Klassen-Selfies von über 1000 Kindern fliegen zur ISS

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„Hand in Hand um die Welt“ – unter diesem Titel hatte das DLR im Herbst 2020 zu einer großen Mitmach-Aktion aufgerufen. Grundschulkinder ab der 3. Klasse konnten dabei ihr eigenes „Klassen-Selfie“ malen. Dabei mussten sich alle Kinder so zeichnen, dass sie sich in einer langen Reihe die Hände geben – und auch an den Rändern sollten die Hände zum „Nachbar-Bild“ ausgestreckt werden. Denn wir hatten dabei folgende Idee: 30 dieser „Klassen-Selfies“ werden ausgedruckt und zu einem zehn Meter langen Textilstreifen zusammengefügt, sodass alle Kinder aus ganz verschiedenen Schulen zusammen eine lange Menschkette bilden. Und dieser Textilstreifen fliegt später ebenso wie der deutsche ESA-Astronauten Matthias Maurer zur Internationalen Raumstation ISS.

Am 31. Januar 2021 war Einsendeschluss und die 30 Gewinner-Bilder wurden mittlerweile ausgewählt. Aber auch alle anderen Kinder, die mitgemacht haben, sind Gewinner: Denn auch ihre Bilder werden mit an Bord der ISS sein – und zwar in digitaler Form auf einem USB-Stick gespeichert. Also: Ob ausgedruckt oder digital – alle Kinder fliegen symbolisch mit Matthias Maurer „Hand in Hand um die Welt“! Und das sind viele Kinder, sehr viele! Über 1.000 Schülerinnen und Schüler haben sich an der Aktion beteiligt. Das war in den letzten Monaten gar nicht so einfach, denn man war ja wochenlang nicht in der Klasse zusammen. Auf vielen Bildern erkennt man daher, dass sich jedes Kind zu Hause alleine gemalt hatte, die einzelnen Bilder dann per E-Mail an die Lehrkraft geschickt und von ihr wie bei einem Puzzle zusammengesetzt wurden. Andere hatten es vor dem Homeschooling gerade noch rechtzeitig geschafft und konnten das Bild in der Klasse gemeinsam malen.

Das ist der kleine Behälter, den unsere Auszubildenden aus Braunschweig gefertigt haben. Gar nicht so einfach, das aus einem Stück Metall herauszufräßen und sich dann noch einen sicheren Mechanismus zu überlegen, mit dem der Bilderstreifen herausgezogen und wieder eingerollt werden kann. Bild: DLR
Das ist der kleine Behälter, den unsere Auszubildenden aus Braunschweig gefertigt haben. Gar nicht so einfach, das aus einem Stück Metall herauszufräßen und sich dann noch einen sicheren Mechanismus zu überlegen, mit dem der Bilderstreifen herausgezogen und wieder eingerollt werden kann. Bild: DLR

Und auch für uns im DLR war das Projekt eine ziemliche Herausforderung. Schließlich kann man nicht einfach so einen Textilstreifen in ein Raumschiff packen und zur ISS transportieren. Da musste sich unsere Ausbildungswerkstatt im DLR-Standort Braunschweig zusammen mit dem dortigen DLR_School_Lab – das ist eines unserer vielen Schülerlabore – etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Die Feinwerkmechaniker-Azubis haben zusammen mit ihrem Ausbilder deshalb aus Aluminium eine spezielle Trommel gefertigt, in der der Bilderstreifen sorgfältig auf eine Spule aufgewickelt ist, die auch zum Abrollen dient. Denn wenn Matthias Maurer die Klassen-Selfies in einer Videoübertragung von Bord der ISS zeigt, darf das natürlich kein „Kuddelmuddel“ geben. Außerdem musste der Bilderstreifen aus Sicherheitsgründen aus einem speziellen Material bestehen, das nicht leicht in Brand gerät – darauf wird in der Raumfahrt immer genau geachtet. Inzwischen ist die Hardware mit dem Bilderstreifen fertig, sodass er in Kürze über die Europäische Weltraumorganisation ESA zur amerikanischen NASA geschickt und dann für den Flug mit einem Raumtransporter verpackt werden kann.

Alle teilnehmenden Schulen erhalten eine Urkunde und die ausgedruckten Bilder werden später sogar mit einem Zertifikat an die entsprechenden Schulen zurückgegeben. Dann haben diese Schulen sogar etwas in ihren Räumen, das tatsächlich mal im Weltraum war. Aber das wird noch eine Weile dauern: Der Flug von Matthias Maurer soll im Herbst 2021 starten und erst nach seiner Rückkehr im Frühjahr 2022 werden auch die Bilder wieder zur Erde zurückkehren. Wir halten euch hier über das Projekt und die gesamte Mission weiter auf dem Laufenden. Hier könnt ihr euch schon mal die Bilder ansehen, die wir für den Textilstreifen ausgewählt haben. (Hinweis: Bitte unbedingt zoomen, damit man auch was erkennen kann.) Wir haben sie bereits nebeneinander zusammengefügt, sodass ihr ziemlich lange seitlich scrollen müsst. ;-) Tja, es ist eben ein ganz besonderes Projekt geworden und vielleicht sogar das größte Bild, das jemals im Weltraum war!