28. November 2016

Die TIDEx-Kampagne am Darwin-Gletscher: Teil 5 – Auf Darwin

5. - 28. November 2016

Seit dem 5. November sind wir auf dem Darwin-Gletscher unterwegs. Wie ich in meinem letzten Blog erwähnte, leben wir hier in einer internetfreien Zone. Die Kommunikation mit Scott Base läuft nur über VHF-Funk und Satellitentelefon. Wir versuchen, kurze Textnachrichten zu schicken, die von unserem Aufenthalt berichten. Aktuelle Bilder werden deshalb bis zum Ende unserer Arbeiten auf dem Gletscher am 28. November fehlen. Sobald ich wieder auf Scott Base zurück bin, werde ich sie in den Blog an den entsprechenden Stellen einbauen; wer im Blog nach diesem Datum liest sieht uns bei unserer Arbeit am Darwin-Gletscher „live“. Dann haben die Leser auch einen visuellen Eindruck davon, wie es uns dort draußen ergangen ist.

Ganz ohne Bilder geht es aber in der Zeit unseres Darwin-Aufenthalts doch nicht. Mein Mitstreiter im Team, Christian Wild, führt ebenfalls einen Blog (siehe Link), den er gelegentlich mit Aufnahmen früherer Unternehmungen garniert. Daraus kann ich mich bei Bedarf bedienen. Später werden die meisten dann durch meine aktuellen TIDEx-Aufnahmen ersetzt.

Kurz zur Erinnerung, was wir hier auf dem Gletscher untersuchen wollen: Die Gletscher der Antarktis und ihre Verlängerungen aufs Meer hinaus, die Eisschelfe, können sich unterschiedlich verhalten. Manche zeigen sich relativ stabil, andere scheinen in einer sich erwärmenden Umgebung deutlich an Masse zu verlieren, wobei sich die Fließgeschwindigkeit der Gletscher signifikant erhöht. An der Aufsetzzone findet sich der Übergang von den Gletschern zu den Eisschelfen. Die vor Ort-Messungen genau an dieser Stelle sollen uns helfen, detaillierte Einblicke in die Wechselwirkung beider Eismassen zu bekommen, was mir letztendlich auch bei meiner Hauptbeschäftigung, nämlich der Interpretation von Satellitendaten, zu Gute kommt.

Das bin ich am Darwin-Gletscher, im Hintergrund die Cranefield Icefalls
(die ebenfalls im Hintergrund des nächsten Fotos zu sehen sind).
Der Darwin-Gletscher, aufgenommen bei einer Kampagne im Jahr 2008.
Das Foto entstand vom Roadend Nunatak aus (siehe USGS-Karte des 1. Teils) etwa 40 km weiter landeinwärts von der Stelle, an der wir unser Camp aufgeschlagen haben
Credit:

Wolfgang Rack, Gateway Antarctica

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Christian Wild beim abendlichen Diktieren des Blogtextes durch Funk nach Scott Base.

28. November 2016

Ruhetag

Unser Rückflug mit der Twin Otter zur Scott Base wurde heute Morgen gestrichen.
Da der wissenschaftliche Teil unseres Aufenthalts erledigt ist, konnten wir bis zur Mittagszeit ausschlafen. Als die Sonne langsam hinter den Wolken hervorlugte, wurde es in unserem Zelt ziemlich warm.
Wir schlafen auf drei Matten mit einer Decke aus Schaffell obenauf. Außerdem haben wir vier ineinander geschachtelte Schlafsäcke: einen äußeren aus Baumwolle, der den Schnee abhält; einen synthetischen mit einem Daunenschlafsack innen drin zum Warmhalten und schließlich ein Fleecefutter zum Schutz vor übel riechenden Wissenschaftlern. Unsere Jacken benutzen wir als Kopfkissen und zum Verstecken der Schokolade darunter.
Es dauert jeden Morgen etwa eine halbe Stunde bis wir uns aus den Schlafsäcken gearbeitet und in unsere Polarkleidung gezwängt haben. Es ist ratsam, seine Stiefel nicht draußen stehen zu lassen da sie sonst gefroren oder mit Schnee gefüllt sind.

Nach getaner Arbeit: Das TIDEx-Team im Ruhemodus.
Einen Tag später ist alles zusammengepackt und wir sind bereit für den Abflug zur Scott Base.

27. November 2016

Der Augenblick der Wahrheit

Wir haben unsere Instrumente so lange wie möglich auf dem Gletscher gelassen. Nachdem wir sie nun in einer 13-stündigen Aktion wieder eingesammelt haben, sind wir zurück im Lager.
Heute Nacht wird sich zeigen, ob die hochempfindlichen Geräte den rauen Bedingungen in der Antarktis standgehalten und die Vorgänge in der Aufsetzzone wie gehofft aufgezeichnet haben.
Dieser Augenblick entscheidet letztendlich über den Erfolg unserer Kampagne. Mit kalten Fingern bedienten wir den Computer und nach kurzer Zeit – die sich für unsere müden Augen deutlich länger anfühlten – konnten wir die ersten vielversprechenden Ergebnisse sehen. Zum Feiern ist es aber noch zu früh, das verschieben wir bis wir zurück auf Scott Base sind.
Morgen früh reisen wir von hier ab. Darauf müssen wir uns jetzt noch vorbereiten.

26. November 2016

Null Einfluss

Die Antarktis beherbergt die letzte unberührte Wildnis der Erde.
Seit den Zeiten der ersten Polarexpeditionen war sie die Bühne zahlreicher Unternehmungen, die viele Helden hervorgebracht haben. Aber die Antarktis ist auch ein unberührter und empfindlicher Lebensraum voll natürlicher Schönheit. Sie beheimatet einzigartige Pflanzen und Tiere; einfache Lebensformen wurden sogar in großen Höhen entdeckt.

Unberührte eisige Wildnis
Credit:

Christians Blog

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Die Gegenwart des Menschen kann das ökologische Gleichgewicht massiv beeinträchtigen. Wir sind deshalb verpflichtet, unser Einwirken auf die Umgebung so gering wie möglich zu halten. Das bedeutet für uns, dass wir entstehenden Müll trennen, Abwasser sammeln und unsere Hinterlassenschaften zurück zur Scott Base bringen, wo sie weiter aufbereitet werden.
Wo immer möglich, haben wir unseren Kraftstoffverbraucht minimiert und waren bestrebt, übriggebliebenes Essen nicht wegzuwerfen. Hier am Darwin-Gletscher hinterlassen wir nur Fußabdrücke; zurück nach Neuseeland nehmen wir nur Fotos.
Kurzer Hinweis: Bisher haben wir mehr als 160 l unserer flüssigen Ausscheidungen gesammelt!


25. November 2016

Radar Marathon 2

Heute haben wir an den Stellen, die wir schon untersucht hatten, mit der neuerlichen Vermessung der Eisdicken begonnen. Unser Ziel ist, Änderungen zu finden die vom Abschmelzen des Gletschers an seiner Unterseite herrühren.
Gletscher schmelzen manchmal an der Oberfläche. Bei den Gletschern in der Antarktis, die auf Wasser schwimmen, tritt der Effekt aber hauptsächlich an der Basis auf, bedingt durch das warme Wasser des Ozeans.
Wir wissen wenig über die Abschmelzraten dort unten, da sie von der Oberfläche aus schwer zu bestimmen sind. So weit weg vom offenen Ozean, wo wir uns aufhalten, erwarten wir keine hohen Raten. Unsere hochmodernen Instrumente können auch die kleinsten Änderungen innerhalb kurzer Zeiträume registrieren.
Vielleicht werden sich unsere Vorstellungen als falsch erweisen?
Kurzer Hinweis: In Teilen der Westantarktis kann die Abschmelzrate an der Basis des Gletschers mehr als 20 m pro Jahr betragen.
Wow!

24. November 2016

Anstieg des Meeresspiegels

Das Verhalten des antarktischen Eisschildes lässt Aussagen über den Anstieg des Meeresspiegels zu.
Momentan steigen die Meereshöhen jährlich um etwa 3-4 mm an. Gegen Ende des Jahrhunderts erwarten wir eine Zunahme dieser Rate.
Das erhöht die Wahrscheinlichkeit von Überschwemmungen in küstennahen Regionen, dort, wo wir unsere Häuser bauen und unsere Städte planen. Etwa 65% der Neuseeländer, die nur 5 km von der Küste entfernt leben, wären davon betroffen. In Entwicklungsländern sind die Zerstörung von küstennahen Lebensgemeinschaften und daraus resultierende Wanderungsbewegungen die Folge.
Unsere Arbeiten am Rande des antarktischen Eisschildes tragen dazu bei, die vom Abschmelzen des polaren Eises weltweit verursachten Veränderungen besser zu verstehen.


23. November 2016

Höher hinauf

Heute arbeiten wir oberhalb der Aufsetzzone.
Von dort können wir den Darwin-Gletscher überblicken und uns am Anblick dieses entlegenen Teils unseres Heimatplaneten erfreuen. Die spektakuläre Szenerie ruft uns wieder Erinnerung was es für ein Privileg ist, hier in der Antarktis forschen zu können.
Der blaue Himmel und die angenehmen Temperaturen sind gar so anders als der Blizzard, der uns zunächst nach unserer Ankunft  zugesetzt hat.

Blick auf Darwin-Gletscher Richtung Südosten.


22. November 2016

Eisträume

Wir sind jetzt vier Wochen in der Antarktis und wir beginnen, uns bestimmte Sachen vorzustellen.
Olli träumt davon, auf einer grünen Wiese zu sitzen und vermisst ein Lammkotelett mit Minzsauce. Dana freut sich schon auf die kommende Skisaison in den Europäischen Alpen, nachdem sie so viele Kilometer mit dem Schlitten über den holprigen Darwin-Gletscher gefahren ist. Ekki würde gerne wieder die Sonne untergehen sehen.
Da es soweit südlich kein Tierleben gibt, vermisse ich meinen kleinen Papagei Kia. Er weckt mich jeden Morgen mit seinem Gepiepse auf.

21. November 2016

Es wird langsam heiß

Während der letzten beiden Wochen lagen die Temperaturen tagsüber um -10° bis -15°. Wenngleich wir uns jeden Tag an 24 Stunden Sonnenschein erfreuen können, müssen wir sogar nachts Sonnencreme auftragen.
Zum Zeitpunkt der Sommersonnenwende am 21. Dezember scheint die Sonne an jedem Ort innerhalb des antarktischen Polarkreises (südlich von 66° S) den ganzen Tag.
Es gibt Orte, wo durch die Sonneneinstrahlung das Eis an der Oberfläche schmilzt. Das ergibt dann türkisblaue Tümpel und große Kanäle, gefüllt mit Schmelzwasser. Zum Glück – es ist gerade früher Sommer – sind die Tümpel und Fließgewässer auf dem Darwin-Gletscher noch gefroren, sodass wir uns über sie hinwegbewegen können.
Wir haben aber schon die ersten Anzeichen für das Auftauen der Oberfläche bemerkt. Wir müssen deshalb unsere Messungen fertig bekommen bevor es hier zu heiß wird!

Wie ein Gemälde: Erste Schmelzwasser an der Eisoberfläche kündigen den nahen australischen Sommer an.

20. November 2016

Eisfelsen

Beim Herumfahren mit unseren Skidoos sind wir heute auf aufgereihte Felsbrocken gestoßen.
Der Darwin-Gletscher sah aus wie ein mächtiger gefrorener Strom. Ähnlich wie bei fließendem Wasser in Flüssen bewegt sich das Gletschereis durch sein eigenes Gewicht in Richtung des Gefälles. Dort wo zwei Gletscher zusammentreffen finden sich an ihrer Oberfläche in Reihen angeordnete Felsbrocken.
Wir können die Bewegung dieser “Landmarken“ verfolgen und so die Geschwindigkeit des Gletschers bestimmen.
Da das Eis Richtung Ozean fließt, werden die Felsbrocken auf seiner Oberfläche schließlich draußen auf dem Ross-Schelfeis unter Schnee begraben. Wenn sie den Rand des Schelfeises erreicht haben, verfrachtet sie vielleicht ein Eisberg weit weg von der Antarktis.

Aufgereihte Felsen auf dem Darwin-Gletscher.

19. November 2016

Springtide

Jetzt ist die Zeit der Springtide am Darwin-Gletscher. Das markiert die Halbzeit unseres Aufenthalts auf dem Eis.
Heute beträgt der Unterschied zwischen Ebbe und Flut 1.2 m was zur Folge hat, dass die Effekte, die uns interessieren, am stärksten ausgeprägt sind. Unsere aufgestellten Instrumente sind in dieser Phase gut ausgelastet. Wir nutzen die Zeit, um unsere Eisdickebestimmungen zu vervollständigen. 
Wenn wir uns in den Zelten aufhalten, hören wir ständig den herumwirbelnden Schnee, nur unterbrochen durch das Knarzen des sich biegenden Eises.
Oder es ist doch nur Zeit für das Abendessen und mein Magen knurrt!

Messungen der Eisdicke mit unserem hochgenauen Radar.

18. November 2016

Warum ist der Gletscher blau?

In der Umgebung unseres Camps besteht der Gletscher aus bloßem Eis.
Es schneit sehr selten und jede einzelne Schneeflocke auf dem Eis wird durch den Wind, der vom Gletscher bläst, auf das Schelfeis hinausgeweht. In der letzten Woche haben wir Windgeschwindigkeiten von bis zu 45 Knoten (= annähernd 85 km/h) erlebt. Die Temperatur sank dabei auf -20°. Das ist nicht nur kalt, das ist eiskalt. Wenn man die Luft einatmet, frieren sofort die Nasenlöcher zu.
Dieses Gefühl der Frische lässt sogar vergessen, dass wir seit fast zwei Wochen unsere Kleidung nicht gewechselt haben. Igitt!

Ein See aus Eis in der Nähe unseres Lagers.

17. November 2016

Radar Marathon

Puh! Wir kommen gerade von einer 12-Stunden Schicht zur Messung von Eisdicken zurück. Warum sind solche Messungen wirklich nötig?
Die Spitze eines Eisbergs zeigt nur 10% seiner gesamten Dicke. Das heißt, ein Eisberg, der 10 m über die Wasseroberfläche aufragt, misst 90 m darunter.
Wir können dieses Prinzip auf treibendes Schelfeis anwenden und aus seiner Höhe auf die Mächtigkeit des Schelfs schließen. Wir befinden uns jedoch über der Aufsetzzone, dort, wo der Darwin-Gletscher in das Eisschelf übergeht. Hier findet sich kein frei treibendes Eis und wir können das einfache Eisbergprinzip nicht anwenden.
Darum nutzen wir unseren rustikalen Holzschlitten für einen Ausflug und messen die Eisdicke mit Radar. Das dauert und die Oberfläche des Eises ist wirklich sehr uneben.

Schlittenfahren mit Skidoo. Im Hintergrund ein Eisfall Richtung Gawn Ice Piedmont

15. November 2016

Gutes Essen, gute Stimmung

Antarktische Küche
Credit:

Christians Blog

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Der erste, der morgens aufsteht macht das Frühstück für die Gruppe.
Die erste richtige Mahlzeit heißt, dass man Eis und Schnee mit einer Schaufel zerkleinert und in einem großen Topf schmilzt. Wenn dann die anderen aufwachen ist heißes Wasser für eine gute Tasse Tee fertig.
Um den Tag richtig beginnen zu lassen, essen wir Speck und Hash Browns oder wir wärmen auf, was vom Vortag übrig geblieben ist. Wenn wir außerhalb des Lagers unterwegs sind ergeben Cracker, Käse, Salami und Thunfisch ein gutes Mittagessen.
Abendessen gibt es um 22 Uhr. Es besteht gewöhnlich aus in der Pfanne kurz angebratenem Fleisch mit tiefgekühlten Bohnen und Reis. Schokolade haben wir immer in unseren Taschen; sie hilft uns warm zu halten. Wenn man sie tagsüber nicht aufgegessen hat, empfiehlt es sich, sie nachts neben seinen Schlafsack zu legen.
Der antarktische Speisezettel ist großartig!

14. November 2016

Sich biegendes Eis

Der Darwin-Gletscher fließt in das viel größere Ross-Schelfeis.
Über der Zone, in der das auf dem Land aufliegende Eis das Meer erreicht und zu schwimmen beginnt, ändern sich die Gezeiten und das Eis.
Heute haben wir sieben hochempfindliche Tiltmeter (= Neigungsmesser) über der Aufsetzzone verteilt aufgestellt. Sie sollen die Biegung des Eises infolge der Gezeiten messen.
Damit können wir später, wenn wir wieder zurück in unseren Instituten sind, die von Satelliten aufgenommenen Daten kalibrieren. Mit unseren Neigungsmessern können wir die Durchbiegung auf 1/1000 genau bestimmen – heiliger Strohsack!

Einer von 8 Tiltmetern im Einsatz am Darwin-Gletscher.

13. November 2016

Niedrig und Hoch

Die Wechselwirkung von Sonne und Mond mit unserem Heimatplaneten ist offensichtlich.
Im Ross-Meer wiederholt sich der Zyklus von Ebbe und Flut mit einer Periode von 14 Tagen. Man kann das mit Gezeitenmodellen simulieren.
Gestern haben wir eine GPS-Station im driftenden Teil des Schelfeises aufgestellt. Damit messen wir millimetergenau die Gezeitenhöhe. Diese Genauigkeit wird erreicht durch Vergleich mit einer nahen GPS-Basisstation, die auf Fels installiert ist. Notfalls ist auch noch etwas Interpretation der Daten nötig.
Wir wollen einen vollständigen Gezeitenzyklus – von Nipp- zu Spring- und wieder zu Nipptide* – messen. Heute war der Anfang.

Erläuterung:
* Bei einer Nipptide bilden Sonne, Erde und Mond einen rechten Winkel (Halbmond). Dadurch entstehen Gezeiten, deren Flut geringer ausfällt während bei Ebbe das Wasser höher steht als gewöhnlich. Bei einer Springtide stehen Sonne, Erde und Mond auf einer Linie (Voll- oder Neumond). Damit werden die Wasserstände bei Flut höher und bei Ebbe niedriger als sonst.

Aufstellen der GPS-Basisstation

12. November 2016

Wieder in der Spur

Sonnenschein, herrliches Wetter.
Ein morgendlicher Anruf von Scott Base teilt uns mit, dass ein Geschwader von Twin Otters unterwegs ist und uns in einer Stunde erreichen wird. Kurze Zeit später hören wir am Horizont das Brummen des Flugzeugs.
Nach der Landung jonglieren die beiden Piloten George und Alex all unsere Ladung mit bloßer Muskelkraft aufs Eis.
Nachdem wir uns an unseren Hash Browns gütlich getan hatten, verließen wir erstmals unser Lager um unsere Geräte im Gelände zu installieren.

Nach 6 Tagen des Wartens landet endlich die Twin Otter auf „unserem“ Gletscher und bringt uns den Rest der Ausrüstung.

10. November 2016

Cargo Embargo

Kann ein Polarforscher gleich mit seiner antarktischen Forschungsarbeit beginnen oder steht am Anfang erst eine riesige logistische Herausforderung?
Für unsere dreiwöchige Expedition brauchen wir überlebensnotwendige Ausrüstung, 500 kg an wissenschaftlichen Geräten, 200 kg Nahrungsmittel, 3 Skidoos, einen Schlitten und 600 l Treibstoff. Das ergibt zusammen eine Ladung von ungefähr 3 t, die in vier Twin Otter-Flügen von Scott Base zu unserem Lager am Darwin-Gletscher transportiert werden muss.
Es bedarf der gemeinsamen Anstrengung vieler Personen und der Scott Base, damit das alles funktioniert. Aber ganz wichtig ist auch, dass sich das Wetter kooperativ verhält!
Der starke Wind verhindert momentan, dass unsere Ausrüstung hier ankommt und fesselt uns an unseren Lagerplatz. Drückt uns für morgen die Daumen.

Laden unserer Ausrüstung auf dem Williams-Landeplatz vor unserem Abflug Richtung Darwin-Gletscher.

9. November 2016

Sitzen wir auf dünnem Eis?

In der Antarktis können wir unterschiedliche Arten von Eis finden.
Meereis besteht aus gefrorenem Ozeanwasser und ist nur einige Meter dick. Inlandeis entsteht durch das Zusammenpressen von übereinander liegendem Schnee und kann Dicken von bis zu 4 km erreichen.
Wir sitzen jedoch auf dem Ross-Schelfeis. Es treibt ebenfalls auf dem Ozean, bildet sich aber aus Inlandeis, das aus dem Transantarktischen Gebirge fließt und dann an der Küste den Kontakt mit dem Land verliert.
Unser Basislager befindet sich bei 79° 52.50‘ Süd, 159° 45.08‘ Ost. Heute bestimmten wir die Eisdicke mit Hilfe eines neuen Radarsystems: 733 m dick, wir bekommen sicher keine nassen Füße.

Blick Richtung Ross-Schelfeis nach dem Sturm.
Die Landschaft ist von Sastrugi geprägt. Der starke Wind hat den weichen Schnee weggeweht. Übrig bleiben stromlinienförmige Rillen und Erhebungen aus hartem Schnee, die sogenannten „Sastrugi“.

8. November 2016

Isoliert im Eis

Die letzten beiden Tage haben wir in unseren kleinen gelben Zelten verbracht. Katabatische Winde* mit Geschwindigkeiten von 35 Knoten**, stellenweise mit Böen bis zu 45 Knoten**, lassen Schneewehen um unser Camp entstehen. Der Wind hat unsere „Große Mauer“ bereits abgetragen!
Uns sind einige kreative Rezepte eingefallen, was wir aus unseren dehydrierten Rationen und dem Dosenessen gestalten können. Durch die Auszeit konnten wir uns mit unseren Büchern beschäftigen.
Wir sind alle auf Ekkis Fähigkeit neidisch, zu jeder Tageszeit schlafen zu können.

Erläuterung:
* Katabatische Winde sind kalte Fallwinde. In Polarregionen wehen sie von den kalten Eisflächen im Inland, z.B. Gletschern, Richtung Küste.
** 35 Knoten entspricht 65 km/h, 45 Knoten fast 85 km/h.

Kadabatische Winde haben unser Camp im Griff

6. November 2016

Die Große Mauer der Antarktis

Jeder im Team ist wohlauf und wir haben die erste Nacht gut überstanden. Wir wachten bei einer frischen Brise und angenehmen -12°C auf.
Während des Tages sicherten wir unser Lager gegen den Wind, der vom Gletscher blies.
Die Zelte verankerten wir im Gletschereis und schützen sie durch eine hohe Wand aus angewehtem Schnee. Als wir unser Eisschloss endlich fertig hatten, flaute der Wind ab.
Unser Open Air-Toilette sieht wie ein hoher Thron aus, von dem man über ein Reich aus Eis und Schnee blickt.

In Erwartung des Sturms errichten wir Schneemauern.

5. November 2016

Trautes Heim Darwin-Gletscher

Wir befürchteten schon, dass sich unser Flug verspäten würde. Aber um 11 Uhr bekam Oli die letzte Aufforderung, dass es um 12 Uhr losgehen würde.
Eine Stunde später saßen wir in der Twin Otter auf dem Weg zum Darwin-Gletscher.
Unser Flug führte uns über Black Island und die Hänge des Mount Discovery, danach die beeindruckenden Gletscher Skelton und Mulock.
Die Wetterbedingungen während des Fluges waren ideal, nur über den Auslassgletschern kam es zu Turbulenzen.
Wir landeten sicher auf dem Eis und bauten unser Camp auf.
Es sieht danach aus, dass wir für unsere Neigungsmesser einen guten Platz gefunden haben!!!

Flug über den Mulock-Gletscher mit Transantarktischem Gebirge im Hintergrund.