2. März 2018

Gol­de­nes Ju­bi­lä­um: 50 Jah­re Deut­sches Raum­fahrt­kon­troll­zen­trum GS­OC

Staats­mi­nis­te­rin Il­se Aig­ner: Er­nen­nung zur "Eh­ren­flug­di­rek­to­rin" des GS­OC
Bild 1/8, Credit: DLR (CC-BY 3.0)

Staatsministerin Ilse Aigner: Ernennung zur "Ehrenflugdirektorin" des GSOC

Im Rah­men des Fes­t­akts zum 50-jäh­ri­gen Ju­bi­lä­um des Deut­schen Raum­fahrt­kon­troll­zen­trums (GS­OC) wur­de Staats­mi­nis­te­rin Il­se Aig­ner zur "Eh­ren­flug­di­rek­to­rin" des GS­OC er­nannt - als An­er­ken­nung für ihr jahr­zehn­te­lan­ges En­ga­ge­ment und ih­ren per­sön­li­chen Ein­satz im Sin­ne der Raum­fahrt in Bay­ern.
K-1: Größ­ter Kon­troll­raum des GS­OC
Bild 2/8, Credit: DLR (CC-BY 3.0)

K-1: Größter Kontrollraum des GSOC

Der Kon­troll­raum K1 ist der größ­te Kon­troll­raum des GS­OC. Er wird für die auf­wen­di­gen LE­OPs (Launch and Ear­ly Or­bit Pha­se) so­wie für In-Or­bit-Tests, Si­mu­la­tio­nen und Sys­tem-Tests be­nutzt. Ne­ben den Sub­sys­te­m­in­ge­nieu­ren des GS­OC kön­nen auch In­ge­nieu­re vom "En­gi­nee­ring Sup­port Team" des Sa­tel­li­ten­her­stel­lers in die­sem Kon­troll­raum an den je­wei­li­gen Kon­so­len die Missi­on mit­ver­fol­gen und ste­hen ins­be­son­de­re für kri­ti­sche Si­tua­tio­nen dem Be­triebs­team zur Sei­te.
Co­lum­bus Kon­troll­zen­trum
Bild 3/8, Credit: DLR (CC-BY 3.0)

Columbus Kontrollzentrum

Das Co­lum­bus-Kon­troll­zen­trum (Col-CC) ist Teil des Deut­schen Raum­fahrt­kon­troll­zen­trums (GS­OC) im DLR. Es wird im Auf­trag der Eu­ro­päi­schen Raum­fahr­t­agen­tur ESA be­trie­ben, die als in­ter­na­tio­na­ler Part­ner im ISS-Pro­jekt auf­tritt. Von hier aus be­treu­en Wis­sen­schaft­ler und In­ge­nieu­re die eu­ro­päi­schen Ak­ti­vi­tä­ten auf der In­ter­na­tio­na­len Raum­sta­ti­on ISS und sind da­mit die di­rek­te Ver­bin­dung ins All.
Alex­an­der Gerst im Co­lum­bus Kon­troll­zen­trum
Bild 4/8, Credit: DLR (CC-BY 3.0)

Alexander Gerst im Columbus Kontrollzentrum

Im Jahr 2015 be­such­te der deut­sche ESA-Astro­naut Alex­an­der Gerst im Rah­men sei­ner Post-Missi­on Tour "Blue­Dot" das Deut­sche Raum­fahrt­kon­troll­zen­trum in Ober­pfaf­fen­ho­fen. Wäh­rend sei­nes Be­su­ches hat­te Gerst die Ge­le­gen­heit für ei­nen Li­ve-Call zur In­ter­na­tio­na­len Raum­sta­ti­on (ISS) und sprach mit den Astro­nau­ten an Bord.
AZUR-Kontrollraum
Kon­troll­raum: AZUR-Missi­on 1969
Bild 5/8, Credit: DLR.

Kontrollraum: AZUR-Mission 1969

AZUR war der ers­te deut­sche For­schungs­sa­tel­lit. Die Missi­on wur­de in Zu­sam­men­ar­beit mit den USA durch­ge­führt. Zie­le wa­ren un­ter an­de­rem die Un­ter­su­chung des in­ne­ren Strah­lungs­gür­tels der Er­de und der Po­lar­licht­zo­nen der nörd­li­chen He­mi­sphä­re. Das Deut­sche Raum­fahrt­kon­troll­zen­trum (GS­OC) be­treu­te den Missi­ons­be­trieb und den Netz­werk­be­trieb.
His­to­ri­sches Bild: Rech­ner­raum 1969
Bild 6/8, Credit: DLR (CC-BY 3.0)

Historisches Bild: Rechnerraum 1969

Rech­ner­raum des DLR-Raum­flug­be­triebs 1969
Bau des GS­OC-Ge­bäu­des 1989
Bild 7/8, Credit: DLR.

Bau des GSOC-Gebäudes 1989

Im Jahr 1989 wur­de mit dem Bau des neu­en Raum­fahrt­kon­troll­zen­trums (GS­OC) in Ober­pfaf­fen­ho­fen be­gon­nen.
Kon­troll­raum: D1-Missi­on 1985
Bild 8/8, Credit: DLR.

Kontrollraum: D1-Mission 1985

Vom 30.10. bis 6.11.1985 flog un­ter deut­scher Lei­tung die ers­te ame­ri­ka­nisch-deut­sche be­mann­te Missi­on D1 mit dem Space Shutt­le „Chal­len­ger“. Erst­mals führ­te ein Kon­troll­zen­trum au­ßer­halb der USA die Missi­ons­kon­trol­le für ei­nen Space-Shutt­le-Flug durch – über­wacht wur­de das Space­lab im Raum­fahrt­kon­troll­zen­trum Ober­pfaf­fen­ho­fen. Das John­son-Space-Cen­ter in Hou­ston über­wach­te den rei­nen Flug­be­trieb, aber die Ex­pe­ri­men­te wur­den vom GS­OC ge­steu­ert. Acht Astro­nau­ten, dar­un­ter die bei­den Deut­schen Rein­hard Fur­rer und Ernst Mes­ser­schmid, reis­ten als bis­lang größ­te Crew in den Welt­raum.

  • Am 1. März 2018 feierte das Deutsche Raumfahrtkontrollzentrum GSOC in Oberpfaffenhofen sein 50-jähriges Bestehen
  • Mehr als 70 Raumfahrtmissionen wurden bisher durchgeführt: Das GSOC ist wichtigste nationale Einrichtung zur Steuerung und zum Betrieb von Satelliten
  • Seit 2008 ist das GSOC für den Betrieb des ISS-Forschungsmoduls Columbus verantwortlich
  • Schwerpunkte: Raumfahrt, Gesellschaft

Deutschland blickt auf eine reiche Tradition in der Erforschung und Nutzung des Weltraums zurück und hat die internationale Raumfahrt maßgeblich mitgestaltet. Ob Planetenforschung, Klimaforschung oder Missionen mit Astronauten – Deutschland ist aus der Raumfahrt heute nicht mehr wegzudenken. Eine Voraussetzung dafür wurde vor 50 Jahren geschaffen: das Deutsche Raumfahrtkontrollzentrum, kurz GSOC (German Space Operations Center). Am 1. März 1968 begann der Aufbau des GSOC am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen bei München.

"Das Deutsche Raumfahrtkontrollzentrum GSOC ist die wichtigste nationale Einrichtung zur Steuerung und zum Betrieb von Satelliten. Darüber hinaus hat sich das GSOC als führende europäische Betriebseinrichtung für bemannte Raumflüge etabliert und ist für das ISS-Forschungsmodul Columbus verantwortlich. Auf das Erreichte bin ich sehr stolz. Derzeit werden vom GSOC zehn fliegende Missionen betreut, weitere zehn sind in der Vorbereitung. Das GSOC ist weltweit als eines der wenigen Kontrollzentren in der Lage, Satelliten in ihrer kritischen Anfangsphase im Orbit zu testen und für die spätere Nutzung zu konfigurieren", sagt DLR-Vorstandsvorsitzende Prof. Pascale Ehrenfreund

Die Bedeutung des Raumflugbetriebs zeigt sich auch im starken Engangement der Bundesregierung und Landesregierung, die das GSOC seit 50 Jahren durch verschiedene Ministerien unterstützen. So wurde etwa der Ausbau des Raumfahrtkontrollzentrums 1990 mit 84,4 Millionen Deutsche Mark zu jeweils gleichen Teilen von der Bundesregierung und dem Freistaat Bayern gefördert und damit die DLR-Einrichtung "Raumflugbetrieb und Astronautentraining" geschaffen.

"Das GSOC ist einzigartig in Europa, und das seit nunmehr 50 Jahren. Hier wurde Weltraum-Geschichte geschrieben. Bayern hat schon früh auf die Raumfahrt als zukunftsträchtiges Thema gesetzt und sich dabei an die Spitze des Fortschritts gestellt. Hier in Oberpfaffenhofen können wir aber nicht nur auf historische Erfolge zurückblicken. Auch für die Zukunft der Raumfahrt ist das GSOC, auch dank unserer Unterstützung, bestens aufgestellt. Etwa für den Betrieb der europäischen Navigationssatelliten Gallileo oder für künftige Nachfolgeprojekte der ISS", so Ilse Aigner, Bayerische Staatsminsterin für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie.

Das goldene Jubiläum des GSOC wurde am 1. März 2018 in Oberpfaffenhofen mit einem Festakt begangen. Die rund 400 Gäste aus Forschung, Politik und Industrie folgten dem Programm aus Vorträgen und Gesprächsrunden zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Raumfahrkontrollzentrums. Eröffnet wurde die Veranstaltung durch Klaus Hamacher, Stellvertretender Vorsitzender des DLR-Vorstands, Staatsministerin Ilse Aigner sowie Prof. Felix Huber, Direktor der DLR-Einrichtung Raumflugbetrieb und Astronautentraining.

Vom Gesellenstück zu Meisterleistungen

Bisher hat das GSOC mehr als 70 Raumfahrtmissionen durchgeführt und ist von sechs Mitarbeitern in der Gründerzeit auf rund 400 Mitarbeiter gewachsen. Aktuell betreuen die Raumflugexperten zehn "fliegende" Missionen und bereiten zehn weitere Projekte vor. Die Teams sind dabei teilweise im 24-Stunden-Schichtdienst im Einsatz. Das gilt nicht zuletzt für den inzwischen zehnjährigen Betrieb des Weltraumlabors Columbus, Europas Beitrag zur Internationalen Raumstation ISS.

Das GSOC in Oberpfaffenhofen wird durch die nahegelegene Bodenstation in Weilheim ergänzt, das mit einigen Monaten Vorsprung parallel zum Raumfahrtkontrollzentrum gebaut wurde. Beide Betriebseinheiten mussten ihre Arbeit zum selben Stichtag aufnehmen – zum Start des Forschungssatelliten "AZUR" im November 1969. AZUR war das erste nationale Satellitenprojekt und das "Gesellenstück" der deutschen Raumfahrtforschung: Wenige Tage nach dem Launch durch die NASA übernahm das GSOC die vollständige Verantwortung für den Betrieb. Der Forschungssatellit fliegt noch heute in der Erdumlaufbahn und lieferte während seiner kurzen Missionszeit mehr als zehn Gigabit Daten über kosmische Strahlung.

Mit der Beteiligung am europäisch-amerikanischen Raumfährenlabor "Spacelab", übernahm das GSOC in 1970er Jahren erstmals Aufgaben in der bemannten Raumfahrt. Neben Aufbau des Spacelab-Simulators und der Betreuung der deutschen Experimente wurde das GSOC mit der Errichtung des "Remote Payload Operations Control Center" beauftragt – eine externe Einrichtung für den Nutzlastbetrieb und die erste außerhalb von Houston, USA. In den folgenden Jahrzehnten entwickelten sich die astronautische Raumfahrt zu einem Schwerpunktthema in Oberpfaffenhofen. So nahm das GSOC 1985 auch eine führende Rolle bei der Spacelab-Mission D1 ein. Die Mission D1 war ein Meilenstein für die bemannte Raumfahrt in Europa und stellte die Weichen für Forschungen, die heute im Columbus-Labor auf der ISS betrieben werden.

Nach einem halben Jahrhundert Raumfahrtforschung und Raumfahrtbetrieb bewegt sich der Datenverkehr zwischen Weltraum und Erde in immer gewaltigeren Dimensionen. Allein die deutsche Erdbeobachtungsmission TanDEM-X generiert mit seinen beiden Radarsatelliten Datenvolumen im Petabyte-Bereich. Der enge Formationsflug seiner Zwillingssatelliten erfordert darüber hinaus höchste Präzision bei der Steuerung. Eine seit mehr als zehn Jahre währende Meisterleistung des GSOC, die die Satelliten mit hervorragenden Betriebsdaten danken. Die angestrebte Nachfolgemission Tandem-L, würde die Abbildungsleistung sämtlicher Radarsysteme um mindestens eine Größenordnung übertreffen. Die Raumflugexperten am DLR entwickeln daher stetig neue Technologien, um auch schwierigste Raumfahrtprojekte der Zukunft meistern zu können.

"Das GSOC hat schon immer neben den Betriebsaufgaben auch Forschung und Entwicklung betrieben. Dazu haben wir die entsprechende Kompetenz und Großanlagen, um als Dienstleister und Partner für die anderen Institute und die Industrie zu agieren", so Prof. Felix Huber, Direktor des DLR-Raumflugbetrieb und Astronautentraining.

Das Deutsche Raumfahrtkontrollzentrum ist außerdem die Geburtsstätte des Galileo Kontrollzentrums. Das zivile Satellitennavigationssystem Galileo macht Europa künftig unabhängig vom militärischen US-amerikanischen System GPS. Für den Betrieb wurde 2006 in Oberpfaffenhofen ein eigenes Kontrollzentrum errichtet und das Tochterunternehmen DLR Gesellschaft für Raumfahrtanwendungen (GfR) mbh gegründet. Mit 22 von insgesamt 30 Navigationssatellliten ist die Galileo-Flotte im All fast vollständig. Der Start der nächsten vier Satelliten ist im Sommer 2018 geplant.

  • DLR-Wanderausstellungen "ALL.täglich!" und "Die Mission Rosetta" in Oberpfaffenhofen am Deutschen Raumfahrtkontrollzentrum

    Die mobile Ausstellung präsentiert über 40 exemplarische Innovationen, Technologien und Anwendungen, die aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken sind und unsere Lebensqualität gesteigert haben. Die Beispiele stammen aus insgesamt fünf Themen- bzw. Lebensbereichen:

    • Wohnen & Arbeiten
    • Gesundheit & Ernährung
    • Reisen & Freizeit
    • Mobilität & Kommunikation
    • Wissen & Bildung

    Im gleichen Zeitraum wird die DLR-Sonderausstellung "Kometen. Die Mission Rosetta. Eine Reise zu den Ursprüngen des Lebens" gezeigt.

    Der Eintritt ist frei. Die Ausstellungen werden montags bis mittwochs jeweils von 10 bis 13 Uhr speziell für Besuchergruppen (Vereine, Schulklassen, etc.) sowie sonntags zwischen 10 und 16 Uhr für jeden geöffnet.

    Bitte beachten Sie: Die Anmeldung bis einige Tage vorher ist aus Sicherheitsgründen unbedingt erforderlich.

Kontakt
  • Bernadette Jung
    Kom­mu­ni­ka­ti­on Ober­pfaf­fen­ho­fen, Weil­heim, Augs­burg
    Deut­sches Zen­trum für Luft- und Raum­fahrt (DLR)

    Po­li­tik­be­zie­hun­gen und Kom­mu­ni­ka­ti­on
    Telefon: +49 8153 28-2251
    Fax: +49 8153 28-1243
    Münchener Straße 20
    82234 Weßling
    Kontaktieren
  • Prof. Dr. Felix Huber
    Di­rek­tor
    Deut­sches Zen­trum für Luft- und Raum­fahrt (DLR)
    Raum­flug­be­trieb und Astro­nauten­trai­ning
    Telefon: +49 8153 28-2701
    Münchener Straße 20
    82234 Weßling
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