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IN MUSEEN GESEHEN
DESIGN FÜR DIE SOWJETISCHE RAUMFAHRT –
DIE ARCHITEKTIN GALINA BALASCHOWA
bis 15. November 2015 zu sehen im Deutschen
Architekturmuseum in Frankfurt am Main
Führungen: samstags und sonntags 16 Uhr
Öffnungszeiten: Di, Do–So 11–18 Uhr, Mi 11–20 Uhr
Eintritt: 9 €, ermäßigt: 4,50 €, Katalog: 19,90 €
Begleitprogramm siehe
Bild: Archiv Galina Balaschowa
Bild: Archiv Galina Balaschowa
Bild: Archiv Galina Balaschowa
Bild: Archiv Galina Balaschowa
Entwurf für die Kommandozentrale des Raumschiffs Sojus mit den bis heute typischen Schalensitzen
Entwurf für die Typografie auf einer Raumfähre aus
dem Buran-Programm, Variante Bajkal (1978)
Farbstudie für den Wohnbereich des Raumschiffs Sojus-M
(1970–1974, Entwurf nicht realisiert)
Entwurf für die Platzierung des Namens auf der
Außenfläche der Raumstation Mir (1980)
REZENSIONEN
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Jede technisch-technologische Entwicklung, egal wie groß oder klein sie gewesen sein mag,
hatte Einfluss auf das Zusammenleben der Menschen, auf ihre Interaktion und damit auf ihr sozia-
les Verhalten. Die Nutzung des Feuers, die Erfindung des Rades, der Buchdruck oder die Entwick-
lung der Dampfmaschine hatten immense Auswirkungen auf gesellschaftliche Entwicklungen,
hatten gar revolutionäre Veränderungen zur Folge.
Im 20. Jahrhundert war es die Raumfahrt, die den Blick der Menschheit auf die Erde ein für alle
Mal veränderte. Von genialen Köpfen wie Ziolkowski, Oberth und Goddard erdacht, wurde sie
schnell zur militärischen Drohgebärde und erst später zum völkerverbindenden Element. Ein
zuweilen schmerzhafter Weg, der auch menschliche Opfer forderte. Er hat in der Gesellschaft
nicht nur seine Spuren hinterlassen, er hat diese auch massiv verändert. Heute, mehr als hundert
Jahre nach den Urvätern „Des Fluges des Menschen zu den Sternen“, hat die Raumfahrt eine
Entwicklung absolviert, in der sie sich unter anderem immer wieder den Fragen nach ihrer
Existenzberechtigung, dem „Warum“, stellen muss. Fragen, formuliert von Menschen mit
unterschiedlichen Interessen, die aber das soziologische Bild der Gesellschaft widerspiegeln.
Den Aspekten der Wechselwirkung von Gesellschaft und Technik, speziell der Raumfahrt, wid-
men sich Joachim Fischer und Dierk Spesen in ihrem Buch
Soziologie der Weltraumfahrt
(transcript)
, mit Gastbeiträgen von Heike Delitz und Helmuth Plessner. Schon mehrfach wurde
versucht, sich der modernen Technologie aus philosophischer und soziologischer Sicht zu nähern,
darzustellen, wie und wann etwas gesellschaftlich akzeptiert wird und wenn nicht, warum eigent-
lich nicht. Allzuoft blieben die Erklärungen aber im Versuch stecken. Delitz und Plessner haben
nicht nur Material zusammengetragen, sie haben es auch konsequent vergleichend in den zeit-
lichen Kontext gestellt und daraus Schlussfolgerungen gezogen. Dabei reicht das thematische
Angebot von der „Weltraumfahrt im Blick der modernen Philosophischen Anthropologie“ über
„Raumfahrteffekte in der Architektur des 20. Jahrhunderts“ bis hin zum „Kleinen Massenme­
dium Perry Rhodan“.
Wer also wissen möchte, wie Raumfahrt aus soziologischer Sicht funktioniert, welche Einflüsse
und Auswirkungen sie hat, dem sei das Buch „Soziologie der Raumfahrt“ empfohlen. Keine
einfache Kost, aber ein Buch mit dem Potenzial, beim Leser das eine oder andere Licht aufgehen
zu lassen – einfach mal den Blickwinkel ändern.
Andreas Schütz
DER UNBEKANNTE GAGARIN
Mit dem ersten Flug eines Menschen in den Weltraum veränderten sich auch Lebens- und
Arbeitswelt vieler Menschen. Die Raumfahrt eröffnete völlig neue Möglichkeiten, im technischen,
aber auch im publizistischen Bereich. Einer, für den sich am 12. April 1961 ein neuer Horizont
auftat, war der Journalismusstudent Gerhard Kowalski. Seine Begeisterung für die Raumfahrt,
ob als Agenturjournalist oder Auslandskorrespondent, und sein Interesse insbesondere für die
Person Gagarin ließen ihn nicht mehr los. Sein profundes Detailwissen um Technik und Personen,
auch ein wenig Glück, ermöglichten ihm, den ersten Flug eines Deutschen in den Weltraum, die
Mission von Sigmund Jähn, vor Ort zu begleiten. Viele Agenturberichte und Reportagen rund um
die Raumfahrt stammen aus seiner Feder. Auch drei Bücher über Gagarin hat er verfasst, das
jüngste,
Der unbekannte Gagarin,
ist soeben im
Machtwortverlag
erschienen.
Der Autor selbst verhehlt in seinem Vorwort nicht, dass es zu seinem eigenen Erstaunen noch
vieles mehr über den ersten Menschen im All zu erzählen gibt als das, was er selbst schon ge-
schrieben hat. Seine guten Verbindungen in die russische Raumfahrt und zur Familie Gagarin
machen ihn zu einem Biografen des ersten Menschen im All. Bemüht, alle Facetten der Person
Gagarins zu beschreiben, gibt sich Kowalski mit der ihm eigenen Detailversessenheit dieser Auf-
gabe hin. Anekdotenhaft schildert er auch die Geschichte der sowjetischen Raumfahrt in den
Sechzigerjahren. Das eine oder andere Mal ist es nicht ganz einfach, seinen Gedankensprüngen zu
folgen. Aber es ist extrem spannend. Vor allem dann, wenn technische Ereignisse in einen gesell-
schaftlichen und politischen Zusammenhang gestellt werden. Auch wenn klar wird, mit welcher
Motivation die Ingenieure und Techniker des sowjetischen Raumfahrtprogramms agierten, im
Wechselspiel zwischen politischem Zwang und Propaganda, fehlender Anerkennung und krank-
hafter Geheimhaltung. „Der unbekannte Gagarin“ ist weit mehr als das dritte Buch Kowalskis
über den ersten Menschen im All – es ist ein aufschlussreicher Blick hinter die Kulissen der sow-
jetischen Raumfahrt in der Zeit des Kalten Krieges.
Andreas Schütz
DIE FRAGE NACH DEM WARUM
DER WELTRAUMFAHRT
1...,32-33,34-35,36-37,38-39,40-41,42-43,44-45,46-47,48-49,50-51 54-55,56
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