An der Seite einer Astronautin – Fliegerärztin Bimba Hoyer
| RaumfahrtZwischen Erde und Orbit
An der Seite einer Astronautin – Fliegerärztin Bimba Hoyer
Fliegerärztin Prof. Bimba Franziska Hoyer
Prof. Bimba Franziska Hoyer begleitet aktuell als Fliegerärztin des DLR und der ESA die französische Astronautin Sophie Adenot während ihrer εpsilon-Mission auf der Internationalen Raumstation ISS.
Wenn Astronautinnen und Astronauten zur Internationalen Raumstation ISS aufbrechen, sind sie zwar physisch weit von der Erde entfernt – medizinisch werden sie aber sehr eng betreut. Prof. Bimba Franziska Hoyer begleitet aktuell als Fliegerärztin des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) die französische Astronautin Sophie Adenot während ihrer εpsilon-Mission auf der ISS. Die Aufgabe der Fliegerärztin geht dabei weit über das hinaus, was man klassisch mit „Flugmedizin“ verbindet.
Astronautin Sophie Adenot vor dem Start zur Internationalen Raumstation ISS
ESA-Astronautin Sophie Adenot beim sogenannten„Walkout“ am 13. Februar 2026 im Kennedy Space Center der US-amerikanischen Luft- und Raumfahrtbehörde NASA in Florida. Das Bild wurde vor dem Start zur Internationalen Raumstation aufgenommen.
Credit:
ESA - S. Corvaja
Vertrauen als Grundlage der medizinischen Betreuung
„Sophie fühlt sich im All wie ein Fisch im Wasser“, erzählt Hoyer. Das hat natürlich auch mit der intensiven Vorbereitung zu tun, die auch die Arbeit zwischen Flight Surgeon (engl. für Fliegerarzt) und Astronautin betrifft. Schon lange vor dem Start hat der Aufbau von Vertrauen zwischen der Astronautin und der Ärztin begonnen. Anders als im Krankenhaus, wo oft eine gewisse professionelle Distanz herrscht, ist die Beziehung hier deutlich persönlicher. „Es ist eher vergleichbar mit einer Mannschaftsärztin im Spitzensport“, sagt Hoyer. Denn im All gibt es keine zweite Meinung im Nebenzimmer – medizinische Entscheidungen müssen schnell getroffen werden und sie können Auswirkungen auf die gesamte Mission haben. Hoyer versteht ihre Rolle deshalb auch als eine Art „Crew Health Advocate“, also als Anwältin der Astronautin, die nicht nur medizinische Daten im Blick hat, sondern das gesamte Wohlbefinden und die Mission als Ganzes.
Der medizinische Alltag auf der Raumstation ist dabei erstaunlich vielseitig. Regelmäßig werden Gesundheitschecks durchgeführt, oft von den Crewmitgliedern gegenseitig und unter Anleitung von der Erde. Dazu gehören einfache Dinge wie Puls- und Blutdruckmessungen, aber auch komplexere Untersuchungen wie Ultraschall oder Herz-Kreislauf-Tests. Gleichzeitig führen die Astronautinnen und Astronauten wissenschaftliche Experimente am eigenen Körper durch. Damit das alles funktioniert, werden sie intensiv vorbereitet: Sie lernen unter anderem, Blut abzunehmen, Ultraschallgeräte zu bedienen oder führen im Notfall kleinere medizinische Eingriffe durch. Gerade in den ersten Tagen im All kann es außerdem zu Übelkeit oder Kreislaufproblemen kommen – auch dafür sind sie gewappnet.
Die εpsilon-Mission der ESA-Astronautin Sophie Adenot begann offiziell am 14. Februar 2026, nachdem sie mit den anderen Besatzungsmitgliedern, der NASA-Astronautin Jessica Meir, dem NASA-Astronauten Jack Hathaway und dem Roskosmos-Kosmonauten Andrei Fedyayev, an Bord einer SpaceX Dragon Freedom-Kapsel an die ISS andockte. Die vierköpfige Crew startet am 13. Februar 2026 um 11.15 Uhr (Mitteleuropäischer Zeit) mit einer Falcon 9 Rakete vom Kennedy Space Center der NASA in Florida. Sie umkreisten anschließend etwa 34 Stunden lang die Erde, bis sie die Raumstation eingeholt hatten. Die Mitglieder bereiteten sich in dieser Zeit auf das Andocken vor. Sophie Adenot und Jack Hathaway, erfahrene Testpilotin und Testpilot, flogen zum ersten Mal ins All und nutzten diese Zeit, um sich mit dem Leben und Arbeiten in der Schwerelosigkeit vertraut zu machen. Das Missionsende ist für September 2026 geplant.
Verantwortung rund um die Uhr
Für Hoyer bedeutet die Mission vor allem eines: Verantwortung rund um die Uhr. In den ersten fünf Monaten von Mission „εpsilon“ ist sie jederzeit Ansprechpartnerin für Adenot, mit regelmäßigen Gesprächen und zusätzlichem Austausch bei Bedarf. Kleinere Beschwerden können direkt geklärt werden, bei größeren Fragestellungen wird international abgestimmt. Denn die medizinische Betreuung der Raumstation ist Teamarbeit über Kontinente hinweg: Einmal pro Woche kommen die Ärztinnen und Ärzte aller beteiligten Raumfahrtagenturen zusammen, besprechen jede einzelne Person an Bord und entscheiden gemeinsam, ob aus medizinischer Sicht, die Mission fortgesetzt werden kann.
Herausforderungen der Langzeitmission
Eine längere Mission wie die von Sophie Adenot bringt zusätzliche Herausforderungen mit sich. Der Körper verändert sich in der Schwerelosigkeit, so können die Sehfähigkeit oder das Herz-Kreislauf-System beeinträchtigt sein, und diese Veränderungen müssen genau beobachtet werden. Gleichzeitig bleibt Bewegung ein zentraler Bestandteil des Alltags – mehrere Stunden Training pro Tag helfen, die negativen, körperlichen Auswirkungen der Schwerelosigkeit so gering wie möglich zu halten.
Rückkehr zur Erde: Medizinische Nachsorge im :envihab
Besonders sensibel ist schließlich die Rückkehr zur Erde. Nach Monaten in der Schwerelosigkeit muss sich der Körper erst wieder an die Schwerkraft gewöhnen. Adenot wird deshalb zunächst im luft- und raumfahrtmedizinischen Labor :envihab in Köln betreut, in der Hoyer und ihr Team sie eng begleiten. Auch hier zeigt sich, wie persönlich diese besondere Arzt-Patientin-Beziehung ist: Die medizinische Betreuung endet nicht mit der Landung, sondern setzt sich nahtlos fort.
Für Bimba Hoyer ist ihre Arbeit eine Mischung aus Medizin, Forschung und eine „berufliche Freundschaft“ – und genau das macht sie so besonders. Denn letztlich geht es nicht nur darum, Daten zu überwachen, sondern einen Menschen durch eine der außergewöhnlichsten Erfahrungen überhaupt zu begleiten.