2. Juli 2019
DLR-Patent im Testlauf am Flughafen Wien

Bodenplatten verringern Wirbelschleppen im Landeanflug

Wirbelschleppen des riesigen A380
Wirbelschleppen des riesigen A380
Bild 1/4, Quelle: DLR (CC-BY 3.0)

Wirbelschleppen des riesigen A380

Auch die Wirbelschleppen des riesigen A380 werden durch die Platten geschwächt

Plate Line am Localizer
Plate Line am Localizer
Bild 2/4, Quelle: DLR (CC-BY 3.0)

Plate Line am Localizer

Endanflug über die Plate Line am Localizer

Eine Plate Line aus acht Elementen
Eine Plate Line besteht aus acht Elementen
Bild 3/4, Quelle: DLR (CC-BY 3.0)

Eine Plate Line besteht aus acht Elementen

Eine Plate Line besteht aus acht Elementen, die jeweils 4,5 Meter hoch und 9 Meter lang sind.

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Bild 4/4, Quelle: SESAR/Europäische Kommission

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Ziel dieses im Rahmen des EU-Forschungsprogramms SESAR geförderten Projekts "Wake turbulence separation optimisation" ist es, die Wirksamkeit der Platten an einem großen Flughafen nachzuweisen.

  • DLR-patentierte Konfiguration parallel angeordneter Bodenplatten lässt Wirbelschleppen schneller zerfallen.
  • Lasergestütztes Wirbelschleppen-Messsystem dokumentiert die Wirkung bei Probebetrieb am Flughafen Wien.
  • Langfristig sind kürzere Abstände nachfolgender Flugzeuge möglich.
  • DLR und Austro Control arbeiten zusammen mit der Leonardo Germany GmbH und der RPG Radiometer Physics GmbH daran, die Sicherheit von Landungen weiter zu erhöhen.
  • Schwerpunkt: Luftfahrt

Rund zehn Kilometer Sicherheitsabstand müssen kleine und mittlere Flugzeuge derzeit zu vorausfliegenden schwereren Maschinen einhalten. Der Grund sind Wirbelschleppen, die insbesondere kurz vor dem Aufsetzen eines nachfolgenden Flugzeugs eine kraftvolle gefährdende Wirkung entfalten können. Austro Control und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) arbeiten nun am Flughafen Wien gemeinsam mit weiteren Partnern daran, Wirbelschleppen im Anflugbereich zu entschärfen und damit die Sicherheit weiter zu erhöhen. Dafür verwenden die Forscher eine DLR-patentierte Konfiguration parallel angeordneter Bodenplatten, die Wirbelschleppen schneller zerfallen lässt. Mit einem Lasermessgerät (Lidar) wird das Verhalten der Wirbelschleppen detailliert für nachfolgende Auswertungen aufgezeichnet.

Ziel dieses im Rahmen des EU-Forschungsprogramms SESAR geförderten Projekts "Wake turbulence separation optimisation" ist es, die Wirksamkeit der Platten an einem großen Flughafen nachzuweisen. Im Wasserschleppkanal, Strömungssimulationen und vorausgegangenen Flugversuchen am DLR-Standort Oberpfaffenhofen konnte dieser Nachweis bereits erbracht werden. "Allererste Auswertungen der neuen Messungen in Wien zeigen, dass auch dort die Wirbelschleppen in der Nähe der Platten tatsächlich deutlich schneller zerfallen", sagt Dr. Frank Holzäpfel vom DLR-Institut für Physik der Atmosphäre. Es ist geplant in den nächsten zwei Jahren an der Spezifikation und Herstellung einer permanenten Einrichtung dieser Platten zu arbeiten.

"Das Projektteam hat Großes geleistet, um die Erprobung dieses bislang einzigartigen Systems bei Vollbetrieb auf einem stark frequentierten Flughafen zu ermöglichen. Erste Ergebnisse sind sehr erfreulich und sollte sich die Wirksamkeit der Plate-Lines wie angenommen umfassend bestätigen, können diese in Zukunft an allen Flughäfen für gesteigerte Sicherheit und mehr Kapazität sorgen", sagt Christian Kern, Leiter Air Traffic Management bei Austro Control.

Der Trick mit den Platten

Während die Wirbel in höheren Luftschichten meist schnell absinken, verdriften und sich schließlich auflösen, verharren sie gelegentlich einige Zeit kurz vor der Landebahn, knapp über dem Boden. Genau dort setzen nachfolgende Flugzeuge zur Landung an. Um die zirkulierenden Wirbel vor einer Landebahn schneller abzuschwächen, wird ein System parallel hintereinander angeordneter Platten, die sogenannte Plate Line, aufgestellt. An den in Wien etwa neun Meter langen und viereinhalb Meter hohen Platten bilden sich Sekundärwirbel, die die eigentlichen Wirbelschleppen deutlich schneller zerfallen lassen.

Effektivere Nutzung bestehender Flughafenstrukturen

Der Bau neuer Start- und Landebahnen auf etablierten Flughäfen ist mit einem immensen Aufwand verbunden, wobei oft Siedlungsgebiete von den Erweiterungen betroffen sind. Gelingt es zukünftig, unter voller Gewährleistung der Sicherheit, Flugzeuge dichter hintereinander landen zu lassen, könnten bestehende Systeme effektiver genutzt werden und Bahnerweiterungen ließen sich vermeiden.

Wirbelnde Flügelspitzen

Wirbelschleppen sind langlebige Luftwirbel, die jedes Flugzeug hinter sich erzeugt. Sie rollen sich an den Flügelspitzen auf, wo der Unterdruck der Tragflächenoberseite und der Überdruck der Tragflächenunterseite zusammentreffen. Die mächtigen Wirbel können dicht nachfolgende Maschinen empfindlich auf ihrer Flugbahn stören und auch am Boden an Gebäuden zu Schäden führen. Kleinere Maschinen sind besonders gegenüber Wirbelschleppen großer Jumbojets sensibel. Sie müssen einen erweiterten Sicherheitsabstand einhalten.

Die Partner

Das Projekt entspringt einer langjährigen Zusammenarbeit zwischen Austro Control und dem DLR zum Thema "Wake Turbulence". Das DLR hat die Plate Lines entwickelt und führt die Messungen der Wirbelschleppen vor Ort durch.

Austro Control hat den Aufbau der Platten ermöglicht und im Vorfeld eine entsprechende Sicherheitsanalyse durchgeführt. Ebenso wird die Datenauswertung unterstützt und es werden Radar- und Flugplandaten beigesteuert. Austro Control testet gemeinsam mit den Partnern die Wirksamkeit der Platten im Live-Betrieb. Weiteres umfangreiches meteorologisches Messequipment wird von den Firmen Leonardo Germany GmbH und Radiometer Physics GmbH zur Verfügung gestellt.

Das Mikrowellenradiometer RPG liefert das vertikale Temperatur- und Feuchtigkeitsprofil und misst damit die atmosphärische Stabilität. Das neuartige Wolkenradar wird erstmals auf einem Flughafen getestet und bietet einen tiefen Einblick in die Wolkendynamik wie Windrichtung und -scherung in komplexen Wolken- und Niederschlagsszenarien.

Zusätzlich zu diesen neuartigen Sensoren wird die meteorologische Situation ständig durch eine Kombination aus einer ganzen Reihe von Sensoren überwacht: einem Scan-Doppler-Lidar (LEOSPHERE), einem Dual-Polarisations-Doppler-Radar (LEONARDO Deutschland) und einer Sicht- und Infrarotkamera (FLIR), die alle von LEONARDO Deutschland bereitgestellt werden, sowie einem Sodar/RASS, das von Austro Control betriebenen Standard-AWOS-Sensoren ergänzt.

Kontakt
  • Falk Dambowsky
    Presseredaktion
    Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

    Media|Relations
    Telefon: +49 2203 601-3959
    Linder Höhe
    51147 Köln
    Kontaktieren
  • Frank Holzäpfel
    Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
    Institut für Physik der Atmosphäre
    Wolkenphysik und Verkehrsmeteorologie
    Telefon: +49 8153 28-2529
    Münchner Straße  20
    82234 Oberpfaffenhofen
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