Krisen und Konflikte nehmen weltweit stetig zu, wodurch staatliche wie nicht-staatliche Organisationen verstärkt auf präzise, aktuelle und räumlich differenzierte Informationen angewiesen sind. Die Aufgaben humanitärer Akteure und staatlicher Einrichtungen im Krisenfall sind vielfältig und reichen von der Koordination der Ersthelfer über die Sicherung der Grundbedürfnisse bis hin zum Schutz der Bevölkerung in Bedrohungslagen. Um diese Aufgaben wahrnehmen zu können, müssen entsprechende Informationen bereitgestellt werden.
SOVEREIGN unterstützt die Arbeiten von Behörden und von Hilfsorganisationen im Krisenfall im In- und Ausland durch die bedarfsgerechte Versorgung mit aktuellen Lageinformationen. Wichtige Bestandteile eines Lagebilds sind beispielsweise aktuelle Informationen zu lokalen Schäden an Infrastrukturen aber auch bezüglich sonstiger künstlicher oder durch menschliche Einwirkung verursachter Veränderungen, beispielsweise in Folge von Umsiedlungen, Flucht oder Wiederaufbaumaßnahmen.
Aufbauend auf der Expertise des DLR in der Erdbeobachtung sowie der multimodalen Datenauswertung wird in SOVEREIGN ein mehrskaliger und flexibel anpassbarer Monitoring-Ansatz verfolgt, bei dem Lageinformationen aus verschiedenen Datenquellen einfließen und kombiniert werden. Die resultierende Methodik zum datengetriebenen Monitoring von Veränderungen ist sowohl international einsetzbar als auch auf nationale Bedarfe übertragbar.
Das Institut für Datenwissenschaften trägt zur Entwicklung, Implementierung und Test des Monitoringsystems bei, indem die komplementäre Integration von Lageinformationen aus Webdaten, wie Internetseiten und sozialen Medien, erfolgt. Dabei spielen sowohl offizielle Warnungen und Meldungen als auch Berichte von Privatpersonen eine wesentliche Rolle, um Reaktionszeiten zu verkürzen und Beiträge verschiedener Akteure in einem gemeinsamen Lagebild verfügbar zu machen.
Der Mehrwert der Informationen im Zusammenspiel mit Erdbeobachtungsdaten wird im Rahmen von zwei Szenarien untersucht:
die gezielte Erhebung und Auswertung von Lageinformationen hinsichtlich bereits bekannter Ereignisse als Grundlage zur Kombination und Anreicherung bestehender satellitenbasierter Produkte, sowie
das kontinuierliche Monitoring zur Erkennung von kritischen Ereignissen und betroffenen Regionen in Webdaten als Grundlage für weitere räumliche Analysen basierend auf Erdbeobachtungsdaten.
Der Grundstein für den Wissensaustausch zwischen DLR und den humanitären und staatlichen Akteuren wird über eine Bedarfsanalyse zu Beginn des Projekts gelegt und die Entwicklungen werden im Verlauf des Projekts regelmäßig mit den Nutzern diskutiert. Die Daten und Ergebnisse aus SOVEREIGN werden bedarfsorientiert bereitgestellt , indem sie mit externen Datenquellen kombiniert, dynamisch visualisiert und über weitere Schnittstellen bereitgestellt werden.
Die Ergebnisse von SOVEREIGN tragen dazu bei dabei, in akuten Krisenlagen Handlungsoptionen aufzuzeigen, die Auswirkungen von Bedrohungen schnell zu erkennen und die erforderlichen Maßnahmen zur Krisenbewältigung zielgerichtet umzusetzen. Dabei berücksichtigt das Projekt die sich ständig verändernde Weltlage und passt seine Prozesse kontinuierlich an, um den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen gerecht zu werden. SOVEREIGN stellt somit nicht nur einen Teil der Antwort auf die gegenwärtigen Herausforderungen dar, sondern entwickelt auch eine zukunftsfähige Infrastruktur zur globalen Krisenbewältigung.