23. Juni 2023

Verkehrssicherheitsarbeit im ländlichen Raum: Verkehrsbeobachtung mit einem Messanhänger an der B179

Die Mobile Messstation erfasst den Verkehr an der B179.
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©DLR

Die Landstraße ist als infrastruktureller Bereich gegenüber der Autobahn und dem innerstädtischen Bereich in der Forschung zur Verkehrssicherheit eher unterrepräsentiert, obwohl hier immer wieder schwere Unfälle passieren. Der Hauptteil der Unfälle mit Verkehrstoten (ca. 1.500) ereignete sich in Deutschland 2021 auf Landstraßen (61 %), gegenüber Autobahnen (9 %) und innerstädtischem Bereich (30 %) [Statistisches Bundesamt (Destatis)].

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat e. V. (DVR) hat seit 2021 und auch für die nächsten zwei Jahre die Verkehrssicherheit im ländlichen Raum als Schwerpunkthema gewählt und sieht daher auch in diesem Bereich Stärkungsbedarf in der Forschung rund um die Verkehrssicherheit.

In einem gemeinsamen Projekt beobachten und analysieren der Deutsche Verkehrssicherheitsrat e. V. (DVR) und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) Anfang Juli den Verkehr auf der Bundesstraße B179 in Pätz in der Gemeinde Bestensee.

Im Rahmen des Projektes „Stärkung des Infrastrukturmanagements: Ländliche Räume – Unfallprävention durch Digitalisierung und Auditierung der Straße - Beispiel B179 im LK Dahme-Spreewald/Brandenburg“ wird der ländliche Raum in den Fokus der Betrachtung gerückt. Es handelt sich um ein Gemeinschaftsprojekt, in dem neben dem DVR und DLR die Unfallkommission des Landkreises Dahme-Spreewald (Straßenverkehrsamt, Polizei, Landesbetrieb Straßenwesen Brandenburg und die Gemeinde Bestensee) sowie die Unfallforschung der Versicherer (UDV) zusammenarbeiten.

Das DLR unterstützt den DVR bei der Findung und Ableitung von Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit im Untersuchungsgebiet, in dem die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Verkehrssystemtechnik im Auftrag des DVR die Datenerhebung durchführen. Anfang Juli wird ein Messanhänger neben der B179 aufgestellt, um über einen Zeitraum von zwei Wochen anonymisierte Bewegungspfade der Verkehrsteilnehmenden (sog. Trajektorien) zu erheben. Für die verkehrlichen Analysen betrachten die Forschenden unter anderem Zeitstempel und Positionen der Verkehrsteilnehmenden. Weiterhin erstellen sie heruntergerechnete augmentierte Szenenvideos, mit denen die messtechnische Erfassung in der Analyse plausibilisiert werden kann. Hochaufgelöste Bilder werden sofort verarbeitet und verworfen. Das System verfügt über ein DSGVO-konformes Datenschutzkonzept. Es werden weder Kennzeichen noch Gesichter gespeichert.

Die Verkehrsdaten analysiert das DLR, um das Verkehrsgeschehen im ländlichen Raum zu verstehen sowie normale und kritische Ereignisse zu erfassen und zu modellieren. Die Ergebnisse sind ebenfalls hilfreich, um Anforderungen an automatisierte Fahrfunktionen im ländlichen Raum zu erheben. Claudia Leschik als Projektleiterin beim DLR dazu: „Wir sind gespannt auf die Ergebnisse aus der Datenanalyse zum Verkehrsverhalten auf einer exemplarischen Bundesstraße. Eine Verkehrsbeobachtung im ländlichen Raum ist für uns interessantes Forschungsneuland.“
 

Details zum Messzeitraum

Datum: Montag, 03.07.2023 bis Freitag, 14.07.2023
Messort: B179 in Pätz, Ecke Am Strand und Gräbendorfer Weg

Testfeld Niedersachsen Anhänger zum Messen der Daten
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