5. Dezember 2019
Mensch-Maschine-Interaktion und künstliche Intelligenz in der Raumfahrt

CI­MON-2 ist auf dem Weg zur In­ter­na­tio­na­len Raum­sta­ti­on ISS

Mehr zu:
Raumfahrt
Start SpaceX mit CIMON
Start von SpaceX-19 mit CI­MON-2
Bild 1/3, Credit: DLR (CC-BY 3.0)

Start von SpaceX-19 mit CIMON-2

Am 5. De­zem­ber 2019 um 18:29 Uhr Mit­tel­eu­ro­päi­scher Zeit (12:29 Uhr Orts­zeit) ist ein US-ame­ri­ka­ni­scher SpaceX-19-Frach­ter vom Welt­raum­bahn­hof Ca­pe Ca­na­ve­ral in Flo­ri­da (USA) ge­star­tet. An Bord be­fand sich das mo­di­fi­zier­te Astro­nau­ten­as­sis­tenz­sys­tem CI­MON-2.
Cimon-2 bei Test
Ci­mon-2 bei Tests im EAC
Bild 2/3, Credit: © DLR. Alle Rechte vorbehalten

Cimon-2 bei Tests im EAC

Der ers­te mo­bi­le Astro­nau­ten­as­sis­tent im All, CI­MON, hat ein Ge­schwis­ter be­kom­men: CI­MON-2 – hier bei Tests im Co­lum­bus-Mock-up des Eu­ro­päi­schen Astro­nau­ten­zen­trums in Köln – ist am 5. De­zem­ber 2019 an Bord ei­ner SpaceX-19-Ra­ke­te vom US-Welt­raum­bahn­hof Ca­pe Ca­na­ve­ral in Flo­ri­da zur In­ter­na­tio­na­len Raum­sta­ti­on ge­star­tet.
CIMON-2 mit geistigen Eltern
CI­MON-2 mit geis­ti­gen El­tern
Bild 3/3, Credit: DLR (CC-BY 3.0)

CIMON-2 mit geistigen Eltern

CI­MON-2 und drei sei­ner geis­ti­gen El­tern (von links): DLR-Pro­jekt­lei­ter Dr. Chris­ti­an Kar­rasch, die Me­di­zi­ne­rin und wis­sen­schaft­li­che Lei­te­rin Dr. Ju­dith Buch­heim, Kli­ni­kum der Lud­wig-Ma­xi­mi­li­ans-Uni­ver­si­tät Mün­chen und Till Ei­sen­berg, CI­MON-Pro­jekt­lei­ter bei Air­bus. Es fehlt: Mat­thi­as Bi­niok von IBM.
  • Nachfolger des in Deutschland entwickelten und gebauten Technologie-Demonstrators soll wie sein Vorgänger mit Astronauten im Columbus-Labor interagieren
  • CIMON-2 hat einen besseren "Orientierungssinn" und "Einfühlungsvermögen"
  • DLR, Airbus und IBM führen Partnerschaft fort
  • Schwerpunkte: Raumfahrt, Künstliche Intelligenz

Ein neuer CIMON für die Internationale Raumstation ISS: Mit CIMON-2 (Crew Interactive MObile companioN) startete am 5. Dezember 2019 um 18:29 Uhr Mitteleuropäischer Zeit (12:29 Uhr Ortszeit) an Bord eines Dragon-Frachters der US-amerikanischen Firma SpaceX vom US-Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida ein modifizierter und mit neuen Aufgaben ausgestatteter, in Deutschland entwickelter und gebauter Astronautenassistent ins Weltall. "CIMON-2" wird, wie sein Vorgänger, im europäischen Forschungsmodul Columbus eingesetzt werden. CIMON ist ein ballförmiger, freifliegender, mit künstlicher Intelligenz ausgestatteter Technologie-Demonstrator zur Mensch-Maschine Interaktion.

"CIMON-1 - unser Prototyp - ist am 27. August 2019 nach 14 Monaten auf der ISS wieder auf der Erde gelandet und mittlerweile bei Airbus in Friedrichshafen angekommen", berichtet Dr. Christian Karrasch, CIMON-Projetleiter im DLR Raumfahrtmanagement in Bonn. Das Raumfahrtmanagement hatte das Technologie-Experiment mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) bei Airbus in Friedrichshafen und Bremen beauftragt. Die künstliche Intelligenz (KI) basiert auf der Watson-Technologie von IBM, Mediziner der Ludwig-Maximilians-Universität München sind für die wissenschaftlichen Fragestellungen verantwortlich. CIMON-1 war am 15. November 2018 mit dem deutschen ESA-Astronauten Alexander Gerst als weltweit erste KI auf der ISS im Einsatz.

"Mit CIMON-2 wollen wir an die erfolgreiche Demonstration mit CIMON anknüpfen", sagt Christian Karrasch. Der erste CIMON habe bei seiner Premiere eindrucksvoll gezeigt, dass eine KI-basierte mobile Anwendung auf der Raumstation funktioniert. CIMON hat 90 Minuten mit Alexander Gerst "gearbeitet". " CIMON-2 soll bis zu drei Jahre auf der Raumstation bleiben und die Besatzung unterstützen", erläutert Till Eisenberg, CIMON-Projektleiter bei Airbus, und ergänzt: "CIMON-2 verfügt über sensiblere Mikrophone und einen weiterentwickelten Orientierungssinn. Auch die KI-Fähigkeiten und die Stabilität der komplexen Softwareanwendungen wurden deutlich verbessert." Ein wichtiger Punkt in der Evolution von CIMON sei auch die erweitere Lebenslaufzeit: "Innerhalb dieser Einsatzdauer denken wir an weitere Schritte wie etwa die KI auf eine Cloud der ISS zu bringen." Dies wäre ein Meilenstein der Entwicklung hin zu einem völlig autonomen Assistenzsystem. DLR-Projektleiter Christian Karrasch: "Auf dem Weg zum Mond oder Mars könnte sich die Crew dann auch ohne eine permanente Datenverbindung zur Erde auf einen KI-basierten Assistenz-Service verlassen. Ein Anwendungsfall für die Erde wäre zum Beispiel die Unterstützung von Menschen bei komplexen Aufgaben in Gegenden mit schwacher Infrastruktur."

IBM ist bei CIMON für die Implementierung der künstlichen Intelligenz verantwortlich. "Bei seinem ersten Einsatz auf der ISS hat CIMON bewiesen, dass er Inhalte nicht nur in ihrem Kontext verstehen kann, sondern auch die Intention dahinter", erklärt Matthias Biniok, IBM Projektleiter für die künstliche Intelligenz Watson. "CIMON-2 geht noch einen Schritt weiter. Mithilfe des IBM Watson Tone Analyzers aus der IBM Cloud in Frankfurt ist er nun in der Lage, die Emotionen der Astronauten auszuwerten und situationsgerecht darauf zu reagieren, wenn die Astronauten es möchten oder die Emotionsanalyse im Rahmen eines Experiments getestet wird. Damit kann sich CIMON-2 bei Bedarf von einem wissenschaftlichen Assistenten in einen einfühlsamen Gesprächspartner verwandeln".

Die CIMON – "Familie"

Entwicklung und Bau des interaktiven Astronauten-Assistenten CIMON wurden vom Raumfahrtmanagement im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie in Auftrag gegeben und von Airbus in Friedrichshafen und Bremen umgesetzt. Als sprachgesteuerte Künstliche Intelligenz dient die Watson KI-Technologie aus der IBM Cloud. Die menschlichen Aspekte des Assistenzsystems wurden von Wissenschaftlern des Klinikums der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) mitentwickelt und betreut. Ein rund 50-köpfiges Projektteam von DLR, Airbus, IBM und der LMU arbeitete seit August 2016 an der Realisierung von CIMON. Der Prototyp des Technologie-Experiments war vom 2. Juli 2018 bis zum 27. August 2019 auf der ISS und hatte am 15. November 2018 seine 90-minütige Weltpremiere mit dem deutschen ESA-Astronauten Alexander Gerst. CIMONs Name erinnert nicht zufällig an "Professor Simon Wright", den robotischen Assistenten – das "fliegende Gehirn" – aus der japanischen Science-Fiction-Serie "Captain Future".

CIMON – die Idee

CIMON ist ein in Deutschland entwickeltes und gebautes Technologie-Experiment zur Unterstützung und Effizienz-Steigerung der Arbeit eines Astronauten. CIMON kann Informationen, Anleitungen zu wissenschaftlichen Experimenten und Reparaturen darstellen und erklären. Ein Vorteil ist, dass der Astronaut beide Hände frei hat durch den sprachgesteuerten Zugriff auf Dokumente und Medien. Weitere Anwendungen sind etwa die Nutzung als mobile Kamera zur Einsparung von Astronauten Crew-Zeit. Vor allem Routineaufgaben könnten durch CIMON erledigt werden, wie etwa die Dokumentierung von Experimenten, Suche nach Objekten und Inventarisierung. CIMON kann auch sehen, hören, verstehen und sprechen. Seine beiden Augen zur Orientierung sind eine Stereo-Kamera, eine hochauflösende Kamera zur Gesichtserkennung und zusätzlich zwei weitere seitliche Kameras für Fotos und Videodokumentation. Ultraschall-Sensoren messen Abstände zur Kollisions-Erkennung. Seine Ohren sind acht Mikrofone zur Richtungserkennung plus ein Richt-Mikrofon für eine gute Spracherkennung. Sein Mund ist ein Lautsprecher, über den er sprechen und Musik abspielen kann. Kernstück der KI für das Verständnis von Sprache ist die IBM Watson KI-Technologie aus der IBM Cloud. Selbstständiges Lernen von CIMON wurde ausgeschlossen, er muss aktiv durch einen Menschen trainiert werden. Die KI zur autonomen Navigation stammt von Airbus und dient der Bewegungsplanung und Objekterkennung. Durch zwölf interne Rotoren kann sich CIMON frei in alle Raumrichtungen bewegen und rotieren. Somit kann er sich dem Astronauten zuwenden, wenn er angesprochen wird, Kopfnicken, Kopfschütteln und räumlich selbstständig oder auf Kommando folgen.

Kontakt
  • Elisabeth Mittelbach
    Grup­pen­lei­tung Kom­mu­ni­ka­ti­on
    Deut­sches Zen­trum für Luft- und Raum­fahrt (DLR)
    Raum­fahrt­ma­na­ge­ment
    Telefon: +49 228 447-385
    Königswinterer Str. 522-524
    53227 Bonn
    Kontaktieren
  • Mathias Pikelj
    PR Air­bus Fried­richs­ha­fen
    Air­bus
    Telefon: +49 7545 8 9123

    Kontaktieren
  • Dagmar Domke
    IBM Deutsch­land

    Un­ter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­ti­on IBM Deutsch­land
    Telefon: +49 170 4808-228
Neueste Nachrichten

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Weitere Informationen zum Datenschutz erhalten Sie über den folgenden Link: Datenschutz

Hauptmenü