12. Juni 2019
Südamerika

TanDEM-X offenbart Gletschermasse im Detail

TerraSAR-X Aufnahme: Upsala-Gletscher in Patagonien
TerraSAR-X Aufnahme: Upsala-Gletscher in Patagonien
Bild 1/3, Quelle: DLR (CC BY 3.0)

TerraSAR-X Aufnahme: Upsala-Gletscher in Patagonien

Künstlich eingefärbtes TerraSAR-X Bild (Stripmode) des Upsala-Gletschers in Patagonien/Argentinien vom 7. Januar 2008. Die Farben geben Auskunft über die Rauigkeit der Geländeoberfläche, Gebiete die vornehmlich glatt für das Radar erscheinen sind in dunkleren Grau- und Blautönen eingefärbt. Bereiche mit einer gröberen Oberflächenstruktur erscheinen dagegen in Gelbtönen.      

Massenveränderung im Radarblick: Südpatagonisches Inlandeis
Massenveränderung im Radarblick: Südpatagonisches Inlandeis
Bild 2/3, Quelle: Malz et. al. 2018 doi:10.3390/rs10020188

Massenveränderung im Radarblick: Südpatagonisches Inlandeis

Ausschnitt aus Karte der Hohenänderung des Südpatagonischen Inlandeises; die Namen in der Karte bezeichnen die wichtigsten Auslassgletscher. (a) pixel-basierte Abschätzung der Massenänderung im Zeitraum zwischen 2000-2015, (b) für den Bereich des Gletschereinzugsgebietes abgeschätzte mittlere Massenveränderung. Für die Analyse wurden Höhenmodelle der Shuttle Radar Topographie-Mission aus dem Jahr 2000 mit Höhenmodellen der TanDEM-X-Mission aus dem Zeitraum 2011-2015 herangezogen.      

Gletschervermessung vor Ort
Gletschervermessung vor Ort
Bild 3/3, Quelle: FAU/Matthias Braun

Gletschervermessung vor Ort

Glaziologische Bodenmessungen am Grey-Gletscher (Argentinien). Stangen werden in den Gletscher eingebohrt um die Abschmelzraten zu messen. Solche Messungen dienen als Referenz für die Analysen mittels Satellitendaten.      

Schwerpunkte: Erdbeobachtung, Raumfahrt, Globaler Wandel

Um die Entwicklung eines Gletschers genau verstehen und vorhersagen zu können, muss man seine Masse genau kennen. Wie wichtig diese Daten sind, zeigt sich besonders in Südamerika: Auf lokaler Ebene, in den tropischen Regionen zwischen Bolivien und Venezuela, sichert das Schmelzwasser der Gletscher die Trinkwasserversorgung während der Trockenzeit. Die grundlegenden Daten über die Massenveränderung der Gletscher sind jedoch nicht einfach zu beschaffen. Dabei tragen die Massenverluste global gesehen auch zum Anstieg des Meeresspiegels bei. Wie ein neues Analyseverfahren unter Verwendung von TanDEM-X-Daten zeigt, gilt das vor allem für Patagonien.

Üblicherweise müssen die Wissenschaftler die Gletschermassenänderungen vor Ort vermessen - problematisch bei großen und unzugänglichen Gebieten. Allein die patagonischen Eisfelder haben eine Gesamtfläche von fast 18.000 Quadratkilometer und liegen an der Grenze zwischen Chile und Argentinien in den Anden. Alternativ geben Schwerefeld-Messungen per Satellit Aufschluss über die Massenbilanz. Eine Methode, die sich jedoch nicht für Gletscher in tropischen Regionen mit geringer Eisbedeckung eignet. TanDEM-X bietet nun die Möglichkeit die Massenbilanz von Gletschern per Radarfernerkundung zu bestimmen - mit einem einheitlichen Messverfahren und so genau wie nie zuvor. Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben eine spezielle Verarbeitungsmethode entwickelt und konnten damit aus den Radardaten erstmals ein detailliertes Bild der Massenänderungen sämtlicher Gletscher Südamerikas gewinnen.

Ganze Gletscher verschwunden

Die FAU-Studie zeigt, dass die patagonischen Eisfelder die größten Verluste erlitten haben - Neben den Massenverlusten der großen Eisfelder sind bereits ganze Gletscher verschwunden. Zwischen 2000 und der Zeitspanne 2011-2015 schrumpfte das patagonische Inlandeis jährlich um rund 17,4 Gigatonnen. Das entspricht einem Rückgang von 19,3 Kubikkilometer pro Jahr und übertrifft selbst den Massenverlust von Gletschern, die in den Tropen liegen. Die Analyse der TanDEM-X-Daten bestätigt vorangegangene Untersuchungen und offenbart nun eine dramatische Entwicklung, wie sie bislang nur für Gebiete in Bolivien und Peru bekannt war.

Die TanDEM-X-Geländemodelle erfassen Höhenunterschiede mit einer Genauigkeit von einem Meter. So lassen sich selbst einzelne Gletscher präzise untersuchen. Die FAU-Geographen aus den Bereichen Fernerkundung und Geoinformation sowie physikalische Klimatologie um Prof. Dr. Matthias Braun und Dr. Tobias Sauter nutzen diese Daten aus dem Zeitraum 2011-2015 und verglichen sie mit Aufnahmen der Shuttle Radar Topographie-Mission aus dem Jahr 2000. Aus der Differenz berechneten sie, in einem komplexen Verfahren, zunächst die Höhenveränderungen der Gletscher und daraus die Veränderungen der Gletschermasse. Dank der hochauflösenden TanDEM-X Daten und der neuen Verarbeitungsmethode war es den FAU-Forschern somit erstmals möglich, die großen patagonischen Inlandeisflächen getrennt von den umliegenden Gletschern zu analysieren. Die Ergebnisse der weitreichenden Studie wurden im Fachmagazin „Nature Climate Change“ veröffentlicht und finden möglicherweise Eingang in den nächsten Bericht des Weltklimarats.

Fortsetzung TanDEM-X und Tandem-L

Derzeit läuft eine Aktualisierung des globalen Geländemodells der TanDEM-X-Mission - die Erlanger Forscher hoffen daher, von diesen Daten in Zukunft noch mehr profitieren zu können. Sie möchten ihre Analysen auch auf andere Regionen ausdehnen und vor allem zeitlich fortschreiben. Eine weitere Hoffnung der Geographen ruht auf Tandem-L, der Nachfolgemission zu TanDEM-X. Ziel von Tandem-L ist es, die Landmasse der Erde im Wochenrhythmus abzubilden. Im L-Band-Frequenzbereich von 23,6 Zentimeter könnten die Radarsignale der neuartigen Satelliten durch die Vegetation durch und in den Erdboden hineindringen. So sollen Radar-Tomographische-Aufnahmen ein Bestandteil der Tandem-L-Mission sein, um eine noch genauere Erfassung der Gletschermassen zu ermöglichen. Künftig könnten die FAU-Wissenschaftler die Gletschergebiete in Südamerika zeitlich und räumlich hochgenau beobachten und weitere wertvolle Erkenntnisse daraus erarbeiten.

Kontakt
  • Bernadette Jung
    Kommunikation Oberpfaffenhofen, Weilheim, Augsburg
    Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

    Politikbeziehungen und Kommunikation
    Telefon: +49 8153 28-2251
    Telefax: +49 8153 28-1243
    Münchener Straße  20
    82234 Weßling
    Kontaktieren
  • Prof. Irena Hajnsek
    Wissenschaftliche Koordinatorin
    Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
    Institut für Hochfrequenztechnik und Radarsysteme
    Telefon: +49 8153 28-2362
    Münchner Straße  20
    82234  Oberpfaffenhofen-Weßling
    Kontaktieren
  • Prof. Dr. Matthias Braun Matthias Braun
    Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

    Institut für Geographie
    Telefon: +49 9131 85-22015
    Wetterkreuz 15
    91058 ErlangenErlangen
    Kontaktieren

Neueste Nachrichten

Hinweis zur Verwendung von Cookies

OK

Hauptmenü