSAR-X helfen, denn seine Radarpulse dringen auch durch die Wolkendecke und versorgen somit die Rettungskräfte trotz der andauernden Regenfälle vor Ort mit aktuellen Bildern. Die Helfer können sehen, welche Gebiete noch mit Rettungsfahrzeugen erreichbar sind und helfen somit bei der Koordination der Maßnahmen im Krisengebiet.

Indische Wirtschaftsmetropole überflutet

Bisher forderten die Überschwemmungen mehr als 180 Todesopfer. In der Wirtschaftsmetropole Chennai - mit ihren mehr als sechs Millionen Menschen die viertgrößte Stadt Indiens - herrschen chaotische Zustände. Der internationale Flughafen von Chennai wurde aufgrund der Wassermassen geschlossen und die Stromversorgung ist zum Teil unterbrochen. In manchen Straßen steht das Wasser bis zu drei Meter hoch. Die Überschwemmungen legten zudem zahlreiche Fabriken lahm: Autokonzerne wie Daimler, Ford und Nissan forderten ihre Angestellten auf, zuhause zu bleiben. Meteorologen erwarten, dass sich die Regenfälle in den kommenden Tagen fortsetzen und sehen einen möglichen Zusammenhang zum derzeitigen Wetterphänomen El Nino. Das heftige Hochwasser löste in Indien eine kontroverse Debatte über die Ursachen aus. Für Premierminister Narendra Modi sei der Klimawandel für die Unwetter verantwortlich, womit er die Dringlichkeit der Verhandlungen zum Pariser Weltklimagipfel unterstrich.

Das DLR ist seit fünf Jahren Mitglied in der Charter, einem internationalen Verbund von Raumfahrtagenturen. Die Charter stellt Katastrophenschutzbehörden und Hilfsorganisationen bei Naturkatastrophen oder technischen Großunfällen Daten von Erdbeobachtungssatelliten schnell und unbürokratisch zur Verfügung. "Hauptbeitrag des DLR sind Daten der Radarsatelliten TerraSAR-X und TanDEM-X", erklärt Jens Danzeglocke, der die Arbeiten des DLR zur Charter koordiniert. "Diese Satelliten können sehr schnell detaillierte Bilder aufnehmen, unabhängig von Wolken oder Tageslicht, und stellen bei Flutkatastrophen immer wieder einen sehr wichtigen Beitrag dar."

Kontakt
  • Elisabeth Mittelbach
    Kom­mu­ni­ka­ti­on
    Deut­sches Zen­trum für Luft- und Raum­fahrt (DLR)
    Deut­sche Raum­fahr­t­agen­tur im DLR, Grup­pen­lei­te­rin Kom­mu­ni­ka­ti­on
    Telefon: +49 228 447-385
    Königswinterer Str. 522-524
    53227 Bonn
    Kontaktieren
  • Jens Danzeglocke
    Deut­sches Zen­trum für Luft- und Raum­fahrt (DLR)
    Deut­sche Raum­fahr­t­agen­tur im DLR
    Raum­fahrt­ma­na­ge­ment, Erd­be­ob­ach­tung
    Telefon: +49 228 447-215
    Fax: +49 228 447-747
    Königswinterer Straße 522-524
    53227 Bonn-Oberkassel
    Kontaktieren
  • André Twele
    Earth Ob­ser­va­ti­on Cen­ter (EOC)
    Deut­sches Zen­trum für Luft- und Raum­fahrt (DLR)
    Earth Ob­ser­va­ti­on Cen­ter (EOC)
    Earth Ob­ser­va­ti­on Cen­ter (EOC)
    Telefon: +49 8153 283-510

    Kontaktieren
Neueste Nachrichten

Hauptmenü