Mond taucht in den Erdschatten und verfärbt sich

Totale Mondfinsternis am frühen Morgen des 21. Januar

Freitag, 18. Januar 2019

Autoplay
Info an
Info aus
Informationen
Schließen
Vollbild
Normal
zurück
vor
{{index}}/{{count}}
Tipp:
<Escape>, um fullscreen zu beenden.
  • Eclipse%2dPhasen_sn.jpg
    Die Phasen einer Mondfinsternis

    Eine Mondfinsternis ist ein eher gemächliches und von der ganzen Nachtseite der Erde aus zu verfolgendes Ereignis. Bewegt sich der Mond in den Halbschatten der Erde, beginnt die Verfinsterung. Nach einer weiteren Stunde „berührt“ der Mond den Kernschatten der Erde und ist zwei Stunden nach Beginn der Finsternis vollständig in diesen eingetaucht. Der Mond wird jedoch nicht unsichtbar, sondern durch den roten Anteil des Sonnenlichts, der von der Erdatmosphäre zum Mond hin gebrochenen wird, orangebraun oder kupferrot angestrahlt. Der genaue Farbton ist dabei für Beobachter jedes Mal eine neue Überraschung. Die Aufnahmen stammen von der Mondfinsternis am 28. September 2015 (UT).

  • Mofi2019Diagramm_sn.jpg
    Verlauf der Mondfinsternis am 21. Januar

    Die Mondfinsternis beginnt am 21. Januar 2019 in Mitteleuropa um 3.35 Uhr MEZ hoch am Nachthimmel mit dem Eintritt des Mondes in den Halbschatten. Eine Stunde nach Beginn der Finsternis tritt der Mond um 4.34 Uhr 30 Grad über dem Horizont in den Kernschatten der Erde ein. Der schönste und spektakulärste Teil der Eklipse mit der kupferroten Verfärbung der Mondscheibe beginnt um 5.41 Uhr. Im Verlauf der Dämmerung verlässt der Mond dann allmählich den Halbschatten der Erde. Die exakte Vollmondzeit ist um 6.16 Uhr MEZ, wenige Minuten nach der Mitte der Finsternis um 6.12 Uhr. Ein wolkenfreier Himmel ist das wichtigste Kriterium für die erfolgreiche Beobachtung.

  • EclipseSternwarteRothwesten_sn.jpg
    Mondfinsternis – der Erdtrabant im Kernschatten der Erde

    Mondfinsternisse können nur bei Vollmond stattfinden. Dabei macht die vollständig von der Sonne beschienene Mondscheibe eine spektakuläre Verwandlung durch. Mit dem Eintritt des Mondes in den Halbschatten wird zunächst ein Segment der kreisrunden Erdscheibe auf den Vollmond projiziert und verdunkelt ihn nach und nach. Mit der Bewegung des Mondes in den Kernschatten der Erde jedoch beginnt sich die Mondscheibe orangebraun, strahlendorange bis kupferrot zu verfärben. Die Ursache für die geheimnisvolle Färbung liegt darin, dass das langwellige rote Licht der Sonnenstrahlen in der Erdatmosphäre gebrochen und in Richtung der Oberfläche des Mondes gelenkt wird, während die kurzwelligen blauen Lichtwellen vollständig in der Erdatmosphäre gestreut werden. Zusätzlich sorgen Staub, Asche und Aerosole in der Hochatmosphäre für die satte Farbe. Die Aufnahme entstand während der Mondfinsternis vom 28. September 2015.

  • Kernschatten_sn.jpg
    Konstellation von Sonne, Erde und Mond bei einer Mondfinsternis

    Eine Mondfinsternis ereignet sich nur, wenn Sonne, Erde und Mond entlang einer Linie stehen, also bei Vollmond. Sie tritt aber nicht bei jedem Vollmond nach jeweils 29,5 Tagen ein, denn die Bahn des Mondes verläuft gegenüber der Erdbahnebene um etwa 5 Grad geneigt. Deswegen verfehlen die meisten Vollmonde den Erdschatten. Nur wenn der Mond in den „Knoten“, in den Schnittpunkten seiner Bahn mit der Erdbahn steht, kann er den Schatten, den die Erde von ihrer sonnenabgewandten Seite ins All wirft, durchlaufen. Im Fall, dass die Mondscheibe lediglich den Kernschatten streift, spricht man von einer partiellen Mondfinsternis. Zieht sie bloß durch den Halbschatten der Erde, heißt es Halbschattenfinsternis. Befindet sich der Mond aber vollständig im Kernschatten, handelt es sich um eine totale Finsternis. Maximal können jährlich fünf Mondfinsternisse stattfinden, drei davon total.

  • VenusJupiterMerkur_sn.jpg
    Gleichzeitig zur Mondfinsternis: Konjunktion von Venus und Jupiter

    Gegen Ende der Mondfinsternis kommt es etwa eine Stunde vor Sonnenaufgang im Osten, also in der gegenüberliegenden Blickrichtung, zu einer seltenen Planetenkonstellation. Am 21. Januar und den Tagen davor und danach kommen sich die beiden hellsten Planeten am Firmament, Venus und Jupiter, scheinbar sehr nahe. Am 22. Januar sind sie nur einen Winkelabstand von 2,5 Grad voneinander entfernt und bilden bei klarer Sicht bis Sonnenaufgang zwei nicht zu übersehende helle, markante Lichtpunkte. Das Bild zeigt eine ähnliche Konstellation vom 26. Mai 2013 am morgendlichen Horizont über der Europäischen Südsternwarte auf La Silla in Chile: Jupiter steht oben, die helle Venus unten und rechts von ihr der selten zu sehende Planet Merkur.

  • Am 21. Januar 2019 wird sich ab 3.35 Uhr Mitteleuropäischer Zeit eine totale Mondfinsternis ereignen. Dabei wird sich der Mond für 63 Minuten ganz im Kernschatten der Erde aufhalten.
  • Der Mond befindet sich zu dieser Zeit mit rund 357.000 km Distanz in Erdnähe.
  • Zugleich sind Venus und Jupiter nah beieinander am Morgenhimmel zu sehen.
  • Exakt ein halbes Jahr später, am 21. Juli 2019, jährt sich zum 50. Mal der erste Kontakt mit der Mondoberfläche durch Neil Armstrong und Edwin Aldrin (Apollo 11).
  • Schwerpunkte: Astronomie, Raumfahrt, Exploration

Der Mond zieht uns gerade besonders in seinen Bann: Am 24. Dezember 2018 jährte sich zum 50. Mal die Mondrumrundung der Apollo-8-Astronauten, wenige Tage später, am 3. Januar 2019, landete die chinesische Mondsonde Chang'e 4 auf der erdabgewandten Seite des Mondes. Am 21. Januar wird sich eine in Deutschland und Europa relativ gut sichtbare totale Mondfinsternis ereignen ‒ sofern das Wetter mitspielt. "Das Ereignis einer Mondfinsternis hat die Menschen seit jeher fasziniert und sie in früheren Zeiten oft in Furcht und Schrecken versetzt. Eine totale Mondfinsternis, bei der der Mond komplett in den Kernschatten der Erde eintritt und die Vollmondscheibe eine bräunliche, kupferrote bis strahlendorangene Farbe annimmt, galt etwa in der antiken Welt als ein Zeichen der Götter, die im Himmel residierten und von dort aus übermächtig in das irdische Geschehen eingriffen", erklärt Astronom und Planetenforscher Dr. Manfred Gaida vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Bonn.

Wenn der Mond in den Schatten tritt

Da der Mond während der Finsternis mit 357.000 Kilometer Distanz in Erdnähe steht und in deren Verlauf zum westlichen Horizont "absteigt", könnte es sein, dass er dem Betrachter mit bloßen Auge ein wenig größer und auffallender erscheint, als wenn er sich weiter weg von unserem Heimatplaneten befände. In Mitteleuropa dürfen wir uns jedenfalls auf die frühen Morgenstunden des 21. Januars freuen, wenn der Erdbegleiter für eine gute Stunde in den Kernschatten der Erde eintaucht und sich braun- bis kupferrot verfärbt. Erst an Silvester 2028 und in der Nacht vom 21. auf den 22. Dezember 2029 werden in Mitteleuropa zwei totale Mondfinsternisse stattfinden, die ebenfalls günstig zu beobachten sein werden. Doch was passiert eigentlich bei einer totalen Mondfinsternis?

Heute weiß man, dass die Ursache für die geheimnisvolle Färbung des Mondes bei seinem "Verschwinden" darin liegt, dass das langwellige rote Licht der Sonnenstrahlen gebrochen und in Richtung der Oberfläche des Erdbegleiters gelenkt wird, während die kurzwelligen blauen Lichtwellen vollständig in der Erdatmosphäre gestreut werden. Zusätzlich sorgen Staub, Asche und Aerosole in der Hochatmosphäre für die satte Farbe, die die Mondfinsternis zu einem spektakulären Ereignis werden lässt. Ein Astronaut, der zur gleichen Zeit auf dem Mond stände und in Richtung Erde blickte, sähe die Nachtseite der Erde, umsäumt von einem rötlich schimmernden dünnen Lichtsaum ‒ eine totale Sonnenfinsternis.

Der Verlauf der Mondfinsternis am 21. Januar 2019

Um Mitternacht erreicht der Vollmond im Süden eine Höhe von rund 60 Grad über dem Horizont und sinkt dann bis zu seinem Untergang um 8.19 Uhr (alle Zeitangaben in MEZ, für 50 Grad Nord und 10 Grad Ost) langsam zum westlichen Horizont hin ab. Kurz nach halb vier morgens, um 3.35 Uhr, beginnt die Finsternis, wenn der Mond in südwestlicher Richtung gut 40 Grad am Himmel hoch in den Halbschatten der Erde eintritt. Eine Stunde später, um 4.34 Uhr, hat sein Rand die Kernschattenzone erreicht, in die er nun eindringt, bis er um 5.41 Uhr darin vollständig eingetaucht ist. Jetzt ist der Mond ganz verfinstert und wird es noch bis 6.44 Uhr bleiben.

Dann tritt er allmählich auf der anderen Seite aus dem Kernschatten aus, wenige Minuten bevor die so genannte bürgerliche Dämmerung anbricht. Um 7.51 Uhr hat unser Erdbegleiter schließlich den Kernschatten komplett verlassen: Inzwischen steht der Mond nur noch wenige Grad über den Horizont. Um 8.19 Uhr geht er dann infolge der weiter fortgeschrittenen Erdrotation Richtung Westnordwest unter. Zu diesem Zeitpunkt ist die Halbschattenfinsternis noch im Gange; sie endet erst, für uns nicht mehr sichtbar, um 8.50 Uhr, wenn hierzulande die ersten Sonnenstrahlen bereits den winterlichen Erdboden erwärmen.

Tipps für die Beobachtung:

Die Beobachtungsbedingungen für die Finsternis sind in ganz Deutschland, klare Sicht vorausgesetzt, im Wesentlichen gleich gut. Während der Totalität ist der Norden etwas bevorzugt, denn dort steht der Mond wenige Grade höher als in Süddeutschland. In jedem Fall ist es notwendig, sich einen Beobachtungsplatz zu suchen, von dem aus in südwestlich-westlicher Richtung ein freier Blick bis zum Horizont ohne störende irdische Lichtquellen möglich ist. Noch beeindruckender ist gleichwohl die Beobachtung mit einem Fernglas. Auf der Webseite Timeanddate.de  kann man sich den Verlauf und die Zeiten der Mondfinsternis für den jeweiligen Standort anzeigen lassen.

Nähe zum Horizont lässt den Mond größer erscheinen

"Die Finsternis am 21. Januar ereignet sich zu einem Zeitpunkt, an dem der Mond den erdnächsten Abschnitt seiner Bahn in rund 357.000 Kilometern Distanz durchläuft und daher ein klein wenig größer erscheint als in Erdferne, so als hätte man eine Zwei-Euro-Münze vor sich statt einer Ein-Euro-Münze", erläutert DLR-Astronom Manfred Gaida. Dieser, für das bloße Auge kaum wahrzunehmende Größenunterschied, der übertrieben gern als Supermond bezeichnet werde, wird durch die sogenannte Mondtäuschung verstärkt. Diese optische Täuschung lässt uns den Mond nah am Horizont auffallend größer erscheinen, als wenn er hoch am Himmel steht. Am Ende der totalen Phase steht der Mond auf Sylt immerhin noch 15 Grad, im bayerischen Oberstdorf dagegen nur 12 Grad über dem Horizont. An dem wahren Durchmesser der Mondscheibe ändert sich allerdings bei dieser Täuschung nichts, lediglich am Eindruck.

Im Osten ein weiteres spektakuläres astronomisches Ereignis

Gegen Ende der Mondfinsternis kann man schon ab etwa einer Stunde vor Sonnenaufgang im Osten, also in der gegenüberliegenden Blickrichtung, in der Morgendämmerung eine seltene Planetenkonstellation beobachten. In diesen Tagen kommen sich die beiden hellsten Planeten am Firmament, Venus und Jupiter, scheinbar sehr nahe. Am 22. Januar 2019 sind sie nur einen Winkelabstand von 2,5 Grad voneinander entfernt und bilden bei klarer Sicht zwei nicht zu übersehende helle, markante Lichtpunkte. Die beiden ähnlich hellen Lichtscheibchen sind tatsächlich aber zwei von der Sonne angestrahlte, ganz unterschiedlich große Planeten.

Die Venus ist mit einem Durchmesser von 12.100 Kilometer etwa so groß wie die Erde, wohingegen Jupiter, der größte Planet des Sonnensystems, mit 143.000 Kilometern einen fast zwölfmal so großen Durchmesser hat - und die beiden Planeten sind sehr weit voneinander entfernt. Venus nimmt an diesen Tagen von der Erde aus gesehen den größten seitlichen Abstand von der Sonne ein, von der sie nur 108 Millionen Kilometer trennen. In einem Fernrohr erscheint sie deutlich als "Halbvenus". Jupiter hingegen ist mit 780 Millionen Kilometer etwa sieben Mal weiter von der Sonne entfernt.

Mondfinsternis genau sechs Monate vor dem Jubiläum der ersten Mondlandung vor 50 Jahren

Die Mondfinsternis am 21. Januar findet exakt sechs Monate vor den Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag der ersten Mondlandung statt. Am 21. Juli 1969 betrat um 3.56.20 MEZ Neil Armstrong als erster Mensch den Mond. 382 Kilogramm Gestein und Mondstaubproben brachten die insgesamt zwölf NASA-Astronauten von sechs erfolgreichen Landungen zwischen 1969 und 1972 vom Mond zur Erde, wo das Material eingehend analysiert wurde und Einblicke in die Geschichte der frühen Erde vor mehr als vier Milliarden Jahren gewährte. Diese Gesteinsproben vom Mond, über die seit Millionen und Milliarden Jahren immer wieder der Erdschatten bei einer Mondfinsternis hinweg zog, sind nun gewissermaßen Teil der Erde geworden; gelegentlich wird deshalb der Mond als Ganzes als deren "achter Kontinent" bezeichnet.

 

Zuletzt geändert am:
03.09.2019 09:50:52 Uhr

Kontakte

 

Martin Schulz
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Raumfahrtmanagement, Strategie und Kommunikation

Tel.: +49 228 447-124

Fax: +49 228 447-386
Dr. Manfred Gaida
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Raumfahrtmanagement, Extraterrestrik

Tel.: +49 228 447-417

Fax: +49 228 447-745
Ulrich Köhler
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Institut für Planetenforschung, Koordination Öffentlichkeitsarbeit

Tel.: +49 30 67055-215