PreKris

Shutterstock / Heiko Kueverling
Zeitraum: 2026–2029
In Krisen müssen Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) gefährdete Gebiete schnell evakuieren und die Notfallversorgung der Bevölkerung sicherstellen. Dazu sind die Einsatzkräfte jedoch auf funktionierende Kritischer Infrastrukturen (KRITIS) angewiesen, etwa Energie- und Wasserversorgung oder Transport.
Treffen schwere Naturkatastrophen wie Starkregen oder Hochwasser eine Region, drohen aber weiträumige Ausfälle. Wenn beispielsweise das Stromnetz ausfällt oder Hauptverkehrsachsen überflutet werden, stehen die Behörden und Organisationen vor der Herausforderung, dass genau in dem Moment, in dem der Bedarf an Hilfe drastisch steigt, ihre eigenen logistischen Ressourcen und Prozesse durch den Wegfall wichtiger Infrastrukturen massiv beeinträchtigt werden.
Dieses Problem wird durch sogenannte kaskadierende Störungen, also Dominoeffekte, weiter verschärft: Fällt eine Infrastruktur aus, brechen in Folge oft weitere Bereiche zusammen.
Hier setzt das Forschungsprojekt PreKris an. Ziel des Projekts ist es, Einsatzkräfte besser auf solche Krisen vorzubereiten: Gemeinsam mit dem Praxispartner Feuerwehr Gelsenkirchen untersuchen wir die bestehenden Prozesse der Krisenlogistik detailliert, erkennen Schwachstellen und entwickeln darauf aufbauend praxistaugliche Handlungsempfehlungen und Richtlinien, um die Versorgungs- und Evakuierungsprozesse krisenfest zu gestalten.
Das zentrale Werkzeug dabei ist das PreKris-Tool. Mit dem interaktiven, benutzerfreundlichen Programm können Einsatzleitungen verschiedene „Was-wäre-wenn“-Szenarien virtuell durchspielen. So lässt sich im Voraus testen, wie sich Störungen auf den Einsatz auswirken und welche Gegenmaßnahmen am besten helfen. Ergänzend erarbeiten wir im Rahmen des Projekts ein modulares Schulungs- und Trainingskonzept, damit das gewonnene Wissen direkt in der Praxis ankommt.
Unser Institut entwickelt und evaluiert in PreKris sogenannte Service-Abhängigkeitsmodelle (SAM). Zusammen mit der Feuerwehr Gelsenkirchen erfassen wir die Abhängigkeiten der Kernprozesse „Evakuierung“ und „Notfallversorgung“ von KRITIS-Sektoren wie Verkehr, Energie und Wasser. Die Modelle bilden Kaskadeneffekte auf die Leistungsfähigkeit der Rettungskräfte quantitativ ab. Mithilfe von Simulationen untersuchen wir schließlich die Störungsanfälligkeit der Logistikketten sowie die Wirksamkeit erarbeiteter Prozessoptimierungen.
Das Institut für den Schutz terrestrischer Infrastrukturen leitet und koordiniert das Gesamtprojekt. Zwei weitere DLR-Institute bringen spezialisierte Fachkompetenzen in das Vorhaben ein: Das Institut für Verkehrsforschung entwickelt eine agentenbasierte Verkehrsnachfragemodellierung. Das Institut für Softwaretechnologie entwickelt eine High-Performance-Computing Simulationsumgebung. Zum Konsortium gehören zudem die Bergische Universität Wuppertal, die Universität zu Lübeck, die Feuerwehr Gelsenkirchen, die Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes (vfdb e.V.) sowie die 3-core GmbH an, unterstützt von zahlreichen assoziierten Praxisorganisationen (u. a. THW, DRK, DKKV).
Das Vorhaben wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Rahmen des Programms „Forschung für die zivile Sicherheit“ unter der Bekanntmachung „Sektorübergreifende Maßnahmen resilienter Versorgung“ gefördert.
Projekt | PreKris |
|---|---|
Laufzeit | 2026–2029 |
Ziel | Resiliente Krisenlogistik durch Schwachstellenanalysen, Kaskadeneffekt-Simulationen und ein interaktives Szenarien-Tool |
Kontakt
Dr.-Ing. Daniel Lichte