26. Oktober 2018
Mission Mars Express

Ein großer Krater benannt nach einem großen Planetenforscher: Der Krater Greeley

Perspektivischer Blick in den Krater Greeley
Perspektivischer Blick in den Krater Greeley
Bild 1/4, Quelle: ESA/DLR/FU Berlin, CC BY-SA 3.0 IGO

Perspektivischer Blick in den Krater Greeley

Perspektivischer Blick in den Krater Greeley

Ronald Greeley
Der amerikanische Wissenschaftler und Planetengeologe Ronald Greeley
Bild 2/4, Quelle: Tom Story

Der amerikanische Wissenschaftler und Planetengeologe Ronald Greeley

Ronald Greeley verstarb am 27. Oktober 2011.

Greeley-Krater
Greeley-Krater
Bild 3/4, Quelle: ESA/DLR/FU Berlin, CC BY-SA 3.0 IGO

Greeley-Krater

Diese in Regenbogenfarben kodierte Sicht auf den Greeley-Krater beruht auf einem digitalen Geländemodell (DTM) der Region, von dem sich die Topographie der Landschaft ableiten lässt.

Der Einschlagskrater Greeley in der Region Noachis Terra.
Der Einschlagskrater Greeley in der Region Noachis Terra.
Bild 4/4, Quelle: NASA/JPL (MOLA)/FU Berlin

Der Einschlagskrater Greeley in der Region Noachis Terra.

Der Einschlagskrater Greeley in der Region Noachis Terra.

  • Das Bildmosaik, erstellt aus Bildern der vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) betriebenen High Resolution Stereo Camera auf der Sonde Mars Express, zeigt den Krater Greeley.
  • Der Krater gehört mit einem Durchmesser von 427 Kilometern zu den größten Kratern auf dem Mars.
  • Benannt wurde der Krater nach dem 2011 verstorbenen amerikanischen Wissenschaftler Ronald Greeley, der von Anfang an Mitglied des HRSC-Experiment-Teams war.
  • Schwerpunkt(e): Raumfahrt, Planetenforschung
Blick auf den Greeley-Krater.
Blick auf den Greeley-Krater. Das Bildmosaik wurde aus 16 Orbitstreifen, die die HRSC-Kamera aufgenommen hat, zusammengesetzt.
Quelle: ESA/DLR/FU Berlin, CC BY-SA 3.0 IGO

Der hier in einem Bildmosaik der High Resolution Stereo Camera (HRSC) dargestellte Einschlagskrater wurde 2015 von der Internationalen Astronomischen Union (IAU) nach dem 2011 verstorbenen amerikanischen Wissenschaftler Ronald Greeley benannt. Greeley war ein Pionier der Planetengeologie, der seit 1977 an der Arizona State University lehrte und forschte. Er war außerdem von Anfang an, also seit 1988, Mitglied des HRSC-Experiment-Teams zunächst auf der gescheiterten russischen Mission Mars 96 und dann auf der Nachfolgemission Mars Express der europäischen Weltraumorganisation ESA. Die systematische Prozessierung der Kameradaten erfolgte am Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin-Adlershof. Mitarbeiter der Fachrichtung Planetologie und Fernerkundung der Freien Universität Berlin erstellten daraus die hier gezeigten Mosaikbilder.

Der Einschlagskrater Greeley hat einen Durchmesser von 427 Kilometern und gehört damit, nach den großen Einschlagsbecken, zu den größten Kratern auf dem Mars. Er befindet sich in Noachis Terra, einem Teil des südlichen Marshochlands, zwischen den Einschlagsbecken Argyre und Hellas Planitia. Der alte, bereits stark erodierte und von Sedimenten verfüllte Krater ist aufgrund seiner geringen Tiefe von nur 1,5 Kilometern in der Marslandschaft nur schwer auszumachen - sein Kraterrand ist teilweise sogar gänzlich verschwunden. Stünde ein Astronaut in der Mitte des Kraters, würde er wegen der im Vergleich zur Erde stärkeren Krümmung der Marskugel den Kraterrand am Horizont gar nicht sehen. Am besten sind seine Umrisse im farbkodierten digitalen Geländemodell zu erkennen (Bild 3).

Mit einem Alter von bis zu vier Milliarden Jahren gehört Noachis Terra zu den ältesten Regionen auf dem Mars. Hier wurden über Milliarden Jahre hinweg zahlreiche Einschlagskrater unterschiedlicher Größen gebildet und wieder abgetragen. Während dieser Abtragungsprozesse werden ursprünglich trogförmige Einschlagskrater mittels Erosion durch Wind, Wasser oder Eis mit der Zeit zu flachen, relieflosen Vertiefungen umgeformt. Das Fehlen von sichtbarem Auswurfmaterial, niedrige und zum Teil fehlende Kraterränder, ein flacher Kraterboden sowie zahlreiche Einschlagskrater in seinem Inneren deuten auf ein sehr hohes Alter des Kraters Greeley hin. Bei genauerer Betrachtung findet man hier und da ganze Schwärme sehr kleiner Krater, sogenannte Sekundärkrater, die durch den Einschlag von Auswurfmassen anderer Einschläge entstehen. In einigen der größeren, innenliegenden Krater führen kleine schmale Rinnen. Sie deuten auf ehemals in die Krater fließendes Wasser hin. Andere breitere Rinnen deuten auf hangabwärts kriechende, mit Sedimenten befrachtete Eismassen hin. Die unterschiedliche Färbung des Materials im Kraterboden ist auf Unterschiede in der Zusammensetzung zurückzuführen, wobei die helleren Materialien meist einer Verwitterung unter Wassereinfluss erfuhren und die dunkleren Oberflächen von vulkanischen Sanden bedeckt sind.

HRSC-Team-Mitglied der ersten Stunde

Ronald Greeleys große Leidenschaft war die Marsforschung. Er war nicht nur Co-Investigator der High Resolution Stereo Camera auf Mars Express, sondern auch an weiteren Marsmission wie Mariner, Viking, Pathfinder, Mars Global Surveyor und den Mars Exploration Rovern (Spirit und Opportunity) beteiligt. 1967 begann er seine Karriere in der Planetenforschung am NASA AMES Research Center, mit Studien vulkanischer Landschaftsformen und Lavaröhren auf Mond und Erde. Später arbeitete er mit planetaren Missionsdaten von Galileo zum Jupiter, Magellan zur Venus und Voyager 2 zu Uranus und Neptun. Außerdem interessierte er sich für Oberflächenformen und Prozesse auf anderen Planeten, die durch Windeinwirkung entstanden. 1977 wurde er Professor an der School of Earth and Space Exploration der Arizona State University, wo er das heute noch betriebene "Planetary Aeolian Laboratory" errichtete. Dort werden mit einem Windtunnel und einem Gerät zur Erzeugung von Wirbelbewegungen atmosphärische Prozesse auf Planeten genauer erforscht. Mit Ronald Greeley verstarb am 27. Oktober 2011 ein international angesehener und bedeutender Wissenschaftler, der 2015 mit der Benennung dieses Kraters auf dem Mars durch die International Astronomical Union geehrt wurde.

  • Bildverarbeitung:
    Das Mosaik besteht aus 16 Orbitstreifen (0430, 1910, 1932, 2412, 2467, 2478, 4306, 4317, 4328, 6556, 8613, 8620, 8708, 12835, 14719, 16778) und deckt ein Gebiet 2 Grad West bis 9 Grad Ost und 31,5 Grad Süd bis 43,5 Grad Süd ab. Die Bildauflösung beträgt etwa 100 Meter pro Bildpunkt (Pixel). Das Farbmosaik wurde aus den senkrecht auf die Marsoberfläche gerichteten Nadirkanälen der einzelnen Bildstreifen und den Farbkanälen der HRSC erstellt. Die perspektivische Schrägansicht wurde aus den Stereokanälen der HRSC berechnet. Die in Regenbogenfarben kodierte Aufsicht beruht auf einem digitalen Geländemodell (DTM) der Region, von dem sich die Topographie der Landschaft ableiten lässt. Der Referenzkörper für das Geländemodell ist eine Äquipotentialfläche des Mars (Areoid).
  • Das HRSC-Experiment auf Mars Express:
    Die High Resolution Stereo Kamera wurde am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelt und in Kooperation mit industriellen Partnern gebaut (EADS Astrium, Lewicki Microelectronic GmbH und Jena-Optronik GmbH). Das Wissenschaftsteam unter Leitung des Principal Investigators (PI) Prof. Dr. Ralf Jaumann besteht aus 52 Co-Investigatoren, die aus 34 Institutionen und 11 Nationen stammen. Die Kamera wird vom Institut für Planetenforschung des DLR in Berlin-Adlershof betrieben.
Kontakt
  • Elke Heinemann
    Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

    Politikbeziehungen und Kommunikation
    Telefon: +49 2203 601-2867
    Telefax: +49 2203 601-3249
    Linder Höhe
    51147 Köln
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  • Prof. Dr. Ralf Jaumann
    Abteilungsleitung
    Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
    Institut für Planetenforschung
    Telefon: +49 30 67055-400
    Telefax: +49 30 67055-402
    Rutherfordstraße  2
    12489 Berlin
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  • Ulrich Köhler
    Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
    Institut für Planetenforschung
    Telefon: +49 30 67055-215
    Telefax: +49 30 67055-303
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  • Dr. Daniela Tirsch
    Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
    Institut für Planetenforschung
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