Fördermittelgeber

Richtlinie zur Förderung von Projekten zum Thema multinationale Forschung zu personalisierter Medizin für neurodegenerative Erkrankungen im Rahmen des European Joint Programme – Neurodegenerative Disease Research (JPND)

Headline, Text + Image
Content Module Text

Neurodegenerative Erkrankungen sind sehr beeinträchtigende, zum größten Teil unheilbare Erkrankungen, deren Eintreten stark mit dem Lebensalter zusammenhängt. Unter diesen Erkrankungen ist die Alzheimer Erkrankung verantwortlich für die größte Krankheitslast. Weltweit sind ungefähr 47 Millionen Menschen von der Alzheimer’schen Erkrankung und ihren verwandten Störungen betroffen. Es wird erwartet, dass sich diese Zahl aufgrund der immer älter werdenden Bevölkerung alle 20 Jahre verdoppelt. Die direkten und indirekten Behandlungskosten von Alzheimer, Parkinson oder verwandten Erkrankungen werden europaweit auf 105 bis 160 Milliarden Euro und weltweit auf eine Billion US Dollar pro Jahr geschätzt. Die derzeit verfügbaren Therapieansätze zielen überwiegend auf eine Linderung der Symptome ab. Die eigentlichen Ursachen der Erkrankung werden nicht adressiert, somit ist die Wirksamkeit der Therapieansätze begrenzt. In diesem Zusammenhang wurde das „EU Joint Programme − Neurodegenerative Disease Research“ (JPND) ins Leben gerufen. JPND verfolgt das Ziel, durch verbesserte Koordination der länderübergreifenden Forschungsanstrengungen die Erkrankungsursachen schneller zu verstehen, Therapien zu entwickeln und eine bessere Versorgung von Menschen mit neurodegenerativen Erkrankungen zu erreichen. Die 2012 publizierte und 2018 aktualisierte JPND Forschungs- und Innovationsagenda zeigt entsprechende Forschungsprioritäten auf und bildet den Rahmen für zukünftige Forschungsaktivitäten.

Die Ursachen, die Mechanismen und der klinische Verlauf neurodegenerativer Erkrankungen unterscheiden sich stark. Diese Variabilität erschwert die Entwicklung medizinischer Lösungsansätze, etwa die Entwicklung von Therapien oder optimierter Versorgungsansätze. Eine Behandlung, die an einem bestimmten Krankheitsmechanismus ansetzt, ist möglicherweise nicht bei allen Patienten wirksam, auch wenn die Erkrankten die gleichen Symptome aufweisen. Die Entschlüsselung der Variabilität neurodegenerativer Erkrankungen stellt daher eine der größten Herausforderungen dar.

Diesen Strategieansatz verfolgt die personalisierte Medizin. Gemäß der Definition der Beratungsgruppe zu Horizont 2020 handelt es sich dabei um ein medizinisches Modell, das Phänotypen und Genotypen von Individuen charakterisiert (z. B. durch Methoden der molekularen Profilerstellung und der medizinischen Bildgebung sowie durch die Erfassung und Auswertung von lebensstilbezogenen Daten). Darauf basierend können individuell angepasste Therapien entwickelt, Veranlagungen für Erkrankungen erkannt und/oder rechtzeitige, gezielte präventive Maßnahmen durchgeführt werden.

Obwohl diese Bekanntmachung personalisierte Forschungsansätze einbezieht, ist das Forschungsfeld zu neurodegenerativen Erkrankungen derzeit noch nicht so weit fortgeschritten, dass personalisierte Ansätze gemäß der obigen Definition realisiert werden könnten. Stattdessen liegt der Schwerpunkt eher auf der stratifizierten Medizin. Hierbei handelt es sich um die Stratifizierung von Patientengruppen hinsichtlich diagnostischer, therapeutischer oder präventiver Fragestellungen. Hierdurch könnten einzelne Elemente, die für das Krankheitsbild eines bestimmten Individuums zu einem bestimmten Zeitpunkt verantwortlich sind, gezielt untersucht werden. Für die Stratifizierung werden unter anderem Methoden zur Bestimmung des Erkrankungsrisikos sowie zu Feststellung des Behandlungserfolgs, etwa durch Anwendung diagnostischer Tests, verwendet. Es handelt sich somit um einen neuartigen Ansatz hinsichtlich der Prävention, Diagnose und Behandlung von Krankheiten. Dieser Ansatz berücksichtigt sowohl die individuelle Variabilität der Gene, die jeweiligen biologischen und molekularen Eigenschaften als auch die Umweltfaktoren und den individuellen Lebensstil. Hierdurch können die komplexen Mechanismen, die einer Krankheit zugrunde liegen, besser verstanden werden. Außerdem können optimierte, zielgerichtete und zeitlich abgestimmte Therapien auf der Kenntnis präziser molekulare Ursachen in gut untersuchten oder stratifizierten Patientengruppen angewandt werden.

Diese transnationale gemeinsame Bekanntmachung wird in Partnerschaft mit der Europäischen Kommission unter dem „ERA-NET Co-fund“ Programm durchgeführt. Ziel ist es, die Entwicklung und den Verlauf von neurodegenerativen Erkrankungen mithilfe der personalisierten Medizin zu beeinflussen. Als Partner von JPND und als Teil von Horizont 2020 erweitert die Europäische Kommission die Implementierung der strategischen Forschungsagenda von JPND durch Bereitstellung von zusätzlichen Fördermitteln, um die verfügbaren Fördermittel der nationalen und regionalen Förderorganisationen aufzustocken. Hierdurch soll die Anzahl der transnationalen Forschungsvorhaben, die im Rahmen dieser Bekanntmachung gefördert werden können, maximiert werden. In den Vorhaben muss demonstriert ­werden, dass ein klarer wissenschaftlicher Mehrwert durch die gemeinsame Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg besteht.

Die folgenden Förderorganisationen haben beschlossen, diese multinationale Bekanntmachung gemeinsam zu fördern, um hierdurch einen Mehrwert gegenüber bereits bestehenden nationalen Förderaktivitäten zu realisieren:

  • das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Deutschland;
  • der National Health and Medical Research Council (NHMRC), Australien;
  • die Research Foundation Flanders (FWO), Belgien;
  • der Fund for Scientific Research (FRS-FNRS), Belgien;
  • der Innovation Fund Denmark (IFD), Dänemark;– die VELUX Fonden (VELUX), Dänemark;
  • die Academy of Finland (AKA), Finnland;
  • die French National Research Agency (ANR), Frankreich;
  • der Medical Research Council (MRC), Großbritannien;
  • das Health Research Board (HRB), Irland;
  • das Ministry of Health (MOH), Israel;
  • das Italian Ministry of Health (MoH), Italien;
  • das Italian Ministry of Education, University and Research (MIUR), Italien;
  • die Canadian Institutes of Health Research (CIHR), Kanada;
  • die State Education Development Agency (VIAA), Lettland;
  • der National Research Fund (FNR), Luxemburg;
  • die Netherlands Organisation for Health Research and Develop. (ZonMw), Niederlande;
  • der Research Council of Norway (RCN), Norwegen;
  • das National Centre for Research and Development, Polen;
  • die Foundation for Science and Technology (FCT), Portugal;
  • der Regional Fund for Science and Technology of the Azores (FRCT), Portugal;
  • das Ministry of Research and Innovation, Rumänien;
  • das Ministry of Education, Science and Sport (MIZS), Slowenien;
  • der Swedish Research Council (SRC), Schweden;
  • das National Institute of Health Carlos III (ISCIII), Spanien;
  • das Ministry of Education, Youth and Sports (MEYS), Tschechische Republik;
  • der Scientific and Technological Research Council of Turkey (TUBITAK), Türkei;
  • das National Research, Development and Innovation Office (NKFIH), Ungarn.

Die Fördermaßnahme wird zeitgleich durch die Förderorganisationen im jeweiligen Land veröffentlicht und zentral durch ein gemeinsames „Joint Call Sekretariat“ beim DLR-PT (Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt – Projektträger) koordiniert. Für die eigentliche Umsetzung der nationalen Teilvorhaben gelten die jeweiligen nationalen Richtlinien.

Ziel der Fördermaßnahme ist es, Entwicklung und den Verlauf von neurodegenerativen Erkrankungen mithilfe der personalisierten Medizin zu beeinflussen. Zu diesem Zweck sollen transnationale Forschungsvorhaben gefördert werden, die in der Zusammenarbeit von Forschungsgruppen aus verschiedenen Disziplinen neuartige Ansätze hinsichtlich der Prävention, Diagnose und Behandlung neurodegenerativer Erkrankungen entwickeln.

Mit dieser Fördermaßnahme leistet das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) einen Beitrag zum Rahmenprogramm Gesundheitsforschung der Bundesregierung.

Auszug aus der Bekanntmachung "Richtlinie zur Förderung von Projekten zum Thema multinationale Forschung zu personalisierter Medizin für neurodegenerative Erkrankungen im Rahmen des European Joint Programme – Neurodegenerative Disease Research (JPND)", 1.1 Förderziel und Zuwendungszweck. Die vollständige Bekanntmachung finden Sie unter dem Link unter "Bekanntmachung".

Kontakt

Dr. Sabrina Voß
Internationale Gesundheitsforschung
Gesundheit
Tel.: +49 228 3821 2111
E-Mail: sabrina.voss@dlr.de

Dr. Olaf Krüger
Internationale Gesundheitsforschung
Gesundheit
Tel.: +49 228 3821 2111
E-Mail: olaf.krueger.1@dlr.de

Förderprogramm
Rahmenprogramm Gesundheitsforschung
Förderregion
International (Europa)
Status
geschlossen
Einreichungsfrist
Auftraggeber
BMBF
Fördermittelgeber
BMBF

DLR Projektträger Newsletter

Erhalten Sie regelmäßig Updates zu News, Top-Themen und Förderangeboten. Abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter: