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Sonnenfinsternis 2026: Pechschwarze Sonne und „fallende Sterne“

Totale Sonnenfinsternis
Das Foto zeigt die totale Sonnenfinsternis am 2. Juli 2019 über dem Observatorium La Silla der Europäischen Südsternwarte. Die Kombination mehrerer polarisierter Bilder bringt die feinen Strukturen in der Sonnenkorona sehr gut zur Geltung.
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ESO

  • Am 12. August 2026 findet in der nördlichen Hemisphäre von 17:34 Uhr bis gegen 22 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit die nächste Sonnenfinsternis statt.
  • In Europa ist die totale Sonnenfinsternis bei wolkenlosem Himmel am besten auf Island, der iberischen Halbinsel und den Balearen zu beobachten.
  • In ganz Deutschland ist die Sonnenfinsternis partiell von frühestens 19:12 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit (Sylt) bis spätestens zum Sonnenuntergang um 21:04 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit (Kleve) zu sehen. Dabei wird im Südwesten (entlang der Linie Freiburg im Breisgau bis Konstanz am Bodensee) ein Bedeckungsgrad von maximal 90 Prozent erreicht.

Eine totale Sonnenfinsternis zieht nahezu jeden in ihren Bann. Selbst wenn man keine Gelegenheit hat, dieses ergreifende Naturschauspiel in der schmalen Zone zu erleben, die vom Kernschatten des Neumonds überstrichen wird, ist auch die teilweise Verfinsterung des Sonnenlichts durch den Erdbegleiter äußerst beeindruckend. Am 12. August 2026 ist es wieder soweit.

Der globale Verlauf: Von der Beringsee zu den Kapverdischen Inseln

Vorhersage der Sonnenfinsternis am 12. August 2026
Die Grafik zeigt den globalen Verlauf der Finsternis mit den wichtigsten Daten.
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 Eclipse Predictions by Fred Espenak, www.EclipseWise.com

Der allererste Kontakt des Mondhalbschattens ereignet sich kurz nach 17:34 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit in der Beringsee, 120 Seemeilen östlich der US-amerikanischen Insel St. George.

Etwa eine halbe Stunde später trifft der Kernschatten des Mondes gegen Mitternacht Ortszeit im östlichen Teil der entlegenen russischen Taymarhalbinsel zum ersten Mal auf die Erdoberfläche auf.

Von dort bewegt er sich in nordwestlicher Richtung östlich an dem Inselarchipel Sewernaja Semlja vorbei auf den Nordpol zu, den er um etwa 100 Kilometer „verfehlt“.

Die totale Finsternis in Europa beobachten

Weiter geht es im Bogen über das Polarmeer und die östlichen unwirtlichen Eisflächen und Fjorde Grönlands auf das westliche Island zu, wo in Höhe der Westfjorde auf dem Atlantik das Maximum der totalen Sonnenfinsternis (Totalität) mit zwei Minuten und 18 Sekunden erreicht wird. Auch die isländische Hauptstadt Reykjavik wird – gute Sicht vorausgesetzt – eine einminütige Totalität bei einer Sonnenhöhe von knapp 25 Bogengrad erleben.

Von Island aus eilt der Kernschatten weiter über den Atlantik hinweg auf die iberische Halbinsel zu, die er fast gleichzeitig zuerst am Leuchtturm von Estaca und am Leuchtturm von Cabo Peñas tangiert. An diesen beiden Orten wird die totale Finsternis rund zwei Minuten dauern, bei einer abendlichen Sonnenhöhe von etwa zehn, elf Bogengrad.

Auf der iberischen Halbinsel werden unter anderem die Städte León, Valladolid, Burgos, Zaragosa und Valéncia beliebte Ausgangsorte vieler Sonnenfinsternis-Exkursionen sein. Und auch Madrid darf man hierbei noch mitzählen, denn in der nordöstlichen suburbanen Gegend der Hauptstadt wird die Sonne noch eine knappe halbe Minute lang ganz vom Mond bedeckt werden.

Den besten Platz für das SoFi-Spotting auf den Balearen finden

Eine totale Finsternis der besonderen Art steht den Einheimischen und Touristen auf den Balearen bevor. Zu Beginn der Halbschattenphase steht die Sonne dort noch zwölf bis dreizehn Grad über dem Horizont, während der Totalitätsphase aber nur noch rund drei Grad. Zum Ende der anschließenden partiellen Phase ist sie bereits im Meer versunken. Es empfiehlt sich daher, für die „Sunset Eclipse“ rechtzeitig einen guten Beobachtungsplatz nahe der Zentrallinie der Kernschattenzone zu suchen, diesen vorab gut zu inspizieren und dort gegebenenfalls vor dem Naturschauspiel eine Generalprobe für die eigentliche Beobachtung zu absolvieren. Hilfreich für die Auswahl eines geeigneten Ortes sind auch Reliefkarten, die zeigen, wie die unebene Gegend bei flach einstrahlendem Sonnenlicht verschattet wird, insbesondere die zerklüftete Sierra de Tramuntana auf Mallorca

In weniger als zehn Minuten hat der Mondschatten die iberische Halbinsel einschließlich der Balearen überstrichen und löst sich im westlichen Mittelmeer rasend schnell von der Erde ab. Auch wenn ihnen der Blick auf die komplette „schwarze“ Sonne versagt bleibt, dürfen auch all jene gespannt sein, die sich in Südfrankreich, Andorra und Portugal aufhalten, wo vielerorts ein Bedeckungsgrad von mehr als 95 Prozent erreicht wird. Das globale Ende der Finsternis wird kurz vor 22 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit südlich der Kapverdischen Inseln erreicht.

Die Sonnenfinsternis über Deutschland

Außerhalb der Kernschattenzone ist die partielle Bedeckung der Sonne für rund anderthalb Stunden in Kanada, in Alaska, im westlichen Afrika und in Europa zu sehen. In Deutschland nimmt dabei der Bedeckungsgrad von Nordosten nach Südwesten von 84 Prozent in der Höhe von Stettin auf mehr als 90 Prozent im Hochschwarzwald zu. In Köln wird mit 88,3 Prozent das Maximum um 20:13 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit erreicht, bei einer Höhe des Sonnenstands von sechs Winkelgrad. Ein solch hoher Bedeckungsgrad wird erst wieder am 13. Juli 2075 in Deutschland erzielt.

Das Augenlicht schützen: Tipps zu SoFi-Brille und Co.

Alexander Gerst betrachtet eine Sonnenfinsternis mit Spezialbrille
ESA-Astronaut Alexander Gerst betrachtet eine Sonnenfinsternis über Berlin. Nur mit einer qualifizierten, geprüften Spezialbrille ist der Blick in die Sonne mit bloßem Auge rundum sicher.
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ESA

Bei jeder Sonnenbeobachtung muss man sein Augenlicht sicher und professionell vor intensiver Strahlung schützen. Dies gilt umso mehr bei einer Sonnenfinsternis, weil infolge der geringeren Lichtintensität der Lidschlussreflex herabgesetzt ist. Hinreichenden Schutz bietet eine anerkannt zertifizierte Sonnenfinsternis-Brille, auch als SoFi-Brille bekannt, die man für wenige Euro vorzugsweise im astronomischen Fachhandel oder bei einem Augenoptiker erwerben kann. Mit einer solchen Schutzbrille schützt man seine Augen wirksam vor den netzhautschädigenden Wellenlängenanteilen des Sonnenlichts, die auch dann noch zu intensiv sind, wenn die Sonnenscheibe – vom Mond bedeckt – zu einer messerscharfen Sichel geworden ist.

Wem es jedoch bis zur Finsternis nicht rechtzeitig gelingt, eine SoFi-Brille zu besorgen, der sollte eine Volkssternwarte, ein Planetarium oder einen astronomischen Verein in seiner Nähe aufsuchen. Dort wird man im Rahmen der Langen Nacht der Astronomie die Sonnenfinsternis im Kreise Gleichinteressierter professionell sicher und mit großformatigen Live-Übertragungen aus der Totalitätszone fachkundig begleitet beobachten können. Gute Hinweise, worauf man bei der Sonnenbeobachtung unbedingt zu achten hat, findet man auch im Dokument des Bundesamts für Strahlenschutz.

Man darf die Schutzbrille jedoch keinesfalls benutzen, um damit die Sonne durch ein Fernglas oder ein Teleskop zu beobachten, sondern nur für die Beobachtung mit dem freien Auge. Bei der Beobachtung durch ein optisches Instrument bringt man entsprechende Schutzfolien und -filter vor dem Objektiv an. Okularsonnenfilter sind unbedingt zu vermeiden, da sie von der Sonnenstrahlung so stark erhitzt werden, dass sie unversehens platzen können.

Die nächste Sonnenfinsternis in Europa

Sonnenfinsternisse bis zum Jahr 2030
Ein Ausblick auf die kommenden Sonnenfinsternisse bis zum Jahr 2030. Die zufällige Überlappung dreier Finsternispfade wie in Spanien in weniger als drei Jahren ist ein Glücksfall für die dort Lebenden.
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Eclipse Predictions by Fred Espenak, www.EclipseWise.com

Für Spanien erweisen sich die kommenden Jahre astronomisch als Glücksfall, denn bereits im kommenden Jahr 2027 erleben dort die Bewohner südlich der Linie Almeria – Jerez de la Frontera am Vormittag des 2. August 2027 eine weitere bis zu viereinhalbminütige totale Sonnenverfinsterung bei einer idealen Sonnenhöhe von rund 40 Grad über dem Horizont. Und nach knapp einem halben Jahr ereignet sich in derselben Region am Nachmittag des 26. Januar 2028 wiederum eine zentrale, aber nur ringförmige Sonnenfinsternis, wie es aufgrund der größeren Sonnenscheibe im Januar typisch ist. Wenn man bedenkt, dass sich eine Sonnenfinsternis statistisch erst nach ein paar Jahrhunderten wieder an ein und demselben Ort ereignet, ist dieses Zusammentreffen quasi ein Geschenk des Himmels.

Sonnenfinsternisse im erdgeschichtlichen Kontext

Dass wir überhaupt Sonnenfinsternisse erleben können, verdanken wir zunächst einmal der Existenz des Mondes. Soweit wir heute wissen, entstand er vor 4,5 bis 4,4 Milliarden Jahren durch einen marsgroßen Protoplaneten, der mit der Erde kollidierte. Dabei wurde eine enorme Menge Gesteinsmaterial aus dem Erdmantel geschleudert, das sich in der nahen Erdumlaufbahn ansammelte, relativ schnell gravitativ verdichtete und den Erdbegleiter formte. Gestützt wird diese Hypothese durch die Isotopenanalyse des Mondgesteins, welches die Apollo-Astronauten zur Erde zurückbrachten. Der Vergleich mit irdischem Gestein legt nahe, dass der Mond tatsächlich durch eine solche Kollision entstanden ist. Er ist gewissermaßen der achte Kontinent der Erde, auf dem die Menschheit wieder Fuß fassen will.

Mond im Archaikum
Vor vier Milliarden Jahren umkreiste der Mond die Erde auf einer viel engeren Umlaufbahn: Nur einige zehntausend Kilometer war der Erdtrabant von der Erde entfernt. Entsprechend stand der Vollmond hell und riesengroß am Himmel und bewegte sich schnell. Sonnen- und auch Mondfinsternisse traten häufig auf.
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Tim Bertelink (CC BY-SA 4.0)

In der Frühzeit unseres Planeten stand der aus der Trümmerwolke entstandene Mond in einer mittleren Erddistanz von wenigen zehntausend Kilometern und leuchtete anfangs mit einem gut zehnmal größeren scheinbaren Durchmesser auffallend hell am Firmament. Infolge des damaligen Größenverhältnisses von Mond- und Sonnenscheibe traten auf der Urerde totale Sonnenfinsternisse häufiger auf und dauerten an einem bestimmten Ort trotz einer dreifach höheren Bahngeschwindigkeit des Mondes und einer doppelt so schnellen Erdrotation durchschnittlich länger als heute. Der rund 3.000 Kilometer breite Kernschatten sauste über die Kontinente und Meere der Urerde rasend schnell hinweg. Dabei dürfte die Sonnenkorona nur flüchtig an einem Sonnenrand aufgeleuchtet haben, bis sie vom Erdtrabanten in Windeseile mitbedeckt beziehungsweise am gegenüberliegenden Rand bei noch bedeckter Photosphäre freigegeben wurde.

Warum Sonnenfinsternisse im Winter kürzer sind

Infolge der Gezeitenreibung hat der Mond nun im Laufe der Erdgeschichte eine Distanz erreicht, bei der seine scheinbare Größe derjenigen der Sonne entspricht. Mond- und Sonnenscheibchen haben heute – mal etwas mehr, mal etwas weniger – im Mittel einen Durchmesser von 32 Bogenminuten, ungefähr einem halben Winkelgrad. Das Mehr oder Weniger wird dabei durch die wechselnden Positionen der Erde auf ihrer leicht elliptischen Bahn um die Sonne und des Mondes auf seiner Bahn um die Erde bestimmt. Steht der Mond relativ erdnah und befindet sich die Erde noch in ihrer nordsommerlichen Sonnenferne sind die Voraussetzungen für eine längere totale Sonnenbedeckung durch den Mond ausgezeichnet. Totale Sonnenfinsternisse im (nördlichen) Winter fallen dementsprechend statistisch kürzer aus als im Sommer; die längsten totalen Sonnenfinsternisse mit mehr als sieben Minuten pechschwarzer Sonne liegen darum allesamt in der Zeit von Ende Mai bis Anfang August.

Die Distanzunterschiede und daraus resultierenden Größenverhältnisse bedingen die drei verschiedenen Arten zentraler Finsternisse: ringförmig, total und ringförmig-total (hybrid). Das tatsächliche Auftreten einer Finsternis hängt jedoch wesentlich von der sogenannten Knotenbedingung ab, der zufolge eine Finsternis nur dann eintreten kann, wenn sich der Neumond (bei einer Sonnenfinsternis) oder der Vollmond (bei einer Mondfinsternis) in einem engen Toleranzbereich um einen der beiden Schnittpunkte, – am auf- oder absteigenden Knoten – von Erd- und Mondbahn aufhält, die zueinander um fünf Winkelgrad geneigt sind. Denn nur dann stehen Sonne, Mond und Erde in (nahezu) einer Linie, sodass der Mondschatten die Erde oder der Erdschatten den Mond trifft.

Noch 600 Millionen Jahre bis zur letzten Sonnenfinsternis

Damit wird auch klar, warum nicht jeden Monat bei Voll- und Neumond eine Mond- beziehungsweise Sonnenfinsternis stattfindet. In der Frühzeit der Erde, als der scheinbare Monddurchmesser annähernd dem Winkel der Mondbahnneigung entsprach, war dies anders. Die Toleranzbereiche um die Mondknoten, die Knoten-Distanzen, waren ausgedehnter, sodass viele rasch aufeinanderfolgende Neumonde die Sonne ganz oder teilweise bedecken konnten. In unserer Zeit geschieht das höchstens fünfmal in einem Kalenderjahr, auf einen einzelnen Mondknoten bezogen maximal nur zweimal.

Sehr ähnliche Knotenbedingungen und Größenverhältnisse wiederholen sich nach jeweils 6.5851/3 Tagen. Diese Periode entspricht ganzzahlig 223 synodischen, 242 drakonitischen und 239 anomalistischen Umlaufszeiten des Mondes. Seit dem Astronomen Edmond Halley (1656–1742) nennt man diese gut 18jährige Periode auch Saros. Die himmelsdynamische Ausgangslage bewirkt dann nach 6.5851/3 Tagen eine zeitlich und geographisch ähnlich verlaufende Finsternis wie zuvor, allerdings jeweils um 120 Längengrad westwärts versetzt. Das kann man beispielsweise gut am Verlauf der Finsternis des 11. August 1999 und dem ihrer „Sarostochter“ vom 21. August 2017 ablesen.

Totale Sonnenfinsternisse lassen sich mindestens noch rund 600 Millionen Jahre lang beobachten. Erst dann wird sich der Erdbegleiter so weit von der Erde entfernt haben, dass die Fläche des Vollmondscheibchens selbst bei allergrößter Erdnähe zu gering ist, um die Sonne in ihrer weitesten Erdferne vollständig zu bedecken. Als Folge werden nur noch ringförmige und partielle Sonnenfinsternisse auftreten; das imposante Aufleuchten der Sonnenkorona, der Höhepunkt des Naturschauspiels, ist dann Geschichte geworden und lässt sich nur noch mit Hilfe eines Koronographen erzeugen.

Totale Sonnenfinsternisse als Türöffner zur Astrophysik

Zu Zeiten der Chaldäer und anderer Völker des Altertums waren Sonnenfinsternisse unumstößliche Botschaften der Götter für die Herrscher, die Glück oder Unglück ankündigten. Später dienten sie Geschichtsschreibern als sichere Zeitmarken, während Schlachten sollen sie sich legendenhaften Berichten zufolge als überirdischer Fingerzeig erwiesen haben und wurden zur Friedenstaube. Wer sie indes genauer vorhersagen konnte, war in feudalen Gesellschaftsstrukturen hoch angesehen und als Seefahrer konnte er dadurch vorteilhaft Naturvölker und deren Häuptlinge beeindrucken. Eine totale Sonnenfinsternis, die für die meisten unversehens hereinbrach, ließ die Menschen jahrhundertelang mehr erschrecken als erstaunen.

Schlacht der Meder und Lyder
Die Schlacht der Meder und Lyder soll der Erzählung nach durch eine für die Kämpfenden unerwartet eingetretene Sonnenfinsternis am 28. Mai 585 v. Chr. ein friedliches Ende gefunden haben.
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„Astronomy for amateurs“ – D. Appleton and company, 1904 (The Library of Congress)

Jahrhunderte vergingen, bis man endlich im heliozentrischen Weltbild Sonnenfinsternisse besser verstand und sie zum naturwissenschaftlichen Erkenntnisgewinn nutzen konnte. Christophorus Clavius (1538–1612), der herausragende Jesuit und Mathematiker seiner Zeit, der die Kommission zur Gregorianischen Kalenderreform leitete, hat mit als erster die Sonnenkorona als einen gewissen schmalen Kreis in der Sonne, der den gesamten Mond von allen Seiten umgibt, wahrgenommen. Aktuell werden seine Beschreibungen, die er 1581 in seinem Werk In sphaeram Ioannis de Sacro Bosco commentarius niedergelegt hat, wissenschaftlich wieder diskutiert. Dabei geht es um die Frage, ob sich der Sonnenradius langfristig linear oder variabel verändert. Die alten Beobachtungen und Beschreibungen dienen hier gewissermaßen als Messpunkte, auch wenn damals nicht so exakt gemessen werden konnte wie heute. Auch Johannes Kepler (1571–1630) wusste von der Korona, glaubte jedoch, sie gehöre zur Mondatmosphäre.

Ferner empfahl der vielseitige Astronom Edmond Halley im Jahr 1695 in einer Abhandlung über die antike Stadt Palmyra, aus dem Verlauf von Finsternissen eine vermutete Beschleunigung der Mondbewegung zu bestimmen, die, wie man heute weiß, eine Folge der Abnahme der Erdbahnexzentrizität und der gezeitenbedingten Verlangsamung der Erdrotation ist. Ebenso studierte Halley den Kernschattenverlauf der Finsternis am 3. Mai 1715, die über England hinwegzog, und konnte anhand beobachteter Abweichungen seine Berechnungen für die Sonnenfinsternis am 22. Mai 1724 verbessern.

Einige Jahre später werden Protuberanzen in der Sonnenkorona erstmals von Birger Vassenius (1687–1771) erwähnt, einem dänischen Lektor der Mathematik, dem bei der Finsternis am 13. Mai 1733 in Göteborg drei bis vier rötliche Flecken auffielen, deren größter aus drei Wölkchen bestand, die seiner Ansicht nach in der (damals angenommenen) Mondatmosphäre schwebten. Weitere seltsame Phänomene, die man bei totalen Sonnenfinsternissen entdeckt hatte, werden vereinzelt beschrieben, doch bleiben sie ohne Einfluss auf die Wissenschaft des 18. Jahrhunderts.

Gelehrtenstreit über die Sonnenkorona

Richtig begonnen hat die wissenschaftliche Erforschung der totalen Sonnenfinsternisse wohl erst mit der Finsternis am 8. Juli 1842, die über Südfrankreich, Gebiete von Norditalien und über Österreich hinwegzog. Man hatte sie genau vorherberechnet und viele treffliche Astronomen standen an den verschiedenen Beobachtungsorten bereit, alle Vorkommnisse und Erscheinungen während der Totalität genau zu beschreiben. Besonders zogen die Protuberanzen die Aufmerksamkeit der Beobachter auf sich, doch über das, was sie seien, kam am Ende kein Konsens zustande. Die einen meinten, es handele sich um Berge auf dem Mond, die vom Sonnenlicht auf irgendeine Weise hell beleuchtet wurden, andere gingen von Bergen auf der Sonne aus und wiederum andere hielten sie für Flammen auf der Sonne. Manche stritten gar ihre Existenz ab und hielten sie lediglich für eine optische Täuschung, verursacht durch die irdische Atmosphäre.

Sonnenfinsternis am 18. Juli 1860
Fotoplatte der totalen Sonnenfinsternis vom 18. Juli 1860 mit Protuberanzen, die in die Sonnenkorona hineinragen.
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„The total solar eclipse of July 18th, 1860, observed at Rivabellosa, near Miranda de Ebro in Spain“ – Warren de la Rue (Wellesley College Library)

In den folgenden Jahrzehnten standen ob der vielen neuen Fragen und Widersprüchlichkeiten Sonnenfinsternis-Expeditionen mit an erster Stelle der sehr jungen astrophysikalischen Forschungen. So gelang am 28. Juli 1851 erstmals eine Fotografie der verfinsterten Sonnenscheibe, anhand der deutlich wurde, dass die Korona zur Sonne und nicht zum Mond gehört und auch die Protuberanzen einen echten solaren Ursprung haben und höchstwahrscheinlich aus Gasen bestehen. Bei der Sonnenfinsternis am 18. August 1868 konnte diese Vermutung dann spektroskopisch bestätigt werden. Dank dieser Finsternis wurde auch das Element Helium auf der Sonne entdeckt, bevor man es 14 Jahre später im irdischen Lavagestein des Vesuvs fand.

Der geballte wissenschaftliche Erkenntnisgewinn, den man bei den Sonnenfinsternis-Expeditionen zwischen den Jahren 1860 und 1871 mit Hilfe instrumenteller Beobachtungsverfahren machte, erwies sich für die weitere Sonnen- und Stellarphysik als überaus wertvoll. Die einzigartigen Naturschauspiele halfen, Theorien und Vermutungen zu verifizieren und neue Entdeckungen zu machen. Dieser wissenschaftlich etablierten Vorgehensweise folgend brach man auch ein halbes Jahrhundert später im Jahr 1919 zu einer langen totalen Sonnenfinsternis auf, um herauszufinden, ob die Ablenkung des Sternlichts am Sonnenrand gemäß Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie zutrifft.

„Ich stand, ganz damit beschäftigt, die Schwingungen meines Chronometers zu zählen, um den Moment des völligen Verschwindens der Sonnenscheibe genau zu merken, in tiefstem Schweigen mitten in einer Volksmenge, welche die Straßen, die öffentlichen Plätze und die Fenster der Häuser dicht besetzt hatte, und deren Aufmerksamkeit von dem Schauspiel, das sich ihr darbot, vollständig in Anspruch genommen war. In demselben Augenblick, wo der letzte Strahl verschwand, wurde ich betäubt von einem Ausbruch des Beifallrufens und der Bravos, der sich aus der Mitte dieser ungeheuren Menge erhob. Ein Schauern ergreift meinen Körper, und zitternd richte ich meinen Blick auf die Sonne; ich stehe vor dem entzückendsten Schauspiel, welches man sich denken kann. Sonne und Mond, die beiden gewaltigen Gestirne, hängen einander gegenüber zwischen Himmel und Erde, ein pechschwarzer runder Fleck, umgeben von einer hellleuchtenden Strahlenkrone. Bei diesem Anblick hielt das Staunen mich gefesselt; ich verlor einen großen Teil der kostbaren Minuten und geriet in Gefahr, den Zweck meiner Reise zu vergessen. Ich hatte nach den Beschreibungen, die ich darüber gelesen hatte, wohlerwartet, um die Sonne noch ein gewisses, aber ein schwaches und dämmerhaftes Licht wahrzunehmen; stattdessen sah ich eine helle Strahlenkrone, deren Glanz dicht am Rande der Mondscheibe sehr lebhaft war, dann immer mehr abnahm und in einer Entfernung von ungefähr dem Durchmesser des Mondes verschwand. Nichts Derartiges hatte ich vorher vermutet. Ich hatte mich indessen von meinem Erstaunen bald erholt und legte das Auge nach Wegnahme des dunklen Blendglases wieder ans Fernrohr, als eine neue Überraschung mich erfasste. Die Strahlenkrone, welche die Mondscheibe umgab, war an drei Stellen durch ungeheure purpurne Flammen unterbrochen, deren Durchmesser beinahe 2' betrug. Sie schienen stillzustehen und sahen aus wie die von den Strahlen der untergehenden Sonne beleuchteten Gipfel der schneeigen Alpen. Es war nicht möglich zu unterscheiden, ob diese Flammen Wolken oder Berge waren. Als ich noch damit beschäftigt war, sie näher zu untersuchen, fiel der erste Sonnenstrahl in die dunkle Umgebung hinein; er belebte mit einem Schlage die Natur von neuem, aber mich versetzte er in jene traurige Stimmung, die man empfindet, wenn man den Gegenstand seiner heißen Wünsche in dem Augenblick verschwinden sieht, wo man nahe daran ist, ihn zu erfassen.“

Francis Baily (1774–1844), Entdecker des Perlschnurphänomens, zur Sonnenfinsternis am 8. Juli 1842, die er in Turin beobachtete.

Das nächtliche „Feuerwerk“ nach der Finsternis

Meteorschauer der Perseiden
Die Perseiden erreichen kurz nach der totalen Sonnenfinsternis ihr Maximum.
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NASA/JPL

Unmittelbar nach der totalen Abendsonnenfinsternis am 12. August bietet es sich an, ab 22 oder 23 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit nach den Perseiden (phonetisch: Perseïden) Ausschau zu halten, die jenen Meteorstrom bilden, der alljährlich zwischen dem 17. Juli und 24. August einen Schauer von Sternschnuppen vom Himmel „herabregnen“ lässt. Im Volksmund werden sie auch als die Tränen des Laurentius bezeichnet. Hohe Fallzahlen erreichen sie im Allgemeinen zwischen dem 9. und dem 15. August. Das diesjährige Maximum fällt in die Nacht vom 12. auf den 13. August. Den Vorhersagen zufolge ist in unseren Breiten trotz exzellenter dunkler Neumondnacht bestenfalls mit rund 20 Sternschnuppen pro Stunde zu rechnen.

Die Perseiden selber bestehen aus winzigen Staubteilchen, die vom Kometen 109P/Swift-Tuttle bei dessen Vorbeiflügen an der Sonne abgeströmt sind und sich als längliche, unterschiedlich dichte Staubfilamente entlang seiner Bahn verteilt haben. Einmal im Jahr kreuzt die Erde auf ihrem Weg um die Sonne diesen Bereich, und die Partikel des Kometen dringen mit einer Geschwindigkeit von etwa 60 Kilometern pro Sekunde in die Erdatmosphäre ein, wo die meisten von ihnen in etwa 80 Kilometer Höhe an den Luftmolekülen „zerrieben“ werden und verdampfen. Die Moleküle werden dabei ionisiert, was die typischen hellen, zuweilen farbigen Leuchtspuren erzeugt, die wir als Sternschnuppen bewundern. Da die einzelnen Meteore ihren Ausgangspunkt (Radiant) im Sternbild Perseus zu haben scheinen, spricht man von den Perseiden. Und natürlich sollte man nicht vergessen, sich beim Anblick einer Sternschnuppe nach gutem Brauch etwas zu wünschen, zum Beispiel eine perfekte Sicht auf die nahezu totale Mondfinsternis, die uns hierzulande am 28. August in der Morgendämmerung erwartet.

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