20. Juli 1969: Die Landung!

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Knapp 400.000 Kilometer von der Erde entfernt umrundet die Apollo-11-Crew den Mond zum 6. Mal. Das Raumschiff hat 80-100 Kilometer Bahnhöhe und ist ca. 8.000 km/h schnell.

 

Gestern Abend hat die Crew etwas Seltsames beobachtet: eine plötzliche Aufhellung in der Region des Aristarchus-Kraters. Wie sich herausstellt, ist es eines der sogenannten „Lunar Transient Phenomena“, deren Ursachen bis heute nicht ganz verstanden sind. Hier mehr dazu.

 

Armstrong und Aldrin haben in den letzten Stunden die Mondlandefähre inspiziert. Armstrong berichtet, dass er beim Überflug das geplante Landegebiet bestens überblicken kann. Jetzt sind die beiden wieder im Apollo-Raumschiff.

 

Armstrong und Aldrin haben vorhin noch einmal die gesamte Ausrüstung gecheckt, die sie mit zur Mondoberfläche nehmen. Aldrin wundert sich: „Neil, weißt du, wozu wir einen Rechenschieber auf dem Mond brauchen?“

 

Armstrong ist gerade damit beschäftigt, die Rasiercreme zu suchen. Dann meldet sich Houston, wo ein Schichtwechsel ansteht: „Wir gehen jetzt ins Bett.“ Die Crew antwortet: „Wir schließen uns an.“ Nachtruhe in der Umlaufbahn um den Mond. Der Schlafrhythmus der Crew wird langfristig auf die Meilensteine eines Fluges ausgerichtet. Das ist schon vor dem Start so und natürlich auch jetzt wenige Stunden vor der Mondlandung.

 

Soeben hat die 7. Mondumkreisung begonnen – wie immer mit einer ca. 45-minütigen Funkunterbrechung auf der erdabgewandten Seite des Mondes. Aber im Moment ist sowieso Funkstille, weil die Crew schläft. Die letzte „Nacht“ vor der Mondlandung hat begonnen ...

 

Die Crew wurde inzwischen per Funk aus Houston geweckt – zwei Minuten zu früh, was im Raumschiff augenzwinkernden „Protest“ auslöst. Nach dem „Aufstehen“ gab es eben Frühstück. Jetzt ziehen Armstrong und Aldrin die Unterwäsche an – mit Kühlung und Sensoren zur Überwachung der Vitaldaten ausgestattet. Der Flugarzt wird so später live verfolgen können, wie es den „Moonwalkern“ geht.

 

Aldrin berichtet (aus der knapp 100 Kilometer hohen Umlaufbahn) per Funk von einer sehr guten Sicht auf den geplanten Landeplatz und dass man alle Einzelheiten erkennen könne. Das sollte sich später als Irrtum herausstellen ...

 

Armstrong und Aldrin sind eben durch den Tunnel vom Apollo-Raumschiff in die Mondlandefähre geklettert. Letzte Vorbereitungen für den großen Moment! Noch sind Raumschiff und Fähre als „Tandem“ verkoppelt. Aldrin macht in der Fähre einen letzten Voice Check und ruft Houston. Sobald er oder Armstrong in der Fähre sind, melden sie sich mit Rufzeichen „Eagle“ (nach dem Namen der Landefähre, die auf Deutsch „Adler“ heißt).

 

Schichtwechsel in Houston: Das „weiße Team“ mit Flugdirektor Gene Kranz und mit Charlie Duke als CapCom nimmt an den Konsolen Platz. Kranz wird mit seiner Ruhe mehrfach die Mission retten. Duke führt ab jetzt bis zur Landung die Kommunikation mit der Crew. Und dieser Funkverkehr zwischen der Crew und Houston wird jetzt ziemlich intensiv. Jede Menge Systemchecks, technische Details – alles per Funk hin und her. Das Apollo -Raumschiff Columbia und die Mondfähre Eagle sind noch immer miteinander verbunden. Noch 45 Minuten bis zum Abdocken. Ist alles bereit für die Mondlandung? Funktionieren alle Systeme? Bevor Apollo 11 im Funkschatten verschwindet, muss Houston über den nächsten Schritt entscheiden. Nach allen Checks gibt Kranz das Kommando: „Go for undocking!“.

Jetzt Abbruch des Funkkontakts mit Houston. Apollo 11verschwindet planmäßig hinter dem Mond. Nachdem der Kontakt auf der erdabgewandten Mondseite endet, Collins mit seinem trockenen Humor an Armstrong und Aldrin: „It's nice and quiet over here, isn't it?“

 

Collins gerät in Plauderlaune und fragt die Kollegen in der noch angedockten Fähre über Funk: „Wie geht es dem Zar da drüben? Er ist so ruhig.“ Der „Zar“ – so war Armstrong von einer russischen Zeitung genannt worden – antwortet nicht. Armstrong ist in Gedanken offenbar schon unterwegs zum Mond. Voll konzentriert und fokussiert. Tunnelblick. Er spricht in diesen ganzen Minuten kein Wort.

 

Neil Armstrong und Buzz Aldrin sind jetzt schon eine ganze Weile in der Mondlandefähre. Die Systeme sind gecheckt. Gleich beginnt der gefährlichste Abschnitt der Mission. Nur einmal war das geprobt worden – bei Apollo 10. Und da gab es enorme Probleme … Bei dieser Generalprobe für Apollo 11 näherte sich die Landefähre der Mondoberfläche auf 16 Kilometer und kehrte dann planmäßig um. Dabei versagte jedoch zwischenzeitlich die Steuerung und nur mit Mühe konnte eine Katastrophe verhindert werden.

Jetzt wird es ernst: Armstrong und Aldrin docken mit der Mondlandefähre Eagle vom Mutterschiff Columbia ab. Armstrong kommentiert: „The Eagle has wings.“

Foto aus dem Simulator-Training
Foto aus dem Simulator-Training

Michael Collins umkreist ab jetzt alleine den Mond.

Hier eine Skizze der Mondlandefähre. Sie besteht aus zwei Teilen: Der obere Teil, in dem sich das kleine Cockpit befindet, kehrt später zum Mutterschiff zurück, der untere Teil mit den Landebeinen verbleibt auf dem Mond.

Um Gewicht zu sparen, hat die Mondlandefähre keine Sitze. Armstrong und Aldrin stehen in dem engen Cockpit des „Mini-Raumschiffs“. Hier ein Foto aus dem Simulator, in dem die beiden den Landeanflug oft trainiert haben.

Seit der Ankunft in der Mond-Umlaufbahn hat die Crew schon ein gutes Dutzend Mal den Mond umkreist. Jetzt nach dem Abdocken fliegen Eagle und Columbia zunächst noch recht nah beieinander um den Mond. Im Kontrollzentrum in Houston werden sämtliche Daten nochmals ausgewertet. Alle Flight Controller checken ihr jeweiliges Subsystem. Dann das entscheidende Kommando: Das Kontrollzentrum in Houston gibt den Anflug auf die Mondoberfläche frei. Das Triebwerk der Landefähre wird gezündet und sie beginnt sich allmählich der Oberfläche zu nähern. Noch läuft alles normal.

Die Landestelle wurde im Voraus von Experten ausgewählt. Sie muss wegen des Funkkontakts auf der erdzugewandten Seite des Mondes liegen, außerdem von der Sonne beschienen sein – und sie soll flach sein, um das Risiko bei der Landung zu minimieren.

 

Noch läuft alles nach Plan. Doch das wird sich in 5 Minuten dramatisch ändern und dann wird die Mondlandung zum Krimi.

 

Die erste Schrecksekunde: Aldrin meldet Alarm: „1202, 1202!“ In Houston fragt Flugdirektor Gene Kranz sofort den zuständigen Computer-Fachmann im Kontrollraum: Es ist der erst 26-jährige Computer-Experten Steve Bales, der jetzt plötzlich zu einer Schlüsselfigur der Mondlandung wird: Er muss jetzt blitzschnell entscheiden, ob der Anflug auf den Mond fortgesetzt oder ob die gesamte Mission abgebrochen werden muss.

Bales erkennt, dass der Alarm ignoriert werden kann. Der Bordrechner ist zwar überlastet – aber IT-Expertin Margaret Hamilton (Bild) hatte die Software so clever programmiert, dass der Computer die wichtigsten Arbeiten trotzdem ausführt und Unwichtiges zurückstellt. Der junge Steve Bales entscheidet in all der Hektik sekundenschnell, dass die Mission fortgesetzt werden kann. CapCom Charlie Duke, der in Huston den Funkverkehr führt, teilt der Crew sofort die Entscheidung mit: „Go!“ Ohne Margaret Hamilton und Steve Bales wäre der gesamte Landeanflug vielleicht in diesem Augenblick gestoppt worden.

 

Armstrong meldet erneut Alarm. Schon wieder! Kranz fragt wieder Bales. Der antwortet nach kurzem Check nochmal „Go“! Aldrin erzählt später: Bei einer Simulation hätten wir da abgebrochen.

Kurz danach der nächste Schreck: Armstrong erkennt aus dem kleinen Fenster, dass die von der Automatik anvisierte Landestelle mit Felsbrocken geradezu übersät ist. Er schaltet die Automatik ab und lenkt die Landefähre per Handsteuerung über die Stelle hinweg.

Aber wo jetzt landen? Der für den Landeanflug vorhandene Treibstoff wird knapp. Anspannung in Houston – auch bei CapCom Charlie Duke. Um die Crew nicht zu verwirren, lässt Kranz ihn ab sofort nur noch die Sekunden durchsagen, für die der Treibstoff reicht. Und das wird eng! Duke: „Sixty seconds.“

 

Doch Armstrong bleibt cool. Er lenkt die Fähre in aller Ruhe weiter in Richtung einer ebenen Fläche ohne Felsen und Geröll. Duke: „Thirty seconds.“ Wenn Armstrong nicht gleich landet, muss tatsächlich abgebrochen werden – nur wenige Meter vor dem Ziel! In Houston sind alle zum Zerreißen angespannt.

 

Dann Aldrin. Er meldet Bodenkontakt: Im Original: „Contact light. Okay. Engine stop.“

Sekunden später Armstrong: „Houston, Tranquility Base here. The Eagle has landed.” Tranquility – das steht für die Region auf dem Mond, in der sie gelandet sind: Das „Meer der Ruhe”, lateinisch „Mare Tranquillitatis“.

 

Duke aus Houston – vor lauter Aufregung mit kleinem Versprecher: „Roger Twank… Tranquility. We copy you on the ground.” Und dann fügt er (übersetzt) hinzu: „Ein paar Leute hier drohten schon blau anzulaufen. Wir atmen wieder.“

 

Kurios: Durch Armstrongs Ausweichmanöver wusste erst einmal niemand, wo genau die Fähre gelandet war – weder Houston noch die Crew selbst kannten die Koordinaten. Selbst auf dem Rückflug zur Erde wird Tage später darüber noch gerätselt.

 

Das alles war verdammt knapp und wirklich dramatisch. Aber es hat geklappt. Erstmals sind Menschen auf einem anderen Himmelskörper gelandet. Wenn sie sich das im Original-Video ansehen wollt, findet ihr das hier.