29. Januar 2016

Vi­deo: Flie­gend über die Kra­ter-Wel­ten von Zwerg­pla­net Ce­res

Der Zwergplanet Ceres
Dieses Video zeigt einen simulierten Überflug über den Zwergplaneten Ceres. Die Bilder stammen aus dem "High Altitude Mapping Orbit" (HAMO).
Credit: NASA/JPL-Caltech/UCLA/MPS/DLR/IDA.  |  Download

Der Zwergplanet Ceres wäre ein ungemütlicher Platz, stünde man tatsächlich auf seiner Oberfläche: Etwa frostige minus 60 Grad Celsius am Tag, kältere Temperaturen in der Nacht, ein harter, gefrorener Boden und kilometergroße Krater in allen Formen hätte Ceres zu bieten. Im Vakuum würde Stille den Besucher umgeben – bei einem Spaziergang wäre noch nicht einmal das Knirschen des Bodens unter seinen Füßen zu hören. Wesentlich komfortabler ist die Sicht mit den Augen von Raumsonde Dawn. Die Planetenforscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) haben aus Kameradaten, die Dawn aus 1450 Kilometern Entfernung aufgenommen hat, einen Film erstellt, in dem der Zu­schau­er mi­nu­ten­lang über die ab­wechs­lungs­rei­che Kra­ter-Welt und über den Berg Ahu­na Mons des Zwerg­pla­ne­ten fliegt. "Der simulierte Überflug zeigt das breite Spektrum an Kraterformen, auf die wir bei Ceres gestoßen sind: Der Betrachter blickt auf die steilen Wände von Krater Occator, die an die Eiger Nordwand herankommen, aber auch auf Dantu und Yalode, deren Krater deutlich flacher sind", erläutert Prof. Ralf Jaumann, Planetenforscher am DLR und Wissenschaftler der amerikanischen Dawn-Mission.

Eine Oberfläche von frisch bis alt

2350 Bilder verwendeten Wissenschaftler des DLR-Instituts für Planetenforschung, um die realistische Sicht auf den eisigen Zwergplaneten zu ermöglichen. Kontrastverstärkte Echtfarben zeigen dabei die unterschiedlichen Materialien der Oberfläche. Bräunlich erscheinen tonhaltige Regionen – "auf der Erde würden wir daraus so etwas wie Ziegel oder Terracotta fertigen können." Bläulich erscheinen die Regionen, in denen jüngeres, frischeres Material die Oberfläche bedeckt. Dort bilden sich ebene Flächen mit Senken mit Fließ- und Bruchstrukturen. Der Krater Haulani beispielsweise scheint ziemlich frisch zu sein – dort mischen sich bläuliche und bräunliche Regionen. "Entweder wurde dort Material durch den Einschlag aufgeschmolzen oder Material von unten ist nach oben gedrungen." Unter der eventuell bis zu 100 Kilometer dicken Kruste könnte es nämlich deutlich weicher werden: "Die Salze, die es sehr wahrscheinlich auf Ceres gibt, destabilisieren das Eis, und dadurch entsteht eine Art zäher Brei im Inneren."

Auch die Flanken des Ahuna Mons, des 6000 Meter hohen Berges, sind mit frischem Material bedeckt. "Das könnte ähnliches Material wie bei den Einschlagskratern sein, das aus dem Inneren von Ceres nach oben gelangt ist." Doch die Interpretation der Kamerabilder ist zurzeit noch etwas, was für viele Diskussionen im Wissenschaftler-Team der Dawn-Mission sorgt. "Wir haben viele Vermutungen, aber noch keine Beweise", sagt DLR-Planetenforscher Prof. Ralf Jaumann.

Höhenmodelle in drei Dimensionen

Mit der Raumsonde Dawn erkunden Planetenforscher erstmals zwei Himmelskörper mit einer Mission: Nach dem Besuch von Asteroid Vesta kreist die Sonde zurzeit um den Zwergplaneten Ceres. Am 6. März 2015 erreichte Dawn sein zweites, eisiges Missionsziel und kreist seitdem in immer niedrigeren Orbits um Ceres. Mittlerweile sendet Dawn Bilder aus nur noch 385 Kilometern Entfernung zur Erde. "Auch mit diesen Daten werden wir dreidimensionale Höhenmodelle der Oberfläche berechnen", erläutert Ralf Jaumann vom DLR. "Dann werden wir in unseren Filmen aus noch größerer Nähe über die unterschiedlichen Krater und Regionen fliegen."

Die Mission

Die Mission Dawn wird vom Jet Propulsion Laboratory (JPL) der amerikanischen Weltraumbehörde NASA geleitet. JPL ist eine Abteilung des California Institute of Technology in Pasadena. Die University of California in Los Angeles ist für den wissenschaftlichen Teil der Mission verantwortlich. Das Kamerasystem an Bord der Raumsonde wurde unter Leitung des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung in Göttingen in Zusammenarbeit mit dem Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin und dem Institut für Datentechnik und Kommunikationsnetze in Braunschweig entwickelt und gebaut. Das Kameraprojekt wird finanziell von der Max-Planck-Gesellschaft, dem DLR und NASA/JPL unterstützt.

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