Reise zum Saturn: Die Misson Cassini-Huygens

Erforschung des Gasplaneten Sa­turn und sei­ner Mon­de

Die erfolgreiche Mission Cassini-Huygens der Europäischen Weltraumorganisation ESA, der US-amerikanischen Luft- und Raumfahrtbehörde NASA und der italienischen Raumfahrtagentur ASI endete am 15. September 2017. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) war von Beginn an technisch, wissenschaftlich und im Auftrag des Bundes projektfördernd beteiligt. Cassini-Huygens startete am 15. Oktober 1997 an Bord einer Titan 4b-Centaur-Rakete vom NASA Kennedy Space Center in Cape Canaveral, Florida, USA. Nach einer siebenjährigen Reise erreichte die Raumsonde den Saturn. Bis zur Ankunft am Gasplaneten legte sie rund 3,5 Milliarden Kilometer zurück und führte zwei nahe Vorbeiflüge (Swing-by-Manöver) an der Venus sowie jeweils einen an Erde und Jupiter durch. Beendet wurde sie nach 20 Jahren als Cassini kontrolliert in Saturns Atmospähre verglühte.

Letzte Aktualisierung: 2. März 2026

Cassini-Huygens war eine Mission der Europäischen Weltraumorganisation ESA, der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA und der italienischen Raumfahrtagentur ASI. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) war an der Mission von Beginn an technisch, wissenschaftlich und im Auftrag des Bundes beteiligt. Cassini-Huygens bestand aus der Raumsonde Cassini und der Landeeinheit Huygens. Huygens wurde am 25. Dezember 2004 von Cassini abgetrennt und untersuchte am 14. Januar 2005 in einer mehr als dreistündigen Mission die Atmosphäre des Saturnmondes Titan sowie dessen Oberfläche.

Der Saturn - Forschungsobjekt und ästhetischer Blickfang
Erst die Raumfahrt ermöglichte es dem Menschen, den Planeten Saturn aus der Nähe und umfassend zu erforschen. Auch wenn es bereits im Altertum erstaunlich präzise astronomische Messungen gab, große Fortschritte machte die Erforschung des Saturn erst mit der Erfindung des Fernrohrs und immer leistungsfähigeren Teleskopen im 17. Jahrhundert. In den 1980er-Jahren brachten uns die Raumsonden Pioneer 11, Voyager1 und Voyager 2 den Saturn näher, auch das Hubble-Weltraumteleskop zeigte uns den Planeten in beeindruckenden Aufnahmen mit seinen Ringen. Von Juli 2004 bis September 2017 umkreiste die Raumsonde Cassini den Saturn, deren Bilder und Messungen bis dato das wissenschaftliche, aber auch ästhetische Maß der Dinge waren. Diese Aufnahme wurde aus mehreren Bildern zusammengesetzt, die von der Weitwinkelkamera an Bord von Cassini am 25. April 2016 gemacht wurden.
Credit:

NASA/JPL-Caltech/Space Science Institute

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An Bord von Cassini waren insgesamt zwölf wissenschaftliche Instrumente, weitere sechs Instrumente befanden sich auf Huygens. In Deutschland beteiligen sich neben dem DLR, den Instituten der Max-Planck-Gesellschaft (MPG), mehrere Universitäten sowie die deutsche Raumfahrtindustrie an der Mission. Die Beteiligten lieferten eine Vielzahl von Messinstrumenten und -komponenten oder arbeiteten an speziellen Experimenten. Der finanzielle Anteil Deutschlands an der Mission belief sich auf rund 115 Millionen Euro, die Gesamtkosten der Mission betrugen rund 3,3 Milliarden Dollar.“

Daten zur Mission

 

Start

15. Oktober 1997

Startgewicht

5.820 Kilogramm (davon 365 Kilogramm Nutzlast)

Fly-bys

2 mal Venus, jeweils 1 mal Erde und Jupiter

Einschwenken von Cassini in Saturn-Orbit

1. Juli 2004

Abtrennung Huygens-Sonde

25. Dezember 2004

Landung von Huygens auf Titan

14. Januar 2005

Startort

NASA Kennedy Space Center, Cape Canaveral, Florida, USA

Trägerrakete

Titan IV B/Centaur

Mission Control Center

NASA Jet Propulsion Laboratory (JPL), Pasadena, Kalifornien, USA

Bodenempfang

NASA Deep Space Network

Datenempfang

Kein Real-Time-Betrieb, Zwischenspeicherung der Daten in Massenspeicher, an Bord des Orbiters, Übertragung der Daten während der Kontaktzeiten zu den Bodenstationen auf der Erde

Nominelles Missionsende

Juni 2008; verlängert bis 2017; Ende: 15. September 2017, 13:55 Uhr MESZ (Mitteleuropäische Sommerzeit)

Die wissenschaftlichen Instrumente an Bord von Cassini-Huygens

RSSCassini-Raumschiff

 

CAPS (Cassini Plasma Spectrometer)

Untersuchte das Plasma im Saturnmagnetfeld (Zusammensetzung, Herkunft) mit drei Spektrometern (zwei Ionen- und ein Elektronenspektrometer). Principal Investigator: David T. Young, Southwest Research Institute, San Antonio, TX, USA.

CDA (Cosmic Dust Analyzer)

Der CDA analysierte Eis- und Staubpartikel im Saturnsystem. Er konnte gleichzeitig elektrische Ladung, Geschwindigkeit, Flugrichtung und Masse einzelner Teilchen bestimmen. Erstmals ermittelte der CDA auch deren chemische Zusammensetzung. Er konnte bis zu einem Treffer pro Sekunde erfassen. Der integrierte „High Rate Detector“ (HRD) konnte bis zu 10.000 Treffer pro Sekunde messen. Entwickelt wurde der CDA am Max-Planck-Institut für Kernphysik. Die Technologie-Entwicklung, Fertigung und Tauglichkeitstests für Hardware-Komponenten der mechanischen Teile erfolgten unter Federführung der Abteilung Systemkonditionierung des DLR-Instituts für Strukturmechanik in Berlin. Die Missionsplanung und Datenanalyse lagen beim Max-Planck-Institut für Kernphysik. Principal Investigator war Ralf Srama, Max-Planck-Institut für Kernphysik, Heidelberg.

CIRS (Composite Infrared Spectrometer)

Es maß Temperatur und Zusammensetzung von Oberflächen, Atmosphären und Ringen und bestand aus drei Spektrometern mit den Wellenlängenbereichen: 7 bis 9 Mikrometer, 9 bis 17 Mikrometer und 17 bis 1.000 Mikrometer. An diesem Instrument war die Bergische Universität Wuppertal beteiligt. Principal Investigator war Michael Flasar, NASA/Goddard Space Flight Center, Greenbelt, MD, USA.

INMS (Ion and Neutral Mass Spectrometer)

Bestimmte die Zusammensetzung von neutralen und geladenen Partikeln in der Magnetosphäre. Principal Investigator: J. Hunter Waite, SPRL, University of Michigan, Ann Arbor, MI, USA.

ISS (Imaging Science Subsystem)

Das ISS lieferte Schwarz-Weiß- und Farbbilder der Atmosphäre, der Ringe und der Monde von Saturn. Die ISS-Bilder bildeten die Datengrundlage für die meisten geologischen Interpretationen der Oberfläche der Monde, für die Untersuchung der Dynamik der Ringe und der meteorologischen Vorgänge in den Atmosphären von Saturn und Titan. Die ISS-Kamera bestand aus zwei Komponenten: der Telekamera NAC (Narrow-Angle Camera) mit einer Brennweite von zwei Metern sowie der Weitwinkelkamera WAC (Wide-Angle Camera), die eine Brennweite von 20 Zentimetern aufwies. Die NAC lieferte aus einer Entfernung von 10.000 Kilometern Distanz Bilder mit einer räumlichen Auflösung von 60 Metern pro Bildpunkt (Pixel). Ein Schwerpunkt des DLR-Instituts für Planetenforschung (heute DLR-Institut für Weltraumforschung) in Berlin lag in der Planung der punkt- und sekundengenauen „Zielsequenzen“ sowie in der kartographischen Bearbeitung der Bilddaten für geometrisch exakte Kartenwerke. Diese Arbeiten erfolgten in Kooperation mit der Cassini-Gruppe an der Freien Universität Berlin sowie dem Space Science Institute in Boulder, Colorado, USA. Principal Investigator war Carolyn C. Porco, Space Science Institute, Boulder, CO, USA.

MAG (Dual Technique Magnetometer)

Es maß das Saturnmagnetfeld und seine Wechselwirkung mit dem Sonnenwind. An diesem Instrument waren die Universität zu Köln und die Technische Universität Braunschweig beteiligt. Principal Investigator waren David J. Southwood und Michelle Dougherty (acting), Imperial College, University of London, England.

MIMI (Magnetospheric Imaging Instrument)

MIMI fotografierte und maß das Saturn-Magnetfeld mit Hilfe dreier Detektoren. An diesem Instrument war das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung beteiligt. Principal Investigator war Stamatios M. Krimigis, Johns Hopkins University, Laurel, MD, USA.

RADAR (Cassini Radar)

Lieferte Radarbilder und Höhenmessungen der Titanoberfläche. Principal Investigator: Charles Elachi, Jet Propulsion Laboratory, Pasadena, CA, USA.

RPWS (Radio and Plasma Wave Science)

Es untersuchte die elektrischen und magnetischen Felder, die Elektronendichte und maß die Temperatur. Principal Investigator war Donald A. Gurnett, University of Iowa, Iowa City, IA, USA

RSS (Radio Science Subsystem)

RSS suchte nach Gravitationswellen im Universum und untersuchte die Atmosphäre, die Ringe sowie die Gravitationsfelder von Saturn und seinen Monden. Principal Investigator war Arvydas J. Kliore, Jet Propulsion Laboratory, Pasadena, CA, USA.

UVIS (Ultraviolet Imaging Spectrograph)

UVIS bestand aus vier Einzelkomponenten und konnte UV-Licht im Wellenlängenbereich von 0,056 bis 0,19 Mikrometer detektieren. Die Wissenschaftler erwarteten von UVIS Informationen über die Zusammensetzung der Saturnringe und Monde sowie über Zusammensetzung, Photochemie und Temperaturen der Saturn- und Titanatmosphäre. Eine der vier UVIS-Komponenten, die „Hydrogen-Deuterium Absorption Cell“ (HDAC), wurde am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung entwickelt und gebaut. Ihre Aufgabe war die Bestimmung des Verhältnisses von Wasserstoff zu Deuterium (schwerer Wasserstoff) in der Saturn- und Titanatmosphäre. Das DLR-Institut für Planetenforschung (heute DLR-Institut für Weltraumforschung) war an der Softwareentwicklung und der Datenauswertung beteiligt. Principal Investigator war Larry Esposito, University of Colorado, Boulder, CO, USA.

VIMS (Visible and Infrared Mapping Spectrometer)

VIMS führte die spektrale Kartierung der chemischen Zusammensetzung und Struktur der Oberflächen, Atmosphären und Ringe von Saturn und seinen Monden durch. VIMS zeichnete sowohl Signale in den sichtbaren Wellenlängen des Lichts (0,35 bis 1,07 Mikrometer) als auch in den infraroten Wellenlängen (0,85 bis 5,1 Mikrometer) auf. Das Instrument bestand aus zwei Spektrometern: eines für das sichtbare Licht und das nahe Infrarot, das andere für Aufzeichnungen des infraroten Spektrums. VIMS konnte die Oberfläche der Saturnmonde, die Ringe und die Wolkenhülle des Planeten und des Mondes Titan flächenhaft in 352 unterschiedlichen Wellenlängen darstellen, sogenannte Spektren. Aufgrund unterschiedlicher Eigenschaften von Oberflächen oder Substanzen konnten diese mit den entsprechenden Wellenlängen erkannt werden. VIMS konnte außerdem durch die dichte Wolkenhülle des Mondes Titan bis auf die Oberfläche blicken (siehe Bild rechts). Der Wellenlängenbereich von VIMS deckte eine große Anzahl von Eiskomponenten wie Wassereis, Trockeneis, Ammoniakeis und Methaneis ab. Auch Mineralgruppen wie Silikate oder Oxide und Kohlenstoff sowie andere organische und anorganische Materialien auf den Saturnmonden und -ringen konnte das Spektrometer identifizieren. Prof. Dr. Ralf Jaumann vom DLR-Institut für Planetenforschung (heute DLR-Institut für Weltraumforschung) und seine Mitarbeiter im VIMS Science Team führten die Kalibrierung des Instruments, die Planung von Aufnahmesequenzen sowie die wissenschaftliche Auswertung der Spektrometerdaten durch. Principal Investigator war Robert H. Brown, Lunar and Planetary Laboratory, University of Arizona, Tucson, AZ, USA.

Huygens-Sonde

 

HASI (Huygens Atmospheric Structure Instrument)

Es untersuchte die physikalischen und elektrischen Eigenschaften der Titanatmosphäre während und nach der Landung mittels Beschleunigungsmesser, Barometer und Temperatursensoren. An diesem Instrument war die Universität zu Köln beteiligt. Principal Investigator war Marcello Fulchignoni, Universite de Paris VII / Dept. de Recherche Spatiale, Observatoire de Paris-Meudon, Frankreich.

DWE (Doppler Wind Experiment)

DWE untersuchte die Windeinwirkung auf die Sonde mit Hilfe eines ultrastabilen Trägersignals zum Orbiter. Principal Investigator: Michael Bird, Universität Bonn.

DISR (Descent Imager/Spectral Radiometer)

DISR führte Helligkeits- und Temperaturmessungen durch und nahm Bilder von Titans Aerosolschicht, Atmosphäre und Oberfläche auf. An dem Radiometer war das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung beteiligt. Principal Investigator war Marty Tomasko, University of Arizona, Tucson, AZ, USA.

GCMS (Gas Chromatograph Mass Spectrometer)

Es bestimmte die Zusammensetzung der Titanatmosphäre und Aerosole mittels Massenspektrometer, Gassammelsystem, Gaschromatograph und Probentransportsystem. Principal Investigator war Hasso Niemann, NASA/GSFC, MD, USA.

ACP (Aerosol Collector and Pyrolyser)

ACP untersuchte die Wolken und Aerosole in der Titanatmosphäre mit Hilfe eines Probensammelsystems mit Ofen, der die Proben bis 250 Grad Celsius oder 600 Grad Celsius erhitzen konnte. Principal Investigator war Guy Israel, CNRS Service d'Aéronomie, Verrières-le-Buisson, Frankreich.

SSP (Surface-Science Package)

SSP erforschte die Oberflächeneigenschaften in unmittelbarer Umgebung der Landestelle mit sieben Subsystemen zur Messung der örtlichen Beschleunigung, Neigung, Temperatur, Akustik, Leitfähigkeit und Dichte. Principal Investigator war John Zarnecki, Open University, Milton Keynes, England.

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