DLR Magazin 147 - page 4-5

Prof. Dr. Pascale Ehrenfreund, seit August 2015
Vorstandsvorsitzende des DLR
2015 wird vieles anders. Eine neue Aufgabe für mich. Gesellschaftliche Entwick­
lungen, die unser ganzes Wissen, unsere ganze Schöpferkraft herausfordern. Globale
Fragen, bei deren Beantwortung wir mit unseren bisherigen Erfahrungen an Grenzen
stoßen.
Als Vorstandsvorsitzende an der Spitze des Deutschen Zentrums für Luft- und Raum-
fahrt zu stehen, ist in der Tat eine neue große Aufgabe für mich. Sie geht zwangs­
läufig mit Veränderung einher: Verantwortung für 8.000 Beschäftigte an 16 Standorten.
Themen aus Luft- und Raumfahrt, Energie, Verkehr und Sicherheit, von denen man-
che für mich neu sind. Doch wird damit alles anders? Ich bin Astrophysikerin. Mit
Raumfahrtthemen bin ich sehr vertraut. Ich war an vielen Raumfahrtmissionen sowie
Experimenten auf der Internationalen Raumstation beteiligt. Meine Professur am
Space Policy Institute der George Washington University (DC) ist gelebte Erfahrung in
Raumfahrtpolitik. Als Präsidentin des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen
Forschung (FWF) Österreichs habe ich mich intensiv mit der Förderung der Grundlagen-
forschung und mit ihrem Einfluss auf die Innovationskette auseinandergesetzt.
Es geht hier aber auch nicht um mich. Es geht um das Deutsche Zentrum für Luft- und
Raumfahrt. Das DLR mit seinem Portfolio an Forschungsaktivitäten gehört weltweit
zu den führenden Einrichtungen. Diese in eine herausfordernde Zukunft zu führen,
ist eine interessante und ehrenvolle Aufgabe. Sie zu übernehmen, war für mich ein
großer Wunsch. Mit den Forschungsergebnissen, die hier erzielt werden, werden
nicht nur Kernbereiche der deutschen Industrie gestärkt, sondern das DLR liefert auch
wichtige Lösungsmöglichkeiten für die globalen Herausforderungen unserer Zeit:
Klimaschutz, Nutzung neuer Energieformen, nachhaltige Mobilität, Kommunikation
und Navigation in neuer Qualität. Für ein führendes Forschungszentrum wie das DLR
ist „Frontier research“ essenziell. Die zunehmende Bedeutung radikaler Innovationen
erfordert mehr Risikobereitschaft in der Forschung. Sonst ist auf Dauer kein Fort-
schritt möglich.
Das DLR verfügt über den Schatz mehr als einhundertjähriger Erfahrung in der Luft-
fahrt. Es ist der Platz in Deutschland, an dem Raumfahrtforschung und Raumfahrt-
management zu Hause sind. In Energie- und Verkehrsforschung hat sich das DLR in
den letzten Jahrzehnten wichtige Kernkompetenzen angeeignet. Als Forschungs-
einrichtung, Raumfahrtagentur und Projektträger ist das DLR eine einzigartige Ein-
richtung mit hohem Synergiepotenzial. Wenn wir dieses Potenzial durch eine inten-
sivere Zusammenarbeit aller Bereiche nutzen, darin bin ich mir sicher, kann das DLR
noch mehr leisten. Darüber hinaus halte ich es für ganz wichtig, die europäische
und internationale Vernetzung des DLR zu stärken. Keine Nation kann allein die
Probleme der Welt, wie sie sich uns heute zeigen, lösen.
2015 ist ein Jahr der Veränderung, für mich und auch für das DLR. Das DLR muss
sich dazu aber nicht neu erfinden. In seiner strategischen Ausrichtung sind
wichtige Basisbausteine für die weitere Entwicklung gesetzt. Sie mit Leben zu
erfüllen, die internationale Zusammenarbeit als große Chance zu begreifen, in
den Industriekooperationen den innovativen Spirit wie einst im Silicon Valley
zu fördern, Wissen für Morgen in diesem EINEN DLR zu generieren, das ist
eine großartige Aufgabe.
MIT DEM DLR IN DIE ZUKUNFT
Von Pascale Ehrenfreund­
MELDUNGEN
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5
Polarimetrische Radar-
aufnahme eines Waldge-
biets bei Traunstein, auf-
genommen durch den
F-SAR-Sensor. Waldge-
biete erscheinen in Grün,
Oberflächen mit niedriger
Vegetation in Blau/Rot.
F
ür dreidimensionale Bilder von Waldgebieten haben das DLR und die NASA neue Radartech-
nologien und deren Nutzung zum Ermitteln verschiedener Parameter – wie Höhe oder verti-
kale Struktur des Waldes – erfolgreich getestet. Für die Bilder kam das vom DLR entwickelte
F-SAR-System zum Einsatz. Bei der SAR-Technologie (Synthetic Aperture Radar) werden Ober-
flächen mit elektromagnetischen Wellen abgetastet. Auf der Grundlage der gewonnenen Daten
kann dann ein dreidimensionales Bild erstellt werden. Bei einem Waldgebiet ist das allerdings
nicht so einfach, denn nur wenige Sensoren sind in der Lage, durch das dichte Blattwerk zu blicken. Mit
seinem F-SAR-System entwickelte das DLR eine Radartechnologie, mit der Waldgebiete in hoher Auflösung
dreidimensional von den Wipfeln bis zum Boden abgebildet und so Strukturen sichtbar gemacht werden
können. Das System erlaubt Messungen in mehreren Wellenlängen gleichzeitig, womit die verschiedenen
Ebenen eines Gebiets genauer erfasst werden können.
Das Ziel solcher Messungen ist es, anhand der Struktur des Waldes dessen Biomasse zu bestimmen. Diese hat
als Kohlenstoffspeicher Einfluss auf den Treibhauseffekt. Die Radartomografie eröffnet so neue Möglichkeiten,
um einen grundlegenden Klimafaktor zu bestimmen. Als nächsten Schritt wollen die DLR-Wissenschaftler die
3D-Radarvermessung von Waldgebieten für den Regelbetrieb etablieren und auch für Satelliten einsetzbar
machen.
s.DLR.de/97tw
Radar erlaubt Vermessung von Waldgebieten in drei Dimensionen
BLICK DURCH DAS
DICKICHT
Pluto aus einer Entfer-
nung von 768 Kilome-
tern, aufgenommen von
der Telekamera LORRI an
Bord der Sonde New
Horizons. Darunter:
Bergkette im Herzen
des Zwergplaneten.
NASA-Sonde New Horizons besucht den Kuiper-Gürtel
BIS AN DEN RAND DES
SONNENSYSTEMS
S
ie ist auf einer Reise durch eine Region am äußersten Rand des Sonnensystems: Die NASA-
Sonde New Horizons passierte bei ihrem Weg durch den Kuiper-Edgeworth-Gürtel den
Zwergplaneten Pluto und seine Monde. Dabei gelang es, Details und Oberflächenstrukturen in
bisher nie erreichter Deutlichkeit sichtbar zu machen. Nach einer neuneinhalb Jahre währenden
Reise hatte die Raumsonde am 14. Juli 2015 in einer Entfernung von etwa 4,9 Milliarden Kilo-
metern zur Erde den Zwergplaneten und seinen Mond Charon passiert. Aus einer Distanz von
12.500 Kilometern konnten in insgesamt sieben wissenschaftlichen Experimenten Fotos, Spektren
und physikalische Messwerte aufgezeichnet werden.
„Besonders verblüffend war die hohe geologische Aktivität von Pluto, was ihn für Planetenwissen-
schaftler besonders interessant macht. Seine Oberfläche ist durch Vulkanismus viel jünger als bei-
spielsweise die des Jupiter-Mondes Kallisto. Die Strukturen entstanden aber nicht durch silikatische
Lava, wie auf der Erde, sondern auf Pluto ergossen sich flüssige Eisgemische über die Oberfläche“,
kommentiert Prof. Dr. Tilman Spohn vom DLR-Institut für Planetenforschung die Bilder. Das DLR
Raumfahrtmanagement förderte im Auftrag der Bundesregierung die Beteiligung am REX-Experi-
ment (Radio Science Experiment). Dieses sondierte mit Radiowellen die Atmosphäre, erfasste die
Oberflächentemperaturen und bestimmte die Einzelmassen von Pluto und Charon. Neben REX befinden sich
auch drei optische Geräte, zwei Plasma-Instrumente und ein Staubdetektor an Bord von New Horizons. Nach
dem erfolgreichen Vorbeiflug an Pluto setzte die Sonde ihren Weg durch den Kuiper-Edgeworth-Gürtel fort und
liefert weiter Daten vom Rand des Sonnensystems.
s.DLR.de/f10u
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KOMMENTAR
Bild: NASA/JHUAPL/SwRI
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