12. Juli 2019
Beeindruckendes Naturschauspiel

Par­ti­el­le Mond­fins­ter­nis zum 50. Jah­res­tag des Apol­lo-11-Starts

Das Foto zeigt eine partielle Mondfinsternis am 10. Dezember 2011
Wenn der Mond in den Schat­ten der Er­de tritt
Bild 1/6, Credit: Sternwarte Höchstberg/Dr. Martin Miller

Wenn der Mond in den Schatten der Erde tritt

In der Nacht vom 16. auf den 17. Ju­li 2019 wird sich ei­ne par­ti­el­le Mond­fins­ter­nis er­eig­nen. Da­bei wird der Mond ins­ge­samt knapp drei Stun­den lang teil­wei­se durch den Kern­schat­ten der Er­de zie­hen. Gleich­zei­tig wird sei­ne Ober­flä­che zum Teil ei­ne röt­lich-bräun­lich Far­be an­neh­men, wie man sie von to­ta­len Mond­fins­ter­nis­sen her kennt. Das Fo­to zeigt ei­ne par­ti­el­le Mond­fins­ter­nis am 10. De­zem­ber 2011. Am 16./17. Ju­li wird der Mond zur Fins­ter­nis­mit­te al­ler­dings tie­fer im Kern­schat­ten der Er­de ste­hen als bei die­ser Auf­nah­me.
Der Weg des Mondes durch den Kernschatten
Der Weg des Mon­des durch den Kern­schat­ten
Bild 2/6, Credit: DLR/nach einer Grafik von Arnold Barmettler

Der Weg des Mondes durch den Kernschatten

In der Nacht vom 16. auf den 17. Ju­li 2019 wird der Mond ins­ge­samt knapp drei Stun­den lang teil­wei­se durch den Kern­schat­ten der Er­de zie­hen.
Verlauf der Mondfinsternis am 16./17. Juli 2019
Ver­lauf der Mond­fins­ter­nis am 16./17. Ju­li 2019
Bild 3/6, Credit: DLR/nach einer Grafik von Arnold Barmettler

Verlauf der Mondfinsternis am 16./17. Juli 2019

Um 22:02 Uhr MESZ be­ginnt der Mond lang­sam in den Kern­schat­ten der Er­de ein­zu­tau­chen, dann ist auch die bür­ger­li­che Däm­me­rung zu En­de ge­gan­gen – und er steht jetzt von Ham­burg bis zur Zug­spit­ze nur we­ni­ge Grad über dem Ho­ri­zont. Erst ab Mit­te der Fins­ter­nis, ab 23:31 Uhr MESZ, hat er je nach geo­gra­phi­scher Brei­te des Stand­orts ei­ne ak­zep­ta­ble Hö­he zwi­schen 8 und 15 Grad er­reicht. Rund 2/3 des Voll­mond­durch­mes­sers be­fin­den sich nun in der Kern­schat­ten­zo­ne. Ab die­sem Zeit­punkt wan­dert die par­ti­ell ver­fins­ter­te Mond­schei­be nach und nach wie­der aus dem Kern­schat­ten her­aus, bis sie sich um 1:00 Uhr MESZ des dar­auf­fol­gen­den Ta­ges wie­der völ­lig in der Halb­schat­ten­zo­ne be­fin­det.
Start der Apllo-11-Mission am 16. Juli 1969
16. Ju­li 1969: Start der Apol­lo-11-Missi­on
Bild 4/6, Credit: NASA

16. Juli 1969: Start der Apollo-11-Mission

Ein Jahr­hun­der­ter­eig­nis: Die in­ter­na­tio­na­le Pres­se ver­folgt am 16. Ju­li 1969 den Start der Sa­turn-V-Ra­ke­te am Ken­ne­dy Space Cen­ter in Flo­ri­da/USA.
Start der Apollo-11-Mission am 16. Juli 1969
Start der Apol­lo-11-Missi­on am 16. Ju­li 1969
Bild 5/6, Credit: NASA

Start der Apollo-11-Mission am 16. Juli 1969

Am 16. Ju­li 1969 star­te­ten die drei Astro­nau­ten Neil Arm­strong, Ed­win Buzz Aldrin und Mi­cha­el Col­lins mit ei­ner Sa­turn-V-Ra­ke­te von Launch Com­plex 39A des Ken­ne­dy Space Cen­ter in Flo­ri­da. Drei Ta­ge spä­ter, am 19. Ju­li, schwenk­te Apol­lo 11 in die vor­ge­se­he­ne Bahn um den Mond ein.
Internationale Raumstation ISS vor dem Mond
In­ter­na­tio­na­le Raum­sta­ti­on ISS vor dem Mond
Bild 6/6, Credit: Sternwarte Höchstberg/ Dr. Martin Miller

Internationale Raumstation ISS vor dem Mond

Am 6. Ju­li 2018 konn­te früh­mor­gens in der Ei­fel ein Tran­sit der In­ter­na­tio­na­len Raum­sta­ti­on ISS vor dem Mond mit meh­re­ren Ka­me­ras im Mo­vie-Mo­de be­ob­ach­tet wer­den. Das GIF-Mo­vie wur­de mit ei­nem klei­nen La­cer­ta-72-mm-Apo­chro­ma­ten mit Re­duk­tor bei ei­ner ef­fek­ti­ven Brenn­wei­te von 360 mm und mit ei­ner klei­nen Mond-Pla­ne­ten-Ka­me­ra (IMG132E) ge­won­nen. Die Be­lich­tungs­zei­ten der Ein­zel­f­ra­mes wa­ren 5 Mil­li­se­kun­den, bei ei­ner Bildra­te von et­wa 15 pro Se­kun­de. Der Mondtran­sit war mit 0,9 Se­kun­den ra­send schnell. In der Zeit­lu­pe des Films lässt sich das Er­eig­nis aber gut er­ken­nen.
  • Am 16. Juli 1969 brach die NASA-Crew von Apollo 11 zum Mond auf.
  • 50 Jahre später, in der Nacht vom 16. auf den 17. Juli 2019, wird sich ab 20:42 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit eine partielle Mondfinsternis ereignen.
  • Während der Finsternis werden die Planeten Jupiter und Saturn Richtung Süden zu sehen sein, zweimal wird auch die Internationale Raumstation ISS über den Himmel ziehen.
  • Schwerpunkte: Raumfahrt, Exploration, ISS

Seit Dezember vergangenen Jahres steht der Erdbegleiter weltweit im Licht des öffentlichen Interesses und zieht viele Menschen in seinen Bann. Denn am 24. Dezember 2018 jährte sich zum 50. Mal die Mondumrundung der Apollo-8-Mission, kurz darauf landete am 3. Januar 2019 die chinesische Mondsonde Chang'e 4 um 3:26 Uhr Mitteleuropäischer Zeit auf der Mondrückseite. Und in den Morgenstunden des 21. Januar 2019 ereignete sich eine eindrucksvoll zu sehende totale Mondfinsternis.

"Der Mond steht in diesem Jahr zweifellos im Brennpunkt der Öffentlichkeit, weil wir das 50-jährige Jubiläum der ersten bemannten Mondlandung feiern. Bereits im Vorfeld des 20./21. Julis 2019 wurde und wird in etlichen Veranstaltungen, in Vorträgen, in Filmen und Texten an dieses historische Ereignis erinnert und das hat den Mond als Ziel künftiger astronautischer Expeditionen bei Vielen aufleben lassen", erklärt Astronom Dr. Manfred Gaida vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Bonn.

Und nun steht in den späten Abend- und Nachtstunden des 16. Juli, dem einstigen Starttag der Apollo-11-Mission, wieder eine sichtbare partielle Mondfinsternis an. Anders als bei der letzten Mondfinsternis am 21. Januar wird hierzulande die Internationale Raumstation ISS zur selben Zeit, in der der Mond durch den Erdschatten zieht, sogar zweimal am Himmel zu sehen sein.

Wenn der Mond in den Schatten tritt

Da der Mond hierzulande teilverfinstert aufgeht und während der Finsternis selbst in Bayern eine Höhe von weniger als 20 Grad über dem Horizont erreicht, wird er aufgrund der sogenannten Mondtäuschung dem Betrachter vermutlich etwas größer vorkommen, als wenn er höher am Himmel stünde. Verantwortlich für diesen Effekt ist eine optische Täuschung. In Mitteleuropa dürfen wir uns jedenfalls ab der Mitte der Finsternis auf eine relativ gute Sicht freuen, wenn sich der Erdbegleiter dann noch für anderthalb Stunden teilweise im Kernschatten der Erde aufhält und braun- bis kupferrot leuchtet. Doch was ist die Ursache für dieses eigenartige Farbenspiel während einer Mondfinsternis?

Heute weiß man, dass die Ursache für die auffallende Färbung des Mondes, wenn er im Kernschatten verschwindet, darin liegt, dass das langwellige rote Licht der Sonnenstrahlen in der irdischen Atmosphäre gebrochen und in Richtung der Oberfläche des Erdbegleiters gelenkt wird, während die kurzwelligen blauen Lichtwellen vollständig in der Erdatmosphäre in alle Richtungen gestreut werden. Zusätzlich verstärken Staub, Asche und Aerosole in der Hochatmosphäre die Färbung, die nahezu jede Mondfinsternis zu einem spektakulären Ereignis werden lässt.

Der Verlauf der Mondfinsternis am 16. Juli 2019

Die Halbschattenfinsternis beginnt um 20:42 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ). Zu diesem Zeitpunkt steht der Vollmond noch unter dem Horizont und bleibt unsichtbar. Erst nach einer guten Dreiviertelstunde, gegen 21:30 Uhr MESZ, geht er auf, wird dann aber in den horizontnahen Dunstschichten in der sogenannten bürgerlichen Dämmerung voraussichtlich nur schwierig auszumachen sein. Der Begriff "bürgerliche Dämmerung" bezeichnet die frühe Phase des Tag-Nacht-Übergangs, wenn die Sonne erst knapp, das heißt bis maximal sechs Grad, unter dem Horizont steht und Lesen im Freien noch möglich ist.

Um 22:02 Uhr MESZ beginnt der Mond langsam in den Kernschatten der Erde einzutauchen - dann ist auch die bürgerliche Dämmerung zu Ende gegangen - und er steht jetzt von Hamburg bis zur Zugspitze nur wenige Grad über dem Horizont. Erst ab Mitte der Finsternis, ab 23:31 Uhr MESZ, hat er - je nach geographischer Breite des Standorts - eine akzeptable Höhe zwischen 8 und 15 Grad erreicht. Rund zwei Drittel des Vollmonddurchmessers befinden sich nun in der Kernschattenzone. Ab diesem Zeitpunkt wandert die partiell verfinsterte Mondscheibe nach und nach wieder aus dem Kernschatten heraus, bis sie sich um 1:00 Uhr MESZ des darauffolgenden Tages wieder völlig in der Halbschattenzone befindet. Nun dauert es noch gut eineinviertel Stunden, bis der Mond den Erdschatten ganz verlassen hat. In diesem Zeitraum ist die Höhe des Mondes über dem Horizont nahezu unverändert bei zirka 17 Grad, und er bleibt noch bis zum Ende der Nacht zu sehen.

Riesenplanet Jupiter und Ringplanet Saturn in Mondnähe

Ebenfalls sind während der Finsternis - eine gute, freie, horizontnahe Sicht vorausgesetzt - die beiden Planeten Jupiter und Saturn als auffallend helle, ruhig leuchtende Objekte im Süden zu sehen. Der etwas hellere Jupiter steht dabei, bezogen auf die exakte Südrichtung, „rechts“ und der Planet Saturn "links". Zugleich ist der Mond zur Zeit der Finsternis nur etwa fünf Bogengrad östlich vom Ringplaneten entfernt. Noch näher am Mond steht der Zwergplanet Pluto. Der ist aber infolge seiner Sonnenferne so lichtschwach, dass man ihn allenfalls mit Hilfe eines Teleskops fotografisch auffinden kann. Mit einem handelsüblichen 10x50-Fernglas lässt sich hingegen schon die Ringstruktur des Saturn erahnen.

Tipps für die Beobachtung

Die Beobachtungsbedingungen sind in ganz Deutschland, klare Sicht vorausgesetzt, insbesondere für die zweite Halbzeit der Finsternis günstig. Während der partiellen Verfinsterung ist der Süden etwas bevorzugt, denn dort steht der Mond rund doppelt so hoch wie in Norddeutschland über dem Horizont. In jedem Fall ist es notwendig, sich einen Beobachtungsplatz zu suchen, von dem aus in südöstlicher Richtung ein freier Blick bis zum Horizont ohne störende irdische Lichtquellen möglich ist. Noch beeindruckender ist gleichwohl die Beobachtung mit Hilfe eines Fernglases oder kleinen Teleskops. Auf der Webseite "Timeanddate.de" kann man sich den Verlauf und die Zeiten der Mondfinsternis für den jeweiligen Standort anzeigen lassen. Die nächste, von Mitteleuropa aus einigermaßen gut sichtbare Mondfinsternis wird sich übrigens erst in rund drei Jahren, am 16. Mai 2022, ereignen, kalendarisch zwischen dem 50. Jahrestag der Apollo-16- und der Apollo-17-Mission.

Auch die ISS ist zu sehen

Kurz nach 23:01 Uhr wird auch die Internationale Raumstation ISS etwa 10 Grad oberhalb des teilverfinsterten Mondes als auffallend heller Lichtpunkt am Himmel erscheinen. Dabei erreicht sie, bezogen auf die Mitte Deutschlands, eine maximale Höhe von rund 25 Grad über dem Horizont. Ein zweiter Durchgang beginnt um 0:37 Uhr MESZ. Diesmal wird die ISS sehr hoch am Himmel aufsteigen, nahe am Zenit vorbeiziehen und infolgedessen markant und hell am Firmament zu sehen sein. Die genauen standortbezogenen Zeiten und weitere Daten lassen sich der Website "Heavens above" entnehmen.

Die Animation in der Bildergalerie zeigt einen Vorbeiflug der Raumstation, der am 20. Juli 2018 mit mehreren Kameras aufgezeichnet wurde. Diese Bilderfolge gibt nicht die Situation während der Mondfinsternis am 16./17. Juli 2019 wieder.

Die partielle Mondfinsternis am 16./17. Juli 2019 / Ablauf

Kontaktzeiten in MESZEreignis
20:44 UhrEintritt des Mondes in den Halbschatten
22:02 UhrEintritt des Mondes in den Kernschatten
23:31 UhrMitte der Finsternis
1:00 UhrAustritt des Mondes aus dem Kernschatten
2:18 UhrAustritt des Mondes aus dem Halbschatten

Quelle: www.eclipsewise.com

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