19. Dezember 2018
Jubiläum: 50 Jahre Mondumrundung von Apollo 8

Ein Fo­to, das die Welt ver­än­der­te

Der „Erdaufgang“ über dem Mondhorizont
Der „Erd­auf­gang“ über dem Mond­ho­ri­zont
Bild 1/6, Credit: ©NASA.

Der „Erdaufgang“ über dem Mondhorizont

Apol­lo-Fo­to Nr. AS08-14-2383: Ei­ne Iko­ne der Raum­fahrt – der Erd­auf­gang. Als die Astro­nau­ten der Apol­lo-8-Missi­on am 24. De­zem­ber 1968 am En­de ih­rer vier­ten Um­run­dung des Mon­des mit der Raum­kap­sel wie­der im Son­nen­licht an­ka­men und das Raum­schiff dreh­ten, hat­ten sie die­sen An­blick der Er­de, wie sie über dem Mond­ho­ri­zont ver­meint­lich „auf­geht“. Nach ei­nem ers­ten Schwarz­weiß­bild von Kom­man­dant Frank Bor­man (AS08-13-2329) wech­sel­te Bill An­ders auf die Farb­kas­set­te 14 und mach­te die­ses Farb­bild der „auf­ge­hen­den Er­de“ mit der Has­selblad-Ka­me­ra und ei­nem 250-Mil­li­me­ter Zeiss-Son­nar-Te­le­ob­jek­tiv. Jim Lovell no­tier­te so­gar die Ein­stel­lun­gen: „two fif­ty at f ele­ven“ (1/250 Se­kun­de Be­lich­tungs­zeit, Blen­de 11). Tat­säch­lich wan­dert die Er­de nicht über den Him­mel des Erdtra­ban­ten, wie das von der Er­de aus ge­se­hen beim Mond der Fall ist. Die Er­de steht für ei­nen Be­trach­ter auf dem Mond im­mer an fast der­sel­ben Stel­le, weil die­ser der Er­de im­mer die­sel­be Sei­te zu­wen­det – ein Phä­no­men, das als „ge­bun­de­ne Ro­ta­ti­on“ be­zeich­net wird: Wäh­rend ei­ner Mon­d­ro­ta­ti­on um­run­det der Mond ein­mal die Er­de. Trotz­dem er­scheint es der Be­sat­zung von Apol­lo 8, die sich mit ih­rer Raum­kap­sel um den Mond her­um­be­wegt, als ob die Er­de über dem Mond­ho­ri­zont auf­ge­gan­gen wä­re.
Die Crew der Apollo 8-Mission
Die Crew der Apol­lo 8-Missi­on
Bild 2/6, Credit: ©NASA.

Die Crew der Apollo 8-Mission

Mit Apol­lo 8 ver­ließ am 21. De­zem­ber 1968 zum ers­ten Mal ei­ne Astro­nau­ten­crew das Schwe­re­feld der Er­de. Ziel der Missi­on war es, für die im dar­auf­fol­gen­den Jahr ge­plan­te ers­te Lan­dung von Men­schen auf dem Mond Ab­läu­fe, Ma­nö­ver und die Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen Mond und Er­de zu tes­ten, aber auch den Mond zum ers­ten Mal von Men­schen aus der Nä­he in Au­gen­schein neh­men zu las­sen und die mög­li­chen Lan­des­tel­len zu über­prü­fen. Von links nach rechts: Jim Lovell (geb. 1928), Kom­man­dant des Lan­de- und Ser­vice­mo­duls und spä­te­rer Kom­man­dant der Missi­on Apol­lo 13; Wil­liam „Bill“ An­ders (geb. 1933), der als „Welt­raum­neu­ling“ die Funk­ti­on des Bor­d­in­ge­nieurs und Fo­to­gra­fen aus­üb­te und Kom­man­dant Frank Bor­man (geb. 1928).
Start mit der Saturn-V-Trägerrakete
Ers­ter be­mann­ter Start mit der Sa­turn-V-Trä­ger­ra­ke­te
Bild 3/6, Credit: ©NASA.

Erster bemannter Start mit der Saturn-V-Trägerrakete

Die von Wern­her von Braun ent­wi­ckel­te Ra­ke­te Sa­turn V war das stärks­te Trä­ger­sys­tem, das bis heu­te in der Raum­fahrt zum Ein­satz kam. In ih­rer letz­ten Ver­si­on wog sie an­nä­hernd 3000 Ton­nen und konn­te bis zu 140 Ton­nen Nutz­last ins All brin­gen. Sämt­li­che 13 Starts mit der Sa­turn V wa­ren er­folg­reich.
Die unbekannte Rückseite des Mondes
Die un­be­kann­te Rück­sei­te des Mon­des
Bild 4/6, Credit: ©NASA.

Die unbekannte Rückseite des Mondes

Als Apol­lo 8 am 24. De­zem­ber 1968 den Mond er­reich­te war er von der Er­de als zu­neh­men­de Si­chel zu se­hen. Der west­li­che Teil der Mond­vor­der­sei­te und der öst­li­che Teil der Mon­drück­sei­te la­gen des­halb im Dun­keln. Der Os­ten der Mond­vor­der­sei­te und der west­li­che Teil der Mon­drück­sei­te wa­ren da­ge­gen von der Son­ne be­schie­nen. Erst­mals sa­hen Men­schen die Mon­drück­sei­te aus der Nä­he (ro­bo­ti­sche Son­den der UdSSR und der NA­SA hat­ten die Rück­sei­te be­reits in den 60er-Jah­ren fo­to­gra­fiert). Die Mon­drück­sei­te ist von der Er­de nie zu se­hen. Die Ge­steins­krus­te der Mon­drück­sei­te ist dop­pelt so dick wie auf der Vor­der­sei­te. Das be­deu­tet, dass die Mag­men aus dem In­ne­ren kaum die Krus­te durch­drin­gen kön­nen und die­se Sei­te we­ni­ger vul­ka­ni­sche Flä­chen be­sitzt.
Blick auf die Erde
Der Blaue Pla­net
Bild 5/6, Credit: ©NASA.

Der Blaue Planet

Die ers­ten Fo­tos des gan­zen ‚Blau­en Pla­ne­ten‘ ent­stan­den am 21. De­zem­ber 1968, 40 Mi­nu­ten nach dem Ein­schuss in den Mondtrans­fer. Die Astro­nau­ten von Apol­lo 8 wa­ren die ers­ten Men­schen, die die Er­de als ge­sam­ten Pla­ne­ten aus der Di­stanz se­hen konn­ten. Al­le Fo­tos wur­den da­mals auf ana­lo­gem Film auf­ge­nom­men, der erst nach der Rück­kehr zur Er­de nas­sche­misch ver­ar­bei­tet wur­de. Erst dann konn­ten die Er­geb­nis­se prä­sen­tiert wer­den. Ein be­son­ders schö­nes Fo­to des Pla­ne­ten Er­de ge­lang dem Apol­lo-8- Bor­d­in­ge­nieur und -fo­to­gra­fen Bill An­ders auf dem Rück­weg zur Er­de aus 33.000 Ki­lo­me­tern Ent­fer­nung: In der obe­ren Bild­hälf­te steht Süd­ame­ri­ka auf dem Kopf, in der Bild­mit­te be­fin­det sich der At­lan­tik und links un­ten ist der afri­ka­ni­sche Kon­ti­nent zu er­ken­nen.
Missionslogos von Apollo 8
Die „ge­flo­ge­ne Acht“
Bild 6/6, Credit: ©NASA.

Die „geflogene Acht“

Wie kann man ei­nen Flug zum Mond und zu­rück, wie kann man ei­ne Mond­lan­dung durch­füh­ren? Die NA­SA hat­te ei­ne schlüs­si­ge Idee, die im zeit­ge­nös­si­schen De­sign des Missi­ons­lo­gos von Apol­lo 8 zum Aus­druck kommt: Die „ge­flo­ge­ne Acht“. Die Missi­ons­num­mer bot sich für die­ses gra­fi­sche Spiel ge­ra­de­zu an. Das Ge­spann aus Kom­man­do­kap­sel, Ser­vice­mo­dul und – spä­ter – Mond­lan­de­fäh­re wür­de am Mond in ei­ne ge­gen­läu­fi­ge Um­lauf­bahn ein­schwen­ken, den Mond von Ost nach West so oft wie bei der je­wei­li­gen Missi­on er­for­der­lich in et­wa 110 Ki­lo­me­ter Hö­he um­run­den, bei den Mond­lan­dun­gen ei­ne Lan­des­on­de ab­tren­nen und auf ih­re Rück­kehr im Mondor­bit war­ten, die Astro­nau­ten wie­der auf­neh­men und die Mond­lan­des­on­de „ent­sor­gen“. An­schlie­ßend soll­te die Kap­sel mit dem Schwer­kraft­schwung des Mon­des die Rück­rei­se zur Er­de an­tre­ten, um dort mit der Er­dro­ta­ti­on von West nach Ost in die Luft­hül­le ein­zu­tau­chen. Am En­de steht ei­ne Was­ser­lan­dung im Pa­zi­fi­schen Oze­an.
  • Am 24. Dezember 1968 umrundeten zu ersten Mal Menschen den Mond.
  • Dabei entstand die berühmte Fotografie des "Erdaufgangs".
  • Schwerpunkte: bemannte Raumfahrt, Mondumrundung, Exploration

"Oh mein Gott, schaut euch dieses Bild da an", sagte Bill Anders auf einmal, nachdem Kommandant Frank Borman am Ende der vierten Passage über die Mondrückseite die Apollo-8-Kapsel gedreht hatte, um den Mondhorizont für eine Navigation mit dem Handsextanten besser anpeilen zu können. "Was siehst Du?", fragte Borman. "Die Erde geht auf. Wow, ist das schön!" Frank Borman fotografierte sofort diesen überwältigenden Anblick: Über der grauen Mondoberfläche wölbte sich die zu etwa zwei Dritteln von der Sonne beschienene Halbkugel der Erde, königsblau die Ozeane, von Wirbeln und Strömungen schneeweißer Wolkenbänder überlagert, und die Kontinente in Beigetönen mit dunkelgrünen Tupfern. Der "Erdaufgang" ist vielleicht das symbolträchtigste Foto, das die Raumfahrt hervorgebracht hat, sicher eines der am häufigsten veröffentlichten. Bei der Mission Apollo 8 sah der Mensch zum ersten Mal die Erde, seinen Heimatplaneten, als Ganzes aus der Distanz: als einen wunderschönen, aber auch verletzlichen Himmelskörper. Bill Anders fand dafür die Worte "Eine großartige Oase in der Ödnis des Weltalls"

Das Foto entstand am 24. Dezember 1968, vor 50 Jahren. Mit der Mission Apollo 8 hatte der Mensch drei Tage zuvor zum ersten Mal die Schwerkraft der Erde vollständig überwunden, sich auf die Reise zum Mond begeben und befand sich mit der kleinen Raumkapsel im Schwerefeld eines anderen Himmelskörpers. Apollo 8 war ein weiterer, aber ein mutiger und extrem wichtiger Schritt der Amerikaner, das von Präsident John F. Kennedy am 25. Mai 1961 vorgegebene Ziel, "bevor das Jahrzehnt zu Ende ist, einen Menschen auf dem Mond zu landen und ihn sicher zur Erde zurück zu bringen" zu erreichen. Ein gutes halbes Jahr nach Apollo 8 wurde dieses Ziel mit der Landung von Apollo 11 und den ersten Schritten der Astronauten Neil Armstrong (1930-2012) und Buzz Aldrin (geb. 1930) im Mondstaub des Mare Tranquillitatis erreicht.

Ein wichtiger Schritt in der Raumfahrtgeschichte

Apollo 8 war in vielerlei Hinsicht einer der bedeutendsten Meilensteine auf dem Weg zur ersten bemannten Mondlandung. Das große nationale Prestigeprojekt der Amerikaner schien zwar Mitte des 60er-Jahre zunächst auf einem guten Weg. Die Vorläufermissionen des Gemini-Programms verliefen gemäß den Plänen der erst 1958 gegründeten National Aeronautics and Space Administrations, der NASA. Wernher von Braun, der so geniale wie aufgrund seiner mehr als fragwürdigen Rolle, die er im 'Dritten Reich' als Raketenentwickler für die Nationalsozialisten gespielt hatte, auch umstrittene 'Vater' des Apollo-Programms, legte ein überzeugendes Konzept vor, wie der Mondflug durchgeführt werden könnte. Hierfür ließ er eine Trägerrakete bauen, die alles in den Schatten stellte, was bis dahin Satelliten und Menschen in die Erdumlaufbahn oder Raumsonden ins All brachte. Die legendäre Saturn V – die römische Zahl V stand für die fünf F1-Raketentriebwerke von jeweils fast 8000 Kilonewton Schubkraft – hatte eine Höhe von 110 Metern, wog betankt fast 3000 Tonnen und konnte bis zu 140 Tonnen Nutzlast ins All befördern. Es ist bis heute die stärkste Trägerrakete, die je zum Einsatz kam. Das war dreizehnmal der Fall und nie kam es zu einem ernsthaften Problem.

Das Apollo-Programm stand zeitweise auf der Kippe

Ein erster bemannter Flug im Zuge des Apollo-Programms sollte 1967 als Mission AS-204 durchgeführt werden. Doch bei einem Test am Boden kam es am 27. Januar zur Katastrophe. Die Astronauten Virgil 'Gus' Grissom, Edward White und Roger Chaffee verbrannten in der mit reinem Sauerstoff gefüllten Kommandokapsel. Nach gründlicher Analyse der Fehler und einer Straffung der Prüf- und Kontrollabläufe bei der weiteren Entwicklung des Projekts startete die NASA im November 1967 und gleich noch einmal im April 1968 zwei unbemannte Saturn-V-Raketen für Testflüge in der Erdumlaufbahn: Apollo 4 und Apollo 6 (der ebenfalls unbemannte Apollo-5-Flug wurde mit einer Saturn IV-1b durchgeführt). Nicht alles klappte wie vorgesehen, aber das Projekt Mondlandung schien auf einmal wieder möglich. Der Druck auf Wernher von Braun und seine Ingenieure war enorm. Ihnen war bekannt, dass auch in der Sowjetunion die Entwicklung einer neuen starken Trägerrakete, der noch von dem im Januar 1966 verstorbenen Chefkonstrukteur Sergei Koroljow entwickelten N1, weit gediehen waren. Die tragische Mission AS-204 wurde im Nachhinein zur Mission Apollo 1 umbenannt.

In kurzer Abfolge wurde eine Mission nach der anderen durchgeführt. Auch die ersten beiden Apollo-Testflüge 6 (der letzte, unbemannt im April 1968) und 7 (erstmals mit drei Astronauten auf einer Saturn-IV-b-Rakete, Oktober 1968) in der Erdumlaufbahn verliefen erfolgreich, allerdings gab es teilweise erhebliche technische Probleme. Mit der Apollo 8-Mission sollte es dann bereits zum Mond gehen. Es war erst der zweite Apollo-Flug mit Astronauten und der erste mit Astronauten an der Spitze einer Saturn-V-Rakete. Die NASA entschied sich zu diesem durchaus riskanten Schritt nicht nur wegen des selbst auferlegten Drucks, vor Ende 1969 die Mondlandung durchzuführen, sondern auch wegen der nachlassenden Begeisterung für das Projekt Apollo in der amerikanischen Bevölkerung und der zunehmenden Kritik, mit der sie wegen der hohen Ausgaben nicht nur von Politik und Gesellschaft, sondern auch von wissenschaftlicher Seite konfrontiert wurde. Zeitweise arbeiteten 400.000 Menschen an Apollo.

Währenddessen entwickelte sich 1968 zu einem extrem unruhigen und aufregenden Jahr. Am 4. April, dem Tag, an dem Apollo 6 startete, wurde der schwarze Bürgerrechtler Martin Luther King ermordet. In Paris, in Berlin und auch in den USA kam es zu Studentenunruhen. Die USA führten einen Krieg im weit entfernten Vietnam, in dem sich das Land zunehmend in eine Sackgasse zu manövrieren schien und bei dem es zahlreiche amerikanische Opfer zu beklagen gab. Kurz vor den Olympischen Spielen in Mexiko, die als friedensstiftendes Sportfest gedacht waren, verübte das mexikanische Militär ein Massaker, bei dem über 200 Studenten erschossen wurden. Auch das Projekt Apollo geriet im Fahrwasser dieser Ereignisse in die Diskussion. Aus diesem Grunde und, weil es nicht mehr viele 'Startfenster' zum Mond gab, entschied sich die NASA, die Mission Apollo 8 über die Weihnachtsfeiertage durchzuführen. Die Mission sollte zudem mit 66 Stunden TV-Übertragungen in den Wohnzimmern der USA und der ganzen Welt von 600 Millionen Menschen live und in Farbe verfolgt werden können.

Der Mond als 'Loch im Sternenhimmel'

Der Start erfolgte am 21. Dezember um 7.51 Uhr Ortszeit vom Weltraumkomplex Cape Canaveral, der damals noch den Namen Cape Kennedy trug. Zweieinhalb Stunden nach dem Start und den üblichen Systemtests in der Erdumlaufbahn wurde die Mission auf den Weg zum Mond gebracht : Das "go for trans-lunar insertion!", für den Einschuss in die Transferbahn zum Mond, erteilte Michael Collins als "CapCom" (Capsule Communicator, Verbindungskommunikator), der später das Kommando- und Servicemodul bei Apollo 11 in der Mondumlaufbahn steuerte. Alle Apollo-Missionen waren so angelegt, dass vor dem Einleiten des nächsten Schritts eine Möglichkeit des Abbruchs gegeben war – oder eben der nächste Missionsabschnitt begonnen wurde ("fail-safe"). Drei Tage später, am 24. Dezember, erreichte Apollo 8 mit Kommando- und Servicemodul den Mond. Wiederum nach einer Überprüfung der Situation wurde entschieden, den Mond nicht nur einmal zu umrunden, um dann sofort zur Erde zurückzukehren, sondern das Gespann sollte mit den Triebwerken wie geplant in eine Mondumlaufbahn eingebremst werden, die sogenannte Lunar Orbit Insertion (LOI). 68 Stunden und 4 Minuten nach dem Start kam das Kommando: "Apollo 8, this is Houston. As 68:04 you’re Go for LOI!" Aus einem zunächst elliptischen Orbit erreichte die Kapsel nach zwei Umläufen eine kreisförmige, etwa 110 Kilometer hohe Umlaufbahn. Zehnmal umrundete Apollo 8 den Mond.

Neu an dieser Mission war nicht nur, dass der Mensch zum ersten Mal aus dem Erdorbit zu einem entfernteren Ziel aufgebrochen war, sondern auch dass während der Passage der Mondrückseite für eine Dreiviertelstunde kein Funkkontakt zur Bodenstation in Houston bestand. Als dies beim ersten Mal eintrat, kommentierten es die Astronauten zwar technisch-routiniert, ließen aber auch erkennen, dass diese Erfahrung etwas ganz Neues für sie war: "Wir sehen uns dann auf der anderen Seite des Mondes wieder", funkte Lovell noch zur Erde – dann herrschte absolute Stille im Äther. Ein weiterer Aha-Moment beim Flug durch die Nacht auf einem Drittel der Mondrückseite war der Blick aus den kleinen Fenstern: Die Aussicht in die Tiefe des Alls war durch absolut nichts beeinflusst und so sahen die Astronauten so viele Sterne, dass sie nicht einmal die vertrauten Sternbilder erkannten. Und der Mond? Der schien verschwunden! Ohne Atmosphäre, die etwas Sonnenlicht von den Seiten auf die Oberfläche hätte streuen können, ist er absolut schwarz und wirkt unsichtbar. Als Bill Anders durch das Fenster auf der anderen Seite blickte, war er irritiert. Doch der Sternenhimmel brach entlang einer bogenförmigen Linie abrupt ab: Der Mond "stanzte" als Sichthindernis ein 'schwarzes Loch' in das Sternenmeer.

Apollo 8 hatte neben technischen Aufgaben wie das Thema Funkverkehr oder die Durchführung von Flugmanövern mit der Kapsel auch wissenschaftliche Fragestellungen zu klären. Zuvorderst sollte die trotz der vorbereitenden robotischen Missionen in gewisser Weise schon beantwortete Frage noch einmal von den Astronauten erörtert werden: Wie sieht der Mond aus der Nähe aus? Welche zusätzlichen Anziehungskräfte wirken auf das Raumschiff durch eisenreiche vulkanische Gesteinskomplexe nahe der Mondoberfläche? Außerdem wurden die schon für 1969 ins Auge gefassten Landestellen in hoch aufgelösten Farbbildern fotografiert.

Heiligabend vierhunderttausend Kilometer von der Erde entfernt

Ein von der NASA gekonnt für die Weltöffentlichkeit inszenierter Missionsabschnitt sollte ebenfalls eine bedeutende Rolle spielen: Wie verbringt ein NASA-Astronaut Heiligabend, fast vierhunderttausend Kilometer entfernt, am Mond? Neben dem im Missionsverlauf übertragenen Tech-Sprech überraschte die Crew die amerikanische Öffentlichkeit mit einer Lesung aus der Schöpfungsgeschichte der Bibel: Über den Funkkanal mit seinen "Biep"-Tönen war die Stimme von Bill Anders zu hören: "Wir nähern uns nun dem lunaren Sonnenaufgang. Und für alle Menschen unten auf der Erde hat die Besatzung der Apollo 8 eine Botschaft, die wir euch senden möchten: Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe. Der Geist Gottes schwebte über dem Wasser, und Gott sprach: Es werde Licht. Und es ward Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war, und Gott teilte das Licht von der Dunkelheit." Jim Lovell fuhr mit der Lesung fort, und schließlich las auch der Kommandant Frank Borman aus dem Buch Genesis des Alten Testaments und endete mit einer Weihnachtsbotschaft: "Und von der Besatzung der Apollo 8: Wir schließen mit einem Gute Nacht, Viel Glück, Fröhliche Weihnachten und Gott segne euch alle – euch alle auf der guten Erde!" Diese Erde hatte auch die Astronauten bald wieder: Apollo 8 wasserte am 27. Dezember 1968 nach sechs Tagen und drei Stunden südlich von Hawaii und wurde vom US-Flugzeugträge USS Yorktown aufgenommen. Schon 235 Tage später standen zum ersten Mal Menschen auf dem Mond.

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