8. Mai 2017
DLR-Technologie für humanitäre Hilfe

Ka­me­ra­sys­tem ist Teil ei­ner in­ter­na­tio­na­len Ka­ta­stro­phen-Übung

La­ge­bild der Ka­ta­stro­phen­übung
Bild 1/4, Credit: DLR (CC-BY 3.0).

Lagebild der Katastrophenübung

Die­se Auf­nah­me wur­de von dem am DLR-In­sti­tut für Op­ti­sche Sen­sor­sys­te­me ent­wi­ckel­te mo­du­la­re Luft­bild-Ka­me­ra­sys­tem MACS (Mo­du­lar Air­bor­ne Ca­me­ra Sys­tem) in ei­nem un­be­mann­ten Flug­ge­rät von Ger­man­dro­nes ge­macht. Die Spe­zi­al­ka­me­ra ist in der La­ge das ak­tu­el­le Ge­sche­hen in ei­ner di­gi­ta­len Kar­te ab­zu­bil­den und da­mit den Ret­tungs­kräf­ten ei­nen ge­nau­en Über­blick über die ak­tu­el­le Scha­dens­la­ge zur Ver­fü­gung zu stel­len.
La­ge­bild in na­he­zu Echt­zeit
Bild 2/4, Credit: DLR (CC-BY 3.0).

Lagebild in nahezu Echtzeit

Die Auf­nah­men bie­ten den Ret­tungs­kräf­ten vor Ort in na­he­zu Echt­zeit La­ge­bil­der, die zu ei­ner schnel­le­ren und ef­fi­zi­en­te­ren Ret­tungs­ket­te bei­tra­gen kön­nen.
Schnel­le Hil­fe aus der Luft
Bild 3/4, Credit: DLR (CC-BY 3.0).

Schnelle Hilfe aus der Luft

Das Ka­me­ra­sys­tem MACS bie­tet im Fal­le ei­nes Erd­be­bens, ei­ner Flut­ka­ta­stro­phe oder Ex­plo­si­on, ent­spre­chen­des Kar­ten­ma­te­ri­al, das die ak­tu­el­len Luft­bild­auf­nah­men di­rekt auf ein welt­weit ver­füg­ba­res Ober­flä­chen­mo­dell der Er­de pro­ji­ziert und dies als Über­la­ge­rung in ei­ner di­gi­ta­len Kar­te ein­blen­det. So­mit kann das Ret­tungs­team vor Ort in­ner­halb kür­zes­ter Zeit ei­nen Über­blick über das Aus­maß der Ka­ta­stro­phe er­hal­ten, mög­li­che Ret­tungs­we­ge schnell pla­nen und ent­spre­chen­de Hilfs­maß­nah­men ef­fek­tiv um­set­zen.
Das DLR vor Ort
Bild 4/4, Credit: DLR (CC-BY 3.0).

Das DLR vor Ort

Das Deut­sche Zen­trum für Luft- und Raum­fahrt (DLR) ar­bei­tet ge­mein­sam mit der Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on In­ter­na­tio­nal Search and Res­cue Ger­ma­ny (I.S.A.R.) an neu­en Ent­wick­lun­gen und An­wen­dun­gen im Be­reich des Kri­sen- und Ka­ta­stro­phen­ma­na­ge­ments. Da­zu un­ter­zeich­ne­ten bei­de Par­tei­en En­de 2016 ein Ko­ope­ra­ti­ons­ab­kom­men. An der Ka­ta­stro­phen­übung in der Schweiz nah­men drei Mit­ar­bei­ter des DLR-In­sti­tuts für Op­ti­sche Sen­sor­sys­te­me teil: (v.l.n.r.) Tho­mas Kraft, Ralf Ber­ger, Jörg Brauch­le
  • Schwerpunkt: Sicherheit
  • Katastrophenübung in der Schweiz unter Einsatz des DLR-Kamerasystems MACS
  • Gemeinschaftsprojekt von I.S.A.R. Germany, Germandrones und DLR
  • Nahezu Echtzeitbilder ermöglichen effizienteren Einsatz von Hilfskräften

Gemeinsam mit I.S.A.R. Ger­ma­ny(International Search- and- Rescue) und Ger­man­dro­nes haben Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) vom 8. bis 10. Mai 2017 in einer internationalen Katastrophenübung den Ernstfall geprobt. Unter Beobachtung der Vereinten Nationen (UN) lieferte das DLR-Kamerasystem MACS(Modular Airborne Camera System) den Einsatzkräften vor Ort Lagebilder nahezu in Echtzeit, um eine schnellere und effizientere Rettungskette zu ermöglichen.

Das Szenario: ein Erdbeben der Stärke 7,5

Das Szenario für die Übung sah folgendermaßen aus: Südwestlich von Genf hat sich ein großes Erdbeben der Stärke 7,5 auf der Richterskala ereignet. Mehrere Dörfer in einem Umkreis von zehn Kilometern wurden dabei stark zerstört. Wie groß der Zerstörungsgrad der Infrastruktur ist und wie viele Opfer es gibt, bleibt, wie im realen Einsatz, zunächst unklar. Auch, wenn es sich hierbei nur um eine Übung handelte, ging es für die Beteiligten um mehr: Sie mussten zeigen, dass sie in der Lage sind, im Ernstfall eine schnelle und lückenlose Rettungskette zu organisieren und umzusetzen. Die Übung fand daher unter den Augen der UN statt, die den Einsatz von I.S.A.R. Germany und dem Tech­ni­schen Hilfs­werk (SEE­BA- Schnell-Ein­satz-Ein­heit Ber­gung Aus­land) beurteilte und zertifizierte. Das vom DLR-Institut für Optische Sensorsysteme entwickelte Kamerasystem MACS unterstützte hierbei die Einsatzkräfte vor Ort. "Wir sind sehr stolz, dass wir Teil dieser Übung sein durften und die im DLR entwickelte Technologie in der humanitären Hilfe eine wichtige und wertvolle Verwendung findet", sagt Dr.-Ing. Dennis Göge, Programmkoordinator Sicherheitsforschung des DLR.

Digitale Karten innerhalb von wenigen Minuten

Bei der Rettung von Menschenleben sind die ersten 72 Stunden entscheidend. Für die am Ort eintreffenden Rettungskräfte ist daher zunächst eine schnelle Aufklärung und genaue Informationen über die aktuelle Lage entscheidend, um weiteres Handeln zu koordinieren. "Dazu braucht es aktuelle Karten, die zeigen, welche Zufahrtstraßen nutzbar sind und wie groß das Ausmaß der Zerstörung wirklich ist", sagt Ralf Berger, Projektleiter im DLR-Institut für Optische Sensorsysteme. Hierbei liefert das Kamerasystem MACS entsprechendes Kartenmaterial, das die aktuellen Luftbildaufnahmen direkt auf ein weltweit verfügbares Oberflächenmodell der Erde projiziert und dies als Überlagerung in einer digitalen Karte einblendet. Darüber hinaus sind Informationen relevant, an exakt welchen Orten nach Überlebenden zu suchen ist, um die Rettungskräfte effizient einsetzen zu können. "Detailinformationen sind wichtig. Die Einsatzkräfte müssen genau wissen, ob Wohngebiete, Schulen oder Einkaufszentren betroffen sind und ob zu der Tageszeit dort mit einer größeren Ansammlung von Menschen zu rechnen war", fügt Berger hinzu.

Die Kamera ist in einem schnell fliegenden unbemannten Luftfahrzeug von Germandrones integriert, welches senkrecht starten und landen kann. Das spezielle Fluggerät ermöglicht Reichweiten von bis zu 30 Kilometer und erreicht Fluggeschwindigkeiten von bis zu 120 Kilometer pro Stunde. Während die eintreffenden Einsatzkräfte ihre Camps errichten, kann das unbemannte Luftfahrzeug bereits starten und erste Lagebilder produzieren, sodass wertvolle Zeit effizient genutzt werden kann - und das bei Tag und zukünftig auch bei Nacht.

Kleine Kiste mit großer Leistung

Mit der Beteiligung an der internationalen Übung in der Schweiz konnten die DLR-Forscher zeigen, wie humanitäre Hilfe durch den Einsatz spezieller Kameratechnologie unterstützt werden kann. "Zusammen mit dem unbemannten Luftfahrzeug von Germandrones ist das Kamerasystem eine ideale Lösung, um sich schnellstmöglich ein aktuelles Bild von der Schadenslage machen zu können", sagt Dr. Daniela Lesmeister, Vorsitzende von I.S.A.R. Germany. Kamera und Fluggerät passen in eine kleine Kiste von 120 mal 50 mal 80 Zentimetern, und sind daher problemlos zu transportieren und direkt vor Ort einsetzbar.

Über I.S.A.R. Germany

I.S.A.R. Germany (International Search-and-Rescue) ist eine gemeinnützige Hilfsorganisation. Sie wurde 2003 in Duisburg gegründet. Nach verheerenden Unglücks- und Katastrophenfällen wird zeitnah ein Team von Rettungsspezialisten zusammengestellt, das in der Regel innerhalb von 12 Stunden in das jeweilige Einsatzgebiet entsandt wird. Nach schweren Erdbeben und Flutkatastrophen sucht das Rettungsteam nach verschütteten Personen und leistet medizinische Soforthilfe. Seit 2007 arbeitet I.S.A.R. Germany unter dem Dach der Vereinten Nationen und wurde als weltweit erstes Team von der UN-Or­ga­ni­sa­ti­on IN­SA­RAG als sogenanntes "Medium Team" geprüft und zertifiziert.

Zur Sicherheitsforschung

In der Sicherheitsforschung des DLR werden die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten mit verteidigungs- und sicherheitsrelevantem Bezug in Abstimmung mit den Partnern in Staat, Wissenschaft, Industrie und internationalen Organisationen geplant und gesteuert. Der Querschnittsbereich Sicherheitsforschung verknüpft dabei die Kernkompetenzen aus den etablierten DLR-Programmen der Luftfahrt, Raumfahrt, Energie und des Verkehrs. Insgesamt mehr als zwanzig DLR-Institute und -Einrichtungen liefern im Rahmen ihrer sicherheitsrelevanten Arbeiten Beiträge zur Entwicklung, Erprobung und Bewertung von Technologien, Systemen und Konzepten sowie zur Analyse- und Bewertungsfähigkeit hinsichtlich sicherheitsrelevanter Anwendungen.

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