17. Dezember 2025 | Neuer EU-Bericht

KI im europäischen Krisenmanagement

Prof. Tina Comes bei der Vorstellung der Studie in Brüssel.
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Lionel Dutrieux

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  • Ein internationales Expertengremium unter Leitung von Prof. Tina Comes hat der Europäischen Kommission einen neuen Bericht vorgelegt.
  • Darin geht es um den Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Notfall- und Krisenmanagement.
  • Der Bericht zeigt großes Potenzial für schnellere Analysen und bessere Entscheidungsunterstützung.
  • Zugleich warnt er vor ethischen Risiken und einer fragmentierten europäischen Datenlandschaft.

Eine Gruppe renommierter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hat einen wegweisenden Bericht zur Rolle von Künstlicher Intelligenz (KI) im Notfall- und Krisenmanagement an die Europäische Kommission übergeben. Unter der Leitung von Prof. Tina Comes, Co-Direktorin des DLR-Instituts für den Schutz terrestrischer Infrastrukturen und Vorsitzende der SAPEA-Arbeitsgruppe, wurde die Studie Maciej Popowski, dem Directorate-General for European Civil Protection and Humanitarian Aid Operations (DG ECHO) vorgelegt. Die Expertengruppe war im Rahmen des EU Scientific Advice Mechanism von den europäischen Wissenschaftsakademien nominiert worden und lieferte unabhängige wissenschaftliche Evidenz sowie konkrete Handlungsoptionen für die europäische Politik.

Der Bericht hebt das große Potenzial von KI hervor, das europäische Krisenmanagement zu stärken – insbesondere bei wiederkehrenden Naturereignissen wie Überschwemmungen, Waldbränden, Hitzewellen oder Dürren. KI-Systeme können Monitoring-Aufgaben in großem Maßstab übernehmen, soziale Medien auswerten und Schäden deutlich schneller analysieren, als es menschlichen Teams möglich wäre. Gerade bei datenintensiven und standardisierten Aufgaben zeige sich ein klarer Mehrwert für Frühwarnsysteme, Lagebilder und zur Entscheidungsunterstützung.

Gleichzeitig mahnen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu einem verantwortungsvollen Einsatz der Technologie. KI müsse konsequent menschenzentriert gestaltet werden, transparent funktionieren und europäischen Sicherheits- und Ethikstandards entsprechen. Für moralisch anspruchsvolle Entscheidungen oder den Umgang mit neuartigen, schwer einzuordnenden Krisensituationen sei KI nur begrenzt geeignet – hier müsse die Kontrolle klar beim Menschen bleiben.

Ein zentrales Problem sieht der Bericht in der fragmentierten europäischen Datenlandschaft. „Krisen überschreiten Grenzen, doch Daten werden national verwaltet, was zu unterschiedlichen Standards führt. Dies kann zu einer Fragmentierung der Datenlandschaft führen, die KI gerade im Krisenfall nicht ohne Weiteres überbrücken kann“, erklärt Prof. Tina Comes. Investitionen in eine europäische „Data Preparedness“ seien daher entscheidend, um KI-gestützte Entscheidungsunterstützung auf EU-Ebene wirksam zu machen und zugleich die europäische technologische Autonomie zu stärken.

Konkret empfiehlt das Gremium die Entwicklung eines europäischen Rahmens für Datenvorbereitung im Krisenmanagement, ergänzt durch harmonisierte Standards, gemeinsame Benchmarks, Leitlinien, Codes of Conduct sowie sogenannte Sandbox-Umgebungen. In diesen könnten KI-Systeme getestet werden, bevor sie im Ernstfall breit eingesetzt werden. Die Akademien rufen die Europäische Kommission dazu auf, KI im Krisenmanagement mit Augenmaß einzusetzen – als leistungsfähiges Werkzeug, aber nicht als Ersatz für menschliche Verantwortung.

Weiterführende Informationen:

Kontakt

Prof. Dr. Tina Comes

Co-Institutsleiterin
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
Institut für den Schutz terrestrischer Infrastrukturen
Rathausallee 12, 53757 Sankt Augustin