17. Februar 2016

Wovon Seefahrer früher nicht zu träumen wagten

Radaraufnahme des Lemaire-Kanals an der Antarktischen Halbinsel
Bild 1/3, Credit: DLR (CC-BY 3.0)

Radaraufnahme des Lemaire-Kanals an der Antarktischen Halbinsel

Mit hoch aufgelösten Radaraufnahmen, die in naher Echtzeit ausgeliefert werden, versorgt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) auch das Expeditionsschiff "Dagmar Aaen" des Polarforschers Arved Fuchs. Diese Aufnahme zeigt den Lemaire-Kanal an der Antarktischen Halbinsel, den das Expeditionsschiff kurz nach der Aufnahme durchquerte.
DLR-Antarktisstation GARS O'Higgins
Bild 2/3, Credit: DLR (CC-BY 3.0)

DLR-Antarktisstation GARS O'Higgins

An der ganzjährig besetzten DLR-Antarktisstation GARS O'Higgins (German Antarctic Receiving Station) können seit Anfang 2016 die Daten der Radarsatelliten TerraSAR-X und TanDEM-X nicht nur empfangen, sondern auch automatisch prozessiert und in naher Echtzeit per Mail verschickt werden.
Expeditionsschiff "Dagmar Aaen"
Bild 3/3, Credit: Arved Fuchs Expeditionen.

Expeditionsschiff "Dagmar Aaen"

Polarforscher Arved Fuchs bereist im Frühjahr 2016 mit dem Expeditionsschiff "Dagmar Aaen" die Antarktische Halbinsel. Zur besseren Navigation erhält die Schiffscrew Aufnahmen des Radarsatelliten TerraSAR-X in naher Echtzeit.

DLR erstellt an seiner Antarktisstation Radaraufnahmen in naher Echtzeit

Das Gebiet, in dem sich Polarforscher Arved Fuchs derzeit mit seinem Schiff "Dagmar Aaen" aufhält, ist nicht einfach zu befahren: Die Expedition "Ocean Change" soll die Antarktische Halbinsel bereisen, verschiedene Forschungsstationen anfahren und den Klimawandel vor Ort untersuchen. Seitdem das Expeditionsschiff die Deception Island erreicht hat, erhält es Unterstützung durch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR): Das Earth Observation Center (EOC) des DLR versorgt die Crew an Bord mit hoch aufgelösten Radaraufnahmen der Satelliten TerraSAR-X und TanDEM-X. Die Daten aus dem All werden an der DLR-Antarktisstation GARS O’Higgins(German Antarctic Receiving Station) empfangen, vor Ort in naher Echtzeit automatisch weiterverarbeitet und von der Station direkt an die Schiffscrew verschickt. Bereits ein bis zwei Stunden nach der Aufnahme liegen die Informationen dem Team der "Dagmar Aaen" für die Navigation durch die Eiswelt der Antarktis vor.

Daten für die sichere Schifffahrt

"Seit Anfang des Jahres können wir auf unserer Antarktisstation nicht nur die Satellitendaten empfangen, sondern sie auch in naher Echtzeit für den Nutzer aufbereiten", erläutert DLR-Wissenschaftlerin Kathrin Höppner. Dabei übermittelt das Schiff seine Position an das EOC in Oberpfaffenhofen - von dort werden dann die beiden Satelliten beauftragt, rund 24 Stunden später eine bestimmte Region aufzunehmen. Für Polarforscher Arved Fuchs sind diese Aufnahmen aus dem All eine große Hilfe: "Die Satellitenbilder liefern Informationen, von denen Seefahrer früher nicht zu träumen wagten. Die Entscheidungsfindung über die richtige Routenwahl wird für die Schiffsführung durch die vorausschauenden Aufnahmen revolutioniert und damit deutlich sicherer."

Blick selbst auf kleine Eisberge

Die Radaraufnahmen haben den Vorteil, dass sie - im Gegensatz zu optischen Satellitenbildern - unabhängig von der Tageszeit oder der Wolkenbedeckung aufgenommen werden können. Sie zeigen gut erkennbar, welche Wasserflächen mit Eis bedeckt sind und welche Routen dem Schiff eine relativ ungehinderte Fahrt ermöglichen. "Die Crew sieht mit unseren Aufnahmen die aktuelle Eisbedeckung des jeweiligen Standortes in hoher Auflösung", erläutert DLR-Forscherin Kathrin Höppner. Die im Datenpaket enthaltenen Informationsprodukte können eine räumliche Auflösung von bis zu drei Meter haben. Die Radarsatelliten erkennen aus dem All selbst auch kleinere Eisberge. Zusätzlich wird auch ein KML-File mitgeliefert, um sich einen Überblick über die Eislage auch in Google Earth verschaffen zu können. Die DLR-Wissenschaftler erhalten im Gegenzug von der Schiffscrew Daten und Informationen von vor Ort, die sie zur Validierung und zum Ausbau des NRT-Dienstes (Near Real Time; Nahe-Echtzeit) verwenden.

Noch bis Ende Februar 2016 wird Arved Fuchs mit seinem Expeditionsschiff "Dagmar Aaen" die antarktische Halbinsel bereisen, um den Klimawandel und seine Einflüsse auf die Antarktis zu untersuchen. Die Radarsatelliten aus dem All werden ihn dabei als Lotsen unterstützen.

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    Media Relations, Redaktion Raumfahrt
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    Fax: +49 2203 601-3249
    Linder Höhe
    51147 Köln
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  • Dr. Kathrin Höppner

    Deutsches Fernerkundungsdatenzentrum, Internationales Bodensegment
    Telefon: +49 8153 28-1163
    Fax: +49 8153 28-1363
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