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Die 31. DLR-Parabelflugkampagne in Bordeaux endet nach zwei Wochen erfolgreich

CIMON, Sternengeburten und das Geheimnis der Plasmakristalle

Freitag, 9. März 2018

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    Das Experiment INKA

    Wie entstehen Sterne? Dieser Frage gingen Wissenschaftler der Fakultät für Physik an der Universität Duisburg-Essen mit ihrem Experiment INKA (Instabile protoplanetare Körper im Niederdruck Windkanal, vorne) bei der 31. DLR-Parabelflugkampagne nach. Auf der Erde wandern Sanddünen, indem der Wind Partikel an der einen Seite abträgt, die durch Gravitation aber auf der Windschattenseite wieder ablagert werden. Doch was würde ohne die Schwerkraft passieren? Die Düne würde sich einfach in eine Wolke aus Sandkörnern auflösen.

    Während der Entstehung von Planeten sind ähnliche Situationen denkbar, in denen nur lose gebundene Partikel von Sandkorngröße einen kilometer-großen Körper mit nur wenig Eigengravitation, ein so genanntes Planetesimal, bilden. Um zu erforschen, unter welchen Bedingungen solche Körper stabil sind, beobachten die Wissenschaftler eine Probe aus Partikeln von einem Millimeter Durchmesser in einem Niederdruck-Windkanal, bei dem Druck und Windgeschwindigkeit variiert werden können. Gleichzeitig befindet sich der Windkanal auf einer Zentrifuge, um so verschiedene Eigengravitationen (Planetesimalgrößen) zu simulieren.

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    Erforschung von komplexen Plasmen

    Komplexe Plasmen sind elektrisch leitende Gase – ähnlich, wie sie in Leuchtstoffröhren verwendet werden - in die „Staubteilchen“, so genannte Mikropartikel, eingebracht werden. Bei ihrem Parabelflugexperiment (vorne im Bild) beabsichtigten die Wissenschaftler der Justus-Liebig-Universität Gießen, Eigenschaften der flüssigen Phase in komplexen Plasmen, die sogenannte Elektrorheologie, zu erforschen. Neben dieser Grundlagenforschung sind komplexe Plasmen auch ideale Modellsysteme für andere Bereiche, wie etwa die Kristallographie, die Physik und Technik von Flüssigkeiten und Gasen sowie die Nanotechnologie. Bereits seit 2014 befindet sich ein „Doppelgänger“ der Experimentanlage, PK-4 auf der ISS, um längerfristige Forschung unter Schwerelosigkeit zu ermöglichen.

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    Messung der Durchblutung im menschlichen Körper

    Die so genannte Mikrozirkulation bezeichnet die Durchblutung der kleinsten Gefäße im menschlichen Körper. Sie hat eine große Bedeutung für den menschlichen Organismus als wichtiges Blutreservoir und beeinflusst den Blutdruck, fördert den Wärmeaustausch und transportiert Sauerstoff und lebenswichtige Nährstoffe zu den Zellen. Forscher des Universitätsklinikums Düsseldorf haben im Parabelflug die Veränderung der Mikrozirkulation in der Schwerelosigkeit mit einem speziellen, Smartphone-großen Hand-Mikroskop untersucht, das unter der Zunge misst.

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    TEMPUS-Anlage beim Parabelflug

    Auch die TEMPUS-Anlage des DLR für die Erforschung von Schmelzen in Schwerelosigkeit hat einen Zwilling auf der ISS. In den TEMPUS-Experimenten können diese Flüssigkeiten auf einzigartige Weise untersucht werden: Metalle und Legierungen werden durch ein elektrisches Feld frei schwebend positioniert und aufgeschmolzen. Die Schmelzen werden so nicht durch den Kontakt mit einem anderen Material, etwa eines Schmelztiegels, kontaminiert. Da während des Experiments keine Gravitation herrscht, fallen außerdem die störenden Strömungen in der Schmelze weg, die unter normaler Erdschwerkraft auftreten. Bei der 31. DLR- Parabelflugkampagne kam eine neue Wärmebildkamera zum Einsatz. Damit können auch Metalle untersucht werden, die bei niedrigen Temperaturen schmelzen.

  • An der 31. Parabelflugkampagne des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) nahmen zwölf Experimente aus Humanphysiologie, Biologie, Physik, Technologieerprobung und Materialwissenschaften teil.
  • Unter den Experimenten waren Untersuchungen zur Entstehung von Sternen, zur Plasmaphysik, zum Verhalten von Schmelzen in Schwerelosigkeit und zur Durchblutung im menschlichen Körper.
  • Die Parabelflugkampagne fand vom 26. Februar bis zum 9. März 2018 in Bordeaux statt.
  • Schwerpunkt: Raumfahrt

Am 9. März 2018 endete die 31. Parabelflugkampagne des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) erfolgreich: Zwölf Experimente aus Humanphysiologie, Biologie, Physik, Technologieerprobung und Materialwissenschaften befanden sich an Bord des A310 ZERO-G. Es ging unter anderem um Untersuchungen zur Entstehung von Sternen, zur Plasmaphysik, zum Verhalten von Schmelzen in Schwerelosigkeit und zur Durchblutung im menschlichen Körper. Die Kampagne fand in Bordeaux statt, dem Sitz der Firma Novespace, welche die Flugkampagnen im Auftrag des DLR Raumfahrtmanagements durchführt. "Auch nach 18 Jahren Forschung auf Parabelflügen bleibt es bei den Experimenten spannend, da viele Teilnehmer mit ihren Fragestellungen wissenschaftliches oder technologisches Neuland betreten", sagt Dr. Katrin Stang, Programmleiterin der DLR-Parabelflüge.

CIMON - ein Astronauten-Assistenzsystem für die ISS

An Bord der aktuellen Parabelflugkampagne war auch das zukünftige Astronauten-Assistenzsystem CIMON, das auf der Internationalen Raumstation ISS eingesetzt werden soll. CIMON ist mobil, mit einer künstlichen Intelligenz ausgestattet und soll die Astronauten bei Alltagsaufgaben unterstützen und entlasten. Ziel des Parabelflugtests war, grundlegende Eigenschaften von CIMON in Schwerelosigkeit zu überprüfen. Dabei wurden insbesondere die Orientierung im Raum sowie Navigation und Lenkung getestet, um für den Einsatz auf der ISS - in permanenter Schwerelosigkeit - optimal vorbereitet zu sein. Dr. Christian Karrasch, CIMON-Projektleiter im DLR Raumfahrtmanagement, war selbst an Bord und ist zufrieden mit dem Parabelfug: "CIMON hat gezeigt, dass er in Schwerelosigkeit sicher manövrieren kann und hat alle Tests mit Bravour bestanden - wir freuen uns sehr auf seinen ersten Einsatz auf der Raumstation."

Die Geburt von Sternen im Parabelflug-Experiment

Wie entstehen Sterne? Dieser Frage ging das Experiment INKA (Instabile protoplanetare Körper im Niederdruck Windkanal) von Wissenschaftlern der Fakultät für Physik an der Universität Duisburg-Essen nach. Sanddünen wandern, indem der Wind Partikel an der einen Seite abträgt, die durch Gravitation aber auf der Windschattenseite wieder ablagert werden. Doch was würde ohne die Schwerkraft passieren? Die Düne würde sich einfach in eine Wolke aus Sandkörnern auflösen.

Während der Entstehung von Planeten sind ähnliche Situationen denkbar, in denen nur lose gebundene Partikel von Sandkorngröße einen kilometer-großen Körper mit nur wenig Eigengravitation, ein so genanntes Planetesimal, bilden. Um zu erforschen, unter welchen Bedingungen solche Körper stabil sind, beobachten die Wissenschaftler eine Probe aus Partikeln von einem Millimeter Durchmesser in einem Niederdruck-Windkanal, bei dem Druck und Windgeschwindigkeit variiert werden können. Gleichzeitig befindet sich der Windkanal auf einer Zentrifuge, um so verschiedene Eigengravitationen (Planetesimalgrößen) zu simulieren.

Plasmakristalle - ein Phänomen, das nur in Schwerelosigkeit auftritt

Komplexe Plasmen sind elektrisch leitende Gase - ähnlich, wie sie in Leuchtstoffröhren verwendet werden - in die "Staubteilchen", so genannte Mikropartikel, eingebracht werden. Die Mikropartikel mit einem Durchmesser von bis zu zehn Mikrometern laden sich in einer Plasmakammer durch Elektronenanlagerung stark negativ auf und werden durch elektrische Felder zum Schweben gebracht. Infolge dieser Aufladung ist die elektrostatische Wechselwirkung zwischen den Mikropartikeln sehr stark, so dass neue, wissenschaftlich interessante Phänomene auftreten können wie zum Beispiel die Bildung eines Plasmakristalls: eine reguläre Anordnung der Mikropartikel im Plasma.

Beim Parabelflugexperiment beabsichtigten die Wissenschaftler der Justus-Liebig-Universität Gießen, Eigenschaften der flüssigen Phase in komplexen Plasmen, die sogenannte Elektrorheologie, zu erforschen. Neben dieser Grundlagenforschung sind komplexe Plasmen auch ideale Modellsysteme für andere Bereiche, wie etwa die Kristallographie, die Physik und Technik von Flüssigkeiten und Gasen sowie die Nanotechnologie. Bereits seit 2014 befindet sich ein "Doppelgänger" der Experimentanlage, PK-4 auf der ISS, um längerfristige Forschung unter Schwerelosigkeit zu ermöglichen.

Neues Materialdesign durch einzigartige Forschungsmöglichkeiten

So wie die PK-4 hat auch die TEMPUS-Anlage des DLR für die Erforschung von Schmelzen in Schwerelosigkeit einen Zwilling auf der ISS. In den TEMPUS-Experimenten können diese Flüssigkeiten auf einzigartige Weise untersucht werden: Metalle und Legierungen werden durch ein elektrisches Feld frei schwebend positioniert und aufgeschmolzen. Die Schmelzen werden so nicht durch den Kontakt mit einem anderen Material, etwa eines Schmelztiegels, kontaminiert. Da während des Experiments keine Gravitation herrscht, fallen außerdem die störenden Strömungen in der Schmelze weg, die unter normaler Erdschwerkraft auftreten.

Im Fokus der Messungen der Wissenschaftler vom DLR und verschiedener Universitäten standen dabei neue Erkenntnisse über die thermophysikalischen Eigenschaften der Stoffe wie Dichte, Viskosität, elektrische Leitfähigkeit und thermische Ausdehnung. Das ist die Grundlage für Modellberechnungen von technischen Prozessen für ein neues Materialdesign. Bei der 31. DLR- Parabelflugkampagne kam eine neue Wärmebildkamera zum Einsatz. "Die Wärmebildkamera hat es uns zum ersten Mal erlaubt, TEMPUS-Proben bei Temperaturen unter 600 Grad Celsius zu beobachten", erklärt Dr. Julianna Schmitz vom Kölner DLR-Institut für Materialphysik im Weltraum. "Hierdurch erweitern sich unsere Forschungsmöglichkeiten, wir können nun auch Metalle untersuchen, die bei niedrigen Temperaturen schmelzen. Wir sind sehr zufrieden mit den Ergebnissen."

Die Mikrozirkulation des Menschen in Schwerelosigkeit

Die so genannte Mikrozirkulation bezeichnet die Durchblutung der kleinsten Gefäße im menschlichen Körper. Sie hat eine große Bedeutung für den menschlichen Organismus als wichtiges Blutreservoir und beeinflusst den Blutdruck, fördert den Wärmeaustausch und transportiert Sauerstoff und lebenswichtige Nährstoffe zu den Zellen. Forscher des Universitätsklinikums Düsseldorf haben im Parabelflug die Veränderung der Mikrozirkulation in der Schwerelosigkeit mit einem speziellen, Smartphone-großen Hand-Mikroskop untersucht, das unter der Zunge misst. Die Erkenntnisse aus dem Parabelflug könnten helfen, neue diagnostische Möglichkeiten zu entwickeln, um zukünftig Personen mit erhöhtem Risiko für Kreislaufstörungen zu identifizieren und so Kreislaufstörungen frühzeitig vorbeugen. Hierdurch könnte beispielsweise auch die Flugsicherheit von Astronauten und Jetpiloten deutlich verbessert werden.

Zuletzt geändert am:
15.03.2018 13:10:53 Uhr

Kontakte

 

Diana Gonzalez
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Raumfahrtmanagement, Strategie und Kommunikation

Tel.: +49 228 447-388

Fax: +49 228 447-386
Dr. Katrin Stang
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Raumfahrtmanagement, Abt. Forschung unter Weltraumbedingungen

Tel.: +49 228 447-270

Fax: +49 228 447-735