Abschlusspräsentation der interdisziplinären Forschungsinitiative UR:BAN

Wenn Fahrzeuge und Ampeln miteinander sprechen

Mittwoch, 7. Oktober 2015

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  • Projekt UR:BAN
    Kommunikation zwischen Fahrzeug und Ampel

    Durch eine kluge Vernetzung von Fahrzeug und Straßeninfrastruktur kann der Verkehrsfluss verbesert werden.

  • URBAN_pylon.jpg
    Smarter Verkehrsregler

    Ein mit einem Sender ausgestatteter Verkehrspylon kann Fahrzeugen kommunizieren, dass eine Verkehrsspur nicht befahrbar ist.

  • Kasten mit Instrumentierung an einer Ampel
    Instrumentierung an einer Ampel

    Das DLR-Institut für Verkehrssystemtechnik hat die App entwickelt und die nötige Infrastruktur an den Ampeln mit der Anwendungsplattform Intelligente Mobilität (AIM) zur Verfügung gestellt.

Eine Ampel, die dem Fahrzeug sagt, wann es starten kann. Ein Sender in einem Verkehrspylon, der bei einem Unfall schnell aufgestellt wird und informiert, dass eine Fahrspur blockiert ist. Wenn Fahrzeuge und Straßeninfrastruktur miteinander sprechen, läuft der Verkehr besser und sicherer. In der Forschungsinitiative UR:BAN hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), in einem Verbund aus insgesamt 31 Partnern aus Forschung und Automobilindustrie, neue Verkehrstechnologien für Städte entwickelt. Die Ergebnisse werden am 7. und 8. Oktober 2015 in Düsseldorf auf dem Messegelände vorgestellt.

Neue Technologien können den Verkehr in der Stadt sicherer und effizienter machen. In der vierjährigen Forschungsinitiative UR:BAN (Urbaner Raum: Benutzergerechte Assistenzsysteme und Netzmanagement) wurden solche Neuerungen in vielen interdisziplinären Projekten entwickelt. DLR-Verkehrsforscher haben innerhalb des UR:BAN-Projektes mit Partnern unter anderem die Car2X-Kommunikation weiterentwickelt, also die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Straßeninfrastruktur, wie zum Beispiel Ampeln. "In UR:BAN konnten wir zeigen, dass eine kluge Vernetzung den Verkehrsfluss verbessern kann", sagt Prof. Karsten Lemmer, Leiter des DLR-Instituts für Verkehrssystemtechnik. "Fahrzeuge und Straßeninfrastruktur werden in Zukunft immer komplexere Verkehrsvorgänge eigenständig abwickeln können."

Vorfahrt für Rettungsfahrzeuge

Für die Abschlusspräsentation in Düsseldorf haben die DLR-Forscher eine Ampel in Düsseldorf am Oberbilker Markt so umgerüstet, dass sie mit einem Polizei-Einsatzfahrzeug Daten austauschen kann. Fährt das Polizeiauto bei einem Einsatz auf die Kreuzung zu, wird die Ampel genau die Spur freischalten, auf der das Polizeifahrzeug unterwegs ist. "Das ist bislang nur möglich, wenn die Verkehrsleitzentrale eine solche Vorfahrtsschaltung durchführt. Mit der neuen Technologie kann die Vorfahrt schneller und flexibler gewährt werden", beschreibt Dr. Henning Mosebach, UR:BAN-Projektleiter beim DLR-Institut für Verkehrssystemtechnik, die Vorteile. Die Abschlusspräsentation zeigt, dass die in UR:BAN entwickelten Technologien bereits heute in den Städten eingesetzt werden können.

Punktgenaues automatisches Anfahren bei Grün

Ungeduldiges Hupen, weil ein Fahrer an der Ampel nicht schnell genug losfährt, könnte bald der Vergangenheit angehören. Die vom DLR umgerüstete Ampel kann den Fahrzeugen sagen, wann sie wieder auf Grün umschaltet. Diese können dann zum richtigen Zeitpunkt automatisch starten und zügig über die Kreuzung fahren. Durch die Information über die Ampelphasen kann das Auto zudem seine Geschwindigkeit anpassen, unnötige oder abrupte Halts vermeiden und insgesamt energieeffizienter fahren.
Das DLR hat im Rahmen des UR:BAN Projektes die Ampel nicht zum "sprechen" gebracht, sondern gemeinsam mit den Industrie-Partnern Opel, Conti und VW bestehende Standards weiterentwickelt. So lässt sich die Kommunikation zwischen Ampel und Auto bald herstellerunabhängig auf alle Fahrzeuge übertragen. "Mit dem Umbau der Ampel am Oberbilker Markt in Düsseldorf haben wir zudem gezeigt, dass unsere in Braunschweig im Rahmen der Anwendungsplattform Intelligente Mobilität (AIM) entwickelte Technologie auch in anderen Großstädten eingesetzt werden kann", sagt Mosebach.

Smarter Verkehrsregler

Bei der Abschlussveranstaltung demonstriert das DLR auch, wie Verkehrsteilnehmer und Fahrzeuge in Zukunft kurzfristig über Änderungen in der Verkehrsführung informiert werden können. Die Forscher stellen einen Verkehrspylon vor, der bei einem Unfall oder einer Baustelle den Fahrzeugen in seiner Umgebung mitteilen kann, dass eine Spur gerade nicht befahrbar ist. "Der Autofahrer weiß so schon 400 Meter vor der Gefahrenstelle, dass ein Spurwechsel ansteht", erläutert Mosebach. "Damit kann ein Auffahren verhindert oder rechtzeitig ein Umfahren der Engstelle empfohlen werden." Der intelligente Leitkegel wurde mit der vom DLR erarbeiteten "Sprache" vom Institut für Automation und Kommunikation Magdeburg (ifak) entwickelt.

Forschungsinitiative UR:BAN

31 Partner aus Automobil- und Zulieferindustrie, Elektronik- und Softwarefirmen, Universitäten, Forschungsinstituten und Städten haben sich im Verbundprojekt UR:BAN zusammengeschlossen. In gemeinsamer Forschungsarbeit entwickelten sie neue Fahrerassistenz- und Verkehrsmanagementsysteme für die Stadt. Das Gesamtbudget für die Forschungskooperation beträgt 80 Millionen Euro. Rund 50 Prozent davon trägt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) im Rahmen des 3. Verkehrsforschungsprogramms der Bundesregierung.
 

Zuletzt geändert am:
06.10.2015 11:08:04 Uhr

Kontakte

 

Jasmin Begli
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Kommunikation, Braunschweig

Tel.: +49 531 295-2108

Fax: +49 531 295-2102
Dr. Henning Mosebach
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Institut für Verkehrssystemtechnik

Tel.: +49 531 2953449