3. Mai 2018
Weltweit erstmals wird sich DLR-Experiment vollautomatisch fünf Meter tief in den Marsboden graben

Häm­mern in die Tie­fe des Mars - Count­down für die NA­SA-Missi­on In­Sight

Die NASA-Sonde InSight auf der Marsoberfläche
Die NA­SA-Son­de In­Sight auf der Mar­so­ber­flä­che
Bild 1/8, Credit: NASA/JPL-Caltech.

Die NASA-Sonde InSight auf der Marsoberfläche

Nach ih­rem Start am 5. Mai wird die NA­SA-Son­de In­Sight am 26. No­vem­ber 2018 et­was nörd­lich des Mar­s­äqua­tors lan­den und sei­ne So­lar­pa­ne­le ent­fal­ten (künst­le­ri­sche Dar­stel­lung). Mög­li­cher­wei­se noch vor dem Jah­res­wech­sel sol­len dann die Ex­pe­ri­men­te SEIS, ein Seis­mo­me­ter zum Auf­zeich­nen von Be­ben­wel­len (links) und das am DLR ent­wi­ckel­te In­stru­ment HP3, ein Ex­pe­ri­ment zur Mes­sung der Wär­me­leit­fä­hig­keit und des Wär­me­flus­ses aus dem In­ne­ren des Mars, auf der Ober­flä­che ein­ge­rich­tet wer­den.
Die Landestelle von InSight in der Elysium-Ebene
Die Lan­des­tel­le von In­Sight in der Ely­si­um-Ebe­ne
Bild 2/8, Credit: NASA/JPL/USGS (MOLA).

Die Landestelle von InSight in der Elysium-Ebene

Für die Missi­on In­Sight wur­de ein Ge­biet ge­sucht, das meh­re­re wis­sen­schaft­li­che, vor al­lem aber auch raum­fahrt­tech­ni­sche Kri­te­ri­en er­fül­len muss­te: Für ei­ne si­che­re Ener­gie­ver­sor­gung durch So­lar­strom und um ex­tre­me ta­ges- und jah­res­zeit­li­che Tem­pe­ra­tur­schwan­kun­gen zu ver­mei­den durf­te sie nicht zu weit nörd­lich oder süd­lich des Äqua­tors lie­gen, sie soll­te eben sein und so gut wie nicht von Fel­sen be­deckt sein: Nach ei­nem lan­gen Aus­wahl­pro­zess ei­nig­ten sich In­ge­nieu­re und Wis­sen­schaft­ler auf ei­ne Ebe­ne süd­west­lich des großen Vul­kan­kom­ple­xes Ely­si­um, in der Ebe­ne Ely­si­um Pla­ni­tia nörd­lich des Mar­s­äqua­tors und der Gren­ze zum Hoch­land – nur we­ni­ge hun­dert Ki­lo­me­ter nörd­lich des Kra­ters Ga­le (un­ter­halb der ‚4’), in dem seit 2012 der NA­SA-Ro­ver Cu­rio­si­ty fährt. Die Ab­bil­dung ist ein Aus­schnitt aus ei­ner glo­ba­len to­po­gra­phi­schen Kar­te des Mars; blau und grün ist tief ge­le­ge­nes Ge­biet, gelb und rot ho­hes Ter­rain. Die Bild­brei­te be­trägt et­wa 5000 Ki­lo­me­ter.
Wie sieht es im In­ne­ren des Mars wirk­lich aus?
Bild 3/8, Credit: JPL/NASA.

Wie sieht es im Inneren des Mars wirklich aus?

Die Missi­on In­Sight soll den in­ne­ren Auf­baus des Mars un­ter­su­chen, und der Pro­zes­se, die im In­nern des Pla­ne­ten ab­lau­fen. Da­durch soll ein bes­se­res Ver­ständ­nis über Ent­ste­hung und Ent­wick­lung der erd­ähn­li­chen Pla­ne­ten ent­wi­ckelt wer­den. Wie auch die an­de­ren Ge­steins­pla­ne­ten – Mer­kur, Ve­nus, Er­de mit Mond – hat der Mars ei­nen me­tal­li­schen Kern, der von ei­nem Ge­steins­man­tel um­ge­ben ist und über den sich ei­ne Krus­te aus Ge­stein wölbt. Nach Mo­dell­rech­nun­gen hat der Kern ei­ne Tem­pe­ra­tur von et­wa 1900 Grad Cel­si­us und könn­te noch ge­schmol­zen sein, wenn er ei­nen be­trächt­li­chen An­teil an Schwe­fel ent­hal­ten soll­te. Dies ist ei­ne der Fra­gen, mit der sich die Missi­on In­Sight be­schäf­tigt. Fer­ner wird die Missi­on ei­ne Un­ter­su­chung der tek­to­ni­schen Ak­ti­vi­tät und der Me­teo­ri­ten-Ein­schlags­ra­te auf dem Mars durch­füh­ren.
Das Ex­pe­ri­ment HP3
Bild 4/8, Credit: DLR (CC-BY 3.0)

Das Experiment HP3

Das Deut­sche Zen­trum für Luft- und Raum­fahrt (DLR) steu­ert das Ex­pe­ri­ment HP3 zur NA­SA-Missi­on In­Sight bei. HP3 steht für He­at Flow and Phy­si­cal Pro­per­ties Packa­ge und wur­de fe­der­füh­rend am DLR-In­sti­tut für Pla­ne­ten­for­schung ent­wi­ckelt. Mit ei­ner sich fünf Me­ter tief in den Mars­bo­den häm­mern­den Tie­fen­son­de wird die Wär­me­leit­fä­hig­keit des Bo­dens un­ter der Lan­des­tel­le ge­mes­sen so­wie die Wär­me­men­ge be­stimmt, die vom In­ne­ren des Mars an die Ober­flä­che strömt. Das Ex­pe­ri­ment ist auf zwei Jah­re aus­ge­legt. We­sent­li­che Be­stand­tei­le von HP3 sind die ‚Mo­le’ (engl. für Maul­wurf) ge­nann­te Ramm­son­de und das Flach­band­ka­bel mit den Tem­pe­ra­tur­sen­so­ren, das der Mo­le für die Mes­sun­gen hin­ter sich in den Bo­den zie­hen wird.
In­stru­men­te und tech­ni­sche Kom­po­nen­ten von In­Sight
Bild 5/8, Credit: NASA/JPL-Caltech.

Instrumente und technische Komponenten von InSight

Das De­sign von In­Sight ist bau­gleich zur Phoe­nix-Lan­des­on­de der NA­SA von 2008. Haupt­be­stand­teil ist ei­ne Platt­form von zwei Me­tern Durch­mes­ser, auf der die meis­ten Sys­tem­kom­po­nen­ten, die Ex­pe­ri­men­te in ih­rem ‚Rei­se­mo­dus’, die An­ten­nen, der Bord­com­pu­ter, die Brem­strieb­wer­ke, die Treib­stofftanks und drei Te­le­skop­bei­ne an­ge­bracht sind. Ein Ro­bo­ter­arm wird nach der Lan­dung aus­ge­klappt und hebt die Ex­pe­ri­men­te HP3 und SEIS von der Platt­form auf den Mars­bo­den. Seit­lich der Platt­form sind zwei So­lar­pa­ne­le an­ge­bracht, die je nach Ent­fer­nung des Mars zur Son­ne ma­xi­mal 700 Watt Leis­tung er­zeu­gen. Das Ex­pe­ri­ment RI­SE wird von der Platt­form aus durch­ge­führt.
Emp­find­li­che Nei­gungs­sen­so­rik im „Mo­le“ mit mon­tier­ten „Ga­la­xie­fe­dern“
Bild 6/8, Credit: DLR (CC-BY 3.0)

Empfindliche Neigungssensorik im „Mole“ mit montierten „Galaxiefedern“

Das Iso­la­ti­ons­sys­tem im „Mo­le“ ent­kop­pelt die Sen­so­ren von den Stö­ßen und mi­ni­miert die Be­las­tun­gen der Sen­so­rik. Hier­für kom­men spe­zi­el­le pa­ten­tier­te Dop­pel­spi­ral­fe­dern – auch „Ga­la­xie­fe­dern“ ge­nannt – zum Ein­satz (STA­TIL-Sys­tem).
Das Radiometer RAD für das HP3-Experiment
Das Ra­dio­me­ter RAD für das HP3-Ex­pe­ri­ment
Bild 7/8, Credit: DLR (CC-BY 3.0)

Das Radiometer RAD für das HP3-Experiment

Zum DLR-Ex­pe­ri­ment HP3 ge­hört auch das Ra­dio­me­ter RAD auf der Platt­form der Lan­des­on­de. Da­mit wird die Strah­lung­stem­pe­ra­tur der Mar­so­ber­flä­che be­stimmt, die ma­xi­mal et­was über 20 Grad Cel­si­us am Tag lie­gen, aber nachts un­ter mi­nus 70 Grad Cel­si­us fal­len kann. Die Kennt­nis der Ober­flä­chen­tem­pe­ra­tur ist von Be­deu­tung, um Stö­run­gen der Tem­pe­ra­tur­ver­tei­lung im Un­ter­grund be­rech­nen zu kön­nen. RAD wur­de am DLR-In­sti­tut für Op­ti­sche Sen­sor­sys­te­me ge­baut.
Die Na­men von 2,4 Mil­lio­nen Men­schen rei­sen auf In­Sight mit zum Mars
Bild 8/8, Credit: NASA/JPL-Caltech/Lockheed Martin.

Die Namen von 2,4 Millionen Menschen reisen auf InSight mit zum Mars

Ein In­ge­nieur der Fir­ma Lock­heed Mar­tin Space, die In­Sight für die NA­SA ge­baut hat, bringt in ei­nem Rein­raum-La­bor ei­nen von zwei Si­li­kon-Mi­kro­chips auf der Platt­form der Mars­son­de an. Auf ei­ner acht mal acht Mil­li­me­ter klei­nen Flä­che sind die Na­men von 1,6 Mil­lio­nen Men­schen aus al­ler Welt gra­viert, die sich in ei­ne Lis­te der NA­SA ein­ge­tra­gen hat­ten und nun die fast 500 Mil­lio­nen Ki­lo­me­ter lan­ge Rei­se mit­ma­chen wer­den – und dann für im­mer auf dem Mars ver­blei­ben. Auf ei­nem zwei­ten Chip be­fin­den sich 800.000 wei­te­re Na­men. NA­SA-In­ge­nieu­re ver­wen­de­ten für die Gra­vur ei­nen Elek­tro­nen­strahl, um in ex­trem win­zi­gen Buch­sta­ben die Na­men al­ler ‚Pas­sa­gie­re’ un­ter­zu­brin­gen: Die Li­ni­en sind da­bei schma­ler als ein Tau­sends­tel der Brei­te ei­nes Haa­res ge­zo­gen, das et­wa 0,05 Mil­li­me­ter dick ist.

  • Erkundung des Marsinneren – Bis heute sind der Aufbau des Mars und die Größe und Beschaffenheit des Marskerns nur ungenau bekannt.
  • Die InSight-Mission wird neue Erkenntnisse liefern, wie sich das Marsinnere und allgemein Gesteinsplaneten wie die Erde entwickelt haben.
  • Das DLR liefert deutsche Schlüsseltechnologie, die auch auf der Erde etwa beim Straßenbau in Böden oder Schüttungen an schwer zugänglichen Orten die Messung physikalischer Größen ermöglicht.
  • Schwerpunkt(e): Raumfahrt, Exploration

Gebirgsbildung, Vulkanismus und Erdbeben werden durch die thermischen und mechanischen Kräfte im Inneren eines Planeten bestimmt. Auf der Erde bildeten sich Kontinente und das Leben, wie wir es heute kennen. Auf dem Mars verlangsamte sich die Dynamik der inneren Entwicklung rasch. Um das Innere des Mars und seine Vergangenheit genauer zu entschlüsseln und herauszufinden, was die Erde im Vergleich so einzigartig macht startet am 5. Mai um 13.05 Uhr MESZ (4.05 Uhr Ortszeit) eine Atlas-Trägerrakete vom kalifornischen Vandenberg mit der Raumsonde InSight an Bord zum Roten Planeten. Dort wird InSight am 26. November etwas nördlich des Äquators in der Ebene Elysium Planitia landen und seine Funktion als geophysikalisches Observatorium aufnehmen. Erstmals wird damit eine Mars-Mission als Forschungsschwerpunkt die Erkundung des Planeteninneren und seiner viereinhalb Milliarden Jahre währenden Entwicklung haben. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) steuert zur InSight-Mission der NASA mit HP3 eines der drei Hauptexperimente bei: eine kleine Rammsonde, die sich fünf Meter tief in den Marsboden hämmern wird, um dabei in unterschiedlichen Tiefen die Temperatur und die Wärmeleitfähigkeit zu messen. Zur Anwendung kam die ressourcensparende Schlüsseltechnologie aus dem DLR bereits ganz irdisch im Straßenbau in China, in der Agrarwirtschaft in Polen und in der Lawinenüberwachung in der Schweiz.

Präziseres Bild des Marsinneren und anderer erdähnlicher Gesteinsplaneten

"Die InSight Mission erfüllt einen lang gehegten Wunsch der Planetenforscher: ein geophysikalisches Observatorium auf einem erdähnlichen Planeten", erklärt Professor Tilman Spohn, der Leiter des Experiments HP3 vom DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin. "Der Mars ist als Ziel ideal: er ist gut zu erreichen und ein ideales Vergleichsobjekt zur Erde", so Spohn weiter. Dort verlangsamten sich die Prozesse, die sich nach der Bildung eines Metallkerns im Planeteninneren und des darüber liegenden Gesteinsmantels und der Kruste abspielten, wesentlich rascher als auf der Erde. Im Mars sind deshalb möglicherweise bis heute die ‚Fingerabdrücke’ jener Vorgänge, die in den erdähnlichen Planeten Kern, Mantel und Kruste bildeten, erhalten geblieben. "Verstehen wir diese Entwicklung auf dem Mars, dann verstehen wir auch viel besser, wie sie sich auf der Erde bis hin zur Bildung und Bewahrung des Lebens abspielte und dazu wie sich Mond, Venus und Merkur entwickelten. Vielleicht lernen wir von dieser Untersuchung des Mars sogar eine ganze Menge über die Entstehung von Gesteinsplaneten an anderen Sternen, den extrasolaren Planeten", ergänzt Spohn. Gespannt sind die Forscher, ob - wie im Inneren der Erde - noch immer ein heißer, geschmolzener Kern das Zentrum des Mars bildet.

Start von der amerikanischen Westküste

NA­SA - In­Sight Missi­on (Interior Exploration using Seismic Investigations, Geodesy and Heat Transport) wurde im August 2012 als zwölfte Discovery-Mission ausgewählt. Wie alle bisherigen Missionen dieses Programms der NASA untersucht auch InSight mit einer vergleichsweise kleinen Mission ein eher spezielles Thema der Planetenforschung. Zusammen mit der Transfer-Oberstufe hat die Mission nur eine Masse von 727 Kilogramm, die eigentliche Landesonde bringt sogar nur 360 Kilogramm auf die Waage. Aus diesem Grund ist es auch möglich, die Mission vom US-Luftwaffenstützpunkt Vandenberg an der amerikanischen Westküste mit einer Atlas V-401 Trägerrakete zu starten. Es ist der erste Raketenstart einer Planetenmission von diesem NASA-Startplatz. Der Kontakt mit der Raumsonde während ihres Flugs zum Mars und während des Missionsbetriebs erfolgt über die 70-Meter-Antennen des Deep Space Networks der NASA in Kalifornien, Australien und Spanien.

Ein geophysikalisches Observatorium für den Roten Planeten

Hauptbestandteil des Landers ist eine Plattform von zwei Metern Durchmesser, auf der die meisten Systemkomponenten, die Experimente in ihrem ‚Reisemodus’, die Antennen, der Bordcomputer, die Bremstriebwerke, die Treibstofftanks und drei Teleskopbeine angebracht sind. Nach der Ankunft am Mars wird ein Roboterarm zunächst das französische Marsbeben-Observatorium SEIS (Seismic Experiment for Interior Structure) auf die Oberfläche setzen, an dem auch das DLR beteiligt ist. Das Seismometer zeichnet die von Marsbeben und Meteoriteneinschlägen ausgehenden Wellen auf, die durch den Planeten laufen. Anschließend wird um die Jahreswende 2018/19 das am DLR entwickelte Experiment HP3 von der Plattform auf den Marsboden gesetzt. HP3 ist eine Abkürzung, die für Heat Flow and Physical Properties Package steht. Das Experiment besteht aus dem auf dem Marsboden stationierten Gehäuse, der sogenannten Support-Struktur, an dessen Vorderseite eine vertikale Vorrichtung angebracht ist. Darin befindet sich eine 40 Zentimeter lange Rammsonde von 27 Millimetern Durchmesser – von den Wissenschaftlern ‚Maulwurf’ (engl. mole) genannt –, die sich mit einem elektrisch angetriebenen Hammerschlagmechanismus über mehrere Wochen Zentimeter für Zentimeter in den Marsboden treiben wird. Die Support-Struktur und der Mole wurde verantwortet vom DLR-Institut für Raumfahrtsysteme in Bremen gebaut und zusammen mit externen Partnern entwickelt. So wurde beispielsweise der Schlagmechanismus des Moles mit Unterstützung der Firma Astronika und dem Weltraumforschungszentrum der Polnischen Akademie CBK, beide in Warschau, entwickelt und gebaut. Die maximal erreichbare Tiefe beträgt fünf Meter.

Hämmern mit vierzehntausendfacher Erdbeschleunigung

Im Gegensatz zu einem Bohrer, der die Verwendung eines Bohrgestänges erforderlich macht, sorgt bei HP3 der spezielle Schlagmechanismus für den Vortrieb in den Grund. Bei diesem wird eine Feder im Mole immer wieder gespannt, die beim Lösen den Hammerschlag bewirkt. Diese Stöße verursachen heftige Beschleunigungen bis zum Vierzehntausendfachen der Erdbeschleunigung, weshalb die empfindliche Messtechnik im Inneren der Sonde durch eine spezielle Stoßdämpfung vor den auftretenden Belastungen geschützt werden muss. Bei der Konstruktion verwendete das DLR-Nutzerzentrum für Weltraumexperimente deshalb auch Systeme zur Stoß- und Schwingungsminimierung aus dem DLR-In­sti­tut für Fa­ser­ver­bund­leicht­bau und Ad­ap­tro­nik in Braunschweig. Das Iso­la­ti­ons­sys­tem entkoppelt die Sensoren von den Stößen und minimiert die Belastungen der Sensorik. Hierfür kommen speziell patentierte Doppelspiralfedern – auch „Galaxiefedern“ genannt – zum Einsatz. Neben den Schwingungsdämpfungsfedern im Mole sind Verfahren zur Bestückung der Temperatursensoren und Zuleitungen auf dem Messkabel technische Highlights, die eine Anwendung des Moles auch auf der Erde für physikalische Messungen in Böden und Schüttungen in abgelegenen Gebieten mit geringen Ressourcen interessant machen.

Flachbandkabel misst Temperaturen im Untergrund

Das ‚Herzstück’ des Experiments besteht aus einem mit Temperatursensoren bestückten Flachbandkabel, das vom Hammermechanismus in den Marsboden eingebracht wird und im DLR-Institut für Planetenforschung entwickelt wurde. Einmal im Boden werden vor Ort bis zu zwei Jahre lang Bodentemperaturmessungen durchgeführt, um das Temperaturgefälle im Untergrund zu bestimmen. Dabei können die Sensoren Temperaturdifferenzen von nur wenigen Tausendstel Grad Kelvin aufzeichnen, um so den sehr kleinen geothermischen Temperaturgradienten zu bestimmen. Zum Experiment gehört ferner das Radiometer RAD auf der Landesonde, mit dem die Temperatur der Marsoberfläche bestimmt werden kann. Die Kenntnis der Oberflächentemperatur ist von Bedeutung, um Störungen der Temperaturverteilung im Untergrund berechnen zu können. RAD wurde durch das DLR-Institut für Optische Sensorsysteme entwickelt und gebaut.

Das HP3 Instrument auf der NASA-Mission InSight

Die Mission InSight wird vom Jet Propulsion Laboratory (JPL) in Pasadena, Kalifornien, im Auftrag des Wissenschaftsdirektorats der NASA durchgeführt. InSight ist eine Mission des NASA-Discovery-Programms. Das DLR steuerte zur Mission das Experiment HP3 (Heat Flow and Physical Properties Package) bei. Die wissenschaftliche Leitung liegt beim DLR-Institut für Planetenforschung, wo das Experiment auch federführend entwickelt wurde, in Zusammenarbeit mit den DLR-Instituten für Raumfahrtsysteme, Optische Sensorsysteme, Raumflugbetrieb und Astronautentraining, Faserverbundleichtbau und Adaptronik, Systemdynamik und Regelungstechnik, sowie Robotik und Mechatronik. Daneben sind beteiligte industrielle Partner: Astronika und CBK Space Research Centre, Magson und Sonaca sowie die Astro- und Feinwerktechnik Adlershof GmbH. Wissenschaftliche Partner sind das ÖAW Institut für Weltraumforschung und die Universität Kaiserslautern. Der Betrieb von HP3 erfolgt durch das Nutzerzentrum für Weltraumexperimente (MUSC) des DLR in Köln.

  • Gebirgsbildung durch heißes Gestein im Inneren: Wie funktioniert eine 'planetare Wärmekraftmaschine'?

    Ähnlich wie Dampfmaschinen kann man die Planeten als Wärmekraftmaschinen verstehen Als die Planeten entstanden, heizten sich diese durch die Einschläge der auf sie einstürzenden Planetesimale auf. Darüber hinaus wird im Gestein durch den Zerfall radioaktiver Elemente wie Uran, Thorium oder Kalium viel Wärme erzeugt. Im Laufe der Zeit kühlt der Planet ab, sein Wärmehaushalt verändert sich also. Das bezeichnen Planetengeologen als seine thermische Evolution. Der 'Abtransport' von Wärme und die Abkühlung erfolgt im tiefen Innern durch den sogenannten konvektiven Wärmetransport, also Wärmetransport durch Bewegung. Vereinfacht gesagt, steigt dabei heißes Gestein Richtung Oberfläche auf und kaltes sinkt ins Innere. Wir kennen diesen Energietransport durch die Umwälzung von Masse zum Beispiel vom Suppentopf auf der Herdplatte. Die Bewegung des heißen, manchmal sogar geschmolzenen Gesteins verursacht an der Planetenoberfläche Gebirgsbildung und Vulkanismus. Der Planet leistet dabei mechanische Arbeit, wie in einem Kraftwerk.

  • Wissenschaftliche Ziele und Aufgaben der Mission InSight

    Die Mission InSight soll den inneren Aufbaus des Mars untersuchen, so wie der Prozesse, die im Innern des Planeten ablaufen. Dadurch soll ein besseres Verständnis über Entstehung und Entwicklung der erdähnlichen Planeten entwickelt werden. Dies soll erreicht werden durch:
    • Bestimmung von Größe, Zusammensetzung und Zustand (flüssig oder fest) des Kerns,
    • Bestimmung von Mächtigkeit und Struktur der Marskruste,
    • Bestimmung von Zusammensetzung und Struktur des Mantels des Mars,
    • Bestimmung des Wärmehaushalts des Marsinneren.

    Die Mission wird zudem eine Untersuchung der tektonischen Aktivität und der Meteoriten-Einschlagsrate auf dem Mars durchführen und dabei:
    • Die Häufigkeit von Meteoriteneinschlägen auf der Marsoberfläche messen.
    • Die Stärke, Häufigkeit und geographische Verteilung der seismischen Aktivität im Planeteninneren bestimmen.

Kontakt
  • Falk Dambowsky
    Pres­se­re­dak­ti­on
    Deut­sches Zen­trum für Luft- und Raum­fahrt (DLR)

    Me­dia|Re­la­ti­ons
    Telefon: +49 2203 601-3959
    Linder Höhe
    51147 Köln
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  • Prof. Dr. Tilman Spohn
    Deut­sches Zen­trum für Luft- und Raum­fahrt (DLR)
    In­sti­tut für Pla­ne­ten­for­schung
    Telefon: +49 30 67055-300
    Fax: +49 30 67055-303
    Rutherfordstraße 2
    12489 Berlin
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  • Dr. Matthias Grott
    HP3-Pro­jekt­wis­sen­schaft­ler und In­Sight-Wis­sen­schafts­team-Mit­glied; Schwer­punkt Wär­me­fluss- und Wär­me­leit­fä­hig­keits­mes­sun­gen; In­stru­men­ten­bau
    Deut­sches Zen­trum für Luft- und Raum­fahrt (DLR)
    In­sti­tut für Pla­ne­ten­for­schung
    Telefon: +49 30 67055-419
    Rutherfordstraße 2
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  • Dr. Martin Knapmeyer
    HP³- und SEIS-Pro­jekt­wis­sen­schaft­ler und Mit­glied des In­Sight-Wis­sen­schafts­teams
    Deut­sches Zen­trum für Luft- und Raum­fahrt (DLR)
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    Telefon: +49 30 67055-394
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  • Olaf Krömer

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    Deut­sches Zen­trum für Luft- und Raum­fahrt (DLR)
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