23. Dezember 2016

2016 im DLR: Eine Entdeckung, kurz bevor es zu spät war, Popcorn auf dem Meer und ein Besuch der Kanzlerin

Das Forschungsflugzeug HALO im nordschwedischen Kiruna
Das Forschungsflugzeug HALO im nordschwedischen Kiruna
Bild 1/19, Quelle: DLR/Andreas Minikin .

Das Forschungsflugzeug HALO im nordschwedischen Kiruna

Ende Januar 2016 flogen Atmosphärenforscher mit den Forschungsflugzeugen HALO (High Altitude Long Range Research Aircraft) und Falcon 20E koordinierte Messflüge für die Klimaforschung. Erstmals ist es gelungen, Schwerewellen und leuchtende Luft nahezu vollständig zu vermessen.

Startschuss für Europas "Datenautobahn im All"
Bild 2/19, Quelle: International Launch Services.

Startschuss für Europas "Datenautobahn im All"

Am 29. Januar 2016 startete der erste Laserknoten des Europäischen Datenrelais-Systems EDRS ins All. Im geostationären Orbit, 36.000 Kilometer von der Erde entfernt, soll das System in Zukunft hohe Datenmengen von Erdbeobachtungssatelliten in Echtzeit zur Erde übermitteln.

Schiffsfahrt bei Wind und Wetter vor Helgoland
Bild 3/19, Quelle: DLR (CC-BY 3.0).

Schiffsfahrt bei Wind und Wetter vor Helgoland

Mitte Februar 2016 erprobte das DLR mit zwei Schiffen digitale Übertragungskanäle im Breitbandbereich auf der Nordsee. Ziel der Forschung ist eine Bandbreitkommunikation, die beispielweise Seenot-Rettungskreuzern bereits auf dem Weg zum Einsatzort erste medizinische Anweisungen ermöglicht.

1978: Das erste Wasserstoff-Auto Europas
Bild 4/19, Quelle: DLR (CC-BY 3.0).

1978: Das erste Wasserstoff-Auto Europas

2016 feierte das DLR sein 40-jähriges Energieforschungsjubiläum und blickt zurück auf Meilensteine und wichtige Erfolge. Das Bild zeigt das erste Auto in Europa mit Wasserstoffantrieb, das beim DLR in Stuttgart entwickelt wurde.

Verfolgungsjagd im Hochgeschwindigkeitszug
Verfolgungsjagd im Hochgeschwindigkeitszug
Bild 5/19, Quelle: DLR (CC-BY 3.0)

Verfolgungsjagd im Hochgeschwindigkeitszug

Auf einer Zugstrecke zwischen Neapel und Rom wurde Mitte April 2016 bei einer Messkampagne die Datenübertragung zwischen zwei Hochgeschwindigkeitszügen untersucht. Sichere Kommunikationssysteme sind wichtig, damit sich Züge in Zukunft zum Beispiel selbstständig während der Fahrt verbinden und bei Bedarf wieder trennen können.

Europäische Umweltsatelliten im All
Bild 6/19, Quelle: ESA/ATG medialab.

Europäische Umweltsatelliten im All

Am 25. April 2016 startete der Erdbeobachtungssatellit Sentinel-1B ins All, um seinen Zwillingssatelliten Sentinel-1A in 693 Kilometern Höhe zu unterstützen. Beide Satelliten fliegen, um 180 Grad versetzt, auf dem gleichen Orbit um Land- und Meeresökosysteme bei Tag und Nacht zu überwachen.

Bundeskanzlerin Merkel besucht DLR und ESA in Köln
Bild 7/19, Quelle: DLR (CC-BY 3.0).

Bundeskanzlerin Merkel besucht DLR und ESA in Köln

Auf Einladung des deutschen ESA-Astronauten Dr. Alexander Gerst besuchte Bundeskanzlerin Angela Merkel am 18. Mai 2016 das DLR und das Europäische Astronautenzentrum (EAC) am Standort Köln.

Neuer Raketenprüfstand für sichere Ariane-6-Starts
Bild 8/19, Quelle: DLR (CC-BY 3.0).

Neuer Raketenprüfstand für sichere Ariane-6-Starts

Die zukünftige europäische Trägerrakete Ariane 6 soll im Jahr 2020 zum ersten Mal ins All starten. Um alle Nutzlasten sicher auf ihre Umlaufbahn zu bringen, müssen die Triebwerke zuvor ausführlich getestet werden. Ein Prüfstand dafür soll 2018 in Lampoldshausen seinen Betrieb aufnehmen.

Nachbau des ersten Lilienthal-Gleiters
Bild 9/19, Quelle: DLR (CC-BY 3.0).

Nachbau des ersten Lilienthal-Gleiters

Das DLR hat den "Normalsegelapparat" von Otto Lilienthal nach Originalplänen mit entsprechenden Materialien nachgebaut und die Flugeigenschaften des 20 Kilogramm schweren Gleiters mit einer Spannweite von 6,70 Metern wissenschaftlich getestet. Ergebnis: Wahrscheinlich hat kein Konstruktionsfehler sondern eine ungünstige Thermik zu Lilienthals tödlichem Verhängnis geführt.

Waldbrandfrüherkennung durch Feuerdetektionssatellit BIROS
Bild 10/19, Quelle: DLR (CC-BY 3.0).

Waldbrandfrüherkennung durch Feuerdetektionssatellit BIROS

Am 22. Juni 2016 startete der kühlschrankgroße Kleinsatellit BIROS ins All und umkreist seither die Erde in 515 Kilometern Höhe. Neben Waldbränden kann BIROS auch vulkanische Aktivitäten, Gasfackeln oder Industrie-Hotspots aufspüren.

Neuartiges Zug-Crashkonzept für mehr Sicherheit in der Zukunft
Neuartiges Zug-Crashkonzept für mehr Sicherheit in der Zukunft
Bild 11/19, Quelle: DLR (CC-BY 3.0).

Neuartiges Zug-Crashkonzept für mehr Sicherheit in der Zukunft

Um im Zugbereich Fahrgäste und Personal vor Zusammenstößen zu schützen und Unfallfolgen zu reduzieren, wurde Anfang August 2016 ein neues Crashkonzept getestet. Es ist Teil der umfangreichen Forschungsarbeiten des Projekts Next Generation Train (NGT).

Höhenkrankheitsstudie auf über 4500 Meter Höhe
Bild 12/19, Quelle: DLR (CC-BY 3.0).

Höhenkrankheitsstudie auf über 4500 Meter Höhe

In einer Schutzhütte in den Walliser Alpen nahmen Ende August 2016 zehn Probanden an einer einwöchigen raumfahrtmedizinischen Studie über Höhenkrankheit teil. Ziel war es, herauszufinden, ob Höhenkrankheit tatsächlich die Gefäßwände für Flüssigkeit und Eiweiß-Moleküle durchlässig macht.

Entdeckung und Abschied von Philae
Bild 13/19, Quelle: ESA/Rosetta/MPS for OSIRIS Team MPS/UPD/LAM/IAA/SSO/INTA/UPM/DASP/IDA.

Entdeckung und Abschied von Philae

Nach 10 Jahren Reise durchs All erreichte die Kometensonde Rosetta im August 2014 den Orbit des Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko. Im November 2014 landete die kühlschrankgroße Sonde Philae auf dem Kometen und sendete Daten von seiner Oberfläche. Da Philae vom ursprünglich geplanten Landeort noch etwas weiterdriftete, konnten die Wissenschaftler den exakten Ort der Sonde lange Zeit nicht ausfindig machen. Erst in den letzten Tagen, kurz vor dem Ende Mission im September 2016, entdeckten sie das Landegerät.

Popcorn auf dem Meer
Popcorn auf dem Meer
Bild 14/19, Quelle: DLR (CC-BY 3.0)

Popcorn auf dem Meer

Entführte Fähren, Menschen über Bord - Anfang September 2016 probten DLR-Forscher und ihre Partner im Projekt EMSec (Echtzeitdienste für die Maritime Sicherheit - Security) in der Deutschen Bucht bei Helgoland eine Woche unterschiedliche Sicherheitsszenarien auf dem Meer. Ein Teppich aus Popcorn simulierte dabei einen Gefahrenstoff im Meer, wie zum Beispiel ein Ölteppich.

Bessere Wettervorhersagen
Bild 15/19, Quelle: KIT, Florian Pantillon.

Bessere Wettervorhersagen

Im September 2016 untersuchen Forscher mit dem DLR-Forschungsflugzeug HALO die Atmosphäre in der Wetterküche über dem Nordatlantik. Die Daten sollen helfen, aus den komplizierten Vorgängen bessere Wettervorhersagen zu machen.

Erstflug für viersitziges Brennstoffzellenflugzeug
Erstflug für viersitziges Brennstoffzellenflugzeug
Bild 16/19, Quelle: DLR (CC-BY 3.0).

Erstflug für viersitziges Brennstoffzellenflugzeug

Im September 2016 startete die HY4, das erste viersitzige Passagierflugzeug, das mit einer Brennstoffzelle angetrieben wird, am Flughafen Stuttgart zum Erstflug.

Wiesn von oben
Bild 17/19, Quelle: DLR (CC-BY 3.0).

Wiesn von oben

Mithilfe eines Kamerasystems des DLR beobachteten Forscher das Oktoberfest 2016 von oben bei einem Überflug. Die dabei erfassten Daten sollen Einsatz- und Rettungskräften helfen, die Besucherströme effektiv zu leiten und die Rettungslogistik zu unterstützen.

Turmkraftwerk in Nevada/USA
Bild 18/19, Quelle: SolarReserve.

Turmkraftwerk in Nevada/USA

Eine im Oktober 2016 veröffentlichte Studie des DLR zeigt, dass unter heutigen Voraussetzungen die Kombination von solarthermischen Kraftwerken und Photovoltaik-Anlagen in der Regel kostengünstiger ist als die Nutzung von nur einer der beiden Technologien.

Leiser Landen
Bild 19/19, Quelle: DLR (CC-BY 3.0).

Leiser Landen

Im November 2016 wurden in Frankfurt leisere Landeanflüge durch ein neu entwickeltes Pilotenassistenzsystem mit dem Forschungsflieger A320 ATRA (Advanced Technology Research Aircraft) erprobt.

Ein Crashtest von Hochgeschwindigkeitszügen, auf Wolkenjagd in Westafrika, der Erstflug eines viersitzigen Brennstoffzellen-Flugzeugs - 2016 war ein Jahr mit vielen Forschungshighlights im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Eine Auswahl finden Sie in der Bildergalerie und in unserem DLR-Jahresfilm.

Verschollene Landesonde Philae entdeckt

Im Mai 2016 besuchte Bundeskanzlerin Angela Merkel das DLR und die ESA und kündigte dabei an, dass der deutsche Astronaut Alexander Gerst 2018 zum zweiten Mal ins All starten wird. Im Juni startete der deutsche Feuerdetektionssatellit BIROS ins All. Er spürt nun in 515 Kilometer Höhe Waldbrände und andere Hochtemperaturereignisse auf. Kurz vor dem Ende der Mission Rosetta im September 2016 entdeckten Wissenschaftler das Landegerät Philae auf einem Bild der Muttersonde Rosetta. Da die im November 2014 auf der Kometenoberfläche abgesetzte Sonde Philae von der ursprünglich geplanten Landestelle etwas wegdriftete, konnten die Wissenschaftler ihren exakten Ort lange Zeit nicht ausfindig machen. Durch die Kenntnis der Landestelle können die Forscher die Daten des Landegerätes nun viel besser einordnen. Weitere Ereignisse und Beiträge aus dem vergangenen Jahr finden Sie auf unserer Raumfahrtseite.

Auf den Spuren von Otto Lilienthal

Wissenschaftler im DLR testeten einen originalgetreuen Nachbau des Fluggeräts von Otto Lilienthal im Windkanal und konnten so neue Erkenntnisse zur Absturzursache des Flugpioniers vor über 100 Jahren gewinnen. Die DLR-Forschungsflugzeuge HALO (High Altitude Long Range Research Aircraft) und Falcon waren 2016 für Atmosphärenmessungen auf der ganzen Welt im Einsatz, unter anderem in der durch Waldbrände verschmutzten Luft über Westafrika. Leisere Landeanflüge durch ein Pilotenassistenzsystem wurden im November mit dem Forschungsflieger A320 ATRA (Advanced Technology Research Aircraft) in Frankfurt erprobt. Alle Highlights aus der DLR-Luftfahrtforschung lesen Sie auf unserer Luftfahrtseite.

Elektrisch Fliegen

Angetrieben mit Wasserstoff und einer Brennstoffzelle startete im September die HY4, ein viersitziges Passagierflugzeug, zum Erstflug am Flughafen Stuttgart. Wasserstoff war schon in den 1970er Jahren für die DLR-Forschung ein wichtiger alternativer Treibstoff. Im DLR wurde damals europaweit

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) feiert 2016 40 Jahre Energieforschung und lässt die Protagonisten der Anfangszeit zurück blicken. Einer davon ist Prof. Dr. Carl-Jochen Winter, Wasserstoffforscher der ersten Stunde. Von 1976 bis 1992 war er Vorstand des Bereichs "Werkstoffe/Bauweisen und Energetik" bei der damaligen DFVLR. Bereits zwei Jahre nach der Etablierung des neuen Forschungsbereichs "Energetik" stellte die DFVLR 1978 Europas erstes Wasserstoffauto vor. Im Interview mit Wissenschaftsjournalist Tim Schröder erzählt Winter von den Anfängen der Wasserstofftechnologie und warum diese Zeit für die Entwickler extrem spannend war.

Prof. Dr. Carl-Jochen Winter studierte an der Technischen Universität Darmstadt Strukturdynamik und arbeitete anschließend beim Luftfahrt- und Technikkonzern Dornier und lehrte an der Universität Stuttgart als Professor für Energietechnik. Winter war bis 2012 Vize-Präsident der International Association for Hydrogen Energy (IAHE) und dort insbesondere für Europa, Afrika und den mittleren Osten zuständig.

Herr Winter, der SPIEGEL hat Sie und Ihren Mitarbeiter Joachim Nitsch 1987 in dem Artikel "Das Undenkbare denken!" als "die klügsten Anwälte, die Sonne und Wasserstoff im Lande haben" bezeichnet. Sie gelten noch heute als Vorreiter der Wasserstoffforschung in Deutschland. War 1976, als Sie zur damaligen DFVLR kamen, abzusehen, dass Wasserstoff schon wenige Jahre später als feste Größe im Energiemix der Zukunft gehandelt werden würde?

Uns war damals klar, dass die Energieversorgung der Welt völlig umgebaut werden musste. Wir hatten die Vorstellung, mithilfe der Sonne Wasserstoff in großen Mengen zu erzeugen und damit in Zukunft einen großen Teil des Energiebedarfs der Menschheit zu decken. Für uns Techniker lag das durchaus nah. Wir waren ja durch die Entwicklung von Raketenantrieben mit Wasserstoff vertraut. Wasserstoff beispielsweise ins Auto zu übertragen, war für uns nur ein kleiner Schritt. Die Industrie und die Öffentlichkeit sahen das natürlich zu großen Teilen noch ganz anders.

Das klingt so, als wäre es ein Kinderspiel gewesen, den Wasserstoff auf den Erdboden zu holen...

...natürlich nicht. Wir Entwickler waren technisch eigentlich permanent überfordert, weil wir immer wieder auf Fragestellungen stießen, für die es noch keine Antworten gab. Aber gerade das machte die Arbeit ja so faszinierend. Wir arbeiteten an ganz neuen Technologien. Übrigens mit Erfolg: 1978 baute mein Kollege Walter Peschka einen BMW zu einem Wasserstoffauto um. Der Tank füllte den ganzen Kofferraum. Betankt wurde der Wagen an einer neuentwickelten halbautomatischen Zapfsäule. Ich hatte als Vorstand besondere Verantwortung, weil ich in meinem Bereich Forschungsschwerpunkte setzen und Technologien fördern musste, deren Zukunft noch nicht wirklich abzusehen war. Der BMW zum Beispiel war ein großer Erfolg. So etwas gab es damals sonst nirgends. Man wurde weltweit auf unsere Entwicklung aufmerksam und unsere DFVLR-Gruppe über die Grenzen von Deutschland hinaus bekannt. Mit dem BMW waren wir dann auch in den USA unterwegs. Der Wagen steht heute übrigens im BMW-Museum in München.

Trotz des Erfolgs hat sich Wasserstoff bis heute nicht in großem Stil als Energieträger durchgesetzt. Wie erklären Sie sich das?

Mein Motto ist: Energy needs time! Eine Energieform braucht viele Jahrzehnte oder gar halbe Jahrhunderte, um sich zu etablieren. Die Kohle hat die Welt mehr als 200 Jahre mit Energie versorgt. Der Dieselmotor ist 120 Jahre alt. Beide könnten jetzt abgelöst werden. Doch dieser Übergang wird noch viele Jahre dauern.

Haben Sie damals erwartet, dass sich der Wasserstoff schneller durchsetzen würde?

In gewisser Weise schon. Für uns war Wasserstoff der Energieträger des 21. Jahrhunderts. Aber natürlich merkten wir auch, dass wir zu früh dran waren. Die großen Industriekonzerne betrachteten Sonne, Wind und Wasserstoff als Kleinkram. Mir sagte damals der Vorstand eines großen Elektronikkonzerns, dass für ihn schöne große Gasturbinen mit Wirkungsgraden von knapp 50 Prozent zukunftsweisend wären. Technologisch hatten wir den Wasserstoff aber schon in den späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren verstanden. 1987 ging in Saudi-Arabien eine Versuchsanlage in Betrieb, die wir entwickelt hatten. "Hysolar" hieß das Projekt, in dem mit Strom aus Photovoltaik Wasserstoff in einer Elektrolyse-Anlage erzeugt wurde. Die Anlage hatte eine Leistung von zehn Kilowatt (kW). Aus heutiger Sicht ist das wenig. Für uns war das damals ein großer Schritt.

Und wo steht der Wasserstoff heute?

Ich sehe einen positiven Trend. Heute hat Wasserstoff, anders als damals, keine Gegner mehr. Die Forschung, die Industrie, die Politik - alle betrachten Wasserstoff als etwas Positives und Bestandteil der künftigen Energielandschaft. Natürlich ist Wasserstoff noch längst nicht etabliert. Aber immerhin: Heute gibt es in Deutschland gut 50 Wasserstofftankstellen. Zu meiner Zeit bei der DFVLR waren es ganze drei. Hinzu kommt, dass heute das Thema Klimawandel ganz oben auf der Agenda steht - das ist für die regenerativen Energien und auch den regenerativ erzeugten Wasserstoff ein bedeutender Treiber, ein "Enabler".

Derzeit haben aber zweifellos Wind- und Sonnenstrom die Nase vorn.

Ja, in dieser Hinsicht haben wir uns die Zukunft tatsächlich ein wenig anders vorgestellt. 1986 veröffentlichten Joachim Nitsch und ich das Buch "Wasserstoff als Energieträger - Technik, Systeme, Wirtschaft", in dem wir die Energiezukunft als Wasserstoffwirtschaft beschrieben. Diese Rolle spielt der Wasserstoff heute nicht. Wir waren davon ausgegangen, dass Wasserstoff die Basis der Energiewirtschaft bildet. Heute erwartet man eher, dass Wind- und Sonnenstrom die Treiber sind. Wasserstoff wird als bedeutende Technologie betrachtet, mit der sich überschüssiger Strom aus Photovoltaik- und Windenergieanlagen speichern lässt. In diesem Zusammenhang dürfte Wasserstoff in Zukunft eine große Rolle spielen. Und angesichts der Verzögerungen bei der Einführung von Elektroautos, der Diskussion um Batterietechnologie und Reichweite arbeiten große Automobilkonzerne inzwischen wieder verstärkt an der Entwicklung von Wasserstoff-Verbrennungsmotoren. Das ökonomische Interesse ist aber im Moment noch nicht so groß, dass sich der Wasserstoff endgültig durchsetzen kann. Insgesamt betrachte ich die Geschichte des Wasserstoffs als eine langwellige positive Entwicklung.

Während Ihrer Zeit als Vorstand in der DFVLR haben Sie neben dem Wasserstoff auch die Entwicklung von Solarkraftwerken gefördert. Wie bewerten Sie diese Forschungsarbeiten heute?

Auch die Entwicklung der Solarkraftwerke war etwas ganz Neues. 1977 erhielt ein internationales Konsortium, an dem wir als DFVLR maßgeblich beteiligt waren, von der Internationalen Energie-Agentur den Auftrag, im spanischen Almeria zwei Solarkraftwerke mit einer Leistung von je 500 kW zu bauen. Die Kraftwerke sollten die technische Machbarkeit unterschiedlicher Technologien demonstrieren. Die DFVLR wurde mit der Planung, der Auftragsvergabe an die Industrie sowie Bau und Betrieb betraut. Als Vorstand der Energieforschung wurde ich zum Chef des "Executive Committee" ernannt. Die Anlagen in Almeria sind bis heute vielfach optimiert und ausgebaut worden - und damit ein sichtbarer Erfolg unserer Arbeit. Alles in allem hatte ich in der Zeit bei der DFVLR große wissenschaftliche Freiheiten. Wir konnten uns mit verschiedenen Technologien und schier unendlich vielen technischen Aspekten beschäftigen. Zusammenfassend würde ich sagen, dass wir bei Null anfangen mussten und manches erreicht haben.

Ihr Blick auf die heutige Energielandschaft ist also positiv?

Durchaus. Nur ein Beispiel: Zu meiner Zeit bei der DFVLR durften wir das Wort Decarbonisierung nicht in den Mund nehmen, weil uns niemand verstand. Ich erinnere mich an Politiker, die damals kopfschüttelnd abwinkten. Heute redet die ganze Welt davon. Beim UN-Klimagipfel in Paris im vergangenen Dezember haben sich die Regierungschefs weltweit sogar höchstoffiziell die Decarbonisierung der Weltwirtschaft zum Ziel gesetzt. Das ist für mich ein Zeichen dafür, dass wir ein gutes Stück vorangekommen sind. Natürlich wird man fossile Energie nicht von heute auf morgen ersetzen können. Die Kohle zum Beispiel ist auch ein wichtiges Sozialelement. Weltweit sind heute Millionen von Arbeitern von der Kohle abhängig. Wir wissen, wie wir das Energiesystem verändern können. Doch dazu müssen in den kommenden Jahren noch sehr viele Schritte gegangen werden. Auch hier gilt nach wie vor: Energy needs time!

mit Wasserstoff betankt. Seit 40 Jahren forscht das DLR zum Thema Energie und Energieeffizienz. Ein Anlass, im Jahr 2016 auf die Meilensteine der DLR-Energieforschung und die Impulse für die Energiepolitik zurückzublicken. Alle Beiträge zur Energieforschung finden Sie auf unserer Energieseite.

Crashtest mit Zug

Bei einem Realversuch wurde erfolgreich ein neues Crashkonzept für Hochgeschwindigkeitszüge getestet. DLR-Wissenschaftler konnten im August zeigen, dass eine neuartige Leichtbaukonstruktion eines Fahrgestells den Großteil der Aufprallenergie absorbieren kann. Neue Kommunikationsmöglichkeiten zwischen Hochgeschwindigkeitszügen testeten DLR-Forscher während mehrerer Nachtfahrten in Hochgeschwindigkeitszügen in Italien. Weitere Highlights finden Sie auf unserer Verkehrsseite.

Popcorn auf dem Meer

Entführte Fähren und die Suche nach dem Mann über Bord - Anfang September probten DLR-Forscher und ihre Partner im Ein Teppich aus Popcorn Projekt EMSec Teil 4 (Echtzeitdienste für die Maritime Sicherheit - Security) in der Deutschen Bucht bei Helgoland eine Woche in unterschiedlichen Szenarien, wie die Sicherheit auf dem Meer gewahrt werden kann. Ein Teppich aus Popcorn simulierte dabei einen Gefahrenstoff im Meer. Im Projekt PHAROS (Project on a Multi-Hazard Open Platform for Satellite Based Downstream Services) zeigten DLR-Piloten und Wissenschaftler in Katalonien, wie Fernerkundungsbilder erfolgreich im Katastrophenmanagement bei Waldbränden eingesetzt werden können. Mehr Informationen finden Sie auf unserer Sicherheitsseite.

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Quelle: DLR (CC-BY 3.0)

Kontakt
  • Andreas Schütz
    Pressesprecher
    Telefon: +49 2203 601-2474
    Telefax: +49 2203 601-3249
    Kontaktieren
  • Dorothee Bürkle
    Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
    Media Relations
    Telefon: +49 2203 601-3492
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Bilder zum Thema
  • Das Forschungsflugzeug HALO im nordschwedischen Kiruna

    Das Forschungsflugzeug HALO im nordschwedischen Kiruna

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    Ende Januar 2016 flogen Atmosphärenforscher mit den Forschungsflugzeugen HALO (High Altitude Long Range Research Aircraft) und Falcon 20E koordinierte Messflüge für die Klimaforschung. Erstmals ist es gelungen, Schwerewellen und leuchtende Luft nahezu vollständig zu vermessen.
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    Am 29. Januar 2016 startete der erste Laserknoten des Europäischen Datenrelais-Systems EDRS ins All. Im geostationären Orbit, 36.000 Kilometer von der Erde entfernt, soll das System in Zukunft hohe Datenmengen von Erdbeobachtungssatelliten in Echtzeit zur Erde übermitteln.
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  • 1978: Das erste Wasserstoff-Auto Europas

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    2016 feierte das DLR sein 40-jähriges Energieforschungsjubiläum und blickt zurück auf Meilensteine und wichtige Erfolge. Das Bild zeigt das erste Auto in Europa mit Wasserstoffantrieb, das beim DLR in Stuttgart entwickelt wurde.
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    Verfolgungsjagd im Hochgeschwindigkeitszug

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    Auf einer Zugstrecke zwischen Neapel und Rom wurde Mitte April 2016 bei einer Messkampagne die Datenübertragung zwischen zwei Hochgeschwindigkeitszügen untersucht. Sichere Kommunikationssysteme sind wichtig, damit sich Züge in Zukunft zum Beispiel selbstständig während der Fahrt verbinden und bei Bedarf wieder trennen können.
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    Am 25. April 2016 startete der Erdbeobachtungssatellit Sentinel-1B ins All, um seinen Zwillingssatelliten Sentinel-1A in 693 Kilometern Höhe zu unterstützen. Beide Satelliten fliegen, um 180 Grad versetzt, auf dem gleichen Orbit um Land- und Meeresökosysteme bei Tag und Nacht zu überwachen.
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    Auf Einladung des deutschen ESA-Astronauten Dr. Alexander Gerst besuchte Bundeskanzlerin Angela Merkel am 18. Mai 2016 das DLR und das Europäische Astronautenzentrum (EAC) am Standort Köln.
  • Neuer Raketenprüfstand für sichere Ariane-6-Starts

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    Die zukünftige europäische Trägerrakete Ariane 6 soll im Jahr 2020 zum ersten Mal ins All starten. Um alle Nutzlasten sicher auf ihre Umlaufbahn zu bringen, müssen die Triebwerke zuvor ausführlich getestet werden. Ein Prüfstand dafür soll 2018 in Lampoldshausen seinen Betrieb aufnehmen.
  • Nachbau des ersten Lilienthal-Gleiters

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    Das DLR hat den "Normalsegelapparat" von Otto Lilienthal nach Originalplänen mit entsprechenden Materialien nachgebaut und die Flugeigenschaften des 20 Kilogramm schweren Gleiters mit einer Spannweite von 6,70 Metern wissenschaftlich getestet. Ergebnis: Wahrscheinlich hat kein Konstruktionsfehler sondern eine ungünstige Thermik zu Lilienthals tödlichem Verhängnis geführt.
  • Waldbrandfrüherkennung durch Feuerdetektionssatellit BIROS

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    Am 22. Juni 2016 startete der kühlschrankgroße Kleinsatellit BIROS ins All und umkreist seither die Erde in 515 Kilometern Höhe. Neben Waldbränden kann BIROS auch vulkanische Aktivitäten, Gasfackeln oder Industrie-Hotspots aufspüren.
  • Neuartiges Zug-Crashkonzept für mehr Sicherheit in der Zukunft

    Neuartiges Zug-Crashkonzept für mehr Sicherheit in der Zukunft

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    Um im Zugbereich Fahrgäste und Personal vor Zusammenstößen zu schützen und Unfallfolgen zu reduzieren, wurde Anfang August 2016 ein neues Crashkonzept getestet. Es ist Teil der umfangreichen Forschungsarbeiten des Projekts Next Generation Train (NGT).
  • Höhenkrankheitsstudie auf über 4500 Meter Höhe

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    In einer Schutzhütte in den Walliser Alpen nahmen Ende August 2016 zehn Probanden an einer einwöchigen raumfahrtmedizinischen Studie über Höhenkrankheit teil. Ziel war es, herauszufinden, ob Höhenkrankheit tatsächlich die Gefäßwände für Flüssigkeit und Eiweiß-Moleküle durchlässig macht.
  • Entdeckung und Abschied von Philae

    Quelle: ESA/Rosetta/MPS for OSIRIS Team MPS/UPD/LAM/IAA/SSO/INTA/UPM/DASP/IDA.  |  Download
    Nach 10 Jahren Reise durchs All erreichte die Kometensonde Rosetta im August 2014 den Orbit des Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko. Im November 2014 landete die kühlschrankgroße Sonde Philae auf dem Kometen und sendete Daten von seiner Oberfläche. Da Philae vom ursprünglich geplanten Landeort noch etwas weiterdriftete, konnten die Wissenschaftler den exakten Ort der Sonde lange Zeit nicht ausfindig machen. Erst in den letzten Tagen, kurz vor dem Ende Mission im September 2016, entdeckten sie das Landegerät.
  • Popcorn auf dem Meer

    Popcorn auf dem Meer

    Quelle: DLR (CC-BY 3.0)  |  Download
    Entführte Fähren, Menschen über Bord - Anfang September 2016 probten DLR-Forscher und ihre Partner im Projekt EMSec (Echtzeitdienste für die Maritime Sicherheit - Security) in der Deutschen Bucht bei Helgoland eine Woche unterschiedliche Sicherheitsszenarien auf dem Meer. Ein Teppich aus Popcorn simulierte dabei einen Gefahrenstoff im Meer, wie zum Beispiel ein Ölteppich.
  • Bessere Wettervorhersagen

    Quelle: KIT, Florian Pantillon.  |  Download
    Im September 2016 untersuchen Forscher mit dem DLR-Forschungsflugzeug HALO die Atmosphäre in der Wetterküche über dem Nordatlantik. Die Daten sollen helfen, aus den komplizierten Vorgängen bessere Wettervorhersagen zu machen.
  • Erstflug für viersitziges Brennstoffzellenflugzeug

    Erstflug für viersitziges Brennstoffzellenflugzeug

    Quelle: DLR (CC-BY 3.0).  |  Download
    Im September 2016 startete die HY4, das erste viersitzige Passagierflugzeug, das mit einer Brennstoffzelle angetrieben wird, am Flughafen Stuttgart zum Erstflug.
  • Wiesn von oben

    Quelle: DLR (CC-BY 3.0).  |  Download
    Mithilfe eines Kamerasystems des DLR beobachteten Forscher das Oktoberfest 2016 von oben bei einem Überflug. Die dabei erfassten Daten sollen Einsatz- und Rettungskräften helfen, die Besucherströme effektiv zu leiten und die Rettungslogistik zu unterstützen.
  • Turmkraftwerk in Nevada/USA

    Quelle: SolarReserve.  |  Download
    Eine im Oktober 2016 veröffentlichte Studie des DLR zeigt, dass unter heutigen Voraussetzungen die Kombination von solarthermischen Kraftwerken und Photovoltaik-Anlagen in der Regel kostengünstiger ist als die Nutzung von nur einer der beiden Technologien.
  • Leiser Landen

    Quelle: DLR (CC-BY 3.0).  |  Download
    Im November 2016 wurden in Frankfurt leisere Landeanflüge durch ein neu entwickeltes Pilotenassistenzsystem mit dem Forschungsflieger A320 ATRA (Advanced Technology Research Aircraft) erprobt.

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